Fortuna-Punkte: Arbeitsverweigerung – ein typisch deutsches Bullshit-Wort

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Also, folks, als ich zum ersten Mal irgendwo das Wort „Arbeitsverweigerung“ las, musste ich lachen. Hey, das Ding hat 6 Silben und 19 Buchstaben, davon nur 6 Vokale! Typisch deutsch, sag ich euch, fast wie „Fußbodenschleifmaschinenverleih“… So was haben wir nicht im Englischen, und das ist auch gut so. Mir kommt es so vor, als wenn so ein Deutschwort umso mehr Bullshit ist, je weniger Vokale es hat. Und dass der Begriff „Arbeitsverweigerung“ so ein richtiges Kraut-Bullshit-Wort ist, darüber gibt es ja wohl keine zwei Meinungen. Vor allem, wenn Fußballfans es auf die Spieler „ihrer“ Mannschaft anwenden. Ingo, mit dem ich das Spiel am Freitag in einer Kneipe in Reisholz angeguckt habe, meint übrigens, das wäre auch ein waschechtes Naziwort, weil die das wohl besonders auf ihre Zwangsarbeiter gemünzt haben. Mag sein, I don’t care. Jedenfalls waren dieses Social Media und Foren voll mit diesem Bullshit.

Ein Engländer käme nie und nimmer auf die Idee, den Jungs seines Team so etwas zu unterstellen. Der würde auch nicht so Scheißwörter verwenden wie „blutleer“ oder so. Wir pfeifen unsere Spieler auch nicht aus. Oder labern was davon, dass man den Auswärtsfahrern ihre Kosten erstatten müsste, wenn die Mannschafte scheiße gespielt hat. Aus Sicht eines real british Old-School-Supporters sind das alles Zeichen für ein ziemlich gestörtes Verhältnis von sogenannten Fans zu ihrem Team. Scheint auch sehr deutsch zu sein, Kicker als Vereinsangestellte zu sehen – als „Arbeitnehmer“ (noch so ein deutsches Bullshit-Wort: Wer nimmt den die Arbeit? Doch wohl nicht die Arbeiter, die geben ja ihre Arbeit…). Selbst Fans, die sich für so richtig echte Fans halten, verhalten sich wie Kunden in irgendeiner Show: Sind die Schauspieler und Künstler schlecht oder nur schlecht drauf, pfeifen sie und wollen ihr Geld zurück. Ich persönlich finde das krank, sehr, sehr krank.

Der Ingo hat sich schon beim Ausgleich für diesen Herrn Jahn tierisch aufgeregt. Und natürlich wüst auf die Spieler mit dem F95 über dem Herzen geschimpft und geflucht. Aber ihm kam weder in den Sinn, die wie Arbeitnehmer und Showmen zu betrachten, noch wollte der sein Geld für die insgesamt 28 Bier, die wir zu zweit weggesoffen hatten, wiederhaben. Fand ich sympathisch, dass er Leute wie den Zimmer als „blödes Arschloch“ bezeichnete oder Gießelmann als „faule Sau“.

Als wir kurz nach Mitternacht unsere letzten drei, vier, fünf Bier in einem Pub nahmen, der sich „irisch“ nennt, aber fest in englischer Hand war, wurde Ingo ganz sentimental. Wie kann das passieren? fragte er. Also dass ein Team, dass den Gegner in den ersten zwanzig Minuten wegfegt, nach zwei Rückschlägen so völlig zusammenbricht. Die spielen doch nicht extra schlecht, lallte er. Nein, sagte ich, nur diesen Millionenärsche, die für noch mehr Millionen zu irgend so einem Billionenclub wechseln wollen, die spielen manchmal extra schlecht. Aber das sind ja auch keine Fußballer, also Kicker mit Herz.

Wissen wir doch alle, dass dieser verf***te Soccer eine totale Emotionssache ist. Da darf man, ja, da muss man manchmal ausrasten, fluchen, brüllen, schimpfen und beleidigen. Aber die eigenen Jungs so kaltherzig zu behandeln wie irgendwelche Angestellten von ihrem Chef, das ist mies, das hat mit Fußball, wie ich ihn verstehe, nix zu tun.

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