F95 vs Klautern 4:3 – Bellinghausen, Fink, Bodzek und die anderen

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Boah, tut das gut, wenn man die richtige Entscheidung getroffen hat und sich nicht mehr über diesen ganzen Dreck ärgern muss, den Aufsichtsräte, Vorstände und Manager im Verein des Herzens angerichtet haben. Ihr sehr ergebener Berichterstatter hat heute nach Langem mal wieder Fußball in der Messehalle geguckt, die vor Jahren an der Stelle des guten, alten Rheinstadions hingeklotzt wurde. Also, Fußball – nicht Klüngel, Support, Gerüchte, Animositäten, Beschimpfungen, Appelle, Beschwörungen, Heulen und Zähneklappern. Einfach Fußball. Und das Beste: Ihr Ergebener durfte sogar ein tolles, vogelwildes Spiel sehen, an dessen Ende die glorreiche Fortuna als Sieger vom frischverrollten Rasen taperte, weil die Mannschaft ein Tor mehr geschossen hatte als der Gegner. Denn darum geht es ja eigentlich bei diesem wunderbaren Spocht: Dass die Mannschaft des Vereins, den man liebt, ein Tor mehr schießt als der jeweilige Gegner. Bevor wir zum Spielbericht kommen, daher noch eine Ankündigung: Ihr maximal ergebener Spielberichterstatter wird für den Rest dieser Saison an dieser Stelle nur noch über die Fußballerei der Herren berichten, die aktuell den Kader des TSV Fortuna Düsseldorf bilden. Nebendarsteller wie die Versager Jäger und Azzouzi und die Weicheier im Aufsichtsrat spielen hier keine Rolle mehr.

Selbst der aktuelle Trainer (Wie heißt der gleich?) wird nur in dem Maße berücksichtigt werden, in dem er wichtig ist. Und wenn sich heute die Phrasendrescher auf den Tribünen und an den Tasten der Medien mit einem Floskelgewitter darum bemühen, den Schützenbruder aus Nüss zum Matschwinner zu machen, dann kommentiert Ihr Ergebener das nur mit einem milden „Stümm nich“. Wenn es einzelne Nase gibt, die man als besonders am Sieg beteiligt erwähnen muss, dann sind das die Burschen aus der Altherrenabteilung der Rotweißen: Axel Bellinghausen, Oliver Fink und Adam Bodzek. Dass unser Axel bereit, willens und in der Lage ist, auf seiner Position mehr zu geben als eigentlich möglich, ist bekannt. Und, ja, auch heute hat er diverse Male den Ball verloren oder sehr eigenartige Flanken und Pässe gegeben. Aber er war es vor allem, der den Druck auf den Strafraum des Gegners aus der Region aufbaute. Oliver Fink, die treue Seele, interpretierte die ihm zugewiesene Rolle so, dass er sich beinahe um alles kümmerte, um das sich sonst keiner gekümmert hätte. Dass er so auch noch zum Torschützen, mehr noch: zum Abstauber wurde, darf als Beweis für diese These gewertet werden. Kommen wir zu Adam Bodzek, der in dieser Saison sofort auf der Tribüne rumrutschen musste, den viele schon komplett abgeschrieben hatten und dem kaum noch jemand irgendwas zugetraut hatte. Klar merkte man ihm fehlende Spielpraxis an, und, sicher unterliefen ihm Fehler, schlümme sogar, aber der Mann war sowas von dauerpräsent, das sich gewisse Auswechselspieler bei dessen Anblick einfach nur hätten schämen müssen.

Mindestens genauso erfreulich, dass zwei Neuverpflichtungen so langsam zeigen, zu was sie in der Lage sind. Gemeint sind der Herr Mavrias und der Herr Djurdjic. Was sich beim mittelgroßen Griechen mit dem schwer zu merkenden Vornamen schon in der Grottenpartie im Sandkasten andeutete, spielte heute eine vielleicht spielentscheidende Rolle: Ballsicherheit, Mut, Kreativität und die Bereitschaft, volles Rohr zu gehen. Dass ihm dieses wahnwitzige Tor in der 1. Spielminute (übrigens aus doppelglasklarer Abseitsposition; er stand ja sogar noch hinter dem Keeper der „Gäste“) gelang – geschenkt. Seine Aktivitäten in den restlichen 89 Minuten waren viel wichtiger. Ganz ähnlich lässt sich auch der Auftritt vom Herrn Djurdjic beschreiben, der zwar immer noch nicht so richtig DEN Knipser gibt, aber inzwischen erhebliche Strecken zwischen seinem eigentlichen Job ganz vorne und den notwendigen Defensivaufgaben zurücklegt. Beim grandiosen Kontertor zum 3:1 traf er – wie sich das für einen Stürmer gehört – die einzig richtige Entscheidung, indem er die Pille über gut 25 Meter am gegnerischen Tormann vorbei schob. Warum der Typ aber überhaupt aus seinem Kasten geeilt war, wird er wohl nur ganz allein wissen. Jedenfalls haben wir hiermit schon einmal drei der vier Torschützen gefeiert. Zum vierten Hüttenmacher kommen wir später, denn zunächst soll das Geschehen in eine einigermaßen chronologische Reihenfolge gebracht werden.

Ein Spielfilm ohne Drehbuch
Versuchen wir es einmal im typisch dümmlichen Spochtrepochterdeutsch: Die Mannen von Neu-Trainer Funkel, der unter der Woche als Feuerwehrmann geholt wurde, legte mit Anpfiff los wie die, äh… Feuerwehr und war von Anfang hellwach. Der Ur-Fortuna Bellinghausen passt auf Fink, der den Ball mit der Hacke an Schmitz weiterleitet. Der flankt auf Bodzek, dessen Kopfball der Torhüter der Lauterer noch abwehren kann. Der gedankenschnelle Mavrias nimmt den Abpraller auf und schiebt ihn an Formitschow vorbei in die Maschen. Jedoch waren die Schützlinge von Trainer Fünfstück durch diesen Paukenschlag geweckt und setzten vom Anstoßpunkt sofort nach.

Okay, kommen wir zum Negativen. Das auch heute wieder Namen trägt. Zum Beispiel den des Herrn Schauerte. Zum wiederholten Male hatte der Mann, dem die Frauenherzen zufliegen, nicht begriffen, was er auf dem Platz eigentlich genau zu erledigen hatte und erwiese sich wieder einmal als Unsicherheitsfaktor in der Abwehr. Als das Ei irgendwie in den Fortuna-Sechzehner kam und er eigentlich den heranbrausenden Klautern-Gaus zu decken hatte, dachte er offensichtlich über etwas für ihn persönlich Wichtigeres nach, sodass sich der ehemalige Marcel auf Grasnarbenhöhe an ihm und unter ihm hindurch schleichen und den Ball ins Gehäuse köpfen konnte. Klassischer Fall: Ein massiver individueller Fehler = ein Gegentor. Dass nicht viel später ein kolossaler Bock des Herrn Madlung gleich den Rückstand erzeugt hat, war Glück, nicht mehr… Wobei weder der Herr Madlung, noch Käpt’n Haggui je innerhalb der beiden Spielhälften völlig sicher standen und vor allem das Spiel nicht unter Kontrolle hatten, wenn die Regioten-Truppen in den Bereich des Herrn Rensing eingedrungen waren.

Aber dann. Kam es zu einer zungenschnalzenden Kombination, an der ungefähr sechs Fortunen beteiligt waren und die in einer Flanke auf den Herrn Djurdjic endete, der per Kopf einen Treffer markierte, den der erschreckend schwache Schiedsrichter Aarnink wegen angeblichen Abseitses nicht gab. Mag man als ausgleichende Gerechtigkeit sehen, war aber für die Fortuna-Anhänger bitter. Wo wir beim Referee im hübschen bläulichen Jersey sind: Dem gelang es, mit seinen Foul-Entscheidungen fast immer mindestens ein bisschen danebenzuliegen. Wobei er über alles gerechnet keine Mannschaft benachteiligte. Der Typ pfiff Fouls, die keine waren, übersah Fouls, die heftig waren, gab Gelb für Allerweltsuntaten und ließ die Karte in der Tasche, wo sie dringend an die frische Luft gemusst hätte. Und die versuchte Körperverletzung des Lauterers Ring an Djurdjic(?) hätte eine feuerrote Karte nach sich ziehen müssen. Hinzu kommen zwei schlümme Abseitsfehlentscheidungen und das Versagen des Schiris, ab etwa der 70. Minute die anwachsende Härte auf beiden Seiten ernsthaft zu unterbinden.

Kurz nach dem nicht gegebenen Treffer kam ein Freistoß vom Axel (Macht der noch was anderes, als Standards einzuüben?) auf Adam Bodzek, der die Kugel aber nicht in die Hütte köpfte, sondern in Richtung „knapp daneben“. Und genau dorthin flog der Oliver Fink wie ein Frühlingsvögelchen und drosch das Ding aus allerspitzestem Winkel in ebendiesen oben rechts. Jeder Düsseldorfer, der die Heimspiele in der laufenden Saison verfolgt hatte, war sicher: Das gibt noch den Ausgleich vor der Pause. Pustekuchen! Ballverlust durch beherztes Anlaufen, Pille bei Fink, Diagonalpass auf Djurdjic, der Keeper der Teufelchen kommt raus, und – schwupps – kullert das Ei ins Tor: DREI ZU EINS! FÜR FORTUNA! NOCH VOR DER PAUSE!!!!!!

Anschwellendes Kollektivversagen
Ihr Ergebener gibt zu, dass ihn in der Pause beim Meditieren über diesem völlig bescheuerten Halbzeitspiel (Man könnte auch eine Wand aufbauen, mit Farbe streichen, und alle könnten der Farbe beim Trocknen zugucken) Fantasien bewegten, die bis zu einem 5:1, ja sogar 7:2 reichten. Als aber klar war, dass der amtierende Kapo der vereinten Ultras wegmusste und an seinen Ersatzmann übergab, kamen ihm Zweifel. Und, richtig, der Support sank auf Schlafwagenniveau, und die Herren in Rot auf der grünen Wiese gingen nach Wiederanpfiff auch so ein bisschen in den Heia-Modus über. Zum Glück waren auch die Kicker aus Klautern nicht viel wacher, sodass erst mal nichts anbrannte. Erst mal…

Denn aus irgendeinem unerfindlichen (Der Neu-Trainer wird das ja hoffentlich nicht so angeordnet haben) stand das Team in Rot jetzt tief, und manche Bewegung hatte was von Zeitlupe. Die Pfälzer Leberwürstchen dagegen, die hatten Pfeffer im Gesäß und drückte wie blöde. Klar, ihnen und ihrem Coach, dem Mister Five-Cent, ging die Muffe angesichts der Möglichkeit, durch eine Niederlage hier in den viel beschworenen ApfelAbstiegsstrudel zu gelangen. Da erwies sich, dass auch der Herr Sobottka nicht gerade in der Form seines Lebens war, dass der Herr Schmitz bisweilen die Orientierung verlor und Oliver Fink nun nicht gerade ein Defensivrecke ist. Dass eine Flanke an ihm vorbei in den Fünfer schoss, kann seine Leistung allerdings schmälern, auch wenn der riesenhafte Herr Madlung genau dieses Ding aus Versehen in das Netz des heimischen Gehäuses bolzte.

Na ja, sagte man sich auf den Stehrängen, entweder jetzt geht’s bergab, oder die Unsrigen machen das 4:2. Leider ging ein passender Konter leer aus, ohne dass sich irgendwer einen Vorwurf machen muss. Denn muss sich allerdings der junge Herr Sobottka machen, der wenig später einen Gegner grätschte, ohne dass der überhaupt am Ball war. Es gab direkten Freistoß aus ungefähr 18, 20 Metern Entfernung, mittig, ein wenig nach links versetzt. Die in passendem Schwarz gekleideten Heulsusen des mit Millionen an rheinland-pfälzischen Steuergeldern künstlich am Leben gehaltenen Spieler des Fritz-Walter-Clubs hampelten ein bisschen in der Mauer, die der Herr Rensing korrekt gestellt hatte. Dass aber an deren rechten Ende niemand hochsprang machte es möglich, dass ein gewisser Herr Zimmer seinem Namen alle Ehre machte und die Kugel passgenau neben den Pfosten in die Hütte haute. Ausgleich? Ja, Ausgleich, und dem Volk im eckigen Rund ging kollektiv die Muffe.

Zum Glück wachte nun auch der Ersatz-Kapo auf Befehl vom Oberrang auf und nahm von weiteren Schlafliedern Anstand, was zu 25 Minuten dauerhaftem Anfeuerungslärm von der Süd aus führte, der ein ums andere Mal auch die Sitzenden zum Aufstehen und Mitklatschen oder gar -singen animierte. Dass am Ende dieser Support-Leistung und nach dem Anpfiff ein donnerndes „Wir sind wieder da!“ stand, passte wie Ball in Tor. Bis dahin war aber noch ein bisschen.

Unser Frauenbeauftragter
In der 68. Minute (oder so) brachte der Funkel unseren Frauenbeauftragten, der unter der Woche eher im warmem Wollmäntelchen unterwegs war, weil nicht fit, und wenig trainiert hatte. Der Herr Demirbay (der mit dem Klauterer Geklüngel noch ein Hühnchen hat) ging sofort ab wie Nachbars Lumpi. Wenn je einer per Körpersprache geschrien hat, dann der. Und zwar: Spiel mich an, ich bin motiviert bis sonst wo hin! Und tatsächlich kam ein eigentlich woanders geplanter Ball an der Strafraumgrenze zu ihm, und der Bursche haute das Ding mit einem technisch perfekten Schuss in die Bude. Das war das siebte Tor des Tages, und gewissenlose Alt-Fans raunten was von einem legendäreren 5:5 in… Tatsächlich gewannen die dunkelroten Buben nach und nach die Oberhand, hatten aber irgendwie keinen Plan, sodass aus rund 15 Minuten Dauersturm nur wenige wirklich beunruhigende Chancen entstanden. Im Gegenteil: Per Saldo war die Möglichkeit, per Konter einen zu fangen ziemlich gleich hoch.

Jedenfalls hielt die Truppe, in der unser eingewechselter Ihlas Bebou ein prima Defensivleistung bot und einmal mit dem Ball quer über den Acker sprintete, aber nicht so richtig zum Schuss kam, stand. Aus Zeitgründen wurde dann noch der Herr Koch für unseren kleinen Griechen eingewechselt und spielte rund fünf Minuten fehlerfrei. Und dann wurde Ihrem sehr ergebenen Berichterstatter in der Nachspielzeit klar, dass da ja noch ein paar ganz hervorragende Kicker im Kader sind, mit denen sich die Truppe jederzeit verstärken ließe – Jackson Avevor und Christian Gartner, Emma Iyoha sowie Sercan Sararer, um nur mal drei zu nennen. Außerdem fiel ihm dann auch noch ein Mitglied ebendieses Kaders ein, dessen lange, lange Abwesenheit möglicherweise einer der Gründe für dieses ganze Desaster der Saison ist: Sergio da Silva Pinto, ein Mann, der mit seiner starken Kommunikationsfähigkeit manches Spiel zugunsten der Fortuna gedreht hat; möge er doch noch wieder gesund und fit werden!

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2 Kommentare

  1. Bertram Richartz am

    Vergessen wir die asoziale Vergangenheit . Denn „Zu diskutieren ist, welche Schritte den Prozess fördern, welche nicht.“ (R. Bartel am 25.06.2015 13:39 in -Veganer nerven- )

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