Fortuna-Punkte: Wer für Fortuna arbeitet, darf das Leben nicht fürchten

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Manche Biografie liest sich wie ein Roman. Zum Beispiel die von Lutz Pfannenstiel, dem einzigen Profifußballer, der tatsächlich auf sechs verschiedenen Kontinenten wenigstens ein Spiel als bezahlter Kicker absolviert hat. Wäre das schon alles, könnte man sagen: Ist doch bloß Fußball. Aber der Mann hat zwischendurch mal wegen angeblicher Beteiligung an einem Wettbetrug in Singapur für 101 Tage im Knast gesessen, hat Wacker Burghausen nach ein paar Spielen wieder verlassen, weil man seine indonesische Freundin dort rassistisch beleidigt hat, und erlebte eine, ähem, gefährliche Geschichte bei einem mafia-affinen Ukraine-Club, über die er ungern spricht. Das Ergebnis nennt man Lebenserfahrung. Und genau das ist es, was man braucht, um bei der Fortuna arbeiten zu können: Keine Angst vor nix.

Natürlich reißen jetzt gewisse Spießer in den sogenannten „sozialen“ Medien schon die Fresse auf und kritisieren den guten Lutz wegen mangelnder Konstanz. Bei manchen wird es Neid sein, denn was der Ex-Keeper erlebt hat, davon dürfte mancher Stuhlkissenfurzer träumen. Außerdem übersehen die Skeptiker, dass der Kerl es tatsächlich SIEBEN Jahre bei der SAP-Werkself ausgehalten hat. Dort war er Direktor für internationale Affären (oder so), also immer unterwegs, sodass er das provinzielle Elend in Sinsheim nicht tagtäglich miterleben musste.

Aber der Herr Pfannenstiel hat sich nicht immer nur rumgetrieben, sondern weltweit Hunderte von Freundschaften, nicht nur, aber auch mit Akteuren des Fußballsports (und -geschäfts) geschlossen. So ist auch sein Projekt des Global United FC entstanden, über das es auf Wikipedia heißt:

…ist ein internationaler, in Deutschland registrierter, gemeinnütziger Verein, der sich den Schutz des Klimas und der Umwelt durch Erhöhung der Aufmerksamkeit zu diesen Themen zur Aufgabe gemacht hat. Hierfür stellen sich die weit über 500 namhaften – ehemaligen – Fußballprofis, Fußballtrainer und auch Fußballschiedsrichter aus der ganzen Welt für Benefizspiele, Aktionswochen und Einzelprojekte an extremen, gefährdeten oder ungewöhnlichen Orten zur Verfügung.

Aufsichtsratsvorsitzender ist übrigens dieser Fredi Bobic, der genau wie Pfannenstiel, international aufs Feinste vernetzt ist. Ob das geplante Benefizspiel auf der King George-Insel in der Antarktis wirklich stattgefunden hat, ergibt sich aus den verfügbaren Quellen nicht eindeutig. Falls aber ja, dann wäre es das allererste internationale Fußballspiel in der Antarktis überhaupt gewesen. Im Kader des GUFC finden sich übrigens Profis und Ex-Profis aus Ländern aller Kontinente. Heißt: Lutz Pfannenstiel kennt man überall auf der Welt.

Nun denken die Nüchternen unter den Anhängern der glorreichen Fortuna ja eher streng und fragen sich bei dieser Personalie: Was bringt uns das? Eher unbedarfte Fans und populistisch veranlagte Lokalschreiber spekulieren dagegen, wen Herr Pfannenstiel durchs Wintertransferfenster zur Fortuna zerren kann. Ganz im Sinne des Worldwide Soccer Business machen sie schon Kosten-Nutzen-Rechnungen auf und kommen sich dabei furchtbar vernünftig vor. Dass wir mit Uwe Klein, Robert Palikuca, Goran Vucic und Christian Weber ein tolles Kaderplanerteam haben und die zur Verfügung stehenden Mittel streng begrenzt sind, wird bei aller Vernunft vergessen.

Denn Lutz Pfannenstiel ist mehr als nur ein globetrottender Hallodri, der Fußballgott und Fußballwelt kennt, sondern einer, der aber mal so richtig was vom Fußball versteht, was er nicht nur als „Experte“ im TV in verschiedenen Ländern unter Beweis gestellt hat, sondern regelmäßig durch seine publizistische Tätigkeiten für Internet-Sender und Print-Produkte wie den Daily Mirror. Ob er ein Mann mit Visionen, Ideen und praktikablen Konzepten ist, wird er dagegen belegen müssen, denn dergleichen hat er noch auf keiner seiner gefühlten Tausend Stationen nachweisen müssen. Aber, sich Gedanken um die sportliche Zukunft der Fortuna zu machen, Pläne dafür zu entwickeln und umzusetzen, DAS ist seine eigentliche Aufgabe als Sportvorstand – nicht bloß das Akquirieren von Kickern.

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2 Kommentare

  1. Sven Dernbach am

    Ist auf jeden Fall mal eine interessante Personalie. Auf jeden Fall aber – und eigentlich als allererstes: Willkommen bei F95!

  2. Düsseldorfer an der Elbe am

    Oh Pfannenstiel , oh Schäfer,
    Nein, das ist ein Schlag ins Kontor. Da haben wir den ältesten Trainerstab der Welt, mit einem sensationellen
    Funkel, der jeden Taktiknerd neidig werden läßt. In wen soll man denn noch Vertrauen haben, wenn nicht in eine knorrige Eiche, die auf dem modernsten Stand trainiert und trotzdem die alten Tugenden hochhält.
    Das Innenleben einer Mannschaft ist nachwievor der Hauptgrund, warum ein Trainer scheitert oder eben Erfolg hat.
    Entweder man kann es oder nicht.
    Und Funkel konnte. Ja, ich denke die Vergangenheitsform ist richtig. Denn jetzt ist Funkel nur noch Übergang, bis zum neuen Trainer, der spätestens im März das Ruder übernehmen wird.
    Fortuna ist leider doch wie alle Erstliga-Teams. Ausgenommen vielleicht Freiburg und Augsburg.
    Ich bin gerne nach Dü´dorf geflogen und ich habe mich in dieser häßlichen Schüssel wohlgefühlt. Die Recken über den Rasen wetzen sehen, das war meistens echter Fußball.
    Hat Schäfer nichts aus der Vergangenheit gelernt? Nein, hat er nicht.
    Herr, lass Hirn vom Himmel oder was weiß ich, woher auch immer, regnen. Aber dafür ist es jetzt zu spät.
    Quo vadis – Schäfer- und Pfannenstümper?

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