Wollen wir wirklich über dieses Spiel reden? Okay, später. Vorher möchten wir aber all den Teams gratulieren, die das beinahe Unmögliche geschafft haben, sich vor unserer glorreichen Fortuna in der Tabelle zu platzieren. Den Bayern schenken wir ein langes “Gäääähn”. Dem BVB rufen wir zu “Selbst versemmelt.” Über Leipzig breiten wir das Tuch des Schweigens. Vor Pillekusen lüften wir den Hut ein kleines bisschen. BMG strecken wir die Zunge raus. VW-Burg… Der Eintracht schenken wir ein Quäntchen Trost. Bremen schenken wir einen toten Fisch. Und Hoffenheim kann froh sein, dass wir sie nicht noch abgefangen haben. Auch so geht Saisonrückblick. Jedenfalls fand gestern das Wichtigste nach dem Spiel statt:

Geschätzte 40.000 Anhänger der rotweißen Diva blieben nach Abpfiff im Stadion, um ihre Helden nicht nur zu feiern, sondern sich auch von ihren Helden feiern zu lassen. Außerdem wurden die Kollegen verabschiedet, die in der kommenden Saison nicht mehr für F95 antreten. Darunter auch Dodi Lukebakio, bei dem es aber wohl noch den Hauch einer Chance gibt, dass er noch einmal ausgeliehen werden kann. Die Tage zuvor hatte Old Blue Eyes per Presse angeregt, die Kicker doch ein wenig besser zu entlohnen – das könne dem einen oder anderen die Entscheidung leichter machen, zu bleiben. Klar positioniert hat sich per TV Benito Raman: Er würde sehr, sehr gerne bleiben. Aber wenn man der Fortuna ein unanständiges Angebot machen würde, da könne das anders sein. Weg ist auf jeden Fall Taka Usami, von dem man inzwischen sagen muss, er habe es wieder nicht geschafft.

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Pfanni hat kein Foto für dich

Der dritte Mann, der von Sportvorstand Pfanni zum Abschied ein Foto bekam, war der gute Jaroslav Drobny, der geholfen hatte, als die Torwartnot am größten war. Lutz Pfannenstiel selbst war es, der dem Vergleich mit dieser Model-Fleischbeschau eines gewissen Fräulein Klump oder so ähnlich nicht aus dem Wege ging, bei der die sich am meisten erniedrigenden Teilnehmerinnen jeweils mit einem Foto in die nächste Runde gehievt werden. Denn drei Jungs, deren Zukunft mit oder ohne Fortuna unklar ist, bekamen eben kein Bild: Marcin Kaminski, Dawid Kownacki und Markus Suttner. Was im Klartext heißt: Man bemüht sich um sie. Ansonsten wurde jedes einzelne Kadermitglied der Kurve einzeln zum Abfeiern präsentiert – ja, auch Emir Kujovic, der ja weiterhin seinen Vertrag aussitzen will.

Ein Foto hätte aber auch Marvin Ducksch verdient, der wieder mal den Swag voll aufdrehte und in einem geschlechtsengen weißen Höschen und einer bunten Kappe auf den Rasen stolzierte. Nach seinem Auftritt im Freundschaftsspiel bei Solingen-Wald dürfte er sich den Ehrentitel “Teuerster Fehleinkauf” verdient haben, und Robert Palikuca braucht nur anzurufen, wenn er ihn in Nürnberg haben will. Der Concours der Kicker war nicht nur tränenrührend, sondern auch aufschlussreich, weil man endlich auch die Verletzten, die in der kommenden Saison eine wichtige Rolle spielen werden, mal wieder gesehen hat: Marcel Sobottka und Jean Zimmer. Und auch den immer noch jungen Davor Lovren, dessen Zeit demnächst kommen könnte.

Die Helden von Basel, von 2004 und 2009

Schon vor dem Anpfiff gab es lauthalsen Jubel im eckigen Rund: Die Helden von Basel sowie die Aufstiegsmannschaften von 2004 und 2009 waren mehr oder vollzählig anwesend. Und dann lief da noch ein Zusammenschnitt großer Szenen aus der jüngeren F95-Geschichte, die nicht nur Ihren sehr ergebenen Berichterstatter zu kleinen Tränen rührte. Das Banner der Mannschaft sagte: “Danke für 1895 Prozent Unterstützung” und in halbwegs richtigem Düsseldorferisch: “Zosamme jekomme, zosamme jebleewe.” Die Kurve revanchierte sich mit einem pathetischen “Das F95-Logo mit Stolz durch die Liga getragen, die Kurve verneigt sich vor Euch.” Außerdem einer Hommage an den Käpt’n: “Zehn Jahre Finko, für immer einer von uns.” Dass dann auch der Oberförster des Kaders ausdrücklich und mit belegter Stimme die Fans lobte, machte den sentimentalen Kreis rund. Der neue VV stand während dieser dritten Halbzeit der anderen Art schweigend und nachdenklich an der Eckfahne und hat am diesem letzten Spieltag wohlmöglich ein bisschen mehr verstanden, was es mit der Fortuna dieser Ära auf sich hat.

Die Hanoi-Ultras, die derweil ihren Block aufräumten, müssen gestaunt haben ob dieser Veranstaltung, denn wenn die seit Jahren eines nicht kennen, dann den Schulterschluss zwischen den Etagen ihres Vereins. Der funkelnde Volksheld wurde auch im ASS nicht müde zu betonen, wie breit und tief der Zusammenhalt wirklich war. Selbst bei den drei, vier Gelegenheiten, bei denen es zwischen Verein und Ultras zu Unstimmigkeiten kam oder zwischen dem damaligen VV und dem Trainer oder dem Ex-VV und dem Aufsichtsrat, kam es nicht zu Scherbenhaufen, und man raufte sich rasch wieder zusammen. Das wird bei H96 nicht möglich sein, so lange dieser Kind da was zu sagen hat.

Aber auch die rund 150 Tractor Boys, die dem Ipswich Town FC anhängen, mögen gestaunt haben. Obwohl die Blues nach mittlerweile 15 Jahren einer intensiven Fanfreundschaft mit der Fortuna nun ja einiges gewöhnt sind. Ulli “Der Hildener” Münsterberg und Friedrich “Friedie” Schacht hatten die Einladung initiiert und mit tatkräftiger Unterstützung vieler anderer Fortunen eine Saisonabschlussparty mit und für die Ipswich-Leute im Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich organisiert. Der Verein hatte auf jeder möglichen Ebene unterstützt und sogar erreicht, dass die Freunde aus Suffolk gemeinsam im 33er stehen und sich das Ereignis anschauen konnten.

Fußball wurde auch gespielt

Kommen wir zum Spiel, dessen erste Halbzeit auf eine Art öde war, die sich kaum beschreiben lässt. Der Absteiger versuchte Druck zu machen, erreichte aber nur ein paar Mal die nötige Atü-Werte. Der ehemalige Bebou war bis zur Halskrause voller Ehrgeiz, und auch Haraguchi schien besonders motiviert. Dabei konnte man dann aber auch leicht ablesen, weshalb der Weggang von Ihlas kein wirklich großer Verlust war. Ja, es gab Chancen für die Grünschwarzen, aber auch nicht allzu viele und allzu dolle. Sich das Ganze anzugucken, machte jedenfalls keinen Spaß. Erst nach den zwei Toren innerhalb von knapp fünf Minuten kam so etwas wie Stimmung auf. Besonders, weil die erste Bude ein Sahnestück war. Benito Raman dribbelt einen Hannoveraner so nieder, dass der über seine eigenen Gräten stolpert, kommt in den Sechzehner und passt perfekt auf Rouwen Hennings, der direkt und volley einnetzt. Bombe! Beim zweiten Ding war Dodi Lukebakio der Startpunkt, der wunderfein auf Hennings im Strafraum flankte. Der köpft Richtung Kiste, der Tormann haut das Ei weg, aber Kenan Karaman staubt ab wie ein Knipser. Bestens!

Dass der ansonsten ordentlich pfeifende Sportskamerad Cortus in Halbzeit Eins ein klares Foul an ebendiesem Karaman im Strafraum nicht sah, und auch die Kölner Gruft schwieg, es also keinen Elfer zum Verschießen für Dodi gab – geschenkt. Auch das Abseitstor, das vielleicht keins war – Schwamm drüber. Für die glorreiche Fortuna zählte am Ende der Sieg bei gleichzeitiger Niederlage der halbängstlichen Hertha, denn das brachte die schöne Diva vom Rhein an die Spitze der zweiten Tabellenhälfte, was die Kurve mit fröhlichen “Spitzenreiter, Spitzenreiter”-Rufen kommentierte. Man muss die Saisonenden eben feiern wie sie fallen.

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3 Kommentare

  1. Sven Dernbach am

    Was fällt einem sonst noch zu Hannover 96 ein? – Ich will kein Kind von Dir!…
    Auf die nächste glorreiche Saison!

  2. Hennings hat den Ball mit dem Fuß auf das Tor gebracht, bevor Karaman das 2:0 machte. Ejal jewäs, auch das die ‚ölner im Keller mal wieder Fortuna benachteilgten beim Foul an Karaman. So nervte der Videobeweis mal wieder.

    Glückwunsch an Fortuna für den letztendlich souveränen Klassenerhalt. Und danke für so eine geile Saison. So stolz war ich schon lange nicht mehr auf unsere Mannschaft. So zufrieden bin ich lange nicht mehr in die Sommerpause gegangen.

    Jetzt hoffe ich nur, das F95 Knete in die Hand nimmt und Stöger, Ayhan, Raman und Zimmermann bei uns hält. Dann noch den Kownacki und die Basis ist gelegt. Den Rest mache Pfanne und Klein schon.

    95 olé.

  3. Ja, großer Stolz – uneingeschränkt.
    Ich ziehe einen Hut nach dem anderen.
    Stolz auf dem Niveau von Basel, ganz klar.

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