Fortuna Schulte-los

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Muss man sich als Fortuna-Fan jetzt freuen, dass der Aufsichtsrat der glorreichen Fortuna heute den Sportvorstand Helmut Schulte entlassen hat? Nein. Denn nicht der Rausschmiss ist die Lösung, sondern nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer kompletten Neuformierung rund um die Fußballabteilung des TSV. Gescheitert ist der Sauerländer mit der Pauli- und Schalke-Vergangenheit weniger an seinen (nachweisbaren) handwerklichen Fehlern, als vielmehr an seiner unglaublichen Sturköpfigkeit. Denn gewarnt hatte ihn der Aufsichtsrat schon vor eignen Wochen. Ja, es wurde gemunkelt, man habe Schulte eine Frist für die Verpflichtung eines neuen Trainers gestellt in der Hoffnung, er würde die nicht einhalten können. Mit der Vorstellung von Frank Kremer hat der Sportvorstand dann noch einmal den Kopf aus der Schlinge gezogen. Und dann gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Dirk Kall begonnen, populäre Verpflichtungen zu präsentieren.

Natürlich wird die Fortuna davon möglicherweise mittel- oder langfristig profitieren, nur die Zeitpunkte der Vorstellungen von Akpoguma und Akca geben zu denken. Letztlich hat Schulte aber in seiner Amtszeit seit Januar 2014 nie auch nur ansatzweise versucht, die spezifische, auf der Geschichte beruhende Kultur des Vereins zu verstehen und sich ihr anzupassen. Denn der TSV Fortuna Düsseldorf ist nun einmal der bundesdeutsche Profiverein, der nur durch das enorme Engagement seiner Fans auf allen Ebenen am Leben erhalten und wieder nach oben gebracht wurde. Daraus leiten sich auch Rechte für ebendiese Fans ab, vor allem auf eine transparente Kommunikation aller Amtsträger und Führungskräfte mit ihnen.

Dass die Freistellung von Helmut Schulte genau in die Phase fällt, in der der Verein gemeinsam mit diesen Fans an der Formulierung des Fortuna-Leitbildes arbeitet, ist also kein Zufall. So wenig wie es Zufall ist, dass der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende, Marcel Kronenberg, einer der Gründerväter der „neuen“ Fortuna ist, die nach dem Desaster der Achenbach-Ära aus zahllosen Gesprächsrunden wiedergeboren ist – die aktuelle Satzung ist beispielsweise nicht von einem Vereinsmitarbeiter oder bezahlten Anwalt entwickelt worden, sondern von einer aus Fans zusammengestellten Satzungskommission. Auch das (fast) ein Unikum in der deutschen Profifußballlandschaft. Helmut Schulte – und leider auch Dr. Dirk Kall – haben dagegen versucht, die Fortuna wie einen x-beliebigen Zweit- (oder Dritt-)-ligisten zu führen. Vor allem in Bezug auf die Zuschauer, die sie als Kunden betrachtet haben, die man im Sinne von klassischem Marketing irgendwie zufriedenstellen muss. Das ist nicht fortuna-gemäß.

Was also jetzt folgt, muss sich an den Besonderheiten der Fortuna orientieren. Nein, das heißt nicht, dass zukünftige Manager und Vorstände mit Herzblut nur so um sich spritzen müssen – das hat der langjährige Vorstandsvorsitzende Peter Frymuth auch nicht getan. Aber der eigentlich von der Erwinista ins Amt gehievte Funktionär hat schnell gelernt, mit den aktiven und organisierten Fans zu sprechen und deren Fragen, Beschwerden und Anregungen wenigstens erstzunehmen. Wer jetzt als Namen wie Jens Langeneke, Sascha Rösler oder gar Thomas Allofs nur deswegen ins Spiel bringt, weil es sich um Personen handelt, die viel für die Fortuna getan haben und an der Fortuna hängen, liegt falsch. Genauso falsch (aber typisch Fortuna) wäre es, jetzt nach „großen Namen“ zu rufen, also den bereits erfolgreichen Managern mit den tollen Connections. Vielleicht wäre ein Michael Zeyer die Idealbesetzung, wenn auch nur der Hauch einer Chance bestünde, ihn zur Fortuna locken zu können: Ein Mann mit positiver Fortuna-Vergangenheit, ein kluger Kopf, der erste Erfahrungen als Manager gesammelt hat und vor allem mit den F95-Fans reden kann.

So wie der aktuelle Aufsichtsrat beschaffen ist, besteht die große Hoffnung, dass man dieses Mal nicht einfach zum Nächstliegenden greift – wie es das Vorgängergremium im Fall der Beförderung des Aufsichtsratsvorsitzenden zum Vorstandsvorsitzenden getan hat. Vielmehr spricht vieles dafür, dass man gemeinsam und sorgfältig die Kriterien definieren wird, die ein zukünftiger Manager erfüllen muss, und dann erst auf die Suche geht. Wobei sich schließlich die Frage stellt, ob es eine gute Idee ist, den sportlichen Leiter zum Vorstand machen zu müssen. Auch diese Sache steht auf dem Prüfstand.

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4 Kommentare

  1. Sollte es sich tatsächlich so zugetragen haben, dass der Aufsichtsrat Schulte für die Trainersuche eine möglichst knappe Frist gesetzt hat, um ihn daran scheitern zu lassen, wäre dies nicht nur ein starkes Stück, sondern in meinen Augen auch vereinsschädigend.

    Entweder zieht man direkt die Notbremse, wenn man nichts mehr von ihm hält oder aber (wie geschehen) man hält ihn erstmal weiter unter Beobachtung.
    Aber auch dann muss er natürlich in seiner Arbeit nach Kräften unterstützt werden. Da das Ergebnis seiner Arbeit (in dem Fall die Trainersuche) maßgeblich für den Erfolg des Vereins in der Zukunft ist.

    • Rainer Bartel am

      Wie gesagt: Das mit der Trainersuchfrist war ein Gerücht. Aber nicht ganz unplausibel, weil der AR ja auch eine handfeste Begründung brauchte für die Freistellung – sportlicher Misserfolg (der sich zum Zeitpunkt der Reck-Entlassung ja noch in Grenzen hielt) hätte damals nicht gereicht.

  2. Moin, ich finde den Namen Langeneke in diesem Zusammenhang interessant. Er ist ein ähnlich kluger Kopf wie Zeyer und wäre ein perfektes Bindeglied zu den Fans. Gut, die Erfahrung fehlt ihm, aber warum nicht den neuen Co-Trainer Hermann an seine Seite stellen, der ist sehr erfahren und auch kein Lautsprecher. Für mich klingt das nach einem vernünftigen Ansatz.

  3. Interessant das Thema mit der Satzung! Möchte mir gar nicht vorstellen was los ist , wenn es mal um die Ausgliederung des Profibereichs???????? geht!

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