F95 vs Wolfsburg 0:3 – Erste Liga abschreiben? Auf keinen Fall!

1

Man kann es wirklich nicht mehr hören, dieses öde Geseire von den „Mechanismen des Fußballgeschäfts“ und diese sinnentleerten Sprechblasen. Wenn eine Mannschaft eine Klatsche kassiert hat, dann muss sie „eine Reaktion zeigen“ oder irgendwas mit „Wiedergutmachung“ veranstalten. Klar muss sich in und um ein Team herum meistens was ändern, wenn eine Partie in die Hose gegangen ist. Aber nur, wenn jeder einzelne Spieler und das Trainer-Team wirklich per Analyse bestimmen kann, was schlecht und/oder falsch war und wie man Abhilfe schaffen kann. Insofern hat Friedhelm Funkel unter der Woche schon eine Reaktion angekündigt und mit der Aufstellung auch vollzogen. Dass auch die Kicker, die in Frankfurt so derb verloren hatten – bis auf zwei Ausnahmen – jeder für sich herausgefunden hatten, was sie ändern könnten, war gestern zu sehen.

Womit wir bei dem Mann sind, der sich nach dem Waldstadiondebakel am heftigsten selbst kritisierte: Kaan Ayhan. Dieser schonungslose Umgang mit der eigenen Leistung hat ihm viel Respekt eingetragen, und seine Reaktion darauf im Spiel gegen VW sollte diese Anerkennung noch steigern. Der gute Kaan ist ein ziemlich ernsthafter Mensch, der den Fußball und seinen Job liebt – und das ist eine Einstellung, die ihn noch sehr weit bringen wird. Wir dürfen froh sein, diesen Spieler in den Reihen der Fortuna zu haben.

Springen wie die Fohlen

Die beiden Gegenbeispiele sind von Hause aus Belgier, und vielleicht sind junge Männer aus Belgien einfach so wie Dodi Lukebakio und Benito Raman: Sie springen umher wie die Fohlen, haben Spaß am Ball, narren gern Gegner, aber denken anscheinend nicht für fünf Pommes über ihren Beruf und den Wert des Spiels an sich nach. Begabt sind sie beide, einer sogar hochbegabt, schnell sind sie, trickreich, aber wenn die Dinge nicht in ihrem Sinne laufen, dann werden sie erst schlampig und verlieren dann den Spaß an der Sache. Schwer vorstellbar, dass die Herren Lukebakio und Raman sich wirklich mit ihrer jeweiligen Leistung in Frankfurt befasst und irgendwelche Schlüsse gezogen haben.

Und wer meint, dies seien streng subjektive Beurteilungen, der sollte sich die offiziellen Spiel- bzw. Spielerstatistiken anschauen – vor allem in der Entwicklung von Halbzeit zu Halbzeit. In der schneidet aber die Fortuna insgesamt nicht sehr gut ab – auch im Vergleich zu bisherigen Partien. Die Laufleistung kann man knapp zusammenfassen: Weniger und langsamer. Vier Wolfsburger liefen mehr als Matthias Zimmermann, der rennfreudigste Fortune. Nur bei der Zweikampfquote war das Team in Rot einen Hauch besser als die Gäste. Und obwohl die F95er mehr Flanken schlugen, kamen sie nur zu ACHT Torschüssen. Standardsituationen blieben durchweg ohne Wirkung.

Ominöser Elfer

Die TV-Bilder werfen übrigens die Frage auf, ob der konfuse Schiri den Strafstoß gegen Rouwen Hennings (und dazu eine gelbe Karte) geben musste. Dass er auf Elfer entschied, war jedenfalls aus Sicht der Videokollegen im kölschen Keller keine krasse Fehlentscheidung. Und, ja, die Berührung des Balles mit dem Arm änderte dessen Flugkurve entscheidend. Allerdings ließe sich darüber diskutieren, ob es sich um eine unnatürliche Körperbewegung gehandelt hat bzw. ob Hennings durch seine Bewegung überhaupt seine Körperfläche vergrößert hat. Anders als in Frankfurt war das resultierende Tor in der 41. Minute jedenfalls nicht verdient, weil die VW-Burger bis dahin weder die bessere Mannschaft waren, noch wirklich nennenswerte Chancen herausgespielt hatten.

Ganz im Gegensatz zu den Fortunen, die in den ersten 40 Minuten dreimal dicht dran waren; beide Male übrigens nach heftigen Defensivfehlern des Teams vom schönen Bruno. Leider war der Winkel nach dem Umspielen des WOB-Keepers für Hennings dann doch zu spitz, leider traf Robin Bormuth das Ei nicht ganz richtig mit dem Kopf, und leider gelang Dodi ein Lupfer direkt vor dem Tormann nicht zu hundert Prozent. Schwach war das Team, dass der Dieselbetrugsladen sich mit seinen ergaunerten Millionen zusammengekauft hat. Und wie gegen Schalke und Leverkusen hatte die launische Diva wieder die Möglichkeit, mit einem Vorsprung in die Pause zu gehen. Und wieder fehlten die Tore.

Mehr Außenwirbel, öd und leer in der Mitte

Nach der Pause stellte VW-Burg auf Klopperei um. Der wirklich nicht konsequente Pfeifenmann reagierte darauf mit dem Gelbe-Karten-Hagel. Immerhin versuchten die Jungs von Funkel nun deutlich offensiver zu Werke zu gehen anstatt immer nur lange Bälle auf Hennings zu spielen, der deshalb ständig mit dem Rücken zum gegnerischen Tor agiert, was keine gute Ausgangslage fürs Knipsen darstellt. Dodi und Zimmer eroberten die Bodenhoheit auf rechts, es gab feine Doppelpässe, an denen auch Alfredo Morales und Matthias Zimmermann gelegentlich beteiligt waren. Nur, was sollen prima Flanken von außen, wenn in der Mitte kein Abnehmer lauert? Die Spielweise auf außen – das gilt auch für die Seite mit Gießelmann und Raman – passt einfach nicht zu dem, was sich im Zentrum abspielt.

Man hoffte, dass sich dies durch den Wechsel von Käpt’n Bodzek (der als 6er gearbeitet hatte) auf Marvin Ducksch ändern könnte. Tat es auch. Genau zweimal. Einmal verunglückte dessen Schuss, einmal war er einen Schritt zu langsam. Wir wissen jetzt, dass der gute Marvin in Kiel nur deshalb so erfolgreich war, weil das gesamte Offensivsystem auf ihn zugeschnitten war. Ist es bei der Fortuna nicht, und sollte es auch nicht sein. Also hoffen nicht wenige rotweiße Fans, das Kenan Karaman bald fit wird und dann seine Chance als Mittelstürmer bekommt. Auch ohne Marcel Sobottka zeigte sich das Mittelfeld mit Morales und Zimmermann ganz ordentlich, wenn auch mit relativ wenigen Kreativauswüchsen. Fleißig sind sie beide und zweikampstark ohnehin. Aber zum echten Spielmacher taugt weder der eine, noch der andere.

Wie der geliebten Fortuna dieses Jahr die Heimspiele verloren gehen, zeigte das 0:2 in aller Deutlichkeit. Dessen Entwicklung konnte man als Fan auf der Südtribüne schon gut zwei Minuten vor dem Treffer erkennen. „War ja klar,“ hieß es im 41er. Denn wie sich die linke Abwehrseite formierte, lud die Wolfsburger zu einer lässigen Doppelpassaktion geradezu ein. Solche kollektiven Aussetzer werden es sein, wenn F95 am Ende der Saison doch ganz, ganz unten steht.

Gekommen um zu bleiben – wirklich?

Das alles ist einfach zu wenig. Und die einzige Frage, die sich stellt, bleibt: Dauerhaft zu wenig für die erste Bundesliga? Diese These wird ja schon seit Beginn der Saison von einigen Beobachtern (und jeder Menge nachplappernder Fans) vertreten. Ja, selbst die Verantwortlichen äußern sich auf die eine oder andere Art verklausuliert in ähnlicher Weise. Fußballgucker, die an die „Mechanismen“ glauben, faseln ja schon von Wintertransfers – soweit sie nicht den Rausschmiss des Trainers und diverser Spieler fordern. Natürlich wäre es sinnvoll, taktische Schwachstellen durch einen oder mehrere neue Spieler aufzulösen … wenn diese a) überhaupt zu haben und b) für Fortuna Düsseldorf bezahlbar sind. Außerdem müssten die Kaderplaner dann – wie im Vorjahr – auch noch Glück haben, dass die eingekauften Kicker genau die Lücken stopfen, die aktuell zu beobachten sind.

Kann also funktionieren, muss es aber nicht. Die Trainerdiskussion fangen wir nach diesem Spiel gar nicht erst an, denn ein Coach, der mit dem zur Verfügung stehenden Kader mehr erreicht als Friedhelm Funkel, ist nicht vorstellbar. Das sieht übrigens auch unser Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer so. Was bleibt also? Die Erstligasaison 2018/19 einfach abschreiben? Sich jetzt schon in den Abstieg fügen? Sich schon mal auf eine zweite Liga freuen, die ohnehin in jeder Hinsicht mehr Spaß macht? Volle Konzentration nur noch auf den Pokal? Nichts wäre dümmer als das, denn die glorreiche Fortuna, der deutsche Meister des Jahres 1933 und doppelter Pokalsieger 1979 und 1980, ist immer noch nicht wesentlich schlechter dran als die designierten Kontrahenten im Kampf gegen den Abstieg; ja, seit gestern Abend steht F95 sogar wieder auf Platz 17 – wenn auch geteilt mit Stuttgart, das genauso übel dran ist. Schalke, Nürnberg, Leverkusen und Mainz dümpeln in 4-Punkte-Entfernung, und mit zwei Siegen könnte die Fortuna leicht bis auf Platz 12 springen.

Und wenn sich das Blatt wendet?

Und wer sagt denn, dass nach einem Pokalsieg in Ulm nicht auch ein Auswärtssieg bei den Ostholländern möglich wäre? Denn auch wenn es dem aktuellen Kader im Vergleich zu fast allen Konkurrenten messbar an fußballerischen Fähigkeiten fehlt, es gibt spielerisch immer wieder gute Ansätze, und die Leistungsbereitschaft ist durchgehend hoch. Bleiben wir beim Motto, das wir vor Beginn der Spielzeit ausgegeben haben: Diese Saison nehmen wir mit. Alles weitere später…

Download PDF

1 Kommentar

  1. RubensTuna1638 am

    „Mechanismen des Fußballgeschäfts“:(
    http://www.sport1.de/tv-video/video/check24-doppelpass-ganze-sendung-mit-paul-breitner-und-bruchhagen__1yErpPvf__1z5PFdFqc44uno1wik57aw/playlisten/doppelpass-sendung
    44:10-44:48 „[…] Aufstiegstrainer Fortuna Düsseldorf… Szenarien kann man ja vorgeben…Der Friedhelm wird im Juni durch Düsseldorf auf den Schultern getragen … und im November … erst kommen die Blumen und dann werden die Töpfe geworfen […]“, Heribert Bruchhagen/Mai 2018.
    November ist schon vor der Tür…Keiner denkt aber so wirklich mindestens von uns 24.000, die auch in den letzten öfters schwierigen Jahren im Stadion waren, oder?
    Denn wir können ja nur sehr stolz auf unseren Trainer, die Mannschaft und alle sein, die unsere liebe Tuna zurück in die BL geführt haben, oder?
    Alle geschlossen auf dem Rasen und auf den Rängen – Kämpfen, Kämpfen und Siegen!

Antworten