Fußballspieler sind für einen Verein auch eine Produktivkraft … und eine Einnahmequelle.

Analyse · Manchmal müssen wir Romantiker:innen des getretenen Rundballs einfach zugeben, dass der Fußball auch eine betriebswirtschaftliche Seite hat. Denn schließlich will der ganze Kram auch bezahlt sein. Das ist schon immer so, seit Elf gegen Elf im Ligabetrieb gegeneinander antreten. Das galt auch immer schon für die Fußballvereine, die – wie unsere von Herzen geliebte Fortuna – tatsächlich eingetragene Vereine sind. Am Anfang waren der Mitgliedsbeitrag und das Eintrittsgeld. Dann kamen Werbeeinnahmen und Sponsorenknete. Heute spielen Einnahmen aus TV-Rechten und Transfererlöse eine große Rolle. Und mit Letzteren will sich euer Ergebener heute einmal befassen. [Lesezeit ca. 7 min]

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Lassen wir dabei mal die Schachereien der Multimilliarden-Soccer-Konzerne außen vor und begeben wir uns auf das Niveau der drei oberen Ligen der bundesdeutschen Kickerei. Betrachten wir dabei Ablösesummen, Leihgebühren und Spielergehälter. Ausgangspunkt ist der Wunsch beziehungsweise die Notwendigkeit, einen Kader zusammenzustellen, in dem sich ausreichend viele Spieler ausreichend großer Fähigkeiten finden.

Ein Profifußballer kann auf einem von drei Wegen in einen solchen Kader kommen:
1. Er wird „gekauft“.
2. Er wird ausgeliehen.
3. Er wird aus dem eigenen Nachwuchs befördert.

Das ähnelt verblüffend der Art und Weise, wie eine Fabrik an eine neue Maschine kommt. Denn auch die kann gekauft oder geliehen (geleast) oder aber in den eigenen Werkstätten gebaut werden. So gesehen ist ein Kicker eine Produktivkraft im marxistischen Sinne wie es jede Maschine in einer Fabrik ist. Ja, selbst das Problem, dass manche Maschine manchmal kaputtgeht und repariert werden muss, findet sich in diesem Bild wieder, denn Spieler neigen dazu, sich zu verletzten und eine Zeitlang nicht zur Produktion von Spielen beizutragen.

F95 vs Bielefeld: Der ganze Kader feiert das 4:1 (Foto: TD)

F95 vs Bielefeld: Der ganze Kader feiert das 4:1 (Foto: TD)

Der ausgeliehene Spieler

Schauen wir uns zuerst einmal an, wie sich ein ausgeliehener Kollege aus dieser Sicht anfühlt, denn dies ist der einfachste Fall. Es heißt ja bisweilen, dieser oder jener Spieler „gehöre“ diesem oder jenem Verein. Das ist natürlich Blödsinn, denn in Wahrheit existiert ein Vertrag zwischen den Parteien, in dem geregelt ist, was beide Seiten zu leisten haben: Der Kicker muss nach bestem Wissen und Gewissen bereitstehen, seinem Verein sportlich in die Socken zu helfen, und bekommt dafür ein Gehalt. Ein solcher Vertrag kann (und das tut er im europäischen Soccer sehr häufig) die Klausel enthalten, dass der Spieler auch für einen anderen Verein antritt, wenn dies seinem Arbeitgeber gefällt.

Die Gründe, warum ein Club einen Kicker verleiht, sind vielfältig. Meistens geht es darum, einem potenziell prima Spieler die Möglichkeit zu geben, öfter aktiv auf dem Rasen mitzutun, als dies bei seinem „Besitzer“ der Fall ist. Und warum? Weil in den europäischen Profiligen ALLE teilnehmenden Verein, Clubs und Unternehmen bestrebt sind, den Wert eines ihrer Kaderinsassen mindestens zu halten, lieber noch zu steigern. Was aber ist dieser sogenannte „Marktwert“? Es ist eine von Experten auf Basis bisheriger Transfers eines Mannes aus dem Ärmel geschüttelter, fiktiver Geldbeitrag. Der Marktwert beschreibt den auf diese Weise ermittelte mögliche Preis eines Kickers bei seinem Verkauf. Dazu gleich mehr.

Michal Karbownik: Leihspieler mit Kaufoption (Screenshot Sky)

Michal Karbownik: Leihspieler mit Kaufoption (Screenshot Sky)

Eine Ausleihe ist im optimalen Fall eine Win-Win-Win-Situation: Der Verliehene bekommt Spielzeit, kann sich zeigen und seinen Wert konservieren; der verleihende Club bekommt eine Leihgebühr, die in aller Regel mindestens das Gehalt des Verliehenen refinanziert; und der aufnehmende Verein darf einen möglicherweise sportlich vorteilhaften Kollegen im Kader begrüßen. Der Nachteil für den Leihnehmer: Von einer möglichen Wertsteigerung profitiert er in der Regel nicht. Und damit er das eventuell irgendwann in der Zukunft tun kann, haben die Spezialanwälte die Kaufoption erfunden. Die entsprechende Klausel legt fest, dass der aufnehmende Verein den geliehenen Spieler nach einer gewissen Frist für einen festgelegten Betrag „kaufen“ kann.

Der zweite Nachteil besteht darin, dass – Kaufoption hin oder her – der geliehene Spieler mit hoher Wahrscheinlichkeit nach der Leihfrist wieder weg ist und nicht weiterhelfen kann. Oft passiert das deshalb, weil die Höhe des vereinbarten Kaufbetrags die finanziellen Möglichkeiten des Leihnehmers überschreitet – also das, was aktuell unsere Fortuna in Sachen Michal Karbownik passieren könnte beziehungsweise mit großer Wahrscheinlichkeit passiert.

Der „gekaufte“ Spieler

Es gibt übrigens eine spezielle Variante der Ausleihe, die man auch „Kauf auf Probe“ nennen könnte. Rein vertraglich unterscheidet sie sich nicht vom beschriebenen Verfahren. Die Absichten der beteiligten Clubs sind nur andere. Verein A will Spieler Z aus irgendeinem Grund gern loswerden. Verein B ist interessiert, würde Spieler Z aber gern mal eine Halbsaison testen. Das geht eben formell mit einer Leihe inklusive Kaufoption.

Halten wir noch einmal fest, worum’s überhaut geht. Ein Ligateilnehmer möchte einen optimalen Kader zur Verfügung haben, der bezahlbar ist. Der soll aus 25 bis 35 Insassen bestehen, die alle Positionen annähernd gleichwertig abdecken können und auch menschlich miteinander klarkommen. Die Arbeit der Kaderplaner (dazu demnächst mehr) ist ein sauschweres Puzzlespiel. Natürlich möchte kein Trainerteam einen Haufen Söldner am Start haben, die nach einer Saison schon wieder weg sind, sondern eine echte Mannschaft, die sich entwickeln kann. Und da sind einfach Jungs vonnöten, die sich über längere Zeiträume binden wollen und können.

F95 vs Fürth: Dicke Kumpels - de Wijs und Hendrix (Screenshot Sky)

F95 vs Fürth: Dicke Kumpels – de Wijs und Hendrix (Screenshot Sky)

Kommt ein solcher Spieler von außen, hat ihn der Verein vermutlich „gekauft“, besser: verpflichtet. Denn der Vertrag zwischen einem Club und einem Kicker ähnelt am ehesten dem eines Theaters und einem Ensemblemitglied, weniger dem eines Angestelltenverhältnisses. Vertraglich verpflichtet sich der (Schau)Spieler für einen festgelegten Zeitraum all seine Schaffenskraft einzig und allein zum Vorteil des Theaters,… äh, Vereins einzusetzen. Dafür bekommt er eine Vergütung, die sich aus einem Festhonorar (dem sogenannten „Gehalt“) sowie diverse Prämien fürs Auflaufen, Toreschießen, Gewinnen und Aufsteigen zusammensetzt.

Während der Vertragslaufzeit „gehört“ ein verpflichteter Spieler seinem Club, und der Verein kann ihn im Rahmen der Vertragsbedingungen in seiner erster (aber auch meistens zweiten) Mannschaft einsetzen (oder nicht) und verleihen. Einfach so innerhalb dieser Frist verkaufen kann er ihn nicht, dazu bedarf es IMMER der Zustimmung des jeweiligen Kickers.

Neben der sportlichen hat die langfristige (Zwei Jahre oder länger) Verpflichtung eines Spielers von außen auch eine betriebswirtschaftliche Seite. Denn mit dem „Kauf“ eines Burschen im besten Alter gehen die Clubs oft auch eine Wette auf dessen Wertsteigerung ein. Ja, viele Clubs, deren in eine Firma ausgelagerter Betrieb auf Profitmaximierung angelegt ist, verpflichten besonders Nachwuchskicker deswegen, weil sie darauf setzen, dass sich das Talent als großes Talent erweist und nach einer gewissen Zeit mit ordentlichem Gewinn wieder „verkauft“ werden kann.

Der Spieler aus eigenem Nachwuchs

Das ist heutzutage bei Jungs, die aus dem Nachwuchs stammen, sogar vorwiegend der Fall. Wir Fußballromantiker träumen ja immer den Lucarelli-Traum. Cristiano Lucarelli verzichtete auf eine halbe Million Gehalt, um zu seinem Heimatverein, dem AS Livorno, zu wechseln, nachdem dieser in die Serie B aufgestiegen war. Gerade wir Fortunen sind da besonders romantisch und himmeln Leute an, die sich zur Fortuna bekennen und irgendwann zurückkommen; Lumpi Lambertz und Axel Bellinghausen sind da prägnante Beispiele. Und so träumen wir vielleicht zur Zeit davon, dass ein Elione Fernandes Neto, ein Daniel Bunk oder ein David Savic FÜR IMMER Fortunen bleiben.

Aus dem eigenen Nachwuchs: Marcel Mansfeld (Screenshot Sky)

Aus dem eigenen Nachwuchs: Marcel Mansfeld (Screenshot Sky)

Das wäre eine Ausnahme in dem, was gedankenlose Fußballjournalisten immer „das Geschäft“ nennen. So gut die Fähigkeiten von Elo, Daniel, David auch in die Wunschvorstellungen aktueller und zukünftiger Trainer passen mögen, der Plan ist grundsätzlich ein anderer. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs sind wie vom Verein ausgegebene Aktien. Sie haben mit Beginn ihrer Profikarriere einen fiktiven Wert von einem Euro, und das Ziel ist es, diesen Wert dadurch um Hunderte Prozent zu steigern, in dem man ihnen Spielzeit in der ersten Mannschaft ermöglicht. Und so wie Start-up-Gründer einer Exit-Strategie folgen und Anteile am von ihnen geborenen Unternehmens irgendwann zum besten Kurs verkaufen, so verkaufen eben auch eingetragene Vereine Talente nach einer gewissen Zeit mit enormem Gewinn.

Wobei: Einen Jungen, der vielleicht mit 13, 14 in den Verein gekommen ist, auf das Niveau zu bringen, dass er mit 17 oder 18 in den Profikader kommen kann, kostet natürlich auch Geld. So wie eben auch der Bau einer Maschine in der fabrikeigenen Werkstatt Geld kostet. Diese Investition möchte der Verein natürlich wieder reinholen.

Conclusio

Die Finanzierung des Spielbetriebs eines Teilnehmers an einer der Profifußballligen mit allem Drum und Dran ruht heute auf fünf Säulen. Traditionell Säule Nummer 1 entsteht aus den Einnahmen aus dem Verkauf von Eintritts- und Dauerkarten. Immer noch entscheidend sind als zweite Säule die Einnahmen aus Sponsoring. Seitdem die Übertragungsrechte der Partien von den TV-Versendern bezahlt werden, spielen die von der DFL verteilten Gelder als dritte Säule eine Hauptrolle. Erlöse aus dem Verkauf von Merchandising-Produkten stellen eine weitere Säule dar, und Erlöse aus dem Transfer von Spieler (wie es sie seit der Bosman-Entscheidung so erst gibt) sind gerade für ärmere Clubs inzwischen oft die wichtigste oder zweitwichtigste Säule.

Gerade Vereine mit guter oder optimaler Nachwuchsarbeit streben an, Kicker aufzuziehen und sehr jung an reichere Clubs zu verkaufen. Bei unserer glorreichen Fortuna hat die Aufzucht junger Burschen in den vergangenen Jahren noch keine große Rolle gespielt, weil die Durchlässigkeit von der Zwoten zur Profimannschaft gering war. Das hat sich mit der laufenden Saison entscheidend geändert. was wiederum seine Ursache darin hat, dass unser Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) unter der Leitung von Frank Schaefer spätestens seit dem Einzug in das neue Gebäude am Flinger Broich eine hervorragende Arbeit geleistet hat.

Noch nie waren so viele Burschen aus der U17, der U19 und der Zwoten so nah dran an der ersten Mannschaft. Noch nie wurde so vielen Nachwuchsspielern ein Profivertrag angeboten wie in den vergangenen zwei Jahren. Noch nie hat die Fußballfabrik Fortuna so viele Maschinen selbst gebaut wie heute. Und das wird über ganz kurz oder mittellang unsere Diva nicht nur sportlich weiterbringen, sondern ihr auch bessere finanzielle Möglichkeiten liefern. Die F95-Zukunft sieht golden aus.

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