Hundefreiheit (7): Eller Forst und Unterbacher See

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Eingeklemmt zwischen Vennhausen, Eller, Unterbach, der Fernstrecke nach Köln und der A46 liegt der Unterbacher See, eine ehemalige Kiesgrube, die im zweiten Weltkrieg von der Nazi-Luftwaffe als Scheinflugplatz hergerichtet worden war, um feindliche Bomber von der Stadt abzulenken. Zwischen 1926 und 1973 wurde dort Kies und Sand gewonnen, besonders intensiv in der Wiederaufbauzeit, sodass man sagen kann: In jedem Neubau nach 1945 bis 1970 dürfte ein Stück See stecken. Das Pendant liegt jenseits der Autobahn, heißt Elbsee und ist bisher ein reines und ausgesprochen wertvolles Naturschutzgebiet, das aber leider wohl mit Wassersport und Wellness verunziert werden soll. Auch dort kann man mit dem Hund spaziergehen – Thema einer der nächsten Folgen. Zurück zum Unterbacher See und vor allem dem im Nordosten angrenzenden Eller Forst.

Dabei handelt es sich um fast quadratisches Waldstück mit einer Kantenlänge von rund 1,5 Kilometern, das von wenigen, meist schnurgeraden Wegen durchzogen ist. Der Forst ist teilweise Naturschutzgebiet, teilweise Stadtwald. Momentan (Stand: Sommer 2015) gilt auf den Waldwegen der Düsseldorf wie in ganz NRW KEINE Leinenpflicht! Außer auf Wegen, die entsprechend beschildert sind. In Naturschutzgebieten muss die Töle bekanntlich immer angeleint werden. Im Eller Forst und rund um den Unterbacher See scheren sich aber weder Halter, noch die sehr selten anzutreffenden OSD-Leute darum. Unmittelbar am See haben die Ordnungsschnüffler eh nichts zu sagen, weil das Gebiet vom Zweckverband Erholungsgebiet Unterbacher See verwaltet wird. Davon wird später noch die Rede sein.

Bekanntlich gibt’s am See zwei Strandbäder. Traditionell gilt das am Südufer eher als das der gesitteten Bürger und das Strandbad Nord mehr als Proll-Bad. Aber das hat sich über die Jahre noch sehr verdünnt. Natürlich dürfen Köter nicht in die Strandbäder. Aber trotzdem gibt es überall am Ufer jede Menge Möglichkeiten, den Fiffi in die Fluten zu hetzen. Alle paar Meter finden sich Trampelpfade ans Ufer, manchmal alte, halb versunkene Stege, und das Wasser ist direkt am Rand nie tiefer als höchstens einen halben Meter. Unser Clooney liebt den See deshalb sehr: Er kann bei Hitze bis fast über den Rücken eintauchen, ohne schwimmen zu müssen, und das Wasser trinkt er auch gern.

Der Rundweg
Den See kann man auf einem Weg von knapp über sechs Kilometern Länge umrunden. Es gibt allerdings zwei unangenehme Stellen im Norden rund um das Strandbad und den riesigen Campingplatz, wo man teilweise auf Fahrwegen laufen muss, die von Parksucher genutzt werden. Rund 100 Meter entfernt vom Campingplatz wird’s dann idyllisch. Wer mit dem Auto anreist und eine Runde drehen will, parkt wirklich am besten beim Strandbad Nord und bewegt sich zuerst nach Osten Richtung Autobahn. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist diese Stelle nicht zu erreichen. Zum Strandbad Süd kommt man dagegen mit der eigens für diese Station eingerichteten Buslinie 891 (Fahrplan als PDF). Die Linie verkehrt vom ab etwa Anfang Mai bis Anfang September bei schönem Wetter und auf jeden Fall während der Schulsommerferien. Sie bringt Herrn bzw. Frau und Hund von der U-Bahn-Haltestelle Vennhauser Allee und dem S-Bahnhof Eller in weniger als zehn Minuten an den Parkplatz vom Strandbad Süd.

Wer von hier aus die Runde gehen will, läuft zunächst runter bis zum Eingang zum Bad und hält sich dann links. Der Weg führt bis zur alten Anglerhütte, wo man rechts abbiegt und so am schmalen Ostende des Sees vorbeikommt. Man erreicht den erwähnten Fahrweg und schlägt sich am Nordbad und dem Camping dort vorbei durch, um dann den Rest der Runde in Ruhe und Frieden zu verbringen. Ausgenommen an Wochenenden bei schönem Wetter. Dann machen sich Horden auf den Weg. Ganz besonders, wenn’s heiß ist, weil der Weg größtenteils schattig ist und man immer mal die Füße ins kühle Wasser tunken kann.

Die kleine Heide
Ein Highlight der Gegend ist die kleine Heide am Strandbad Süd, die sich zwischen dem Rundweg und dem Eselsbach erstreckt. Kommt man von der Bushaltestelle bzw. dem Parkplatz, liegt dieses Stück Brachland rechter Hand – „dä Wies“ wie der überaus sympathische Halter vom weißen Schäferhund Spike sie nennt. Die kleine Heide ist ungefähr 500 Meter lang und 200 Meter breit, mit Gräsern bewachsen und an den Ränder von Buschwerk umgeben. Ein paar Trampelpfade ziehen sich durch, und in der Mitte gibt es ein Hügelchen. Hier darf Wauwau leinenlos laufen, stöbern, buddeln, mit anderen spielen und rennen, toben und Blödsinn machen. Hier trifft man den tätowierten Dachdecker mit seinem netten Hund Heinrich und ein paar Stammgäste, die unter der Woche vormittags eigentlich immer hier sind. Clooney liebt die kleine Heide und rast mit Vorliebe den im Sommer staubigen Weg den Hügel rauf und wieder runter. Zum Apportieren und andere Mensch-Hund-Spiele ist das Gelände ideal. Und zum Schluss kann der Fellträger sich dann am Westende im See abkühlen. Dort gibt es eine winzige Bucht mit einer Bank für den erschöpften Hundehalter.

Unser Standardprogramm beginnt am Parkplatz an der Straße Am Kleinenforst auf Höhe der Fußgängerbrücke über das Bahngelände. Wer per Fahrrad mit Hund unterwegs ist, kann übrigens hier vom Kikweg aus kommend in den Eller Forst gelangen. Vom idyllischen Parkplatz, auf dem auch immer viele nette Hundemenschen trifft, halten wir uns rechts und spazieren zwischen Wald und Eselsbach bis an den See, um dann eine Stunde oder so in der kleinen Heide zu toben. Vom Ausgangspunkt bis zur Wiese sind es rund 1,6 Kilometer, sodass sich der Weg (ohne Toben) auf schlappe 3,3 Kilometer summiert.

Siebenbrückenweg
Eine versteckte Idylle haben wir im Eller Forst in der Nähe der schlimmen Rothenbergstraße gefunden. Die ist schlimm, weil Tempo 70 erlaubt ist und Hunde aus dem Wald auf die Fahrbahn rennen können, wenn man an den Gefahrenstellen nicht aufpasst. Wir kommen von unserem Parkplätzchen und wandern den schnurgeraden, fast anderthalb Kilometer langen Weg quer durch Richtung Unterbach. Am Ende, kurz vor einem Parkplatz an der Rothenbergstraße (Achtung: Gefahrenstelle!) stoßen wir auf den Siebenbrückenweg. Da haben nette Menschen einen gewundenen Pfad Richtung Nordstrand angelegt, der mit sieben Brücken versehen ist, die ganz sinnfrei über Gräben und Wasserlöcher führen. Teils ist es dschungelartig, dann öffnet sich rechts ein kleines Kornfeld und dann wieder dichter Busch. So geht es ungefähr siebenhundert Meter, bevor wir rechts abbiegen und wieder schnurgerade durch den Forst Richtung Am Kleinenforst wandern.

Wie gesagt: Wer es seinem Hasso zutraut, weil der abrufbar ist und nicht wild umher rennt, kann fast alle Strecken leinenlos gehen, sodass der Hund Gelegenheit hat, zu schnüffeln, was das Zeug hält. Weil der Forst unter der Woche fast durchweg von netten, vernünftigen Hundehaltern genutzt wird und sich hier auch Jogger, Walker und Radler vorwiegend kooperativ verhalten, handelt es sich um einen der entspanntesten Orte für Mensch und Hund in Düsseldorf.

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2 Kommentare

  1. Kleine Korrektur:
    „Der Weg führt bis zur alten Anglerhütte, wo man rechts abbiegt und so am schmalen Ostende des Sees vorbeikommt.“
    Du kommst dann am Westende vorbei..
    Die von Dir genannte kleine Bucht mit Bänken verorte ich eher ans Ost-Ende von „dä Wies“. Die wird auch gerne genutzt, um ohne Geld zu bezahlen auf Gras liegen zu können, und manchmal hinterlassen dort Schüler ihren Partymüll..

    Kaum zu glauben, dass der von Dir erwähnte Parkplatz Rothenbergstr., nahe der „Siedlung Freiheit“, früher mal die Zufahrt zur Müllhalde war. Heute zeugen nur noch der Hügel und die aufgestellten Schilder davon, dass man hier einst von der Natur nicht so viel gehalten hat.

    Der ganze Bereich um den U-See hat für mich den Vorteil, dass Fußgänger, Jogger und Radfahrer über weite Teile des Rundweges auf ausreichend breiten, getrennten Wegen geführt werden. Wobei das in der Tat an Wochenenden trotzdem eng wird.
    Und dann gibt es ja noch lecker Füchschen in der Nähe..

    • Rainer Bartel am

      Ja, klar: es geht am Wetsende vorbei…
      Und: Genau, die Bucht mit Bänken findet sich am Ostende von „dä Wies“.

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