Fortuna-Punkte: Paradise-Arena. Oder: Das Millionengrab

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Im Jahr 2016 erzielte die Multifunktionsarena Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG (MI), also die Gesellschaft, die für den Betrieb der Düsseldorfer Arena verantwortlich ist, einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 13.174.663,84 Euro. Das waren knapp 200.000 Euro mehr als in 2015. Insgesamt beläuft sich der seit Gründung der MI in 2002 aufgelaufene Verlust bis Ende 2016 auf 168.606.136,40 Euro. Im Kapitel „Chancen-/ Risikobericht“ der MI-Bilanz 2016 heißt es dazu unmissverständlich: „Als grundsätzlich bestandsgefährdendes Risiko ist aus Sicht der MI die Finanzierung der Gesellschaft zu sehen. Aufgrund des bestehenden Kapitaldienstes (Zins und Tilgung) ist die Gesellschaft auf die Zuführung von Liquiditätszuschüssen durch die Landeshauptstadt Düsseldorf zur Sicherung der Liquidität angewiesen, die in den Haushaltsplänen der Landeshauptstadt Düsseldorf enthalten sind.“ Damit ist nicht nur die alberne Aussage des damaligen OB Joachim Erwin aus dem Jahr 2002, der Arenabetrieb würde sich in jedem Fall selbst tragen, widerlegt. Damit ist auch klar, dass die Arena – wie von vielen KritikerInnen befürchtet – zu einem Millionengrab für die Stadt Düsseldorf wurde.

Die Arena und Fortuna

Die Rolle der Fortuna in dieser Angelegenheit ist klar. Sie trägt als Mieterin der Anlage ihre Heimspiele dort aus. Dabei zeichnete sie sich nicht immer durch eine gute Zahlungsmoral aus. Schließlich gab es Jahre, in denen die Fortuna Mietschulden in Millionenhöhe auflaufen ließ. Da die Mietzahlungen der Fortuna besucherabhängig sind, sind die MI-Umsatzerlöse seit dem Abstieg 2013 spürbar gesunken und der jährliche Fehlbetrag angestiegen. Da auf der Ausgabenseite wohl kaum noch Spielraum vorhanden ist – so bemängelt die Fortuna ausgebliebene Investitionen – lässt sich die Situation nur über eine Steigerung der Erlöse verbessern. Dies ginge über bessere Zuschauerzahlen der Fortuna, höhere Einnahmen aus der Hotelverpachtung, zusätzliche Konzertveranstaltungen und höhere Einnahme über die Vergabe der Namensrechte.

2017/18 ist aufgrund des erneuten Aufstiegs der Fortuna mit zusätzlichen Einnahmen zu rechnen. Ein Verbleib in der 1. Bundesliga wäre daher nicht nur aus sportlicher Sicht wünschenswert. Inwieweit deutlich höhere Pachteinnahmen dauerhaft zu erzielen sind, ist fraglich. Aufgrund der lokalen Konkurrenz dürfte es schwierig sein, über weitere Großveranstaltungen die Ertragssituation signifikant zu verbessern. Bleiben die Namensrechte. Und nun kommt die Gauselmann-Gruppe ins Spiel.

Der Gauselmann-Deal

Am 13. Juli veröffentlichte die Gauselmann-Gruppe zusammen mit D.Live, einem Teil der Düsseldorf Congress Sport & Event GmbH (DCSE), eine Pressemitteilung, in der es heißt: „Die Arena in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt bekommt einen neuen Namensgeber und wird zukünftig Merkur Spielarena heißen.“ Darüber hinaus wurde eine langfristige Zusammenarbeit der beiden Unternehmen vereinbart, die auch die finanzielle Unterstützung weiterer Düsseldorfer Vereine (z.B. DEG, Düsseldorf Panther) beinhaltet. Der Vertrag läuft über 10 Jahre, über den Preis wird offiziell nicht geredet. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise sprechen von 3,75 Millionen jährlich, sofern die Fortuna erstklassig bleibt. Andernfalls eben weniger.

Der Deal für die Stadt ist gut, aus finanzieller Sicht zumindest. Niemand bot mehr. Doch ist es wirklich ein „großartiger Erfolg“ für die Stadt, wie es in trump’scher Manier in der Presseerklärung heißt? Immerhin handelt es sich bei dem Vertragspartner um die Gauselmann-Gruppe aus Ostwestfalen. Und das bedeutet mehr als nur ein „traditionsreiches Familienunternehmen“, wie es auch in der Stellungnahme der Fortuna zu diesem Vertragsabschluss hieß.

Bloß ein Familienunternehmen?

Wofür steht die Gauselmann-Gruppe? Laut Selbstdarstellung handelt es sich um ein „international tätiges Familienunternehmen, das sich unter dem Motto ‚More than a Game‘ der Unterhaltung durch Spaß am Spielen mit und um kleines Geld verschrieben hat.“ Klingt eigentlich ganz harmlos. Doch beim Familienunternehmen handelt es sich um eine Familienstiftung, die wiederum viele kaum noch zu zählende Tochtergesellschaften unter ihrem Dach beherbergt. An der Spitze des Unternehmens steht Paul Gauselmann, Jahrgang 1934, Vorsitzender der Deutschen Automatenindustrie, Milliardär und seit 1993 Träger des Bundesverdienstkreuzes. Und Spaß am Spielen heißt für Gauselmann in erster Linie die Produktion und der Betrieb von Spielautomaten, Spielhallen, Sportwetten, Online-Gaming etc. Also Geschäftszwecke, die durchaus umstritten sind und zum Teil nicht zuletzt von kommunaler Seite im Kampf gegen die Spielsucht zurückgedrängt werden.

Anfang des Jahrzehnts sorgte Paul Gauselmann für negative Schlagzeilen im Zusammenhang mit getätigten Parteispenden. Doch ein von der Staatsanwaltschaft Bielefeld eingeleitetes Verfahren wegen des Verdachts auf verdeckte Parteispenden wurde eingestellt. Auch tauchte eines seiner Unternehmen in den im November 2017 unter anderem von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichtenParadise Papers“ auf, in denen gezeigt wird, wie über Steuertricks etc. Unternehmen und Reiche Geld verschieben. Demnach wollte Paul Gauselmann angeblich das in Deutschland geltende Online-Glückspielverbot umgehen. Gauselmann spricht hingegen von üblichem Geschäftsgebaren und dass er sich nicht an illegalen Online-Glücksspielen in Deutschland beteilige. Um es klar zu sagen, gegen Paul Gauselmann und dessen Firmenverbund liegt derzeit nichts Konkretes vor. Doch ein komisches Gefühl kann man bei diesem Vertragspartner und neuem Arena-Namensgeber schon haben.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Machen wir uns nichts vor: Moral und Fußball sind selten in Übereinstimmung zu bringen. Das war früher so, das ist heute so, und das wird sich auch niemals ändern. Juvefans kaufen Trikots des mutmaßlichen Steuerhinterziehers CR7 zuhauf, bei Bayern München ist ein verurteilter Steuerbetrüger Vereinspräsident. Von den FIFA- und UEFA-Machenschaften soll hier gar nicht die Rede sein. Doch auch die Fortuna macht in Sachen Moral keine Ausnahme: Ärmelsponsoring durch KIK in den Nullerjahren, der Wettanbieter mybet in den Jahren 2012 bis 2012 als premiumPARTNER. Diese Engagements wurden teilweise von der Fanszene kritisiert, und das völlig zu Recht.

Genauso berechtigt ist die Kritik am neuen Partner der Stadt, der Gauselmann-Gruppe. Doch es ist und bleibt ein Partner der Stadt und nicht einer der Fortuna. Natürlich ist es unschön, beim Spielbesuch der Rot-Weißen wahrscheinlich auf Schritt und Tritt der Merkur-Sonne Gauselmanns zu begegnen. Doch die Fortuna ist lediglich Mieterin der Multifunktionsarena und damit gleichzeitig Leidtragende und Nutznießerin. So erhofft sie sich von dem Deal, dass dringend notwendige Investitionen, z.B. Anbringung von LED-Banden im Oberrang, endlich getätigt werden. Ein Mitspracherecht hatte sie nicht. Und wenn sie eins gehabt hätte? Was dann? Wer möchte dafür seine Hand ins Feuer legen?

Und wie gehen wir als Fans mit der Angelegenheit um? Bei Joachim Erwin können wir uns bekanntlich nicht mehr beschweren. Aber wir können allen Heilsversprechern künftig noch genauer auf die Finger sehen. Wir können uns von Gauselmann & Co. fernhalten. Und wir können Fortunas Heimstätte einfach nur (Rhein-)Stadion nennen. Schließlich heißt es ja auch immer noch Stadionwurst.

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5 Kommentare

  1. Mir tut Orthomol eigentlich leid, als Sponsor eingesprungen als niemand anderes sich traute, werde ich das Gefühl nicht los, dass sie nun etwas unschön ausgebotet wurden. Mir sind diese ganzen Glückspielgesellschaften die sich zunehmend im Fußball tummeln absolut zuwieder. In ihrer Gefährlichkeit stehen sie Zigaretten und Alkoholanbietern um nichts nach. Somit ist die Entscheidung zu dem neuen Namensgeber moralisch durchaus verwerflich. Konsequent wäre es aus dem Hotel jetzt noch ein Bordell zumachen und das Catering an BurgerKing oder McDonalds zu geben, dann wäre die übliche Autonahn/Trucker Trias komplett.
    Also alle lieber wieder ins Rheinstadion, das gefällt mir!

  2. Das spiegelt diese Gesellschaft wieder. Auf der einen Seite bekämpfen wir die Spielsucht mit , bestimmt , sehr hohen Geldern und auf der anderen Seite benennen wir unsere Sportarenen nach Ihnen. Ok, bleiben wir bei Rheinstadion, Phillipshalle und Wedaustadion. Vielleicht ist das ein Preis dieses Kapitalistischen Systems wo man sich nicht aufregen, nur wundern sollte. Aber man kann sich ja täglich wundern, weil Zigaretten mit Bildern versehen sind und statt diese Zigaretten zu verbieten ( wegen der Gefährdung der Gesundheit), wird der hohe Gewinn durch den Verkauf genutzt. Aber wenn ich eine Cannabispflanze auf dem Balkon habe muss ich mit einer Hausdurchsuchung rechnen. Solche Probleme werden aber nicht bei Maischberger und der anderen Dame diskutiert.

  3. Das passiert, wenn man als Zweiter eine Multi-Funktions-Arena baut, die bei Massen-Events ausserhalb des Fussballs um die 5.000 Zuschauer weniger fast.

    Das sind bei ausverkauften Skat/Rock/Pop-Veranstaltungen mal schnell <= € 5.000.000,00

  4. Korrektur:

    Das sind bei ausverkauften Skat/Rock/Pop-Veranstaltungen mal schnell >= € 5.000.000,00

  5. An Berti:
    Die Philipshalle hieß so, wegen des niederländischen Technik-Konzerns.
    Ich weiß es nicht aber ich gehe davon aus, die Firma da irgendwas gesponsert hat.
    Gleichzeitig bestätigt mich das aber auch in meiner Auffassung, dass diese Art der Werbung kaum wahrgenommen wird. Was ich im Fall von M..Kur nur begrüßen würde.

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