Wie heißt es in Deutsch: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich war am Sonntagmorgen unterwegs von Amsterdam nach Hamburg. Wollte ja das Spiel von Fortuna in St.Pauli sehen. Hatte auch ein tolles Ticket für einen Sitzplatz im Millerntor-Stadion. Außerdem war ich für nach dem Spiel mit dem Chefred verabredet. Und weil ich genug Zeit hatte, tuckerte ich über Land, um dann irgendwo bei Meppen auf die A31 zu kommen. Kurz vor der Grenze fing der Motor von dem Mietwagen an zu stottern. Kaum stand das „Bonzreplik“, ging die Kiste aus. Vier Anrufe weiter hatte ich meinen Rucksack auf dem Rücken und wartete auf ein Taxi, das mich vom Straßenrand in einen Ort (ein Kaff?) namens Lethen (oder so) brachte und beim Grünen Krug ablud. Die Mietwagen-Tante am Telefon hatte versprochen, dass ich gegen 12:30 einen Ersatzwagen vor dem Grünen Krug stehen habe. Toll – bis zum Anpfiff um 13:30 würde ich es niemals nach Pauli schaffen. Was tun? Ob sie Sky haben, fragte ich in der Wirtschaft. Nein, wofür? lautete die Antwort. Da fiel mir was ein. Ob sie denn Wlan hätten und ob ich das nutzen könnte? Nach einigen internen Telefonaten hieß es: Ja.

Das Passwort lautete dann ganz niedlich „Prost_234“. Ich hatte nämlich ein paar Tage vorher von einem Kollegen gehört, dass man Sky auch für einen Tag kaufen könnte. Tatsächlich hab ich mich noch nie für so ein Sky-Abo interessiert. Ich dachte immer noch, man müsste sich einen Receiver dafür kaufen. In Wirklichkeit kann man Sky auch auf dem Notebook, einem Tablet und sogar dem Smartphone gucken. Also suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen im Schankraum, loggte mich ins Wlan und holte mir die Sky-Website ran. Da stand’s: Für 9,99 Euro könnte ich einen Tag lang Supersport gucken. Na, super. Ich wollte gar keinen Supersport gucken, nur EIN Fußballspiel. Und da sollte ich so viel wie für einen Stehplatz zahlen? Sind die verrückt bei Sky? Aber dann dachte ich mir: Fuck it, das setzt du auf die Spesenrechnung.

Es ging dann auch ganz schnell und ganz einfach. Ich konnte ganz legal und live Fortuna gegen St.Pauli gucken. Passend zum Anpfiff kam der bestellte Schweinebraten mit Gemüseplatte und Salzkartoffeln. Irgendwie unheimlich deutsch das Sonntagsessen. Die Bedienung guckte ganz irritiert auf mein Notebook, das ja jetzt ein Fernseher war. Das kannte sie noch nicht. Als ich gerade einen ganz Mundvoll wegkaute, fiel mir ein, dass ich noch nie ein Fortuna-Spiel im TV ALLEIN gesehen habe. Was sollte ich tun, wenn F95 ein Tor macht? Aufspringen, schreien, jubeln oder nur still in mich rein grinsen? Na ja, es kam schlimmer: In der 36. Minute schob der Schauerte einen Pauli-Kicker vor sich her, sodass dem der Ball von der Brust ins Tor sprang. Goooooooooooal! Natürlich sprang ich auf, natürlich schrie ich, und natürlich riss ich dabei den Rest von meinem Mittagessen zu Boden. Deutsche Schweinebratensauce macht hässliche Flecken auf Jeans.

Die Bedienung hatte wohl dem Chef Bescheid gesagt, dass da ein Irrer am Schweinebraten sei. Jedenfalls kam ein halbhoher Typ mit dem Umfang einer Öltonne aus der Küche und stampfte auf mich zu. Inzwischen hatte die arme Kellnerin die Schweinerei weggemacht und gefragt, ob ich nochmal dasselbe haben wollte. Ich nickte. Jedenfalls kommt der Vorturner auf mich zu. Er sieht das Notebook und dass da TV drauf ist und Fußball. Stoppt, guckt an mir vorbei und fragt: Wer spielt? Die zweite Halbzeit haben wir dann gemeinsam verfolgt. Die Getränke gingen aufs Haus. Es stellte sich heraus, dass der Wirt mal großer Chef vom SV Meppen war und deshalb ein paar Mal die Fortuna live erlebt und ein bisschen ins sein Herz geschlossen hatte. Er heißt übrigens Uwe, und wir sind jetzt Freunde.

Schlag 15:20 stand mein Ersatzauto vor der Tür. Ich musste nur einen Schweinbraten bezahlen und Uwe versprechen, mal wieder vorbeizuschauen im Grünen Krug von Lethen.

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