F95 vs Ipswich Town 4:3

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Vorher spielte die neue Fortuna-Traditionsmannschaft. Wobei man sich schon fragt, wie eine Traditionsmannschaft neu sein kann. Wie auch immer: Recken wie Ede Youtlan, Pali Palikuca, Susi Böcker, Fränkie Mayer und und und fieselten eine völlig überfrderte Fanauswahl locker mit 5:0 (oder war’s 7:0? Egal…) ab. Als Schiedrichteresse am Start die unvergleichliche Fee. Da waren die Stehplätzler noch damit beschäftigt, ihre Getränkeversorgung in den Griff zu kriegen. Denn wer immer sich das System der Verköstigung auf der Ost ausgedacht hat, er sollte sowas nie, nie, nie wieder tun. Der geneigte Esser und Trinker musste lange, lange anstehen, um eine Verzehrkarte für 20(!) Ocken zu erwerbem auf deren Rückseite eine Versicherungsagentur Reklame hatte drucken lassen. Um sich anschließend ins Hauen und Stechen an ZWEI(!) Frankenheim-Ständen (für rund 3.500 Menschen) zu werfen, an denen das Schankpersonal hauptsächlich damit befasst war, die 1-Euro-Felder auf der Verzehrkarte mit dem Edding durchzustreichen. Und das im Zeitalter vom Bezahlen per Handy. Weil die Fortunesen alter Prägung derlei organisatorische Unbill kennen und sich letztlich alles einrüttelt, kam es übers Spiel hinweg nicht zum Volksaufstand. Ihr trotzdem ergebener Berichterstatter verpasste beim Versuch, auch mal ein Bier für den Freundeskreis zu ziehen, sage-und-schreibe DREI Tore. Na ja…

F95 vs ITFC - Begrüßung auf dem Rasen

F95 vs ITFC – Begrüßung auf dem Rasen

Ansonsten zeigte sich im altehrwürdigen Paul-Jans-Stadion am Flinger Broich im Schatten der Müllverbrennungsanlage wieder einmal: Wichtig is auffe Stehplätze. Denn während auf dem erstaunlich grünen Rasen lauter Jungs in unseren Farben kickten, deren Namen wir noch werden lernen müssen, war die Ost voller altbekannter Gesichter. Denn: Spieler kommen und gehen, Fans bleiben. Wer so poseteff bekloppt ist, sich an einem heißen Julifreitag drei Stunden lang in die pralle Sonne zu stellen, weil er einen Fußballverein liebt, der liebt seinen Verein wirklich. Und wer ist der Verein? Richtig: WIR sind der Verein. Zurück zum Fußball.

Auf dem Platz standen sich zwei Zweitligisten mit vielen Ähnlichkeiten gegenüber, denn auch der Ipswich Town Football Club zählt in England zu den Vereinen, die immer mal am Aufstieg schnuppern, ist ebenfalls ein Verein mit langer Tradition, und selbst das Fan-Gefüge weist große Ähnlichkeiten auf. Obwohl es im Kreise der F95-Anhänger vermutlich deutlich weniger Rechtsradikale gibt als beim ITFC. Ob die EDL-Jungs auch mit an den Broich gekommen waren, lässt sich nicht feststellen, denn die Mehrheit der Leute in Blau auf der Süd entstammten dem großen Fanclub mit dem schönen Namen „Tractor Boys“. Und die sind vorwiegend liebenswert. Man merkte dem 600 Seelen starken Pulk aber auch die Folgen von anderthalb Tagen Feierei deutlich an – nur drei-, viermal brandete Original Britischer Support auf. War aber auch zu heiß, um es rauszulassen. Das gilt auch für die Freunde der Traditionsdiva, die mal eben schnell den Kanon der Fangesänge durchprobierten, um dann weitestgehend in Gemurmel zu verfallen.

In der ersten Halbzeit waren die Herren Profikicker unter der Leitung von Frank Kramer deutlich überlegen. Offensiv mit starkem Flügelspiel, defensiv konsequent und sicher. Auch der Herr Unnerstall im Tor zappelte deutlich weniger rum als zu befürchten war. Aber obwohl es doch einige Chancen gab, blieb es bis zur 33. Minute torlos. Dann begann die Bierholodyssee Ihres Ergebener, und man sagt, der Mann, der sich gern ML10 nennen lässt, habe einen Handelfer zum 1:0 versenkt. Man sagt weiter, der bereits erwähnte Herr Unnerstall sei von einem ITFC-Kerl überlupft worden, wasa den Ausgleich zur Folge hatte. Aber das 2:1 für die Fortuna nach einem feinen Spielzug über die Herren Sararer und Akpoguma durch den Herrn Pohjanpalo, das sah Ihr Ergebener noch aus den Augenwinkeln beim Austeilen der Bierbecher. Dann tauschte ITFC-Manager McCarthy die komplette Truppe aus, während der Herr Kramer lediglich Herrn Bolly, der eine prima Partie gezeigt hatte, gegen den jungen Ihlas Bebou aus. Und dann drehte sich das Spiel, denn der zweite(?) Anzug der Ipswicher praktizierte das ziemliche Gegenteil der anderen Hälfte, und – schwupps – gab’s in der 60. den Ausgleich. Zack, plötzlich führte der ITFC. Aber der wie aus einem Stück Holz geschnitzt wirkende Herr Strohdieck versenkte eine feine Flanke zum Ausgleich. Der Siegtreffer fiel dann nach einem sehenswerten Ding vom Herrn Schauerte auf den starken Herrn Sararer. Man mühte sich dann beidseitig noch ein wenig. Und dann war Schluss, und alle waren soweit zufrieden.

Fröhliche Poolparty in Blau und Rot-Weiß im Treibsand am Stahlwerk

Saisoneröffnung: Fröhliche Poolparty in Blau und Rot-Weiß im Treibsand am Stahlwerk

Zwischendurch trudelten ein paar Testosteronbömbchen auf der Suche nach Trouble durchs PJS, und später meinten ein paar Händevoll Freunde der dritten Halbzeit den ITFC-Gästen an der Tanke an der Ronsdorfer auflauern zu müssen. Mal ehrlich: Wenn die sich ernsthaft hätten mit ITFC-Lads boxen wollen, dann hätten die mal besser eine ordentliche Verabredung getroffen als sich den eher friedlichen Leute aus Ipswich auf dem Weg zur Fanparty in den Weg zu stellen. Schlau und korrekt ist jeden falls anders.

Über die fröhliche Poolparty im Treibsand am Stahlwerk (Ich weiß: Das Ding heißt Treibgut, aber ich finde Treibsand irgendwie hübscher) sind nicht viele Worte zu verlieren. Die einziehenden Ipswicher staunten über den Pool, und es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Engländer seine Arschbombe in voller Montur absolvierte. Der Rest war Familientreffen (Was, haben wir uns wirklich zuletzt auf der Fanparty 2014 getroffen?) und Gästebetreuung (You’d rather drink Altbier, it tastes much better than Beck’s), Bierchen trinken und schwindende Sonne genießen. Nur DJ Bocki, der hatte wieder Pech, weil’s draußen einfach noch zu schön war als er auflegte und sich nur zwei, drei Dutzend Nasen in die riesige Halle verirrten. Macht nix, Bocki: Nächstes Jahr regnet’s dann hast du die Hütte voll.

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4 Kommentare

  1. Die Karten hatten einen Höchstwert von 20 €. Man konnte (zumindest an der Tribüne) ohne Probleme auch einen anderen Wert ordern, die Karte wurde entsprechend „zusammengestrichen“.

    • Rainer Bartel am

      Das freundliche, aber heillos überforderte Personal in der Zahlkartenausgabestelle hat darauf nicht aufmerksam gemacht. Immerhin konnte man sich nicht eingelöste Punkte auszahlen lassen.
      Was rund um die Haupttribüne mit ihren 1.200(?) Plätzen vielleicht noch halbwegs klappte, ging auf der Ost mit rund 3.800 durstigen Fortunen ziemlich schief.

      • Dass das ganze Prozedere für’n Arsch war, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Ich bin dadurch auch in den „Dreier-Club“ (drei verpasste Tore) gekommen…
        Ab der zwoten Halbzeit hat man fast nur noch Leute mit zwei Bier in der Hand gesehen. Mangels freier Hand habe ich so wenig geraucht, wie sonst nie bei einem Spiel 🙂

        • Zu Oberligazeiten gab es im PJS die Hardplastikbecher mit Henkel (so wie in der Arena). Ich stand deshalb immer unten am Zaun. Dort konnte man seine Biere dann schön in selbigen hinein stecken. So hatte man die Hände frei zum Rauchen, Klatschen, Laolaen oder was auch immer. 😉

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