Manchmal war ich als noch nicht schulpflichtiges Kind über Tage zu Gast bei meiner Tante Thea, die auf der Jordanstraße am Vinzenzkrankenhaus wohnte. Dann begleitete ich sie beim Einkaufen – zum Beispiel zum Milchgeschäft an der Becherstraße. Und wenn das Wetter schön war, ging sie mit mir spazieren; besonders gern in den Park an der Buscher Mühle. Das war so um 1958 herum, und weil es die Jülicher Brücke noch nicht gab, wanderte wir die Yorckstraße entlang, um die Bahnlinien am Derendorfer Bahnhof zu überqueren. Gleich hinter dem Bahnhof führt bis heute eine Treppe abwärts zur Wendeschleife der Mulvanystraße. Zu jener Zeit war die Buscher Mühle, die vermutlich im 14. Jahrhundert erbaut wurde, noch nicht vollständig wiederhergestellt.

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1944 war das Mühlengebäude nämlich bei einem Bombenangriff erheblich beschädigt worden. Und weil die Stadt nicht so recht wusste, was sie damit anstellen sollte, wurde das historische Haus vom Gartenamt als Geräteschuppen zweckentfremdet. Aber: Eines der alten Mühlräder, das in die nördliche Düssel eintauchte, war erhalten. Der Park mit dem Weiher, der sich parallel zur Mulvanystraße bis zur Grunerstraße erstreckt, war auch noch nicht angelegt – ein Trampelpfad führt durch Büsche und Bäume. Meine Tante hatte ein Talent und Kinder mit Gruselgeschichten zu erschrecken. Ausgangpunkt war die Mauer am Zuweg zur Mühle, die ziemlich mitgenommen aussah und eine mit Brettern vernagelte Öffnung besaß. Dahinter, das konnte man durchs Gebüsch erkennen, erhob sich ein verfallenes Gebäude. Und da, so Tante Thea, hause ein Menschenfresser…

Google-Map: Buscher Mühle

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Die Mauer sieht heute noch beinahe genauso aus, und die Reste eines Gebäudes sind immer noch zu erkennen. Dann gibt es ein Gittertor, durch das man zu einem bis vor Kurzem genutzten Haus in einem weitläufigen Park gelangt. Tatsächlich ist dieser Park größer als die Grünanlage, die zur Buscher Mühle gehört. Es gibt ein zweites bewohnbares Haus an der Ecke Mulvany-/Grunerstraße, und das ganze Grundstück gehört einer Erbengemeinschaft. Seit fast 30 Jahren bemüht sich die Stadt Düsseldorf darum, den Park öffentlich zugänglich zu machen, ihn mit dem der Buscher Mühle zusammenzulegen. Aber in der gesamten Zeit schafft es die bewusste Erbengemeinschaft immer wieder, sich den Bemühungen zu entziehen. Also drohte die Stadt 2004 mit Enteignung. Plötzlich brachten die Eigentümer eine Wohnbebauung ins Spiel und versprachen, alle nötigen Gutachten selbst zu bezahlen, wenn man nur den Bebauungsplan entsprechend fasse. Im Jahr 2008 gab es die letzten Zuckungen in dieser Causa, und jetzt, weitere elf Jahre später, hat sich nichts, aber auch gar nichts daran geändert.

Ein Grund liegt darin, dass sich der Heimatverein Derendorfer Jonges mit guten Argumenten und im Einvernehmen mit den SPD-Mitgliedern der zuständigen Bezirksvertretung gegen den Bau von drei- bis vierstöckigen Wohnhäusern am Zuweg zur Buscher Mühle gewehrt haben. Deren Interesse ist nachvollziehbar, den diese Jonges sind rechtlich verbriefte Nutzer der Buscher Mühle und haben mit eigenen Mitteln aus dem eher unschönen Haus eine feine Kultur- und Begegnungsstätte gemacht. Überhaupt: Ohne das Engagement dieses Heimatvereins seit den Fünfzigerjahren gäbe es die historische Mühle, übrigens die einzige erhaltene Mühle auf Düsseldorfer Stadtgebiet, vielleicht gar nicht mehr. Und dass, obwohl sie bis in den zweiten Weltkrieg hinein noch als Mühle genutzt wurde! Erhalten ist das hölzerne Mühlrad mit sieben Metern Durchmesser, das bei der Erweiterung des Betriebs von einem auf drei Mahlwerke im Jahr 1811 eingesetzt wurde.

Bei den Spaziergängen mit der Tante war es immer ein besonderer Höhepunkt, wenn sich dieses Wasserrad im Strom der Düssel drehte. Das konnte man seinerzeit noch gut sehen, denn der gesamte Bereich war noch nicht vergittert. Ja, theoretisch hätte man gleich vor dem Wehr, das den Zufluss zum Mühlrad regelt, in den Bach steigen können. Angeblich gab es bis in die Dreißigerjahre hier sogar eine halboffizielle Badestelle direkt an den Mauern, mit denen die Düssel an dieser Stelle eingefasst ist.

1962 zog die Familie nach Pempelfort in das Eckhaus Tussmann-/Lennéstraße, gleich gegenüber der Hirschbrauerei, in der das köstliche Düssel Alt gebraut wurde. Hinter der Brauerei fand sich der riesige Derendorfer Güterbahnhof mit Dutzenden Rangiergleisen und mehreren Ablaufhügeln. Dann wurde die Jülicher Brücke eröffnet, und wir konnten uns aussuchen, ob wir über die oder die Zoobrücke rüber ins Eisstadion pilgerten. Aber der kleine Park an der Buscher Mühle, der kam ein paar Jahre später wieder ins Spiel. Oben an der Grunerstraße, durch dichtes Buschwerk vor den Blicken neugieriger Erwachsener geschützt, konnten wir Jugendlichen der wilden Sechziger, gemütlich zusammenhocken, Zigaretten rauchen und Bier trinken, und wenn man „mit jemandem ging“, fand man lauschige Plätze, an denen man Ruhe knutschen konnte.

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