Will man Fußballjournalisten und Fans glauben, müssen Verstärkungen zum Saisonbeginn IMMER sein…

Analyse · Das Unternehmen Ferrero, das nicht unwesentlich für die Zuckerverseuchung unserer Kinder verantwortlich ist, bringt ab und an eine Produktneuheit mit dem Hinweis „Nur für kurze Zeit!“ auf den Markt, um ihre Konsumenten bei der Stange zu halten. So ähnlich funktioniert es im Fußballjournalismus in der Sommerpause mit den Transfergerüchten. Den Fans wird dabei weisgemacht, sogenannte „Verstärkungen“ müssten sein. Sportvorstände und -direktoren, die bis zum Zumachen des sogenannten „Transferfensters“ keine Neuzugänge zu vermelden haben, gelten als Versager. Und dass Klaus Allofs und Christian Weber per dato (Stand: 6. Juni 2022) noch keinen neuen Spieler zu bieten haben, bringt sie schon unter Loser-Verdacht. Man stelle sich mal vor, Fortuna würde tatsächlich ohne Neukicker in die Saison starten – da wär das Grummeln, angeheizt von gewissen Schreibern, aber groß. [Lesezeit ca. 6 min]

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Auch wenn es mittlerweile bis hinunter in die sechste Liga üblich ist, rund um mögliche kommenden und gehende Spieler dies und das zu mutmaßen, eine Automatik, einen Kader von einer Spielzeit zur anderen umzubasteln, existiert nicht. Man stelle sich als F95-Fan weiter vor, es gelänge Allofs und Weber sowohl Khaled Narey, als auch Jordy de Wijs zu halten, wären dann überhaupt Verstärkungen nötig? Würde dann nicht der strukturierte Einbau vorhandener Jungprofis aus den U-Teams der bessere Weg sein? Inklusive des Rückholens ausgeliehener Kollegen?

Die Vorstellung hat ihren Charme, weil sie schlicht und einfach Ablösesummen einsparen und schlimmstenfalls zur Zahlung höherer Spielergehälter führen würde. Die Idee, gar keinen neuen Mann einzukaufen, hat doppelten Charme, wenn man den existierenden Kader (plus Nachwuchsleute) mit dem vom Cheftrainer Daniel Thioune angestrebten Fußball abgleicht. Überhaupt kann nur diese Generalvorstellung zur Frage führen: Brauchen wir neue Kicker, und wenn ja, welche?

Daniel Thioune ist da... (Screenshot: f95.tv)

Daniel Thioune ist da… (Screenshot: f95.tv)

Dabei gilt es zunächst, die anzunehmenden Stammspieler in ein Raster einzutragen, das dann mit den (bereits vorhandenen) Ergänzungsleuten aufgefüllt wird. Erst dann stellt sich die Frage nach den heute gern sogenannten „Backups“. Also nach Kickern, die im Wesentlichen dann zum Einsatz kommen sollen, wenn sich die jeweilige Stammkraft auf einer Position verletzt hat oder außer Form ist. Und dann gibt es noch den Fall, dass ein Cheftrainer sich einen Neuling mit einem ganz speziellen Profil wünscht, den es im vorhandenen Kader nicht gibt.

Machen wir’s konkret und der Reihe nach. Mit Flo Kastenmeier, Dennis Gorka und Raffa Wolf haben wir ein Keeper-Trio mit allen Möglichkeiten bis hin zu der Überlegung, den jungen Gorka bald zur Nummer 1 zu machen. Bleibt Jordy de Wijs hat die Fortuna reichlich gute Innenverteidiger: Andre Hoffmann, Christoph Klarer, Tim Oberdorf und den zurzeit zu Viktoria Köln ausgeliehenen Jamil Siebert.

Klaus Allofs in seiner Rolle als Sprecher der Fortuna (Screenshot Sky)

Klaus Allofs in seiner Rolle als Sprecher der Fortuna (Screenshot Sky)

Und damit sind wir schon bei der ersten Schwachstelle: den Außenverteidigern. Auf der rechten Seite ist immer noch Matthias „Zimbo“ Zimmermann gesetzt, ihn kann bei Bedarf der junge Takashi Uchino aus dem eigenen Nachwuchs ersetzen. Nach den nachvollziehbaren Abgängen von Flo Hartherz und Leo Koutris steht mit Nicolas Gavory nur ein echter Außenverteidiger auf der linken Seite zur Verfügung, und so richtig überzeugt hat der Franzose nicht. Fazit: Fortuna braucht als Verstärkung einen alternativen Akteur auf der linken Abwehrseite. Halt! Und wenn sich Trainer Thioune für die Dreierkette als Standardsystem entscheidet? Dann kann es gut sein, dass es einen neuen rechten AV gar nicht braucht.

Springen wir ganz nach vorne. Wie es aussieht, kann unser Rouwen Hennings noch mindestens eine Saison lang den echten Knipser geben. Sowohl mit Daniel Ginczek, als auch Emma Iyoha und sogar Tyger Lobinger könnte er eine Doppelspitze spielen. Eigentlich eine ideale Konstellation: zwei erfahrene Stürmer und zwei jüngere, die das Talentstadium überwunden haben. Außen wird es ein bisschen schwieriger. Sollte Khaled Narey bleiben, ist er auf rechts gesetzt; als Backup ist allerdings nur Felix Klaus an Bord – fallen beide aus, muss mit Iyoha oder gar Peterson improvisiert werden. Auf der anderen Seite hat ebendieser Kris Peterson noch genau eine Saison Zeit, seinen F95-Durchbruch zu erreichen; einen echten Backup-Kollegen hat er nicht; notfalls müssen hier Iyoha und – bei allen Beteiligten ungeliebt – Shinta Appelkamp ran.

SVD vs F95: Wo stünde die Fortuna ohne Khaled Narey? (Screenshot Sky)

SVD vs F95: Wo stünde die Fortuna ohne Khaled Narey? (Screenshot Sky)

Aber wieder halt! Wer sagt denn, dass man offensiv mit echten Außenstürmern, zumal auf beiden Flügeln spielen muss? Moderne Systeme funktionieren auch mit nur einem Außen und Rochaden. Und jetzt kommen wir auf einen absoluten Modebegriff, den des polyvalenten Spielers. Das Fremdwort will nichts anderes sagen, als dass es sich um einen Kicker handelt, der auf verschiedenen Position erfolgreich eingesetzt werden kann. Genau eine solche eierlegende Wollmilchsau könnte als linker Außenläufer und -stürmer ebenso gut arbeiten wie als 10er, 8er oder gar offensiver 6er. Gibt nicht viele von der Sorte, und vermutlich träumen alle Coaches von solch einem Edelstein.

Wo wir schon von 6ern und 8ern reden: Die Hauptlast wird hier an Cello Sobottka und Kuba Piotrowski hängen bleiben, immer wieder im situationsbedingten Wechsel mit Ao Tanaka. Und was machen wir mit Shinta Appelkamp? Den ernennen wir einfach mal zu dem polyvalenten Kicker, den man sich wünscht. Tatsächlich kann er ja einen Linksaußen spielen, besonders, wenn das Rezept nicht heißt: Runter bis zur Grundline und flanken (also die Preußer-Doktrin). Ist er voll in Form, ist Shinta ein wirklich vielversprechender 10er, und auch als Box-to-Box-Mann hat er sich schon positiv gezeigt. Übrigens: In dieser Polyvalenz hält Euer Ergebener ihn für wesentlich wertvoller als den gelegentlich herbeigewünschten Kevin Stöger.

Erik Thommy hat sein F95-Trikot gestiftet (Foto: unitedcharity.de)

Erik Thommy hat sein F95-Trikot gestiftet (Foto: unitedcharity.de)

Ganz anders sieht es beim Wunschspieler ganz vieler Fans aus: Erik Thommy. Der ist nicht nur ein unermüdlicher Macher und Kämpfer, sondern ein Linksaußen modernen Typs, der sowohl den Linienflitzer geben kann, als auch à la Shinta bei Bedarf nach innen zieht und auch den Torschuss sucht. Den haben sie in Stuttgart nie gewürdigt und – soweit aus der Ferne erkennbar – nie richtig eingesetzt.

Außer Jamil Siebert und Takashi Uchino haben wir mögliche Youngster noch nicht durchgenommen. Da wäre vor allem Daniel Bunk, der alle Voraussetzungen für einen polyvalenten Mittelfeldmann mitbringt; ist er nicht verletzt, wird Daniel Thioune ihn sicher ab und an und vielleicht regelmäßig einsetzen. Über Ephraim Kalonji aus der U19, einen rasanten Rechtsaußen, haben wir schon gesprochen, nur auf der linken Seite, sowohl hinten, als auch vorne, bietet sich im Nachwuchs aktuell keiner an.

Zusammengefasst: Euer in Demut ergebener F95-Analytiker sieht als vordringlichste Aufgabe von Klaus Allofs und Christian Weber an, wenn im Rahmen der Finanzen irgend möglich, Khaled Narey und Jordy de Wijs zu halten und Erik Thommy zu holen. Auf die Wunschliste sollten sie einen schnellen linken Außenverteidiger und einen ausbaufähigen linken Außenstürmer schreiben. Das müsste dann für ein Mitspielen um den Aufstieg reichen.

3 Kommentare

  1. Manchmal bleibt auch ein Werbespruch hängen:
    „… den Thommy verfeinert …“
    und das hätte was…

  2. Im Absatz unter dem Screenshot von KA mit dem Sky-Mikro, letzter Satz, ist doch LV und nicht RV gemeint, oder?

Antworten

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