F95 vs Nürnschäfer 1:1 Oder: Schwalben sind scheiße…

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Zunächst sei dem singenden Volk in der Kurve bescheinigt: Ja, hier habt ihr recht, der ewige Schäfer im Glubbertor könnte tatsächlich zweifelhafter Herkunft sei, so wie der sich aufführte. Überhaupt hatten wir es ja gestern mit einem Haufen wütender Würstchen der Sorte Original Nürnbergerlis zu tun. Ziel der Wut war über weite Strecken der Schiri Stieler, der aber auch anderthalbmal tief in den Siphon griff. Nun war es von der Süd aus natürlich nicht zu erkennen, aber die TV-Aufzeichnung lehrt uns, dass der Herr Sararer in seiner schönspielenden Not tatsächlich eine Schwalbe fabriziert hat, die sogar zum Elfer führte. Halten wir fest: Schwalben sind scheiße. Immer. Egal wann, wo und von wem geschauspielert. Das weiß auch der Herr Sararer und zeigte sich nach dem Spiel reumütig. F95-Anhänger, die jetzt argumentieren, wär ja egal, Hauptsache ein Punkt, oder darauf hinweisen, dass die Fortuna ja auch schon benachteiligt wurden, haben den Knall der grassierenden Unfairness nicht gehört. Den Robben zu machen, ist Betrug am Fußballvolk. Punkt.

Bisschen anders sah es kurz nach dem Neuanpfiff aus, als der Axel einen Schuss der FCNler über die Torauslinie lenkte. Ja, der Arm war dran, aber wenn man sich das Regelwerk einmal wirklich genau ansieht, wird man feststellen, dass es auf die Absicht ankommt:

Dem gegnerischen Team wird ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielt (gilt nicht für den Torwart im eigenen Strafraum).Quelle: DFB/Schiedsrichter

Unter dem besagten Link wird dann diskutiert, wann der Referee von einer Absicht des handspielenden Spielers ausgehen kann. Und das wird dann so zusammengefasst:

Dieser Bestimmung ist bereits zu entnehmen, was der Schiedsrichter als erstes zu tun hat, wenn er einen Kontakt zwischen Ball und Hand wahrnimmt. Er muss beurteilen, ob diese Berührung absichtlich erfolgt ist oder nicht. Wenn er sie als unabsichtlich einstuft, kann er sie dem Regeltext entsprechend auch nicht bestrafen. Eine Hilfestellung findet der Referee in den Anweisungen der FIFA, die ihm einige Hinweise darauf geben, wann ein Handspiel als absichtlich einzustufen ist. Hier heißt es, dass der Unparteiische auf eine Bewegung der Hand zum Ball achten soll und nicht umgekehrt. Auch die Entfernung zwischen Spieler und Ball ist zu beachten. Im Klartext heißt dies, dass der Schiedsrichter beurteilen muss, ob der Spieler überhaupt eine Chance hatte, dem sich nähernden Ball auszuweichen. Auch die Position der Hand kann eine entscheidende Rolle spielen. Befindet sie sich nämlich in einer unnatürlichen Haltung, muss auch von Absicht ausgegangen werden. Das typische Beispiel hierfür sind Spieler in einer Mauer, die zum Schutz des Gesichtes einen Arm hoch halten. Springt der Ball nun gegen diesen Arm, so liegt zwar sicherlich keine aktive Bewegung zum Ball vor – der Arm hat jedoch dort oben nichts verloren, und deswegen handelt es sich um ein absichtliches Handspiel. Die Regel geht sogar soweit, dass ein Handspiel auch dann absichtlich erfolgt, wenn der Spieler den Kontakt zwischen Ball und Hand zwar vorhersehen kann, ihn aber nicht verhindert.

Gleichzeitig faseln die Spochtrepochter in ihrer tragischen Dummheit was von „vergrößerter Körperfläche“ und dergleichen. Kurz und gut: Bei Axels Aktion kann – ähnlich wie auch beim gegebenen Elfer bin Freiburg – keine Rede sein.

Zurück zum Spiel. Natürlich konnte unser Trainer Kurz seinen Mannen nicht denselben Spielplan wie eine Woche zuvor auf die Unterarmen tätowieren lassen. Stattdessen hatte er wohl die Parole „vorsichtig spielen“ ausgegeben. Immerhin ein Plan, der aber offensichtlich keine Anweisungen für eine geregelte Offensive enthielt. Denn da lief in der ersten halben Stunden a) auf der rechten, der griechischen Seiten gar nichts und b) auf links nur der Herr Sararer, der sich wieder einmal in Schönspielerei übte. Axel hielt sich offensiv merklich zurück, und in der Mitte verhungerte der neue Herr Djurdjic, von dem noch die Rede sein wird. Ob das Team des schweizer Rumpelstilzchens einen Plan hatte, ließ sich von außen nicht feststellen. So bewegte sich die Pille meistens irgendwie im Mittelfeld herum, und der Herr Jackson als Ballverteiler in Rot hatte alle Füße voll zu tun. War aber auf dem rechten Auge blind. Dass der Herr Schauerte – ähnlich wie der Axel – zum Verteidigen verdonnert war, konnte man leicht sehen.

Tatsächlich gab es Chancen für die anderen – genau drei in Hälfte 1. Aber keine davon lag auch nur annähernd bei 100%. Und dann ist da ja auch noch der Herr Rensing, der – außer er wird fußballerisch – wieder fehlerfrei agierte. Unter den Tausenden Trainern im Block kam die Frage auf, wo denn der Unnerstall wohl nächstes Jahr spielen wird – man tippte auf Holland… Die beiden IVs, also Käpt’n Haggui und der Herr Madlung, harmonieren prächtig und bügeln gegenseitig Fehlerchen aus, denn der eine ist manchmal bisschen langsam, der andere gelegentlich schlampig. Apropos Fehler: Wenn Trainer Kurz eins in kurzer Zeit geschafft zu haben scheint, dann dass er den Buben die Fehlerquote weitgehend ausgetrieben hat. Nur dem Herrn Schmitz gelang zwischenzeitlich ein bedrohlicher Rückpass.

Jedenfalls gab es in der 33. Minuten einen unberechtigten Strafstoß für das aktuelle Team der glorreichen Fortuna. Der superfleißige Herr Demirbay verlud den ewigen Schäfer, und – zack – führte F95. Zu recht? Na ja… Aber der Treffer war ein Knotenlöser, denn nun drückten und ackerten die Burschen, aus denen anscheinend gerade eine Mannschaft wird, Richtung FCN-Sechzehner, dass es eine Pracht war. Da gelangen dann schon diverse Spielzüge. Und mancher Freistoß war sehenswert. Geübt hat man wohl scharfe Kurvenbälle mitten hinein in den Strafkasten. Auch die Ecken sind deutlich besser geworden. Und zweimal war der lange Herr Madlung mit der Birne dran, ohne daraus eine Bude machen zu können. Die hätte der Herr Djurdjic dann kurz vor der Pause machen MÜSSEN. Der Herr Schauerte war es anscheinend leid, hinten rumzugurken und rannte die Linie runter, um dann fast von der Grundlinie aus zu flanken. Aber unser Neustürmer konnte nicht. Schade.

Ein schweizer Giftzwerg und der ewige Schäfer
Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte der coachenden Giftzwerg den Clubberer im Pausenraum einen kollektiven Einlauf verpasst, den die wurden nach der Rückkehr auf den feuchten Rasen aber mal so richtig drängend. Ja, plötzlich stand selbst deren Viererkette selten weiter hinten als auf Höhe der Mittellinie, und teilweise lungerten vier Nürnberger im Sechzehner des Herrn Rensing herum. Und nun konnten unsere Jungs fast auf das Freiburger System umstellen, also ständig den ballführenden Gegner anlaufen, also voll auf Balleroberung und Konter spielen. Das gelang auch ziemlich oft. Und in der 60. Minute hätte der Herr Djurdjic das 2:0 machen MÜSSEN. Aus einem Konter heraus bekam er an der linken Kante vom Strafraum einen Steilpass in die Füße und – wir schalten um auf Zeitlupe – dribbelte ein bisschen, hob den Kopf, sah den ewigen Schäfer, senkte den Kopf wieder, begann nachzudenken, hob den Kopf, überlegte deutlich sichtbar ob er scharf und flach oder doch vielleicht tunneln, um sich schließlich für einen dümmlichen Lupfer zu entscheiden, den der ewige Schäfer über die Latte lenkte. Da konnte einem der ehrgeizige Neustürmer schon ein bisschen leidtun.

Apropos neu: Der Herr Mavrias soll ja auch mitgespielt haben, sagt man. Punkt. Und wurde so um die 65. herum durch unseren Ihlas ersetzt, der defensiv gestern ein bisschen überfordert wirkte, zwei-, dreimal von seinen Gegnern überspielt wurde und manche Situation falsch einschätzte. Dafür brachte er Dampf auf die rechte Seite. Zum Beispiel so ungefähr eine Viertelstunde vor Schluss als er einen feinen Pass auf den Herrn Sararer spielte, der auf den ewigen Schäfer zustürmte, der sich hinwiederum auf den Ball warf, dabei natürlich vom Schuh des Herrn Sararer getroffen wurde; der Ball blieb frei, und nun versuchte der Ihlas den Keeper zu überwinden und traf den ewigen Schäfer leider noch einmal. Der brach zusammen, und es war unser Mannschaftsmediziner, der Herr Blecker, der als erster bei ihm war und dementsprechend Erste Hilfe leistete. Offensichtlich war der FCN-Schlussmann am Nischel getroffen worden, der er reagierte von da an wie ein Hirngeschädigter. Mehrfach griff er F95-Kicker an, besonders den Ihlas, und pöbelte auch sonst unentwegt herum. Der Mann hätte ausgewechselt gehört und kurzfristig in eine Zwangsjacke gesteckt werden müssen.

Aber auch dieser Typ an der Seitenlinie, der im TV eine Art Deutsch zu sprechen versuchte, hüpfte nur noch schreiend und gestikulierend in seiner Zone umher, wobei er hauptsächlich mit dem Schiri zu kommunizieren versuchte. Der nahm sich einmal die Zeit, dem Trainerlein zu erklären, dass er den Zwayer machen würde, wenn der Herr Käsefondue nicht endlich Ruhe gäbe. Aber das ständige Debattieren und Aufregen und Rumbrüllen hatte leider Wirkung gezeigt, denn der Herr Stieber entschied etwa ab der 65. Minute zwanghaft für die Würstel. Mindestens dreimal pfoff er Zweikämpfe ab, die an sich korrekt verlaufen waren – immer zuungunsten der Jungs in Rot. Kann natürlich auch das sein, was Spochtrepochter gern „Konzessionsentscheidungen“ nennen.

Das halbgute Gefühl am Ende
Ob irgendein anderes Team dem wachsenden Druck der Glubberer standgehalten hätten? Wohl eher nicht. Die spielten zum Schluss voll auf Risiko, und holten Ecke um Ecke, Freistoß auf Freistoß heraus, und den F95-Kickern flogen die Dinger nur so um die Ohren. Wohlgemerkt: Aus dem Spiel heraus kamen die anderen selbst in dieser Phase zu maximal zwei Halbchancen. Und leider sprangen einfach zu wenige Konter heraus, die den Würstchenmännern den Garaus hätten machen können. Wie heißt es so schön? Es kam wie es kommen musste: Eine Ecke flog in den völlig überfüllten Fünfer, und eine Nürnberger Birne zimmerte die Pille in die Hütte: Ausgleich. Danach kam es zu Turbulenzen, die vor allem durch die wachsende Unfairness der FCNler ausging. Beim Umnieten des aufs Tor zu rasenden Herrn Demirbay zog einer von denen eine knochenbrecherische Notbremse, kriegte aber nur Gelb. Und in der Nachspielzeit wurde es noch wilder. Da waren dann am Ende alle froh, dass der zwiegespaltene Schiri Stieler endlich abpfoff. Die Nerven waren nämlich durchgehend gespannt.

Eigentlich und aus der Perspektive der Kramer-Ära betrachtet müssten die Fortunesen ziemlich glücklich sein über den einen Punkt gegen einen Aufstiegskandidaten. Andererseits hätten die Kerle von Trainer Kurz auch ohne geschenkten Elfer gewinnen können, weil sie 1. kämpferisch absolut 1a drauf waren, 2. defensiv sehr sicher standen und 3. weniger Fehler machten – hätte der Djurdjic…. Aber: Hätte, hätte liegt im Bette. Die Söldner vom 1. FC Nürnberg dagegen hatten erst ab ungefähr der 60. Minute überhaupt einen Plan und dürfen so über das Unentschieden ziemlich dankbar sein. Können sich die Fortuna-Fans auf den Rängen allerdings nix für kaufen. Und hoffen kollektiv, dass die Truppe kommende Woche den blauweißen Scheichkätzchen zeigen, wo der Hammer wirklich hängt.

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2 Kommentare

  1. Ich gebe dir im Grundsatz recht, dass Schwalben immer Scheiße sind, auch wenn Fortuna davon profitiert. Allerdings sehe ich schon einen Unterschied darin, ob einer den Robben macht und sich mit dem Vorsatz, einen Elfer zu schinden, einfach mal hinwirft, oder ob ein Spieler, wie im Fall Sararer, einfach nur auf dem seifigen Geläuf ausrutscht und dankbar den Pfiff des Schiris entgegennimmt. ich glaube nämlich nicht, dass das eine geplante Schwalbe war.

    Ansonsten ein schöner Bericht, dessen Spielanalyse ich größtenteils zustimme. Aber ein paar Dinge möchte ich noch korrigieren:

    Der Fortune, der kurz vor Schluss beim verheißungsvollen Konter böse gelegt wurde, ist Fink gewesen, der kurz zuvor für Demirbay eingewechselt wurde.
    Der dickste Patzer war nicht ein Rückpass von Schmitz, sondern ein böser Querpass vom Axel genau in einen Nürnberger Fuß. Die daraus entstandene Chance war dann tatsächlich auch eine hundertprozentige Torchance der Franken in der 1. Halbzeit, die unser Goalie im Stile eines Handballtorwartes gerade noch mit dem Arm abwehren konnte.

    • Rainer Bartel am

      Danke für den Kommentar und natürlich die Korrekturen: 1000 Augen sehen mehr als 2 ;–))

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