F95 vs 1860 1:1 – Lumpis trauriger Abschied

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Eigentlich sollte Fußball spannend sein. Der Zuschauer hat eine Erwartung, einen Wunsch, eine Hoffnung und schut gespannt zu, ob sich seine Erwartung, Hoffnung oder sein Wunsch erfüllt. Manchmal entsteht der Wunsch, der zur Spannung wird, erst während des Spiels. Und ganz manchmal sogar, wenn der Zuschuer emotional eigentlich nicht beteiligt ist. Heute hatten die Fortuna-Freunde nur geringfügige Erwartungen, kaum Hoffnung und waren wunschlos glücklich. Während des Spiels entstand vor allem der Wunsch, es möge vorübergehen. Das ist das Ergebnis der Trümmerhaufenpolitik des Herrn Schulte, der sich bitte noch vor Beginn der kommenden Saison vom Acker machen soll, und des emotionslosen Herrn Kall, der ebenfalls einem richtigen Fortunen Platz machen möge.

Es ist Trainer Aksoy zu verdanken, dass heute schon die Aufstellung das Scheitern der grauen Zwillinge im Vorstand deutlich machte: So erfreulich das Platznehmen von insgesamt sechs Fortuna-Nachwuchsspielern auf Bank und Rasen war, so deutlich beweist es, was dieser Herr Schulte rein handwerklich falsch gemacht hat. Was er auf seine sauerbrötlerländische Art im Verbund mit dem ebenfalls nicht zum Gefühlsausbruch neigenden Vorstandsvorsitzenden angerichtet hat, zeigt sich besonders auf der Südtribüne: Dutzende, wenn nicht Hunderte Plätze von Dauerkartenbesitzern bleiben inzwischen leer. Wo man vor Kurzem noch unanständige Angebote für eine Stehplatzkarte bekam, haben die Fans, die diesen Verein am Kacken gehalten haben, inzwischen was Besseres vor.

Möglicherweise ist aber das Abschaffen der echten Gefühle auch bloß die Vorbereitung für künstlichen Emotionen der Werbewirtschaft, die leichter zu kontrollieren und in bare Münze umzusetzen sind. Leider, leider, leider spielt der Ultras-Block inzwischen genau in derselben Liga wie Schultekall. Oder es handelt sich um ein neues, hochmodernes Konzept: Slow Support. Bloß nicht zu schnell, bloß nicht zu wild, bloß nicht ohne Steuerung durch die Trommler. So lullen eine stark entschleunigte Fan-Gesänge aus alten Zeiten langsam in den Schlaf, aus dem einen nicht mal der Ausgleichstreffer so recht zu reißen vermag. Ihr sehr ergebener Berichterstatter bekam dieses 1:1 durch den Mann, der so gern ML10 wäre, aber bloß ein Liendl ist, nicht mit. Nach einem Rundgang in der Pause, der dem Studium der Menschen gewidmet war, die klaglos den größten Dreck für Geld kaufen und in sich hineinstopfen, traf er ein paar Gute – und da war dann die ergreifende Beerdigung unseres Freundes Bobo das große Thema. Apropos: Zu danken ist der Gruppe „Soul City“, die für ein tolles Gedächtnisbanner zu Ehren von Bobo sorgten.

Bobo, du fehlst, alter Freund...Gespielt wurde auch. Mehr schlecht als recht. Die mit arabischem Geld hochgejazzte Versagertruppe, die gerade dabei ist, den guten Namen der Sechzger zu beschmutzen, kann gar nichts. Sie hat keinen Plan und versteht das Spiel nicht. Dass dieser Absteiger in Führung ging, war mal wieder die Quittung für umgreifende Verantwortungslosigkeit des F95-Teams. Denn jeder im Sechzehner scho die Verantwortung von sich, sodass dieser Adlung völlig frei köpfen konnte. In Hälfte Zwo musste unser Herr Rensing insgesamt FÜNFMAL glänzen, sonst wäre die Partie völlig in die Hose gegangen. Trotzdem war die Aufstellung auch ein Versprechen, zumal der junge Ajani auch noch ins Spiel kam und ziemlich gute Ansätze zeigte – so als Mischung aus Bolly und Bebou. Apropos: Ihlas hatte einen schwer gebrauchten Tag gezogen; ob er deswegen ausgewechselt wurd, ist unklar. Und dass sein angestammter Trainer den Tuggi Erat auf die AV-Position setzte, war mutig und wurde insgesamt nicht belohnt. Zwar machte der Jung-Fortuna seine Sache relativ ordentlich, aber oft wurde er von den Löwenstürmern einfach überlaufen.

Und dann war dann noch die Nummer 17, der Mann, den sie Lumpi nennen, mit knapp 30 Jahren die Fortuna-Legende überhaupt. Der Spieler, der durch vier liegen ging mit seinem Verein. Den sie – und das war nicht allein Entscheidung des Trainers – heute in die Startelf setzten und ihm außerdem die Kapitänsbinde gaben. Über die Woche betrauerten die Fans, dass er die Fortuna verlassen wird, heute wurde er mehrfach während des laufenden Spiels von den Fans gefeiert. Man kann sich jetzt schon freuen, dass Andreas Lambertz nach dem Ende seiner Zeit als Aktiver als Trainer im F95-Nachwuchsbereich einsteigen wird. Mögen ihm noch fünf, sechs, sieben, acht verletzungsfreie Jahre auf dem grünen Rasen für einen möglichst sympathischen Verein beschieden sein. Wir können warten. Eines der meistdiskutierten Themen des Tages unter den Fans war die Frage, ob sein Tor gegen die Scheißbayern schöner oder wichtiger war als der 3:3-Ausgleich gegen den HSV im Pokal. Vergessen wird dabei sein Wundertor beim FC St. Pauli vor ein paar Jahren, eine Art Seitfallzieher weit ab vom Strafraum…

Entspannung scheint auch in Fankreisen das Thema der Stunde zu sein, den böse Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen scheinen nach und nach zu den Akten gelegt werden. Zumal sich die Freunde der dritten Halbzeit zunehmend von den Nazi-Hools distanzieren, die genau das getan haben, was die Jungs ablehnen: Politik ins Stadion zu tragen. Gleichzeitig entspannt sich auch die Lage zwischen den verschiedenen Gruppen, die bis vor Kurzem noch zusammen „die Ultras“ bildeten. Das macht Hoffnung auf die kommenden Saison, und es wird spannend werden, die Entwicklung zu verfolgen.

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