[Vor einem Jahr haben wir Bobo zu Grabe getragen – dies war unser Nachruf auf TD] Ein paar Mal im Leben passiert es einem, dass man jemanden trifft und sofort das Gefühl hat, man kenne ihn ewig. Seltener kommt es vor, dass jemand, den man vorher nur virtuell kannte, in wenigen Minuten zum Freund wird. So ging mir das mit Babak, den die meisten Fortuna-Freunde unter dem Spitznamen “Bobo” kennen. Wobei er, der nun so jung gestorben ist, noch ein anderes Leben hatte – in der Musik. Genauer: In der harten und schnellen Musik. Und obwohl Bobo heftig der Metal-Mucke zuneigte, hatte er einen breitgefächerten Geschmack und konnte sich über Songs, die er noch nicht kannte oder vergessen hatte, herzlich freuen. Manche kennen ihn auch als “Lazy”, ein Spitzname, der genauso entspannt klingt wie Bobo. Im Fortuna-Fan-Forum und auf Facebook wählte er regelmäßig fantasievolle Nicknames; “Miguel Casablanca”, “Üzuelbrützel” und “Walta Otter” sind nur Beispiele. Wobei der zuletzt genannte Name nur eingefleischten F95-Anhängern, die schon in der dunklen Zeit dabei waren, etwas sagt. So hatten wir schon ein paar Jahre Kontakt im virtuellen Raum. Erst vor gut anderthalb Jahren trafen wir uns auf ein paar Alt im Schumacher an der Oststraße.

Wie soll ich ihn beschreiben? Aufmerksam, neugierig, freundlich, herzlich, fröhlich, klug. Es war eine Freude da mit ihm in der Schwemme zu hocken und über den Fußball, die Fortuna, Musik und auch Politik zu plaudern. Er vertrat Meinungen, und auch wenn die nicht mehrheitsfähig waren, stand er dazu. Nein, ein Schleimer war der nicht, kein Heuchler, sondern einer, den man auch “senkrecht” nennen kann. Leider habe ich ihn auf keiner der vielen verrückten Auswärtsfahrten je erlebt, auch wenn wir oft beide an dem Ort waren, wo unsere Fortuna anzutreten hatte. Und selbst in der Arena begegneten wir uns erst vor ein paar Wochen zum ersten Mal in echt.

Und so wird er mir in Erinnerung bleiben, wie er im Laden seines Vaters an der Bismarckstraße, den nur “Büdchen” zu nennen unpassend wäre, stand. An einem Samstagmorgen. Hocherfreut über den Besuch, aber nach eigenen Aussagen nicht so richtig fit – der Rücken, weiß du… Dass es das vermaledeite Kreuz sein würde, das ihn ins Grab brachte, wusste er da noch nicht. Aber mit dem Sterben hatte er sich schon auseinandergesetzt – es war eines der Themen an jenem Abend im Schumacher.

Wenn einer stirbt, den man kannte und mochte, dann bekommt man leicht ein schlechtes Gewissen. Hätte ich ihn mal im Krankenhaus besucht, hätte ich ihn mal früher angeschrieben, hätte, hätte, hätte. Wenn man aber nur ein paar Stunden zu spät kommt, dann tut das weh: Noch am Donnerstag hatte ich ihm eine PN auf Facebook geschrieben, weil er sich so lange nicht gemeldet hatte: “Wie isset dir, Jong? Man hört dich ja gar nicht mehr hier. Was macht datt Kreuz? Beste Grüße -Rainer-” Als die Nachricht in seinem Profil ankam, war er vermutlich bereits tot. So wird die letzte Spur, die er in meinem Leben hinterlassen hat, ein Kommentar sein, den er hier im Düsseldorfer als Lösung zu einem Quiz eingereicht hatte. Das war am 30.03. Einen Tag zuvor hatte er mich noch angeschrieben und mir angeboten, seine Karte für das DEG-Spiel in den Playoffs zu übernehmen, ihm ging es nicht gut, er sei ziemlich K.O. Ich bedankte mich und lehnte ab, weil ich am Spieltag bereits im Urlaub sein würde. Ich habe mich sehr gefreut, dass er an mich gedacht hatte, mein Freund Bobo.

Von Dutzenden Fortuna-Fans hört man Geschichten über Bobo, erfährt Anekdoten, in denen er vorkommt, und alle sind sie fröhlich, herzlich, aufmerksam, freundschaftlich. Babak war einfach ein guter Mensch. Und die sind rar. Warum immer die Guten so früh gehen müssen, das wüsste ich besonders in diesem Fall gerne.

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3 Kommentare

  1. Klaus Meier am

    Die Frage hätte ich auch gerne beantwortet. Wir sind zwar sonst meistens nicht einer Meinung, aber diesmal gebe ich dir zu 100% recht. Bobo war ein feiner Kerl und sein Tot macht mich fassungslos.
    Danke für diesen Artikel.

  2. Ich kannte Bobo seit der Realschule und wie du ihn hier beschrieben hat, ist genau so, wie wir alle Bobo kennen und für immer in Erinnerung behalten werden.
    Danke für den tollen Artikel!

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