KSC vs F95 1:1 – Rudelgucken im Vossen

0

Also trafen sich ein Lolo, ein Opa und Ihr sehr ergebener Fortuna-Fan in der Gaststätte Vossen an der Ecke Hütten-/Helmholtzstraße, um mal zu sehen, was die glorreiche Fortuna nach dem Ende der Winterpause in diesem Karlsruhe so auf die Kette kriegt. Seitdem Agi nicht mehr Pächterin des Antoniushofes am Fürstenplatz ist und der neue Wirt das Sky-Abo gekündigt hat, ist das Vossen zum neuen Rudelgucktreff im Viertel avanciert. Und daran entzündete sich auch eine Diskussion vor Spielbeginn. Wenn der Pay-TV-Anbieter den Preis, den Gastronomen derart drastisch erhöht wie er das getan hat, muss er sich nicht wundern, wenn die Gastwirte reihenweise abspringen. So müssen die rund 6.000 Euro pro Jahr, die eine große Eckkneipe latzen muss, ja auch erstmal wieder verdient werden. Das funktioniert aber nur, wenn die Hütte bei den meisten Auswärtsspielen der Fortuna knackevoll ist und die Fans ordentlich fressen und saufen. Tatsächlich gab es in der Aufstiegs- und in der Erstligasaison Samstage, an denen bis zu 200 Fußballgucker den Antoniushof bevölkerten – das wird sich aber trotzdem nur wochenweise rentiert haben. Wie Opa berichtet, hat Andreas, der Wirt vom Pitcher an der Oberbilker Allee sein Sky-Abo gekündigt, weil nach seinen Worten kein Schwein zusätzlich wegen des Bezahlfernsehens gekommen ist. Dass Vossen weiter Sky bietet, scheint sich auszuzahlen – heute waren es wieder um die 80 Gäste (mehr als die Scheiß-Dügida-Nasen!), die das Spiel auf insgesamt fünf Bildflächen verfolgten. Auch wenn sich das nicht direkt in Umsatz auszahlen würde – das Vossen wird auch dank der Fortuna-Guckerei immer beliebter. Zumal das Essen mit dem aktuellen Koch auch wieder richtig gut geworden ist. Aber das war vor dem Spiel, als wir noch die Zukunft des Lumpis debattierten. Nach der Pause hieß der Spruch des Tages nur noch „Da läuft was gewaltig schief.“ Denn der wunderbare Jonathan Tah hatte in jugendlichem Überschwang (Ers ist ja gerade mal 10) eine rotwürdige Notbremse fabriziert, die nur gegelbt wurde, um wenige Minuten später extrem dumm in den Gegner zu steigen, was dann die Hinausstellung nach sich zog.

Zu allem Überfluss verletzte sich der talentierte Mister Gartner bei einem riskanten Einstieg schlimm am Sprungelenk; die Zeitlupe zeigte eine 90-Grad-Knickung dieses wichtigen, aber empfindlichen Teils, so dass der junge Ösi vom Feld geführt werden musste. Hoffen wir, dass es nichts wirklich Ernstes war. Da waren sie also nur noch zu zehnt, die Herren in Rot mit den Kroatenärmelchen. Bis dahin hatten sich die beiden Spitzenmannschaften der zwoten Liga – wie Spochtrepochter gern sagen – neutralisiert. Die Abwehr der Diva stand mit der hochmnodernen Dreierkette bombensicher, sodass die KSCler in Hälfte Eins nur eine ernstzunehmende Torchance hatten, während die Badischen ihrerseits keine gefährlichen Konter, auf die es unsere Recken angelegt hatten, zuließen. Hätte also ein langweiliges 0:0 werden können. So erfreuten wir uns am wieder genesenen Oliver Fink, der einen grandiosen Einstand gab und in der aktuellen Verfassung in jede Startelf gehört. Ebenfalls sehr erfreulich das Treiben des Herrn Soares, der sich keine seiner gelegentlichen Hektikanfälle genehmigte. Um mal die beiden hervorzuheben. Der Mann, der sich selbst gern ML10 nennt, führte Regie, aber auch nicht zu dolle – über die Flügel lief ganz wenig, und Jolle Pohjanpalo leistete sich diverse Flüchtigkeitsfehler.

Das war dann auch alles egal, weil Bodzek einen dieser Blaumänner im Sechzehnr von den Beinen holte, was einen berechtigten Elfer nach sich zog. Überhaupt war mögliche Kritik am Schiri meist fehlö am Platz, denn die Zeitlupen gaben ihm immer wieder recht. So kam die glorreiche Fortuna in Unterzahl in Rückstand, rappelte sich aber auf und spielte mit wesentlich mehr Herz als in voller Mannstärke. Ein bisschen war dies auch das Verdienst vom Lumpi, der nach der Pause für Gartner kam. Auch wenn dem ewigen Fortuna fußballerisch praktisch nichts gelang, brachte er den richtigen Geist auf den Rasen. Wer als F95-Fan ehrlich sein kann, wird aber ahnen, dass es nur noch solche Spiele sein werden, in denen der Ex-Käpt’n wird mittun dürfen. Das sieht beim später eingewechselten Tuggi Erat schon ganz anders aus, der – ähnlich wie der ebenfalls später aufs Feld geholte Bolly – für mehr Dynamik sorgte. Bis dann ein Frestoß schräg von rechts digonal in den Karlsruher Strafraum kam, wo gleich vier Fortunen richtig standen. Es war ausgerechnet der Finki, der daraus die Hütte machte! Und jeder hat es ihm von Herzen gegönnt.

Der Rest verlief wie der Rest solcher Spiele verläuft: Die KSC-Truppe rannte an und begann irgendwann, Freistöße nach Art einer Laienspielschar zu schinden. Besonder tats sich dabei der Japaner Yamada hervor, der sich ungetroffen wälztem, um Sekunden später aufzuspringen und am Zweikampf teilzunehmen. Der wirklich ordentliche Schiedsrichter fiel eigentlich nur einmal auf diese Scheiße herein, was zu einem höchst gefährlichen Freistoß an der Kante vom Sechzehner führte, den ein Fortuna mit der Visage abwehrte. So blieb es beim 1:1, und alles, was aus Düsseldorf im Wildpark war sowie die Zuschauer an den Fernsehempfänger, deren Herz für die Fortuna schlägt, waren’s zufrieden. Denn nachdem erst alles schiefgangen war, war das Unentschieden dann doch ein guter Abschluss.

Download PDF

Antworten