Es gibt ja diese Siege, die mit Blitz und Donner, Glanz und Gloria daherkommen. Ältere F95-Freunde werden sich an in 6:0 gegen den FSV erinnern, noch ältere an strahlende Siege über die Bayern. Zu dieser Kategorie zählt die Drei-Punkte-Einfuhr gestern nicht. Dafür war es eine Partie, wie sie die Fortuna 2018/19 kaum besser spielen kann. Um zu beschreiben wie genau die Truppe gewann, müsste man tief in die Floskelkiste greifen – sparen wir uns das.

Und halten wir außerdem fest, dass die Stuttgarter Notgemeinschaft ein desolater Haufen ziemlich teurer Kollegen ist, von denen nicht einer auf Normalniveau kickt. Und weil es überhaupt nur zwei halbwegs kreative Herren bei denen gibt, lässt sich deren Offensive relativ leicht ausschalten. Außerdem passt defensiv bei den Spätzlekicker fast gar nichts, und ohne ihren Keeper wären so völlig aufgeschmissen.

Aber auch solch ein Gegner will erst einmal besiegt werden. Dazu braucht man einen Plan, den Fortuna-Friedhelm zusammen mit seinen Co-Jungs natürlich auf dem Zettel hatte. Die Startaufstellung verwirrte diverse Berichterstatter in den Online- und TV-Medien, die das System so ziemlich als alles darstellten, was sich auf 10 addiert. Auf dem Platz war es dann ein 4-1-4-1 wie es der Neusser ja schon öfters hat spielen lassen.

Dass gleich ACHT Männer draußen blieben, die es auf Schalke verkackt hatten, kann den geneigten F95-Anhänger am Ende noch wütender darüber machen, dass die sportliche Leitung das Achtelfinale wie ein Freundschaftsspiel gestaltet hätte. Ihr Ergebener wagt die steile These: Mit dem Team von gestern stünde die Diva im Viertelfinale – ewig schade, dass nicht…

Die Spielanlage war klar. Beide Viererreihen standen hoch und zeigten das, was dieses Team in Rot sei Saisonbeginn ausmacht: Unermüdlichkeit. Da muss man auch mal bei den Konditionstrainern ein paar Blümchen vorbeibringen, dass die den Kader in derart gute Verfassung gebracht haben und darin halten. Da muss man nicht immer nur Kevin Stöger, der 13-Kilometer-Mann heranziehen; auch wenn Käpt’n Oliver Fink bis zu seiner Auswechslung “nur” 8,8 Kilometer gerannt ist, seine körperliche Leistung war wieder grandios.

Überhaupt: Natürlich war Fink Mann des Spiels. Sein “hohes” Alter hindert ihn nicht am vollen Einsatz, und seine langjährige Erfahrung hilft ihm, Zweikampfsituationen in Blitzesschnelle zu erkennen, eine Lösung zu finden und durchzusetzen. 15 gewonnene Zweikämpfe hatte sonst nur noch einer auf dem Laufzettel – ja, genau, dieser Kenan Karaman, den viele Interessierte lange unterschätzt haben, der vielen unbeweglich erschien, der Mann kommt. Und zwar gewaltig. Da muss er nicht unbedingt eine Traumflanke von Dodi Lukebakio per Kopf in die Hütte zimmern.

Dass aber ausgerechnet die beiden besten Zweikämpfer für die ersten beiden Tore standen, beschreibt das Spiel hinreichend. Nein, dieses Team wird die Zuschauer nicht mit Doppelpassstaffetten bezaubern, mit individuellen Tricks und Spielzügen wie aus der Computersimulation, diese Mannschaft wird immer kämpfen und arbeiten müssen. Selbst wenn es dann zu solchen Sahneflanken wie die zum 1:0 kommt oder zu diesem Steilpass von Stöger, den Benito Raman mit frechem Lupf ins 3:0 umwandelte.

In der Defensivkette beeindruckte drei von vier Herren – jeder auf seine Weise: Kaan Ayhan und Marcin Kaminski standen supersicher und schalteten sich bisweilen in den Angriff ein. Ja, auch Kaminski, was man von ihm nicht gewohnt ist. Dabei klappte die Absicherung perfekt, weil Adam Bodzek automatisch die Lücke füllte. Der gute Adam produzierte sein bestes Spiel in dieser Saison, und wer ihn abschreibt, hat keine Ahnung.

Dass Matthias Zimmermann der perfekte AV für das gewählte System ist, dürfte klar sein. Aber gestern erfüllte er seine Rolle mit absoluter Perfektion. Was man leider von Niko Gießelmann auf der anderen Seite nicht sagen kann. Er zeigte wieder, dass das Team die Alternative für die linke Abwehrseite dringend braucht.

Die eigentliche Erkenntnis der Partie – nachdem ja außer Marcel Sobottka und Diego Contento alle Feldspieler zur Verfügung standen – ist, dass die Trainer sich jederzeit zusammenbasteln können, was ihnen systemisch vor einem Spiel vorschwebt, und immer die passenden Leute dafür haben. Mit dem, was heutzutage “Rotation” heißt, hat das nicht zu tun, denn die ist was für Vereine, die in drei Wettbewerben anzutreten haben – Fortuna hat sich dieser Sorge ja vergangene Woche elegant entledigt.

Weil dieser Spielbericht unter einigermaßen merkwürdigen Bedingungen entstanden ist, wollen wir es dabei bewenden lassen, ohne näher auf den fleißigen Jean Zimmer sowie die eingewechselten Alfrdo Morales und Rouwen Hennings. Unerwähnt bleiben soll auch die gestern keine Rolle spielende Schwäche bei Standards. Dafür ist das Gefühl, dass Fortuna Düsseldorf nun 12. ist zu schön.

[Etwaige Rechtschreib- und andere Fehler sind nicht gewollt, waren aber unvermeidbar. Wird alles korrigiert…]

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1 Kommentar

  1. Ja, Stuttgart war schon sehr schwach, aber unsere Fortuna auch stark. Sie haben nicht viel zugelassen, aber bei manchen Situationen dachte ich schon, gut dass die Stuttgarter so blind sind.

    Aber trotzdem, deswegen stehen die Stuttgarter da unten und wir nicht. Wir stehen aktuell im Mittelfeld. Wer mir das vor der Saison angeboten hätte, meine Unterschrift wäre ihm sicher. Ich freue mich über die aktuelle Situation und stichele auf der Arbeit schon mal gegen die ganzen Dummschwätzer, die vor der Saison uns für nicht konkurrenzfähig hielten (vor allem, dem, der mir am Tag nach dem Aufstieg einen großen Zettel “Absteiger 2019” an die Tür geklebt hat. Noch sind wir nicht durch, aber es sieht gut aus. Und nicht vergessen, die Konkurrenz unten hat auch ein schweres Restprogramm.

    Das einzige was nervt, sind die wiederholten Abendspiele :-(.

    Tschöö, wa.

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