Als die Startaufstellung unserer Mannschaft für das Spiel gegen die TSG Hoffnungslos durchgegeben wurde, stimmten die Fan-Experten ein altbekanntes Lied an: “Was hat sich der Funkel denn dabei bloß gedacht? Dabei bloß gedacht, dabei bloß gedacht…” (nach der Melodie von “Zieht den Bayern die Leserhosen aus”) Immerhin durfte Marcel Sobottka von Anfang an mittun. Aber sonst? Erik Thommy auf der Bank? Dawid Kownacki nicht auf dem Rasen? Börnie Tekpetey neben Rouwen Hennings? Gegen einen völlig verunsicherten Gegner, dem das 1:5 gegen Mainz spürbar in den Knochen steckte. Mutig sieht anders aus.

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Und die Coaches kassierten die Quittung für ihre Feigheit und mangelhafte Einschätzung der Lage schon in der 6. Minute. Nach einem eher harmlosen Lauf flankt ein TSGler von weit rechts diagonal nach links, wo sein Kollege von sämtlichen Fortunen dieser Seite alleingelassen die Pille annimmt und am falsch rausgelaufenen Zack Steffen vorbei in die Bude hämmert. Da stimmte im F95-Team nichts, da irrte die Fünferkette haltlos vor und zurück, und nur Sobottka und der enorm fleißige Alfredo Morales versuchten den Laden zusammenzuhalten. Eine Fehlpassquote von über 30 Prozent in dieser Phase kennzeichnet den Auftritt der Roten hinreichend.

Wo kommen all die Fehler her?

Wie kommt sowas? Warum machen Spieler solche Fehler? Ein Ex-Fortuna-Profi beschrieb das mal so: “Du steckst in einer Aufstellung, die sich nicht gut anfühlt, du kannst keine Routine spielen, du musst bei jedem Ball überlegen, was du tun sollst. Das macht dich langsam. Das führt zu Fehlern.” Und so muss man die ersten 25 Minuten der Partie gegen das SAP-Werksteam zum Schlechtesten zählen, was die Fortunen in dieser Saison bisher abgeliefert haben. Zumal weder die Spieler, noch die Trainer merkten, dass die Hoffenheimer schlicht und einfach null Plan hatten. Deren Offensivspiel beruhte auf Zufällen und wurde jeweils nur durch die individuelle Klasse einzelner Akteure gefährlich.

Beim zaghaften Auftritt der Heimelf fragte man sich schon, wie diese Schisser denn vor zwei Monaten auswärts gegen Bayern gewinnen konnten. Dass Funkel & Co. nicht noch innerhalb der ersten Spielhälfte durch Auswechslungen und Systemumstellungen auf die Sache reagieren würden, war klar – machen die nie. Dass die Coaches aber nicht blind sind, bewiesen sie dann nach der Pause: Erik Thommy kam für den wirklich schwachen Jean Zimmer, die Fünferkette war Geschichte, und die Kombination beider Maßnahmen wirkte sofort. Die Herren in Rot waren nun die Herren des Platzes. Während sich die Robusteren unter den Fortunen endlich für den ernsthaften Kampf entschieden, sorgte Thommy wie immer für Dynamik.

Warum stand Thommy nicht in der Startelf?

Auch wenn Ihr sehr ergebener Berichterstatter vom ganzen Bohei rund um den Begriff “Körpersprache” wenig hält: Erik Thommy strahlt mit jeder Bewegung aus, dass er gewinnen will. Wie der schon auf den Rasen kam und seine Kollegen motivierend anbrüllte – wie kann man Thommy in dieser Verfassung nicht in der Startelf bringen? Das ist ein Spieler, der die Plan- und Hilfslosigkeit von Gegner aufdecken kann. Genau das tat er ab Minute 46 in Hoffenheim. Jetzt störte vorne nur noch Tekpetey. Ja, ja, der ist unheimlich schnell und kann doll dribbeln, aber Spielverständnis geht guten Mann relativ stark ab. Zudem neigt er dazu, sich fallenzulassen und zu jammern – was ihn eigentlich schon disqualifiziert. Auch das wurde live unter Beweis gestellt als in der 60. Minute Dawid Kownacki für ihn eingewechselt wurde, was einen weiteren Schub in Richtung Gegnerbeherrschung brachte.

Dass Spielmacher Marcel Sobottka in der 64. Minute raus musste, hatte nichts mit seiner mehr als ordentlichen Leistung zu tun, sondern damit, dass er einen von Ihlas Bebou auf die Nase gekriegt hatte. Bis dahin führte er das Dreiermittelfeld, in dem Morales nach hinten absicherte und Matthias Zimmermann die ganze Zeit nach seiner Rolle suchte. An dieser Stelle fragten sich sachkundige Liebhaber der launischen Diva, warum “Zimbo” (wie er inzwischen in Anlehnung an den Spitznamen des großen Fortunen Gerd Zimmermann oft genannt wird…) nun schon zum wiederholten Mal im Mittelfeld für doof verschlissen wird, wo er doch als Außenverteidiger mit Offensivambitionen immer eine Bank ist. Außerdem fragten sich viele Kenner der Materie schon von Anfang an, weshalb Lewis Baker eigentlich keine Chance mehr bekommt.

Weshalb kriegt Baker keine Chance mehr?

In einer zum (wie wir im Nachhinein wissen) unpassenden Spielplan passenden Startaufstellung wäre der Chelsea-Import exakt der richtige Mann im Verbund mit Morales und Sobottka gewesen. Okay, vielleicht – wie geht diese Floskel? – bietet er sich im Training nicht so an. Aber wenn er nicht spielen darf, kann er auch nicht zeigen, dass er unverzichtbare Qualitäten hat, die er ja in der Partie gegen Bremen strahlend vorgeführt hat. Baker ist robust und immer für eine Balleroberung im Fink’schen Stil gut, ist – volle Konzentration vorausgesetzt – gut in der Ballbeherrschung und verfügt über einen satten Schuss, der auch mal aus der Ferne zum Treffer werden kann.

Schauen wir uns kurz die Viererkette an. Kasim Adams absolvierte gegen seine Ex-Kollegen das zweite ordentliche Spiel nacheinander, was ihm bedeutet: Er zappelte wenig und machte keine gröberen Fehler – jedenfalls nach der 20. Minute. Zuvor haute er ein paar Mal beim Versuch, das Ei zu kriegen, daneben und riskierte in Zweikämpfen ganz schön viel. Etwas ganz anderen muss man über Andre Hoffmann sagen, der ja zwischendurch sogar mal ein Tor auf dem Schlappen hatte, und dieses Mal der eigentliche Fels in der plätschernden Offensivbrandung der lethargischen TSG war. Und weil man mit drei IV startete, kam Kaan Ayhan dazu.

Wie wär’s mal mit Ayhan als Sechser?

Ein Mitglied der ominösen Experten-Runde, die wieder im Kreise Gleichgesinnter in der Retematäng tagte, hatte einen interessanten Vorschlag auf der Pfanne: Wieso nicht Ayhan mal als Sechser? Dass der gute Kaan offensiv auch was draufhat, ist genauso offensichtlich wie seine Kreativität – man denke nur an die Dinger, die er kürzlich für Rouwen Hennings aufgelegt hat. Zu Ende gedacht heiße das: Hoffmann und Adams als IV, Zimmermann rechts als AV und…

Endlich gönnten Funkel, Kleine und Bellinghausen unserem Niko Gießelmann eine Pause. Und sicher war es richtig, ihn nicht nach einer seiner danebengegangenen Partien rauszulassen, sondern nach einem seiner guten Spiele. Also durfte Markus Suttner ran, der ja gegen die Bayern in der 66. Minute für Käpt’n Fink kam. Der Ösi ist ja mit 32 Jahren auch kein heuriger Hase mehr, zählt aber zu den Kickern, denen oft das Etikett “unauffällig” angebappt wird. Dabei hätte er gestern glänzen können, denn er agierte auf der schwachen Seite der Hoffenheimer. Seine Möglichkeiten entdeckte er erst relativ spät in der zweiten Halbzeit. So bewertet kann man ihn eigentlich nur als Ersatz für Gießelmann sehen.

Wer macht die Tore für uns? genau…

Hamwerse alle? Nein, natürlich nicht. Es fehlt das Phänomen. Die Nummer 3 der aktuellen Bundesliga-Torjäger-Tabelle. Der Mann, der die Buden macht. Der lebende linke Fuß. Rouwen Hennings. Da denkst du: Was macht der eigentlich die ganze Zeit? Und: Wieso wird nicht auf den geflankt? Du siehst ihn wühlen. Du verlierst ihn im Spiel langsam aus den Augen. Und dann steht er genau da, wo ein Knipser stehen muss. Dann haut er das Ding gnadenlos rein. So geschehen in der 88. Minute. Nein, das war keine Flanke und kein Pass, sondern ein Ball, der von einem fortunistischen Bein (Kownacki? Morales?) abprallte. Damit erzielte der Spieler mit der jetzt schon legendären Nummer 28 auf dem Rücken den längst überfälligen Ausgleich.

Dabei hätte Ayhan schon in der 77. Minute auf 1:1 stellen müssen als er frei vorm Tor zum Schuss kommt, die Kugel aber leider mit der Picke trifft, sodass sie oben rechts vorbeigeht. Das war ein Hundertprozenter, ja, eigentlich die klarste aller Chancen auf beiden Seiten. Oder, nein: Kurz vorher gab’s ein Billard direkt vor Steffen, das mit einem Lattentreffer für die TSG endete – auch das eine Hundertprozentige. Spätestens nach dem versiebten Ding von Ayhan wird klar, dass die wunderschöne Fortuna den Gegner nicht nur im Griff hat, sondern immer mehr zurückdrängt, einengt und verunsichert. Allein, es entstehen aus der Überlegenheit viel zu wenig Chancen. Leider auch nicht durch und für Dawid Kownacki, dem man zwar immer anmerkt, was er draufhat, der das aber immer noch nicht zur Freude der Fortunen aufs Geläuf bringen kann. Der Junge trifft einfach zu oft falsche Entscheidungen oder entscheidet sich zu spät für eine Aktion.

Selbst nach dem 1:1 in der 88. Minute sah es noch so aus, als könnte Rotweiß gewinnen. Die Hoffenheimer waren durch, und wenn es mehr als die drei angeordneten Nachspielminuten gegeben hätte, wer weiß, ob unsere Jungs nicht sogar drei Punkte mit nachhause genommen hätten. Betrachtet man die zweite Halbzeit ab etwa der 60. Minute, muss man auch sagen: Das F95-Team hat zwei Punkte in Hoffenheim liegengelassen.

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4 Kommentare

  1. Michael Fluss am

    Wie immer ein hervorragender Bericht!
    …und was Ayhan angeht, sage ich schon länger das er vor die Abwehr gehört. Im Herzen ist er ein verkappter 10er (frag ihn mal ).
    Meine Aufstellung (momentan) wäre:
    Zimmermann, Hoffmann, Adams, Gießelmann
    Thommy, Baker, Ayhan, Sobottka
    Kownacki oder Hennings als hängende Spitze und der andere davor.
    4-4-2

  2. Bin ausnahmslos mit der Diagnose einverstanden, Herr Professor, besonders was Baker und Thommy betrifft, die beide schließlich auch aus 20m abziehen können.

    Zimmermann müsste bei mir eine Woche lang (mit Zimmer) Flanken üben … lauter verlorene Bälle.
    Dem Kollegen Suttner würde ich zwei, drei Spiele lassen, der hat doch einen einen strammen Bumms, und wo soll bittschön das Selbstberwusstsein à la Gießelmann herkommen, wenn man damit rechnen muss, nächste Woche so oder so wieder draußen zu sein?

    Ansonsten 60 ermutigende Minuten …

  3. Ich denke. dass die Fähigkeiten von Funkel von “außerhalb” anders bewertet werden, als von den eigenen Fans und um es noch etwas mehr zu spezifizieren, als von den Kommentatoren und Lesern hier. Ich verweise hier auf den aktuellen Online-Bericht von Jolitz oder von Kommentaren im aktuellen Doppelpass (“BVB spielt jetzt gegen Funkel”).
    Ich frage mich auch wann Ampomoah (ca. drei Millionen) endlich mal spielt oder ob Duksch wirklich so schlecht war. Aber das gehört vielleicht auch dazu, dass nicht jeder Einkauf direkt einschlägt und Zeit braucht.
    Ich persönlich vertraue Funkel und er ist zu einem wichtigen Faktor für Fortuna geworden. Er ist für mich auch eine Garantie das Fortuna nicht so abstürzen kann wie derzeit Hannover oder Nürnberg weil der Charakter bei Ihm da ist und dadurch auch bei der Mannschaft.

  4. NaJa
    Wie immer ein hervorragender Bericht! “Michael Fluss”
    Bin ausnahmslos mit der Diagnose einverstanden, Herr Professor, besonders was Baker und Thommy betrifft, die beide schließlich auch aus 20m abziehen können. “Schommi”

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    Auszüge vom Rainer
    der enorm fleißige Alfredo Morales versuchten den Laden zusammenzuhalten+++ Antwort: Spielmacher der gegnerischen Mannschaft da war Bello harmlos Fehlpasskönig+++

    +++ Dass Spielmacher Marcel Sobottka+++ Antwort: Sobottka ist ein klarer 6er der die Räume super zu läuft und den Ball sicher weiterspielt zum Mitspieler.+++

    +++Wie wär’s mal mit Ayhan als Sechser? Antwort: Nein, das sah furchtbar aus in der 2-Liga und Nein kein Rechter Verteidiger aber in einer Dreierkette Zentral mit Bormuth und Adams wo er sich mit nach vorne einbringen kann.+++

    Mein Thema ist momentan FF. Wieso Wieso lässt er unsere Jungs so Tief stehen? Wieso müssen sich unsere 6er als Vorstopper versuchen und die anderen 3 IV(?) spielen Libero siehe das Tor gegen Frankfurt, Eselverein, Freiburg, Hoppenheim und und es ist überhaupt kein zugriff auf die Gegenspieler. Die Passspieler stehen im Halbfeld und spielen so Chip Bälle ohne Bedrängnis.

    Für mich ist FF ins Mittelalter seiner Fußballerischen Trainers Daseins zurück gekehrt. ABGESTIEGEN, FRÜHZEITIG ENTLASSEN Weihnachtshasen Fußball.

    Das schlimmste seit längerem FF kommt an kein Reporter vorbei ohne seine Gedanken über andere Vereine zu verbreiten

    .

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