Konzerne boykottieren leicht gemacht

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Wer nicht mit genmaipulierten Tomaten auf den Augen und aus Kenia eingeflogenen Bobbybohnen in den Ohren durch die Welt rennt, hat mitgekriegt, dass der Nestlé-Konzern sich das Trinkwasser der Welt krallt und es für völlig legitim hält, dieses wichtigste Lebensmittel dem freien Zugang zu entziehen. Viele Menschen macht das zurecht wütend, und viele Menschen fragen sich: Was kann icn dagegen tun? Klare Antwort: Die einzige wirksame Waffe, die wir Konsumenten haben, ist der Boykott. Wer Nestlé am weltweiten Wasserdiebstahl hindern will, muss dafür sorgen, dass Nestlé es am Umsatz merkt, dass die Menschen dagegen sind. Wer dagegen Produkte, die dieser Konzern anbietet, kauft, unterstützt den Laden ins seinem Tun. Der Wunsch, einen oder mehrere Konzerne zu schädigen, weil sie Böses tun, beschränkt sich nicht auf Nestlé und die Wasserproblematik – man denke nur an das Ausrotten der Orangs zum zwecke der Palmölmaximierung. Wer sich also wehren will, muss wissen, welche Konzerne welche Produkte unter welchen Marken anbieten, um diese dann nie wieder in den Einkaufskorb zu tun.

Oxfam, der weltweit wichtigste Dachverband für diverse NGOs (Non-Governmental Organisations – Nichtregierungsorganisationen) in den Bereichen Katastrophen- und Entwicklungshilfe hat seit Februar 2013 die Kampagne „Behind the brands“ am Start, die über eine interaktive Website hilft herauszufinden, welche Marke zu welchem Konzern gehört. Dabei sind auch Übersichtsgrafiken entstanden, die zeigen, wer und was wozu gehört. Wer sich also das nächste Mal was von L’Oreal in die Haare schmiert, sollte wissen, dass er/sie damit Nestlés Wasserpolitik unterstützt.

Fragt sich, ob und in welchem Umfang man die Produkte der zehn bösen Fress- und Saufkonzerne meiden kann, ohne zu verhungern und zu verdursten. Bei Grundnahrungsmitteln ist es am einfachsten, wenn man strikt nach regionaler Herkunft kauft. Bei Genussmitteln ist es schon deutlich schwerer, bei Kosmetik praktisch unmöglich. Das sollte einen aber nicht davon abhalten, den persönlichen Konsum als Waffe gegen die Konzerne einzusetzen. Gleichzeitig aber auf Anflüge von schlechtem Gewissen beim Genuss eines Bechers Eiscreme von Mövenpick verzichten, denn Marcuse hat zurecht gesagt: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

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8 Kommentare

  1. Wer Nestlé am weltweiten Wasserdiebstahl hindern will, muss dafür sorgen, dass Nestlé es am Umsatz merkt, dass die Menschen dagegen sind.

    Hm, ich fürchte nur, dass Nestlé aus etwaigen Umsatzrückgängen ganz andere Schlüsse zieht als dass die Konsumenten damit gegen die Wasserpläne demonstrieren. Das macht den Boykott natürlich grundsätzlich nicht falsch, aber das alleine kanns nicht sein.

    • Ansonsten hab ich das Gefühl ,nicht viel machen zu können (außer das zu verbreiten) .Abstimmen mit der Geldbörse ist machbar ,bin dabei ,seit ich den Film zum ersten Mal gesehen habe.

    • Rainer Bartel am

      Definitiv richtig: Boykott durch Konsumenten allein reicht nicht. Man muss als Konsument auch mit anderen Kanonen (politische Willensbildung, Petitionen, Demonstrationen) schießen und immer mehr Leute über die Machenschaften aufklären. Ich denke aber, dass das Nichtkaufen von Produkten die einfachstmögliche Protestform für Konsumenten ist.

  2. Hat sich schon jemand die Mühe gemacht Nestle und Co. Waren aufzulisten? Bin da völlig „blind“ . Baby-Nahrung sagt mir was…Vielleicht auch hilfreich für andere Verbraucher die Tochterunternehmen. Die Steuern für diese Unternehmen sollten horrend steigen, damit sie das lassen.

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