,Die Welt unterteilt sich in Pessimisten, Optimisten und einige wenige Realisten. Während die Pess- und Optimisten vorwiegend aus dem Bauch heraus etwas vorhersagen, versuchen die Realisten zumindest, die Lage auf der Basis von Fakten einzuschätzen. Nun sind, hat Karl Valentin mal gesagt, Prognosen schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Das gilt auch und besonders für den Fußball und im Speziellen für unsere launische Diva. Das soll uns nicht daran hindern, die Chancen des frischgebackenen Erstligaabsteigers Fortuna Düsseldorf in der Zweitligasaison 2020/21 abzuwägen. Ihr sehr ergebener Einschätzer wagt eine Reihe von Thesen und liefert Argumente dazu:

1. Fortuna wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben

Hats ja alles schon gegeben, dass ein Absteiger gleich in die dritte Liga weitergereicht wurde – wenn nicht sofort, dann ein, zwei Saisons später. Man denke an Paderborn, Ingolstadt oder Braunschweig. Schaut man sich deren Talfahrten an, wird man feststellen, dass alle drei Mannschaften rasch wesentliche Stützen ihres Kaders verloren haben. Droht unserer Fortuna dasselbe Schicksal? Ihr Ergebener sagt: Nein. Eigentlich muss nur über zwei Kicker debattiert werden, die woanders hin gegangen sind: Kaan Ayhan und Kevin Stöger. Keinen der anderen Abgänger würde Ihr Ergebener als “Stütze” bezeichnen wollen. Obwohl es bei manchem Spieler einfach schade ist, dass es ihn in die Fremde gezogen hat. Okay, den guten Kaan werden wir sicher vermissen. Nicht nur wegen seiner Qualitäten als Innenverteidiger mit der Fähigkeit zur Spieleröffnung, sondern eben auch als Typ, der seine Kollegen antreiben konnte und einfach als Kerl, der authentisch war. Dass Andre Hoffmann seine Ausstiegsklausel – wie man so sagt – nicht “gezogen” hat, beruhigt da doch sehr. Und mit Kevin Danso könnte ein vollwertiger Ersatz schon im Kader stehen.

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Beim immer noch vereinslosen Stöger sieht die Sache anders aus. Als der mehr als ein halbes Jahr verletzt ausfiel, haben wir ihn alle vermisst und uns seine Rückkehr gewünscht. Das sah nach der Rückrunde 2019/20 schon ganz anders aus. Ohne irgendeinen Stab über den Kreativ-Ösi zu brechen: Man hat ihn anscheinend überschätzt und er sich auch. Hinzu kommt die Schwäche einer Spielstrategie, die von einem Spielmacher abhängt. Schaut man sich im europäischen Spitzenfußball um, wird man feststellen, dass die kreative Spieleröffnung inzwischen überall auf mehrere Schultern verteilt wird. Das hat den Vorteil, dass ein Gegner nicht bloß einem Kicker auf den Füßen stehen muss, um die Oberhand zu gewinnen. Deshalb hält Ihr einigermaßen Ergebener es auch für falsch, nun unbedingt einen kreativen Mittelfeldler verpflichten zu wollen. Okay, schaden würde das nicht. Aber, das Trainerteam, das man mal dafür loben muss, dass dessen Insassen an den neuesten Entwicklungen im Bereich von Strategie und Taktik immer vorne dran sind, hat in der Vorbereitung schon intensiv und gezielt auf Systeme ohne Spielmacher gesetzt – das ist die Begründung für das 4-4-2.

Um in Abstiegsgefahr zu geraten, muss ein Team viele Dinger reinlassen und wenige Tore schießen. Danach sieht es beim aktuellen Kader, besonders wenn alle wieder an Bord sind und noch die eine oder Ergänzung für die unterbesetzten Positionen kommt, überhaupt nicht aus.

2. Fortuna hat den besten Sturm der Liga

Dass Ihr höchstergebener Analyst dem faltigen Neusser noch mal zustimmen würde… Der hat Fortuna ja in einem seiner Interviews hochgeredet, und Chefcoach Rösler hat sofort relativiert. Tatsächlich aber hat, betrachtet man die Kader der Mitbewerber, die Fortuna zumindest auf dem Papier den besten Sturm dieser Liga. Und dass nicht nur wegen der Qualitäten von Akteuren wie Hennings, Karaman, Kownacki, Ampomah, Ofori und Iyoha, sondern wegen der unendlich vielen Möglichkeiten, mit diesem Personal verschiedene Varianten der Offensive spielen zu lassen. Mehrere Experten haben es ja schon angesprochen: Diese Fortuna muss eigentlich immer mit zwei Spitzen spielen.

Und jetzt kommt der kleine Haken an der Sache. Unter dieser Prämisse wird F95 in den meisten Partien das Spiel machen müssen, etwas, was in der ersten Liga die Ausnahme war … mit der das Team nicht immer gut zurechtkam. Das zu ändern wird die Hauptaufgabe von Sportdirektor, Kaderplanern und Trainern sein. Gelingt das, bleiben die Stürmer gesund und in Form, dürften am Ende mindestens 65, wenn nicht mehr als 70 Tore zu Buche stehen. Dem Chefcoach Uwe Rösler gefällt ja ohnehin ein echter Offensivfußball besser, und er hat – siehe Malmö FF – auch das Zeug dazu, eine Mannschaft zum Toreschießen zu kriegen. Allerdings: Vor der Einlochen hat der liebe Fußballgott bekanntlich die Ballereroberung gesetzt. Das heißt im modernen Fußball: Aggressives Pressing plus variabler Angriffszüge. Und, schwupps, kommen die Außenläufer der mittleren Viererkette ins Spiel, die dies in der Vorwärtsbewegung hauptsächlich zu erledigen haben. Und natürlich die Bereitschaft der Spitzen, sich am Pressing zu beteiligen. Bei Rouwen Hennings und Kenan Karaman muss man in diesem Punkt wenig Sorge habe, bei Emma Iyoha anscheinende auch. Ob Dawid Kownacki, Nana Ampomah und Kelvin Ofori da mitmachen, wird sich zeigen.

3. Fortuna wird um den Aufstieg mitspielen

Gewisse Romantiker fanden es gar nicht so schlimm mit dem Abstieg. Bedeutete das doch, nicht mehr gegen irgendwelche AGs, Marketingprojekte und Werksclubs spielen zu müssen, sondern gegen Traditionsclubs. Wie überhaupt die 2. Liga ein Hauch von Nostalgie umweht. Sagen wir so: So lange keine Zuschauer zugelassen sind, ist es eh wurscht. Denn am Fernsehen ist es egal, gegen wen die glorreiche Fortuna anzutreten hat. Nun wird ja bei einem Erstligaabsteiger von den üblichen Medienverdächtigen die Frage nach dem direkten Wiederaufstieg in die Welt geworfen. Bescheuerter noch: Halbverblödete Spochtrepochter wollen einen Verein dazu zwingen, sogenannte “Saisonziele” auszugeben. Gab’s früher auch nicht.

Nun ist es bei der süßen Fortuna so, dass ein großer Teil lieber tolle Spiele gegen halbwegs gleichwertige und vom Kommerz möglichst gering verseuchte Teams sehen möchte als ein Saisonritt nach dem FCB-Muster, bei dem alles weggehauen wird, was eine Zweitligalizenz hat. Da stellt sich die Frage, ob F95 überhaupt um den Aufstieg mitspielen soll. Ihr extremst ergebener Fußballromantiker sagt: NATÜRLICH! Denn über allen Befindlichkeiten von uns Fans steht der sportliche Erfolg. Ohne den Wunsch zu siegen, zu siegen und zu siegen ist auch Fußball kein Sport. Und wenn man in Liga Zwo antritt, soll am Ende doch ganz selbstverständlich ein Platz unter den ersten Dreien und am liebsten der direkte Aufstieg stehen. Alles andere ist Blödsinn.

Aber, Fortuna spielt ja nicht allein um den Erfolg. Das tun andere Clubs (wenn auch aus unterschiedlichen Motiven) auch. Ihr Ergebener sieht die folgenden Teams als schärfste Konkurrenten (ohne Reihenfolge): Bochum, Hannover, HSV, Heidenheim und Sandhausen. Überraschungen sind St. Pauli, Kiel und dem vom Magath beratenen Würzburg zuzutrauen. Die Prognose daher: Kann F95 jeden Mittbewerber mindestens einmal schlagen, wird die Diva um die ersten drei Plätze mitspielen. Insofern wird direkt der Auftakt beim HSV wegweisend sein: Gelingt dort ein Auswärtssieg, ist Fortuna von Beginn am Rennen.

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1 Kommentar

  1. B.Lockwart am

    Mir persönlich würde es reichen, wenn F95 am letzten Spieltag den HSV vom Relegationsplatz verdrängt und dieser daraufhin in die Insolvenz geht. Dann kann man noch entspannt die Relegation gegen Köln gewinnen und gemeinsam mit Pauli und Kiel aufsteigen.

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