März 2009: Matratzenbrand in Friedrichstadt

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Heute um 15:13 läutete mein Handy: „Hallo, hier ist die Lu. Was ist denn im Viertel los? Es stinkt, und überall ist Rauch in der Luft.“ Ich hatte keine Ahnung, nur beim konzentrierten Arbeiten im Halbbewusstsein ein lautes, anhaltendes Lalülala aufgenommen. Über den Innenhof hinweg kann ich auf den Fürstenplatz sehen. Und der war nicht mehr da. Wie dichter Nebel lag Qualm über dem Platz. Nach Augenschein zog der von rechts her durchs Viertel. Es roch deutlich nach verbranntem Gummi. Wenig später kam eine SMS von Lu: „Der Matratzenladen gegenüber von KiK ist abgebrannt. Alles abgesperrt.“

[Update: Die folgenden Aussagen über die Brandursache stimmen nicht. Laut Feuerwehr und Polizei war ein Feuer außerhalb des Ladens die Ursache.]

Dann begann es zu regnen, und der Qualm setzte sich. Gegen fünf ging ich mit dem Hund, um den Schaden aufzunehmen. Tatsächlich war vom Matratzen-Concord an der Ecke Cornelius-/Morsestraße nur noch eine schwarze, stinkende Höhle übrig. Zufällig hörte ich ein Gespräch mit, in dem ein Mitarbeiter(?) den Vorfall schilderte. Der Brand sei von einem Elektrogerät ausgegangen. Eine Matratze habe Feuer gefangen, und dieser Brand sei auf weitere Matratzen übergegangen, die dann leise vor sich hin kokelte. Die Feuerwehr sei sofort alarmiert worden, als Brandgeruch bemerkt wurde, und war innerhalb von 3 Minuten vor Ort. Die Feuerwache befindet sich auf der Hüttenstraße, kaum zweihundert Meter Luftlinie vom Brandort entfernt. In dieser kurzen Zeit habe sich der Raum mit Qualm gefüllt. Die Schaufenster seien durch die Hitze geplatzt, und dann hätten helle Flammen aus dem Laden geschlagen. Etwas über eine Stunde nach dem Alarm habe die Feuerwehr alles gelöscht und sei abgerückt. Die Bilder zeigen, dass praktisch das gesamte Inventar verbrannt ist. Die Rest wurden von der Feuerwehr abgeräumt. Durch die Hitze ist die Deckenverkleidung abgestürzt.

Da fragt man sich als Anwohner schon, welche Stoffe freigesetzt werden, wenn Matrtatzen abfackeln. Einen großen Teil des Angebots machen Kaltschaummatratzen aus. Diese Dinger gelten als superöko, selbst olle Prof. Hademar hat sie empfohlen. Der Naturbetten-Spezialist biosaffair sieht das allerdings anders. Denn der euphemistisch „Kaltschaum“ genannte Schaumstoff ist auch nichts anderes als PUR- bzw. Polyurethanschaum. Die enthaltenen Isocyanate können allergische Reaktionen auslösen. Schadstoffe sollten ansonsten beim Brand nicht freiwerden.
Und wie sieht das bei Latextmatratzen aus? Vermutlich haben die den Geruch nach verbranntem Gummi ausgelöst, denn Latex ist nur ein anderes Wort für Kautschuk, und der bildet die Basis jeder Form von Gummi. Entgegen landläufiger Meinung werden auch beim Brand von Gummi bzw. Latex- und Kautschukprodukten kaum giftige Stoffe freigesetzt. Es können allenfalls geringe Mengen Nitrosamine, die als krebserregend gelten, freigesetzt werden.
Es sieht also so aus, als ob die abgebrannten Matratzen an sich keine Luftbelastung ausgelöst haben, sondern all die Materialen, die sonst betroffen waren, aber bei fast jedem anderen Laden- oder Wohnungsbrand freigesetzt werden.

Ein Passant meinte im Scherz: „Auch ne Form von Konkurrenzkampf“ und spielte damit auf die Tatsache an, dass direkt gegenüber vom abgefackelten Matratzen-Concord ein anderer Matratzen-Discounter seinen Laden hat. Während der bereits seit gut acht Jahren dort angesiedelt ist, kam der Concord erst zwei, drei Jahre später. Der Service beim Concord ist aber erheblich besser als beim Gegenüber, sodass immer mehr Kunden beim Kauf die Straßenseite wechselten. Ich selbst habe im abgebrannten Laden vor wenigen Wochen neue Lattenroste und Kopfkissen gekauft und bin dabei hervorragend beraten worden. Schade also, dass der Matratzen-Concord am alten Standort wohl nicht mehr wiedereröffnet wird.

[Update: Doch, der Matratzen-Concord wurde ein paar Monate später wieder aufgemacht und hat sich bis heute an dieser markanten Ecke gehalten.]

[Zurerst erschien am 10.03.2009 im Vorgänger-Blog „Rainer’sche Post„]

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