Es heißt, Klaus Allofs könne durch Handauflegen einen Galopper zum Sieger machen. Es heißt weiter, er können mit minimalsten Mitteln aus einem Absteiger einen UEFA-Cup-Teilnehmer machen. Manche sagen auch, wenn er es wolle, würde jeder Kicker dieser Erde zu seinem Verein wechseln. Was mit anderen Worten bedeutet: Jetzt, wo dat Kläuschen wigger bei dä Fortuna ist, jeht et nur noch aufwärts. Das ist die gute Nachricht im Umfeld der Hammermeldung vom vergangenen Samstag.

Die noch viel bessere Nachricht ist, dass kein einziger potenzieller Maulwurf geplaudert hat, obwohl von der sensationellen Verpflichtung oder zumindest von den ernsthaften Gesprächen zweier Aufsichtsräte mit Klaus Allofs seit Wochen einige Menschen gewusst haben. Und wer sich die Halbangst-Talkshow vom Mai 2020, bei der unser Klaus Gast war, damals aufmerksam angeschaut hat, konnte schon so eine Ahnung kriegen, dass da was laufen könnte. Wer noch ein bisschen näher dran war, konnte zudem ab etwa Juni/Juli darüber spekulieren, dass sich der Aufsichtsrat im Verbund mit dem Vorstand Sorgen wegen eines möglichen Versuchs der feindlichen Übernahme und etwaige Gegenmaßnahmen machte.

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Tatsächlich hatte sich wohl im Umfeld ein Grüppchen gebildet, dem die ganze Richtung seit dem Rausschmiss des faltigen Neussers nicht mehr passte und das spätestens seit dem Abstieg über eine Machtübernahme nachdachten. Wie schon 2009, als ein Putschversuch bei der Fortuna erfolgreich abgewehrt wurde, waren die Pläne der Verschwörer wohl populistisch ausgerichtet. Heißt: Es sollten Männer im Aufsichtsrat und Vorstand installiert werden, die für das Vereinswahlvolk Lichtgestalten darstellen. Das beste Mittel dagegen: Früher einen solchen Helden in eines der Gremien zu berufen.

Geführt haben die Gespräche anfangs AR-Vorsitzender Björn Borgerding und sein Kollege im AR, Sebastian Fuchs. An Klaus Allofs heranzukommen, war und ist nicht schwer, denn seit Dezember 2016, als er im Unguten VW-Burg verließ, ist er ja arbeitslos und hält sich doch sehr häufig in Düsseldorf aus. An Renntagen war und ist er fast immer auf der Grafenberger Rennbahn anzutreffen, denn die Pferdchen sind seine Leidenschaft. Und Zuschauer bei den Spielen der Fortuna war er auch nicht selten.

Warum tut sich der Klaus das an?

Die Frage für einen Kerl von bald 64 Jahren, der im Fußball so ziemlich alles mal erfolgreich gemacht hat, kann nur lauten: Was tust du dir noch an? Als schon nach dem Schäfer-Rausschmiss wilde Spekulationen um einen neuen Vorstandsvorsitzenden aufflammten, war Allofs bereits im Gespräch. Damals hieß es aber: Den können wir nicht bezahlen, den Klaus können wir uns nicht leisten. Und weil das immer noch so ist, lautet die nächste gute Nachricht: Wegen der Kohle übernimmt Klaus Allofs diesen Job sicher nicht.

Die zarten Bande zum Gerresheimer liefen aber noch über eine weitere Connection: die gemeinsame Zeit bei Golfsburg, die Allofs und der F95-VV Thomas Röttgermann in benachbarten Büros miteinander verbracht haben. Es steht zu vermuten, dass es unser Röttgermann war, der den Klaus letztlich überzeugt hat, zur Fortuna heimzukehren und Vorstand für Fußball & Gedöns zu werden. Und zwar nicht irgendwie über die persönliche Schiene, sondern mit dem Konzept, das bei F95 im Werden ist, also, dem Fahrplan für die mittlere und fernere Zukunft.

Was soll er machen, der Klaus?

Aber, was soll er denn nun machen, der Klaus? Die Kollegen von der RP haben da eine wirklich schöne Jobbeschreibung gefunden: Allofs sei der neue Außenminister. Das dürfte treffend sein und hört sich besser an als “Frühstücksdirektor”, eine Bezeichnung, die andernorts im Schwange war. Wobei ohnehin klar ist: Es ist eine wunderbare Sache, dass Klaus Allofs Verantwortung bei der Diva übernimmt, aber, die Aufteilung der Verantwortungsbereiche könnte schwierig werden.

Denn um einen vierten Vorstand einzubauen, müssen die Geschäftsbereiche neu geordnet werden, wobei alle bisherigen Vorstände Stückchen abgeben müssen. Das betrifft nicht nur Uwe Klein, bei dem die Sache am offensichtlichsten ist, denn er und Allofs sollen sich um den Spocht kümmern. Beide haben aber mögliche Bedenken bereits ausgeräumt und schlüssig argumentiert, wie sich ihre Arbeit unterscheiden wird: UK ist fürs Alltägliche, KA fürs Strategische zuständig. Das passt prima. Für einen Klaus Allofs dürften die Niederungen der Transferfenster ein bisschen öde und unterfordernd sein, und Uwe Klein ist (bei allem Respekt für den tollen Job, den er seit seiner Beförderung gemacht hat) nun nicht so der Langfriststratege.

Der Klaus ist eine enorme Bereicherung

Ja, als Außenminister und Repräsentant ist der Klaus auch auf dem Gebiet des Sports eine enorme Bereicherung, denn allein die Tatsache, dass er sich bei der Fortuna engagiert, macht die olle Diva attraktiv für Kicker, für leihgebende Clubs und nicht zuletzt für Sponsoren und Partner jenseits der Düsseldorfer Stadtgrenzen. Ins Gebiet von Marketing-Vorstand Christian Koke greift die Zuständigkeit des Neuen auch ein, denn er soll ja für Kommunikation zuständig sein. Wieder mit allem Respekt: Die Kernkompetenz des CK liegt sicher nicht dort, sondern – und da ist er enorm erfolgreich – in der Vermarktung des Vereins. Was aber Klaus Allofs als “Kommunikationsvorstand” qualifiziert, bleibt unklar.

Am zweitstärksten greift einer der Verantwortungsbereiche von Klaus Allofs in den bisherigen Beritt von Thomas Röttgermann ein. Im Gedöns verbirgt sich nämlich der Allzweckbegriff “Entwicklung”, eigentlich eine Domäne des Vorstandsvorsitzenden, die er nach dem Ausscheiden von Robert Schäfer und dessen Alex Steinforth, der ja mal als Berater “Development” angefangen hatte, übernommen hat. Man könnte also die Verteilung dieses Bereichs an Allofs auch als Degradierung verstehen. Dafür aber kennen sich die beiden zu gut und haben, nach allem, was man weiß, auch einfach zu gut zusammengearbeitet.

Der heimgekehrte Sohn

Otto und Elke Normalfortunafan, soweit sie sich in den sozialen Medien äußern, sehen die Sache ohnehin anders. Für sie ist Klaus ein heimgekehrter Sohn, der nun “Präsi” wird, also das Sagen hat und Fortuna zu ungeahnten Erfolgen führen wird. Es ist eines der größten Verdienste der F95-Vereinssatzung, die vor gut 20 Jahren in den dunkelsten Stunden des Clubs von Fans verfasst wurde, dass es keinen “starken Mann” à la Bruno Recht mehr bei der Fortuna geben kann. Der Verein gehört den Mitglieder, sie sind der Souverän, ohne dessen Billigung nix läuft.

Der von den Mitglieder in freien, geheimen Wahlen und per Wahlausschuss bestimmten Aufsichtsräte stellen die Vorstände ein und kontrollieren deren Arbeit – beide Gremien haben der Mitgliederversammlung Rechenschaft abzulegen. Man nennt es Demokratie, und sie herrscht bei der Fortuna als eingetragenem Verein im Gegensatz zu dem, was in Clubs los ist, die sich Investoren ausgeliefert haben. In dieses Konstrukt hat sich also auch eine Lichtgestalt wie Klaus Allofs einzusortieren. Denn, wenn er nicht funktioniert, kann sich der Aufsichtsrat jederzeit wieder von ihm trennen.

Also, warum tut er sich das an?

Natürlich ist Klaus Allofs – wie sein Bruder Thomas – ein ewiger Fortuna-Held. Das vor allem wegen seiner Beteiligung am doppelten Gewinn des DFB-Pokals und am legendären Basel-Spiel gegen Barcelona. Ein bisschen gilt er aber auch als Verräter, weil er 1981 ausgerechnet zum Äff-Zeh wechselte. Und den Romantiker klingelt noch sein glühendes Bekenntnis zum Modell des Konstrukts in Leipzig von 2016 in den Ohren. Auch, dass er vom netten Werder Bremen ausgerechnet zum Werksclub der Abgasbetrüger wechselte, finden einige altgediente Fortuna-Anhänger nicht so doll.

Sein grandioses Scheitern als Trainer bei der Fortuna im Jahr 1999 nimmt man ihm dagegen nicht wirklich übel. Schließlich war er da einem unfähigen Vorstand und katastrophalen Rahmenbedingungen im Verein ausgeliefert. Immerhin scheint ihm dieses Desaster den Zahn gezogen haben, sich als Trainer zu versuchen. Stattdessen hat Klaus Allofs fast zehn Jahre lang äußerst erfolgreich die Geschicke von Werder Bremen geleitet und dabei enorm viel Erfahrung gesammelt. Diese Erfahrung ist – neben seinem weitreichenden Netzwerk – das kostbarste Gut, dass er bei der Fortuna einbringen kann.

Dass er den Posten übernommen hat, dürfte auch ein bisschen damit zu tun haben, dass er nie ganz aufgehört hat Fortuna zu sein. Dass er sich auf für seine Verhältnisse eher sparsame Bedingungen eingelassen hat, kann man am ehesten als Folge seines Lebensalters interpretieren. Da möchte es einer noch einmal vor der Rente so richtig wissen – wir Fortunen kennen diesen Effekt ja bestens von Wolf Werner, Erich Rutemöller und auch Friedhelm Funkel.

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9 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich hörte vor einigen Jahren die Geschichte, dass Klaus Allofs damals gar nicht nach Köln wechseln wollte, er aber musste, da Fortuna ansonsten finanziell echt in die Bredouille gekommen wäre. Er sich quasi “geopfert” hat. Keine Ahnung, was daran richtig ist…

  2. Jürgen Hauswälder am

    Es ist schon bezeichnend: wenn man sich die Vorstellung anschaut ( https://www.youtube.com/watch?v=inCRX3uWVAQ&lc=Ugy3T7ed_CSC5zgWyQp4AaABAg.9E9CnM4Cg1h9ECBw3cvdJ6 ) : Klaus Allofs ist mit weitem Abstand der seriöseste auf dem Podium!

    Borgerding redet in geradezu bemitleidenswert peinlicher Form – so jemand kann den Klub nicht führen. Steht Röttgermann in nichts nach. Daneben sitzt dann noch 1 Heizungsinstallateurmeister.

    Was macht eigentlich Helge Achenbach? Hat der Zeit?

  3. Holger Hering am

    Es wird übrigens auch gemunkelt, bei der Fortuna wären ein paar Selbstbereicherer unterwegs, die nicht den Verein, sondern sich selbst im Fokus hätten. Stimmt das?

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