5 Fragen an: Tom Knevels zur kommenden Demokratischen Schule Düsseldorf

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Tom Knevels, geboren 1980 in Flingern, aufgewachsen in Ratingen, ist zur Zeit Vorsitzender des Vereins Demokratische Schule Düsseldorf, einer Initiative, die auf dem besten Wege ist, im kommenden Jahr die erste Demokratische Schule der Stadt zu eröffnen. Tom hat in Wuppertal ein Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Musik absolviert und arbeitet inzwischen an der offenen Ganztagsschule in Benrath an der Südalle. Praktika an der Montessori-Schule Lindenstraße, an der Freien Aktiven Schule Wülfrath und dem Sudbury-Lernzentrum Leipzig haben ihn auf das Thema „Demokratische Schule“ gebracht. Außerdem ist er Vater von zwei Kindern (werden jetzt 2 und 5), Pädagoge, Musiker (Sänger und Schlagzeuger), Fotograf und Fortuna-Fan (deswegen haben wir ihn auch geduzt).

[1] Sind unsere Schulen undemokratisch?
An vielen Schulen gibt es den Klassenrat, in dem zum Beispiel Streitigkeiten geschlichtet werden. Bei uns nimmt die demokratische Mitbestimmung einen noch größeren Stellenwert ein. Alle Regeln der Schule, die Verwendung des Budgets u.a. werden in der Schulversammlung abgestimmt, in der jeder eine Stimme hat, ob Mitarbeiter, ob Schüler. So erleben die Kinder von klein auf, dass ihre Stimme gehört wird, dass sie etwas verändern können und dass derjenige die Anderen überzeugt, der die besseren Argumente hat – unabhängig vom Alter.

[2] Ist eine demokratische Schule irgendwie „antiautoritär“?
Sie ist weder autoritär, noch antiautoritär, sondern demokratisch. Die Schüler bestimmen was, wann, wie, wo und von wem sie lernen, aber es ist nicht so, dass jeder machen kann, was er will. Die Rechte des Einzelnen werden sehr hoch gehalten und geschützt. So etwas wie Mobbing kommt an den bestehenden demokratischen Schulen nicht vor; wenn jemand gemobbt wird, schreibt er oder sie eine Anzeige, und der Fall wird im Justizkommitee behandelt.

[3] Gibt es real existierende Beispiele für demokratische Schulen?
Die älteste demokratische Schule ist Summerhill in Leiston, England, die 1921 gegründet wurde. Die zweitälteste ist die Sudbury Valley School in der Nähe von Boston von 1968. Beide Schulen haben Studien über den Werdegang ihrer Absolventen durchgeführt und festgestellt, dass diese ausnahmslos erfolgreiche, glückliche und zufriedene Erwachsene geworden sind. Beispiele von demokratischen Schulen in Deutschland sind z.B. die Kapriole in Freiburg, die Demokratische Schule X in Berlin, die Neue Schule Hamburg und die Sudbury-Schule Ammersee bei München. Das Konzept funktioniert also auch in Deutschland.

[4] Wie steht die offizielle Schulpolitik auf kommunaler und Landesebene zu eurem Projekt?
Wir stehen in regem Kontakt mit dem Schulverwaltungsamt. Da die Stadt wächst und die Schülerzahlen steigen, besteht von Seiten der Stadt ein großes Interesse an neuen Schulen. Auch bei unserer Suche nach einem passenden Schulgebäude ist die Stadt sehr kooperationsbereit. Wir sehen uns hier als Bereicherung der Schullandschaft und wollen zu einem attraktiven Standort Düsseldorf beitragen.

[5] Wann kommt die Demokratische Schule Düsseldorf?
Wir wollen 2017 eröffnen. Wir haben ein Gebäude in Aussicht, wir machen Stellenausschreibungen, wir haben eine Interessentenliste, auf der wir potentielle Schüler und Schülerinnen sammeln etc. Unser Traum wird nach und nach Wirklichkeit.

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3 Kommentare

  1. schade, dass tom „antiautoritär“ auch für „dass jeder machen kann, was er will“ hält, ein finsteres missverständnis aus den siebzigern. es sagt ja lediglich, dass es keine autoritäten gibt, die ohne argumente oder kompetenz dem rest der gesellschaft in der schule ihre meinung oder willen aufzwingen dürfen. in diesem sinne ist eine demokratische schule immer antiautoritär, weil es keine solche nicht akzeptierte autorität gibt.

    • Hi Michael,
      ich wollte lediglich dem historisch vorbelasteten Dualismus entgehen. Der Diskurs um den Begriff „antiautoritär“ ist sehr polemisch geführt worden, so dass wir uns da lieber raushalten möchten.
      Dass an einer demokratischen Schule nicht jeder machen kann, was er will, sage ich nur deshalb, weil ich diesem Vorurteil vorbeugen möchte.
      Alexander S. Neil, mit dessen Schule „Summerhil“ der Begriff nach Erscheinung des Buchs „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung“, welches im Englischen lediglich „Summerhill“ hieß, hat sich sebst immer gegen den Begriff „antiautoritär“ gewehrt.

      Um es mit Siegfried Bernfeld zu sagen:
      „Es wäre an der Zeit, hier einen neuen Terminus einzuführen – nicht nur, weil das affektgeladene Wort „antiautoritär“ Ängste wachruft und damit rationale Diskussion unnötig erschwert, sondern auch, weil es die Sache nicht trifft. Denn freisetzende Erziehung, wie Neill sie versteht, definiert sich nicht durch ihr „Anti“, sondern durch ihr „Pro“, nicht durch trutziges Rebellentum, sondern durch unbedingte Bejahung des kindlichen Lebens. Noch einfacher gesagt: Sie lebt nicht aus dem Haß (gegen was auch immer), sie lebt aus der Liebe.“ (http://www.zeit.de/1970/32/das-beispiel-summerhill)

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