F95 vs Bielefeld 4:0 – Wer ist eigentlich dieser Bebou?

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Okay, die Überschrift haut schon mal hin. Der Chefred, der gestern nicht beim Heimspiel sein konnte, hat es tatsächlich gewagt, den ollen Nick mit dem Spielbericht zu beauftragen. Ja, mich. Hat mir aber eingeschärft: Schreib seriös! Der will ja durch seriöse Spielberichte erreichen, dass diese Medientypen von der Fortuna uns ernstnehmen. Kein Problem, hab ich gesagt, ich bin ja wohl der seriöseste Lad, den man sich denken kann. Bin dann durchgehend auf meinem Platz im Block 3 geblieben. Da sitzen ja die Fußballkenner. Weil ich ja wenig vom Fußball verstehe, habe ich die belauscht und die Sprüche heimlich mit dem Smartphone recorded. Wichtiges Material für diesen Artikel! Dann habe ich eine Stadionzeitung mitgenommen, damit ich weiß wer wer war. Aber einer, der ist mir von selbst aufgefallen, weil der mir schon aufgefallen ist: Bebou!

Der hat die Nummer 37, ist ziemlich groß und guckt immer so ein bisschen erstaunt. Vielleicht staunt er darüber, dass er so klasse kicken kann. In der zweiten Halbzeit hat der ja ganz allein die Defensive von Bielefeld ins Land of Confusion geschickt. Übrigens: Phil Collins geht nächstes Jahr wieder auf Tour, der Mann, der mir immer ähnlicher wird. Mochte den eine Zeitlang. Jetzt mag ich Bebou lieber, obwohl der ja nie singt oder trommelt. Ich mag auch den Bellinghausen mit der Nummer 11. Den hat ja ganz am Anfang so ein Bielefelder P***er wüst umgerannt. Trotzdem hat „der Axel“ – wie die Fans ihn nennen – Gas gegeben. Sagt ein mittelalter Kerl im Block: „Kann der auch was Anderes als rennen?“ Ja, Tore schießen. Weil der Bebou – Achtung, hab einen neuen Fachbegriff gelernt – ihm ungefähr in der 20. Minuten einen Steilpass serviert hat. Leider musste Axel dann doch bald ausgetauscht werden.

Bielefelder Slapsticks

Und so nannten meine Nachbarn die Mannschaft aus Bielefeld: Gurkentruppe, potenzieller Absteiger, Loser, Komiker. Einer sagte so alle fünf Minuten: „Unter Meier waren die besser.“ Ich fragte nach und lernte, dass er den Norbert Meier meinte, der unsere Fortuna mal zu zwei Aufstiegs geführt hat. Dann hatte der wohl ein oder zwei Spielerfrauen gef***t und wurde rausgeschmissen. Dann musste er zur Strafe nach Bielefeld. Hoffe, auch diese Info war seriös genug. Dann wurde es lustig. Die Spieler der (was immer das heißen mag) Arminia fingen an, sich gegenseitig umzurennen, so pogo-mäßig.

Ganz besonders in der Mitte vor dem Strafraum. Alle hatten Spaß am Slapstick. Außer dem Trainer von denen. Dann kommt der Schmitz auf unserer Seite vorbei und macht eine Flanke. Der Hennings, der ja eigentlich beim Burnley FC kicken sollte, fliegt so auf Hüfthöhe durch die Gegend und an einem Bielefelder vorbei. Der Schiri pfeift und zeigt auf den Elfmeterpunkt. Später kriegt der arme Armininamann dann auch noch die gelbe Karte. Weil er schon eine hatte, gab’s sogar Rot. Völlig bekloppt. Meine Experten waren sprachlos – und sagten sowas wie „Dat war kein Elfer, im Leben nit.“ Da waren sich alle einig. Aber bald einigte man sich drauf, dass auch die Fortuna mal einen völlig unberechtigten Elfmeter verdient hätte. „Wann hamwer denn den letzten unberechtigten Elfer gekriegt? Muss vor Rösler-Beister gewesen sein…“ Jedenfalls haut der Hennings den rein.

Gepflegte Langeweile

Also stand’s 2:0. Ich ließ mir von Bernd – so hieß der eine Nachbar – ein Bier mitbringen, weil ich ja nichts verpassen durfte. Von wegen „seriös“ und so. Hätte aber auch gut selbst gehen können. Auf dem Platz tat sich nicht so viel. Also begann ich, mir die Spieler genauer anzugucken. Der Chefred schreibt auch immer über jeden einzelnen Fortuna-Spieler auf dem Platz. Die zwei Youngster hinten in der Mitte vor Rensing sind die Innenverteidiger. Die waren souverän – sagte nicht nur Bernd. Auch der Mattes und der Ingo fanden das. „Hömma, die sind beide erst 21!“ hat der Peter immer wieder gesagt. Das Verrückte: Einer von denen ist der Ayhan, der hat in den Spielen vorher immer im Mittelfeld rumgehext. Aber der ist gelernter Verteidiger. Und den Bormuth, den mag ich auch, das ist ne coole Socke.

Der Rensing kriegte erst nach der Pause zu tun. Dazu gleich mehr. Hinten außen treten Schmitz und Schauerte an. Aber das sind irgendwie keine Defensivspieler; die waren mehr vorn als hinten. Schmitz finde ich auch klasse, weil der diese Flanken macht. Komischerweise mochten die Jungs um mich herum (die mir immer Bier mitbrachten) den Schauerte nicht so gern. Dabei hat der auch einige Flanken gegeben. Aber so wie der aussieht, ist der sowieso eher der Frauentyp.

Bielefeld bemüht

In der Pause hab ich den Lads erzählt vom Auftrag meines Chefreds. Ja, sagten die alle, seriös ist, wenn du so Sätze machst wie die Sportreporter. Oh dear, die haben mich mit Standardsätzen zugesch***en! Hab dann beschlossen, nur einen davon zu nehmen – als Überschrift für diesen Absatz. Im Ernst konnte sogar ich merken, dass die Bielefelder nach der Pause was losmachen wollten. Aber irgendwie „fehlten ihnen die Mittel“ – auch ein schöner Satz. Die hatten überhaupt nur eine richtige Torchance. Abends hab ich auf diesem komischen Sportsender, wo nach elf immer die nackten Girls kommen, den Bericht gesehen. Da haben sie sich über den Kiesewetter aufgeregt. Der wurde für Bellinghausen eingewechselt. Ich fand den sehr hektisch, aber dass der angeblich einem Bielefelder den Ellenbogen um die Ohren gehauen hat, ist ja wohl Blödsinn.

Aber selbst ich als Fußballidiot kriegte mit, dass der Report von dem Bericht unheimlich viel Sch***e erzählt hat. Hab auch ne Ahnung warum. Vor dem Spiel überlegt so ein P***er, welchen von den beiden Vereinen er weniger doof findet. Und dann denkt er sich eine Geschichte aus. Und dann sieht der alles so, dass es zur Geschichte passt. Und wenn nichts zu sehen ist, dann erfindet der Fouls und so. Der Typ vom TV wollte so eine Armes-Bielefeld-Geschichte erzählen. Und da mussten außer dem unberechtigten Elfmeter eben noch mehr Ungerechtigkeiten rein. Nach dem Spiel meinte Bernd: „Die Arminia hätten wir auch so geputzt.“ Und der Holger sagte: „Die waren so schwach, die hätten auch mit einem Mann mehr nicht gewonnen.“

Mehr Tore

Ach so, ja: die einzelnen Spieler. Bodzek mag ich, der ist gradlinig und hält Arbeit von der Defensive fern. Und den Sobottka, den mag ich ganz besonders, weil der clever ist. Fehlt nur noch der Yildirim, den ich vermutlich auch gern mag. Leider habe ich nicht viel von dem gesehen. „Der hat Potenzial“, meinte Ingo. Weil der aber wohl nicht ganz fit war, wurde er gegen Ferati eingetauscht, den ich schon die ganze Zeit sehr mag. Kaum ist der auf dem Platz, kriegt der einen Ball vor die Füße … und macht sein erstes Tor für die Fortuna. Boah, haben die Kollegen den geknutscht. Dabei hätten die den Bebou mehr knutschen müssen, denn der hat die Chance durch seine Tricks erst gemacht.

Inzwischen hatten wir unsere Deckel rundgesoffen. Ist ja auch praktisch, wenn immer nur einer geht und für alle Bier holt. Die Lads waren nach dem 3:0 am Grinsen. Durchgehend. Überhaupt war die Stimmung jetzt im ganzen Stadion ziemlich lustig. Also, heiter und entspannt. Mattes meinte: „Dat hattenmer lang nit mehr.“ Und meinte dieses entspannte Gefühl.“ Bernd nuschelte nachher immer „Sieben Punkte aus drei Spiele. Und acht Tore!“ Ja, denn da war auch noch das 4:0 gefallen. Wieder war es der Bebou, der die Chance hergestellt hat. Seine tolle Vorlage schob der Hennings rein. Fertig.

Fazit

Nicht erschrecken, den folgenden Absatz haben mir die Jungs ins Smartphone diktiert. „Du musst ein Fazit ziehen“, sagte der Peter, der am wenigsten besoffen war. Na gut:

In einer souverän geführten Partie, die durch einen Elfmeter in der 26. Minute früh entschieden war, besiegte Fortuna Düsseldorf die Arminia aus Bielefeld mit 4:0. Durch den Strafstoß und den Platzverweis aus dem Konzept gebrachte Arminen versuchten nach dem Wiederanpfiff Druck zu machen; es fehlten ihnen jedoch die spielerischen Mittel. Die Fortuna mit einem glänzend aufgelegten Bebou war jederzeit Herr der Lage und bestimmte das Spielgeschehen nach Belieben. Für die sieglosen Bielefelder wird es nach der fünften Niederlage in Folge schwer, während die Düsseldorfer mit breiter Brust zum Pokalspiel am Mittwoch nach Hannover reisen können. Trainer Friedhelm Funkel fand wenig Grund zur Kritik und zeigte sich zufrieden mit der Leistung seiner Schützlinge.

So, das war’s jetzt aber. Zum Heimspiel gegen Dynamo bin ich mit Bernd, Mattes, Ingo, Peter und den anderen im Block 3 fest verabredet. Von denen kann ich noch ne Menge über Fußball lernen. Und irgendwann mach ich den Chefred überflüssig.

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1 Kommentar

  1. Danke, das war ein schöner frischer Bericht. Inhaltlich wurde das Spiel gut zusammen gefasst und es hat Spaß gemacht ihn aufm Klo zu lesen. Freue mich schon auf den nächsten Bericht über dich und deine neuen Freunde ausm Stadion.

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