Meinung · Man darf den Gesamtplan des Klaus Allofs als gescheitert betrachtet. Zumindest vorübergehend geschlossen. Klug ist, wer das Scheitern eines Plans einsieht und gegensteuert. Die Maßnahmen im soeben vergangenen Wintertransferfenster müssen wir Fans der glorreichen Fortuna deshalb als Plan B betrachten. Es geht wie vor zwei Jahren darum, einen drohenden Abstieg zu vermeiden, der – das ist sonnenklar – besonders wirtschaftlich einer Katastrophe gleichkäme. Und wie damals wurden drei einigermaßen erfahrene Haudegen verpflichtet, dieses Mal aber gleichzeitig zwei Jungspieler verliehen. [Lesezeit ca. 4 min]

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Nicolas Gavory (26) hat nun schon zweimal in Rotweiß gespielt; einmal ganz ordentlich, einmal nicht doll. Beide Male als linker Außenverteidiger in einer Viererkette, schließlich ist er der gewünschte Linksfuß. Ebenfalls mit einem stärkeren linken Fuß ausgestattet ist Jordy de Wijs (26), der soeben von den Queens Park Rangers (zweite englische Liga) ohne Kaufoption ausgeliehen wurde. Beide sind in ihrer bisherigen Karriere von größeren Verletzungen verschont geblieben. Während Gavory bislang eher spielerisch aufgefallen ist, gilt de Wijs als harte Kante und kann Gegenspieler schon mal Angst einflößen. Im Gegensatz zu Gavory hat er mehr Erfahrung mit dem Spiel in einer Dreierkette. Mit der Verpflichtung bzw. der Leihe wird klar, dass die Tage von Florian Hartherz, vor allem aber Leonardi Koutris bei der Fortuna gezählt sind.

Jordy hat in der laufenden Saison bis zum 9. Spieltag regelmäßig als zentraler Mann in der QPR-Dreierkette gespielt; insgesamt hat er bei 22 der bisher 29 Spieltage mitgewirkt. Er bedroht am ehesten den Arbeitsplatz von Andre Hoffmann in einer Dreierkette, während Gavory weiterhin auf der linken Außenseite einer Viererkette spielen dürfte. Damit ergeben sich für Preußer – wie er selbst auch sagte – wesentlich mehr Varianten bei den gespielten Systemen. Sofort vorstellbar ist eine Dreierkette Klarer-de Wijs-Oberdorf, bei der Gavory und Zimmermann die Außenläufer in der Mittefeldkette machen. In einer Viererkette kann man sich auch Chris Klarer und Jordy de Wijs als Innenverteidiger vorstellen. Übrigens: So robust der niederländische Jordy daherkommt, als Führungsspieler, der seine Kollegen mitreißen kann, ist er bisher nicht in Erscheinung getreten.

Auf den ersten Blick überraschend kam die feste Verpflichtung (für gerüchteweise recht kleines Geld) von Daniel Ginczek, einem echten Mittelstürmer mit starkem rechten Fuß. Mit fast 31 Jahren hat er den Zenit seiner Karriere schon überschritten, und weil er doch recht oft und heftig von Verletzungen geplagt war, hat er sein Karriereende schon ein bisschen vorgeplant. Er und seine Familie hat sich vor anderthalb Jahren für Düsseldorf als „Alterssitz“ entschieden und bereits eine Wohnung in Flingern erworben. Um vom krisengeschüttelten VfL Wolfsburg zur ebenfalls geplagten Fortuna zu wechseln, dafür muss man Nerven haben. Hat er wohl, der gute Daniel.

Auch diese Verpflichtung erweitert die Preußer’schen Möglichkeiten. Vor allem, wo fast gleichzeitig der unglückliche Dawid Kownacki sofort leihweise zu Lech Poznan wechselt und dann ab der kommenden Saison dorthin verkauft wird. Ihn abzugeben hat vor allem eine wirtschaftliche Seite, und die heißt Schadensbegrenzung. Es galt für den „teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte“ wenigstens noch ein bisschen Kohle rauszuschlagen. Damit stehen dann noch drei Mittelstürmer im Kader: Rouwen Hennings, Robert Bozenik und eben Daniel Ginczek – alle drei völlig verschiedene Spielertypen für diese Position.

Ginczek spielt ungern einzige Spitze, das hat in der Kooperation mit Mario Gomez in Stuttgart und zuletzt mit Wout Weghorst in Wolfsburg gezeigt. Als Rechtsfuß kann er sicher prima mit dem Linksfuß Hennings harmonieren; als eher hängende Spitze aber auch mit dem jungen Bozenik, von dem keiner weiß, wie es mit ihm weitergeht. Dass er häufiger in der Startelf stehen muss, um sich so ins Schaufenster zu stellen, ist klar. Andererseits gefällt ihm die Stadt Düsseldorf sehr – wer könnte das nicht nachvollziehen. Und dann ist da noch Tyger Lobinger, der immer nur eingewechselt wird und sich dabei nie so richtig profilieren konnte.

Interessant wird es durch die vorgestellten Neuverpflichtung – im Gegensatz zu dem, was viele Fans glauben – auch ohne neuen Mann im Mittelfeld. Es wird Christian Preußer nichts anderes übrigbleiben, als massiv auf Shinta Appelkamp als Zehner zu setzen, was ja erklärtermaßen dessen Lieblingsposition ist und auf der er seine Stärken ausspielen kann. Und wenn sich Shinta dort bewährt, dürfte es auch für Ao Tanaka leichter werden im Verbund mit ihm Kreativität ins Spiel zu bringen.

Nicht wirklich überraschend kommen die Aktionen, die Allofs sich für Jamil Siebert (zu Viktoria Köln) und Niklas Shipnoski (zu Jahn Regensburg) ausgedacht hat. Bei beiden wurden die Verträge verlängert, und man verleiht sie, damit sie endlich öfter aktiv auf dem Rasen werden können. Beide zählen (immer noch) zu den Zukunftshoffnungen der Fortuna, genau wie Torwart Dennis Gorka, der endlich wieder richtig trainieren kann. Und natürlich die Großtalente aus dem Nachwuchsleistungszentrum, die möglicherweise schon in der kommenden Saison in den Profikader rutschen werden – allen voran Daniel Bunk, Phil Sieben und David Savic.

Die drei Youngster plus Gorka plus der Ausgeliehenen sind Teil des immer noch gültigen, aber aktuell beiseitegelegten Plans A, der ja nicht nur eine sportliche Seite hat, sondern angesichts der besonderen wirtschaftlichen Bedingungen bei der Fortuna, auch finanzielle. Denn das Heranziehen von klasse Kickern aus dem eigenen Nachwuchs ist für F95 der einzige Weg, nennenswerte Einnahmen aus Transfererlösen zu generieren. Und das ist vermutlich auch ein wichtiger Teil des Plans A, den sich Klaus Allofs zurechtgelegt hat.

1 Kommentar

  1. Mich verwundert immer wieder, dass wir an jedem Spieltag darüber reden unsere Taktik an den Gegner anzupassen, weshalb wir regelmäßig unsere Mannschaft umstellen und sie sich so nicht wirklich einspielen kann. Klar, lag es häufig an Verletzungen und auch an der aktuellen noch anhaltenden Seuche, aber der Grundgedanke war immer, welche Taktik gegen diesen oder jenen Gegner.
    Sehe ich es falsch wenn ich behaupte, wir sollten die Taktik spielen, die die Mannschaft hergibt und ihre vermeintlichen Stärken zum Vorschein bringt?
    Durch die Verpflichtung von de Wijs und auch schon durch die Verpflichtung von Gavory hatte ich gehofft, dass nun endlich konsequent auf Dreierkette umgestellt wird, wobei ich eher an eine Dreierkette aus Oberdorf rechts, Klarer Mitte und Gavory (und nun de Wijs) links gedacht habe. Und das Ganze dann mit Narey und Koutris auf den Flügeln. Pech gehabt! Gavory spielte links in einer Viererkette und mein Gefühl sagt mir, dass er keiner ist, der die linke Seite bis zur Grundlinie beackern wird. Er flankt lieber aus dem Halbfeld. Das wird dann aber wohl eher ein Spieler für ein 3-4-3, damit vor ihm noch einer rumturnt. Wir werden sehen.
    Jedenfalls bin ich der Meinung, dass wir nun einen optimalen Kader für ein 3-5-2 haben, mit Koutris auf links! Mit Zimbo und Tanaka vor der Abwehr, davor Appelkamp und mit Ginczek und Bodzenik vorne drin. Es wäre nur noch wichtig gewesen einen spielstarken Mittelfeldspieler zu Tanaka/Appelkamp zu ergänzen. Das hat ja leider nicht geklappt.

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