Liest sich banal, die Überschrift, oder? Tatsächlich kann man sich kaum zwei gegensätzlichere Persönlichkeiten mit zwei komplett unterschiedlichen Biografien auf dem Posten des F95-Sportvorstands vorstellen. Hier der weitgereiste Kosmopolit, der angeblich sogar mit dem höchst umstrittenen, saudischen Prinzen Mohammed bin Salman befreundet ist, der – dies ein viel zitiertes Merkmal – auf allen sechs Kontinenten bei einem Profiklub gespielt hat, der 101 Tage in einem indonesischen Knast saß und der schließlich bei der Hoffenheimer TSG landete, dort der Bursche aus Siegen, der als Spieler mit Wolfsburg bis ins Pokalfinale kam und mit dem VfL in die Bundesliga aufstieg, um ab 2002 – mit Unterbrechungen – der glorreichen Fortuna zu dienen.

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Auf welch widerliche Weise man den langhaarigen Typen mit dem markanten bayerischen Tonfall aus Düsseldorf gemobbt hat, wird ein ewiger Schandfleck in der F95-Historie bleiben. Wobei immer deutlicher wird, dass es vor allem Kräfte aus einem Milieu waren, in dem man alles Fremde hasst – die Anfeindungen begannen schon bei Lutzens Verpflichtung, ließen nie nach und erreichten nach der Demission von Friedhelm Funkel einen hässlichen Höhepunkt. Dass er nach erheblichen Drohungen auch gegen seine Frau den Schlussstrich zog, ist für jeden vernünftigen Menschen nachvollziehbar. Ihm zu attestieren, er sei “gescheitert“, ist allerdings ausgesprochen ungerecht. Dazu später mehr.

Der ewige Uwe Klein hat mir vor ein paar Jahren einmal sehr geholfen – vermutlich weiß er das nicht einmal. Im April 2015, nach einem Kurzurlaub an der Elbe, wollte Ihr Ergebener spontan die Partie der Rotweißen gegen den FC St. Pauli im Stadion am Heiliggeistfeld sehen. Dass es dort dank Umbauarbeiten nur sehr wenige Plätze für Gästefans gab, hatte Ihr Kolumnist schlicht übersehen. Was tun? Ein Anruf bei Robert Palikuca, der ja bei beiden Vereinen bis heute wohlgelitten ist, brachte kein Ergebnis. Halt, doch, denn Robert rief zurück und sagte, er habe mit Uwe Klein telefoniert und der habe eine Begleiterkarte übrig, die würde er an der Abholkasse hinterlegen. So saß Ihr Berichterstatter schließlich auf der Tribüne für die Pauli-Nachwuchsspieler und musste sich eine hässliche 0:4-Klatsche antun.

Warum ging Uwe Klein?

Man erinnere sich: In der Spielzeit 2014/15 litt die Fortuna unter dem Sportvorstand des Grauens, Helmut Schulte, der in Kombination mit dem später geschassten Vorstandsvorsitzenden Dirk Kall dabei war, den Verein langfristig zu ruinieren. Ob und welchen Zusammenhang es zwischen der Tätigkeit Schultes (Januar 2014 bis Mai 2015) und dem Ausflug Uwe Kleins nach Rostock besteht, ist unklar. Vermutlich hat sein damaliger Abschied von F95 mehr mit dem allgemeinen sportlichen Tumult nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga im Mai 2013 zu tun. Nicht er ging, sondern der Vorstand verlängerte seinen seit 2002 bestehenden Vertrag als Co-Trainer nach dem Ende der Saison 2013/14 nicht.

Man erinnere sich: Nach dem mit einiger Schmutzwäsche verbundenen Rauswurf von Norbert Meier hatte man den Bujo (Mike Büskens) als Trainer für die Flausen vom direkten Wiederaufstieg geholt, der krachend scheiterte und schon im November 2013 wieder gehen musste. Torwarttrainer Olli Reck musste den Interims-Coach geben bevor die damals Verantwortlichen auf die bekloppte Idee kamen, Lorenz-Günther Köstner zu holen, der aufgrund von Krankheit ab April 2014 nicht mehr arbeiten konnte und von Olli vertreten wurde. Da war Uwe Klein schon nicht mehr dabei, und es gibt Stimmen, die sagen, dass mit ihm eine gewisse Stabilität im Trainerteam verlorenging.

Uwe Klein will sich mehr zeigen

Andererseits war über die Jahre auch das Misstrauen gegen UK gewachsen. Altgediente Fans fragten sich, was genau es ausmachte, dass der Co-Trainer bis dahin jeden Chef-Coach überlebt hatte, und bekannte Verschwörungsideologen mutmaßten gar, er sei unkündbar, weil er etwas gegen leitende Funktionäre des Vereins in der Hand hätte. Suspekt war er aber manchen wohl vor allem, weil er in der Öffentlichkeit nicht stattfand. Man konnte ihn Jahr für Jahr auf dem Trainingsplatz bei der Arbeit als Übungsleiter beobachten und friedlich auf der Reservebank sitzen sehen, aber bei Veranstaltungen mit Fans traf man ihn selten, und wenn, dann lächelte er und sagte nicht viel.

Das, so seine Ankündigung, soll sich jetzt in seiner neuen Rolle ändern. Fünfzig ist er im Januar geworden, rund sechzehn Jahre seines Berufslebens hat er bei der Fortuna verbracht, und irgendwie gab es kaum zwei Meinungen bei den Entscheidern darüber, dass Uwe Klein der bestmögliche Nachfolger für Lutz Pfannenstiel sein sollte – vor allem wegen seiner stillen, aber wirkungsvollen Arbeit als Kaderplaner während der letzten vier Jahre.

Die unterschätzte Leistung des Lutz Pfannenstiel

Lutz Pfannenstiel konnte sich vor allem auf sein weitgespanntes, internationale Netzwerk verlassen. Mal eben bei einem führenden Club der italienischen Serie A anzufragen, ob man diesen oder jenen Spieler leihen könne, das bringen nicht viele. Seine Ghana-Connection (auf deren aktuellen Resultate viel geschimpft wird) könnte sich für die Fortuna noch als extrem wertvoll erweisen. Mal eben einen Zanka und einen Valon Berisha nach Düsseldorf zu lotsen, steht auf jeden Fall auf der Plus-Seite seiner Bilanz. Erik Thommy und Markus Suttner sind – Stand jetzt – die besten Verpflichtungen, die der gute Lutz geholt hat. Bei Zack Steffen spielt Pech eine große Rolle – bis zu seiner von ihm schuldhaft verschwiegenen Verletzung war der US-Keeper der beste Torhüter im F95-Kasten der letzten Jahrzehnte. Über alles gerechnet muss man es aber mit großem Respekt anerkennen, dass es Pfannenstiel gelungen ist, innerhalb kürzester Zeit und bei wirklich miserablen finanziellen Rahmenbedingungen einen Kader für die Saison 2019/20 zu basteln, der sich in der ersten Bundesliga sehen lassen konnte und immer noch kann.

Wobei… Der Anteil des stillen Uwe genau an dieser Leistung ist scheinbar schwer zu beschreiben. Jedenfalls erwähnen die üblichen Auguren den Kaderplaner immer irgendwie im Vorbeigehen. Wer sich aber mit der Arbeit, die beim Zusammenstellen eines Teams für eine Saison anfällt, beschäftigt, muss erkennen, dass es ohne einen Mann wie UK nicht gegangen wäre. Auch wegen einiger Schwächen von Pfannenstiel, der unbestritten gut im Kontakt mit Kollegen ist, aber beispielsweise Vertragsverhandlungen scheut und es auch nicht so mit dem Details der Spielerauswahl hat. Wir wissen es nicht, können uns aber gut vorstellen, dass Uwe Klein mögliche neue Spieler identifiziert hat, um Pfannenstiel dann den Transfer einfädeln zu lassen.

Das wird anders mit Uwe Klein

Was wir sicher erleben werden unter dem neuen Sportvorstand Uwe Klein ist a) eine wesentliche engere Verbindung zwischen dem F95-Nachwuchs und dem Profikader und b) ein besserer Umgang mit dem Trainerteam; denn wie es den Coaches so geht, was sie brauchen, wie man sie unterstützen kann, das wird er aus eigener Erfahrung am besten wissen. Womit wir bei den massivsten Vorwürfen gegen Lutz Pfannenstiel sind. Während sein Anteil an der beinahe geplatzten Vertragsverlängerung mit Friedhelm Funkel im Januar 2019 bei nahe Null liegen muss, war er doch damals erst ein paar Wochen quer durch die Winterpause im Amt, hat der Rausschmiss von Funkel im Februar dieses Jahres den Hass gegen ihn eskalieren lassen.

Auch wenn man Trainerrausschmisse für das dümmste Mittel einer Saisonrettung hält, muss man sagen, dass es nicht nur eine Menge sportliche Gründe für Funkels Demission gab, sondern einige Anlässe im Verhalten des faltigen Neussers, die dafür sprachen sich von ihm zu trennen. Womit wir beim nachhaltigsten Vorwurf gegen Pfannenstiel sind: Er hat weder Düsseldorf, noch die Fortuna-Fan-Gemeinde mit ihren Befindlichkeiten je verstanden und war auf den Shitstorm nach dem Funkel-Rauswurf nicht im mindesten gefasst. Und, ja, das bösartige Etikett “Handlungsreisender in Sachen Fußball” passt ihm, mal so objektiv betrachtet.

Das erkennend kann man die Wahl von Uwe Klein nur als im Sinne der F95-Gemütsstrukturen als optimal betrachten. Einer von uns, werden viele denken, die schon 2002 dabei waren, kein Profilneurotiker, ein sympathischer Kerl, der sich über die Jahre massiv viel Wissen und Erfahrung angeeignet hat. Das rührt das Herz der Fortunen – ähnlich wie bei der Verpflichtung von Friedhelm Funkel, denn eigentlich wünscht sich die Mehrheit der eingefleischten F95-Fans, dass alle, die im Verein was zu sagen haben, Düsseldorfer wären. Übrigens der Grund, warum so viele immer wieder nach Klaus Allofs als “Präsident” rufen.

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10 Kommentare

  1. Die Mannschaft wurde durch Funkel geformt. Es ist eine Manschaft mit Character. Ich mag Rösler auch aber wenn Funkel Berischa und Stöger zur Verfügung gehabt hätte würden wir heute nicht schlechter in der Tabelle stehen.
    Es war ein schäbiges Spiel was Pfannenstiel mit Funkel gespielt hat (Trainer des Jahres).
    Ich denke aber nicht, dass er ein schlechter Manager ist.

    • Peter North am

      Die Legendenbildung der Funkel-Jünger, die Pfannenstiel einseitig die Verantwortung für die insgesamt schwache Kaderplanung zuweisen, ist schon eine Frechheit.

      Der Fußball, den Rösler schon in seinem ersten Spiel gegen Frankfurt spielen ließ, war meilenweit entfernt von Friedhelms Angsthasenfußball, mit dem wir noch von Paderborn hätten überholt werden können.

      Pfannenstiel hat aber auch ordentlich Scheisse gebaut: Ampomah für 4 Millionen (!), der abwegige Adams, der völlig katastrophale Verzicht auf einen Stöger-Ersatz, stattdessen die Verpflichtung des bummeligen Friseurs Barkok.

      Die 3-Millionen-Leihe (!) von Tekenpitter, Skrzybski, der ein Zweitligastürmer ist und nicht für die Aussenbahn taugt sowie der von vornherein sinnlose Wasserträger Pledl gehen allesamt auf Funkels Kappe. Allerdings auch Erik Thommy.

      Insgesamt: eine ganz schöne Scheiss-Bilanz von beiden.

      • Rainer Bartel am

        Thommy hat Pfannenstiel geholt, der kannte den Erik schon lange vorher. Bei Ampomah wär ich vorsichtig – wann hat eine Luxusverpflichtung bei der Fortuna schonmal in der ersten Saison eingeschlagen. Bei Adams kann es keine zwei Meinungen geben, bei Barkok hat’s einfach nicht gepasst. Dass es keinen Stöger-Ersatz gab, lag wohl eher daran, dass zur Saison 2019/20 kein adäquater, bezahlbarer Ersatz zu haben war. Bei Börnie und Skrzybski sehe ich es ähnlich, bei Pledl weiß ich nicht – den hat man einfach zu selten gesehen; aber wenigstens hat der seine Haare jetzt nicht mehr so blond…

        • Peter North am

          Also, ich bin da nit so sicher.

          Funkel hat zumindest behauptet, Erik Thommy schon damals (!) von Augsburg geholt haben zu wollen und dass es halt an der fetten Kohle von Schrottgart gescheitert sei. Glaub‘ ich dem faltigen Nüsser. Aber kann natürlich auch so gewesen sein, wie Du sagst. Ich habe eh seit Jahren durchaus Probleme mit der Glaubwürdigkeit Funkels.

          Wat siehst Du denn bei der Ampomette? Ich sehe da nicht einmal Ansätze. Der ist zu langsam für schnelle Sprints, er hat keinerlei Spielverständnis und weiß nicht, wann was auf dem Platz zu tun ist – was Thommy perfekt kann. Das einzige, was Ampometty gut kann, sind Standdribblings. Von seiner Defensive brauchen wir eh nicht zu reden. Barkok war bereits letztes Jahr Schrott. Und es kann ja wohl nicht sein, dass Pfanni mit seinem Bertholdartigen Netzwerk keinen einzigen vielversprechenden ZM/OM finden kann. Sorry – das ist peinlich.

          Börnie und Skrzybski werden niemals Stammspieler in Liga 1.

          Bei Pledl sehe ich kein Tempo, keine körperliche Kraft im Zweikampf. Ich weiß nicht, was der können soll.

          Tut mir leid, wenn man so eine Bilanz produziert, sollte man nicht sagen: wir haben ja keine Peseten!

  2. Tja, auch ich sehe Herrn Pfannenstiel Wirken bei uns nicht negativ. Leider wird er auch im 95er Forum von einigen heftigst angegangen. Der Gipfel ist, dass man ihm die Gründe für seinen Ausstieg nicht glaubt, sondern die Anfeindungen gegen ihn und seine Familie seinen nur vorgeschoben. Alle seine Verpflichtungen sind laut diesem Forum sch***e, ausser Thommy und Kastenmeier. Wobei das beim Torwart auch schon mal die Meinung schwangt. Aber ginge es nach dem Forum, würde jeden Monat die halbe Truppe verkauft und wöchentlich mindestens 8 Spieler gewechselt ;-).

    Ich erhoffe mir viel von Uwe Klein und er wird für den kommenden Kader viel Unterstützung benötigen bei 17 auslaufenden Verträgen.

    Ob Pfannenstiel ein schäbiges Spiel mit Funkel getrieben hat, vermag ich nicht beurteilen. Die Angelegenheit war wohl viel komplexer und da hatte sicher nicht nur Pfannenstiel als einziger die Entscheidung getroffen. Im übrigen war die Reaktion von Funkel auf die Verpflichtung von Pfannenstiel auch ziemlich mies.

    Bei Fortuna ist halt immer etwas los…. 🙂

  3. Klein war immer schon ein Felgenlutscher. Als Co-Trainer.

    Als Manager, Sportdirektor als ????????????? bei Roststock 6MINUS

    • Rainer Bartel am

      Letzte Verwarnung! Diesen Ton billigen wir hier nicht. Noch eine Beleidigung, und es gibt eine Sperre.

  4. Ich kann mich daran erinnern, dass BILD zu Zeiten, als der Name Lutz Pfannenstiel noch lange nicht in den Hinterköpfen war, von Fortuna “verlangte”, als letzter Verein der BL endlich auch einen Sportdirektor einzustellen und damit professioneller zu werden. Daraufhin sagte FF, man brauche so was nicht und solle das Geld lieber in weitere Spieler investieren. So jedenfalls stand es in den Gazetten. Entsprechend wurde Pfannenstiel hier wie ein Fremdkörper empfangen. Spätestens da hat ein Machtwort von oberster Stelle gefehlt. Sehr schade, ich fand nicht nur Lutz Pfannenstiel richtig stark, sondern hielt auch bzw. gerade von dem Tandem Pfannenstiel/Klein eine Menge.

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