F95 vs Nürnberg 0:2 – Wie man sich ein Spiel grundlos aus der Hand nehmen lässt

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Die Schlüsselszene des Spiels gegen die ruppigen Nürnberger fand in der 27. Minute statt. Benito Raman läuft mit Volldampf und Ball am Fuß Richtung Sechzehner, an dessen Kante Rouwen Hennings lauert. Auf den passt Raman und läuft mit Speed weiter in den Strafraum, wo ihn punktgenau der Pass von Hennings erreicht. Der junge Belgier nimmt das Ding volley… aber der Nürnberger Keeper ist im exakt richtigen Moment aus dem Kasten und macht den Weg zu. Dies war eine atemberaubend schöne Kombination, die mit einem Treffer hätte belohnt werden müssen. Und – Achtung, es folgen diverse Phrasen! – wenn sich eine Mannschaft nicht mit Toren für überlegenes Spiel belohnt, kann das Ding nach hinten losgehen.

Viel mehr Analyse erfordert dieser Spielbericht kaum. Tatsächlich waren die Herren in Weiß den Nürnbergern in der ersten Halbzeit deutlich überlegen. Der Gegner stand ziemlich tief, ließ sich aber etliche Male von den Fortunen über die Flügel überspielen. Während F95 so in den ersten 45 Minuten zu drei, vier guten Torchancen kam, musste Raphael Wolf den Ball nach gegnerischen Schüssen kaum drei Mal überhaupt mit der Hand aufnehmen. Absolut überzeugend bei den Rotweißen waren wieder die drei B: Balleroberung, Ballbehauptung und Ballkontrolle. Jedem, wirklich jedem verlorenen Ball wird nachgesetzt, jeder Gegner wird bei Ballbesitz angelaufen und wenn ein Fortune in Ballbesitz ist, dann hat er die volle Kontrolle und weiß, den Ball zu behaupten. So hat F95 die 9 Spiele in der Hinrunde gewonnen und so trat sie bis zur Pause auf.

Wiedervereinigung

Tatsächlich sah es so aus, als wirke die Wiedervereinigung des mittelfeldlerischen Trios aus Marcel Sobottka, Florian Neuhaus und Oliver Fink Wunder. Besonders Kaan Ayhan spürte man an, dass ihm die Entlastung guttat, denn der spielte nun wieder einen kreativen Innenverteidiger, der sich auf das Mittelfeld verlassen kann. Ob Jean Zimmer ein besserer Außenverteidiger ist oder ob er vorne auf Außen wichtiger ist, bleibt offen, denn er spielte gestern einfach beides. Wieder zog die Flexibilität der Systeme. Mitten im Spiel stellte die Mannschaft mal eben vom nominellen 4-1-4-1 auf Dreierkette mit zwei Spitzen um. Dann waren entweder Zimmer (rechts) oder Gießelmann (links) mit auf dem Weg nach vorne, und Raman gab die zweite Spitze neben Hennings.

Bekanntlich ist alle Theorie grau. Während Sobottka zumindest anfangs an die Leistungen der Siegesserie anknüpfen konnte, sah man Neuhaus an, dass er hatte aussetzen müssen. Immer wieder blitzten seine Fähigkeiten auf, aber spätestens in der zweiten Halbzeit neigte dieses Supertalent dazu sich zu verstecken. Käpt’n Oliver Fink spielte dagegen seinen üblichen Stiefel, hatte aber nach der Pause nicht mehr viel zuzusetzen. Fehlt noch Andre Hoffmann, der regelmäßig die Anspielstation für abgebrochene Offensivaktionen war, die von hinten aus neu zu starten waren.

Fast ideale Halbzeit

So verlief die erste Spielhälfte bis auf das fehlende Tor beinahe ideal. Zumal Schiri Rohde die Partie ruhig und korrekt leitete und sich von den vielen Fouls und Nickeligkeiten der Nürnberger und deren andauernden Meckerns nicht beirren ließ. Die vorweihnachtlich gestimmten Fans auf der Süd sahen in der Pause auch ganz zufrieden aus, und eigentlich waren sich alle sicher, dass die Jungs die Kiste schon nachhause schaukeln würden. Schade, dass es wieder nur knapp 22.000 Zuschauer waren, die sich an einem nasskalten Montag in die Arena begeben hatten, aber nur „der Club“ einen gut gefüllten Gästeblock zustande gebracht hatte, fand das Spitzenspiel der zweiten Bundesliga überhaupt vor einer annehmbaren Kulisse statt. Aktuell ist es ja wohlfeil, „die Düsseldorfer“ dafür zu beschimpfen, dass sie nicht regelmäßig die Messehalle mit Rasen füllen – die extreme fanunfreundliche Ansetzung, das winterliche Wetter und der ganze Vorweihnachtsstress, den sich die Leute antun, sind wohl eher die entscheidenden Faktoren für die enttäuschenden Zuschauerzahlen. Beunruhigend ist aber, dass die Flanken der Südtribüne inzwischen mehr als luftig besetzt sind, dass also gerade die Stehplätze immer leerer werden. Denn hier schlägt das Herz der Anfeuerung.

Die zweite Schlüsselszene des Abends fand dann in der 88. Minute statt und hat mit einer der wenigen klaren Fehlentscheidungen des Referees zu tun. Der pfiff Strafstoß, nachdem Raman von einem Nürnberger im Sechzehner leicht berührt wurde und zu Fall kam. Die TV-Bilder zeigen, dass dies nicht mal ein Kann-Elfer war. Und wer läuft an? Ausgerechnet Kujovic, bei dessen Einwechselung für Neuhaus nur drei Minuten zuvor ein leichtes Stöhnen durch die Reihen der F95-Fans ging. Alle wissen: Für den Schweden läuft es bei der Fortuna überhaupt nicht gut. Bestand anfangs Hoffnung, er könne der herbeigesehnte Knipser werden, beweist der große Kerl mit dem dunklen Bart inzwischen bei jedem Auftritt, dass er es – zumindest in dieser Saison – einfach nicht draufhat. Vielleicht hat er sich ja mit dem verschossenen Strafstoß nun doch aus dem Kader katapultiert… Bei seinem norwegischen Pendant Harvard Nielsen, er kam in der 74. Minute für Fink, verläuft die Entwicklung umgekehrt. Er harmoniert – wie in Kiel gezeigt – gut mit Hennings und ist auch im Mittelfeld sehr agil.

Der Weg zur Niederlage

Wie aber kam es zur Niederlage? Die Nürnberger kamen nach der Pause völlig verändert zurück auf den Rasen, spielten zeitweise mit drei Spitzen, standen enorm hoch und imitierten erfolgreich das 3-B-Prinzip der Düsseldorfer. Nun waren es die schwarz gekleideten, die ständig Bälle eroberten, kontrollierten und behauptete. Außerdem zogen sie ein Flügelspiel auf, das dem der Fortuna in Hälfte Eins glich wie ein Ball dem anderen. Die Klienten von Trainer Friedhelm Funkel reagierten völlig hilflos und brauchten bis zur 70. Minute(!), um sich auf das veränderte Spiel des Gegners einzustellen. In diesen 25 Minuten kam keinerlei sichtbarer Impuls von der Bank – und wenn Funkel in dieser Zeit nicht bemerkt hat, was schiefläuft, dann haben die vereinzelten „Funkel raus!“-Rufe schon ihre Berechtigung.

Als die F95-Kicker aufwachten, stand es aber bereits 0:1. Verloren war noch nichts. Aber ganz ähnlich wie bei der bitteren Niederlage gegen Dresden vor zwei Wochen fand die Mannschaft kein kreatives Rezept gegen das neue System des Gegners. Übrigens: Der Treffer für die Nürnberger fand nach einer Ecke statt, die keine war – der Assi auf der Haupttribünenseite baute nach der Pause stark ab, nachdem er schon in der ersten Spielhälfte einmal mit einer Abseitsentscheidung voll danebenlag. Tatsächlich aber die Situation, die zum Tor in der 67. Minute führte, schon die vier oder fünfte mit Torgefahr gegen F95. Erst zu diesem Zeitpunkt sortierte sich das Team neu. Aber mit zunehmend mehr Sand, der durch die Uhr lief, wurden die Herren in Weiß nervöser und versuchten es immer öfter mit dem Hoch-Weit-Prinzip. Trotzdem ergaben sich Chancen, und der Ausgleich wäre auch nicht unverdient gewesen.

Konsequenzen

Stattdessen war es ausgerechnet der Unsympath mit der Glatze, der in der ersten Halbzeit durch bösartiges Spiel und ständiges Meckern aufgefallen war, der dann nach einem Freistoß das zweite Tor erzielte. Dass diese Figur sich dann auch noch herausnahm, vor den Fans der Fortuna provokativ zu jubeln, wird man sich dort für die Zukunft gemerkt haben. Aber selbst nach dem 0:2 war das Ding nicht gelaufen – immerhin standen noch 13 Spielminuten auf der Uhr, und die Fortuna kam offensiv wieder etwas mehr auf und setzte wieder eher auf Kombinationen. Und, wer weiß, was möglich gewesen wäre, hätte Kujovic den unberechtigten Elfer versenkt…

So aber endete das letzte Heimspiel des Jahres mit einer wirklich blöden Niederlage. In den Gesichtern der abreisenden F95-Fans war wahlweise Enttäuschung oder Ratlosigkeit zu lesen, während der Mob in den sozialen Medien schäumte: viele über die extrem parteiische Kommentierung der Partie auf dem Bezahlsender, viele aber auch über die Spieler, die sie immer schon nicht mochten, und ein paar dann auch zwangsweise über den Trainer. Der hat nun am Freitag die Gelegenheit, mit einem guten Auftritt samt Unentschieden oder Sieg in Braunschweig den Nachweis zu führen, dass er und die Truppe doch nicht nur zufällig auf einem der obersten drei Plätze der Tabelle zu finden sind.

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3 Kommentare

  1. Besser kann man diese Partie nicht zusammenfassen. Die ständigen Nickeligkeiten der Nürnberger in der ersten Halbzeit waren nervig. Vier gelbe Karten waren da eigentlich noch zu wenig. Es war nicht die Härte der Fouls, sondern die Summe die irgendwann nur noch das Ziel hatte jeglichen Spielfluss zu verhindern und Tempo aus der Partie zu nehmen bzw. den Vorteil für Düsseldorf zu unterbinden. Ich vermisse eine Sascha Rösler der sich die Gelegenheit sicherlich nicht hätte nehmen lassen bei so viel Auswahl an Gelbverwarnten noch weitere Fouls zu provozieren bis aus Gelb auch mal Rot geworden wäre. Aber mit unseren aktuellen Chorknaben ist das leider nicht möglich. Völlig unverständlich ist mir aber auch, dass es keine Konsequenzen hat, wenn jeder Schiedsrichterpfiff mit eben diesem ausdiskutiert wird. Es mutet in den letzten Spielen so an, als würden wir gegen Debattierclubs antreten und nicht gegen Fussballvereine. Jetzt komme ich vom Handball, ich kann mich nicht erinnern in 20 Jahren auch nur einmal mit einem Schiedsrichter diskutiert zu haben. Es macht mir im Augenblick wirklich Sorgen, wenn ich bei meinem Sohn in der Fussball D-Jugend gleiche Tendenzen erleben muss. Hier wird auch mehr geredet als gespielt, jeder Pfiff wird kommentiert, keiner akzeptiert, und von der Seitenlinie werden diese Kinder von übermotivierten unprofessionellen Trainern und Eltern noch angestachelt. Aber so bekommt man es ja inzwischen vorgelebt, bestimmt wird es demnächst auch Einzug in FIFA 19 finden. Hier eine Lösung zu finden würde ich für wichtiger erachten als diesen Videobeweis durchzuboxen.
    Zur zweiten Halbzeit gibt es ja nicht mehr viel zu sagen, außer das es wirklich schmerzt wenn der größte Unsympath auch noch ein Tor macht um sich dann vor dem Düsseldorfer Fanblock feiern zu lassen. Das tut mehr weh als die Niederlage an sich. Zum Elfmeter gibt´s nichts mehr zu sagen, der ist erwartungsgemäß verlaufen – nach langen Diskussionen

    • ChristianAlbertOtto am

      Zum Elfmeter bliebe vielleicht noch anzumerken: Es wurde auch hier vom DebattierClub stark diskutiert was in meinen Augen einfach nur unsportlich ist. Ob Fehlentscheidung oder nicht spielt für mich in dieser Situation keine Rolle. Die Spieler dürfen sich natürlich aufregen, aber dann muss auch gut sein.
      Das war auch schon beim Finale gegen Heidenheim so als sich auch die Bank die letzten 10 Minuten eingemischt hat. Bei beiden Begegnungen, FCH und FCN, kam es am Ende zu einem (unberechtigten) Elfmeter und in Folge dessen zu Gerangel und Schubsereien. Dadurch läuft uns mal wieder kostbare Zeit die Uhr runter in der es vielleicht noch möglich gewesen wäre was zu reißen (die Hoffnung stirbt zuletzt).

      Die Unsportlichkeiten regen mich letzten Endes mehr auf als die verlorenen Punkte oder die Niederlage.

      Danke Das K., dass Du das hier mal angesprochen hast.

  2. So,so… dann sind wieder „Funkel raus“ Rufe zu hören. Aber so sind wir Düsseldorfer wenn wir auf dem dritten Tabellenplatz der „Zweiten Liga“ stehen . Wir sind unzufrieden. Was passiert denn wenn wir aufsteigen? Dann haben wir ein Jahr lang „Volle Hütte“ in der „Kommerzliga“ und dann steigen wir wieder ab.
    Ich denke Funkel geht offensiv über die ganze Saison, alle Risiken ein. Ich erinnere an die Diskussion letzte Saison. Wenn wir nicht aufsteigen können wir wenigstens wieder gegen Köln spielen.

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