Mit einem Glückschuss und zwei blitzsauberen Buden besiegt die glorreiche Fortuna den Jahn ungefährdet, aber nicht immer souverän.

Analyse · Man muss im Fußball auch mal Glück haben. Dass der mehr mutige als scharfe Fernschuss von Kris Peterson in der 5. Minute zum 1:0 führte, war solch ein Glücksfall, denn nur ein Megapatzer des Jahn-Keepers machte es möglich. Danach waren weite Teile der ersten Halbzeit einfach für die Untergebenen von Cheftrainer Daniel Thioune. Und doch: Als die Regensburger ab etwa der 30. Minute radikal umstellten und teilweise mit vier Kickern in vorderster Reihe auf Flo Kastenmeiers Kasten gingen, da wackelte F95 ganz schön. Und hätte unser Tormann nicht zweimal bestens pariert und der erneut unglaublich starke Michal Karbownik in der 42. in allerhöchster Not die Pille nicht ins Aus geklärt, wer weiß, wie’s ausgegangen wäre.[Lesezeit ca. 2 min]

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Denn wieder einmal gelang es dem Trainerstab nicht, ihre Truppe schnell auf die Umstellung des Gegners einzustellen – ein Manko, das in dieser Saison schon einige Male zu schwierigen Situationen und auch zu Gegentoren geführt hat. Teams, die intensive Videoanalysen betreiben, wissen das längst und können solche Radikalmaßnahmen gezielt gegen unsere Mannschaft einsetzen. An diesem Problem ist zu arbeiten, dringend.

Regensburg vs F95: Petersons Glücksschuss zum 1:0 (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Petersons Glücksschuss zum 1:0 (Screenshot Sky)

Macht ja keinen Sinn, die diversen Niederlagen auf irgendwelche Serien oder Flüche zurückzuführen. Anstelle von Aberglaube sollten Analyse und Methode eingesetzt werden. Ist ja nicht immer so, dass der eine oder andere Spieler ohne Grund patzt. Nicht selten kann er die ihm gestellte Aufgabe nicht erfüllen, weil die Bedingungen durch taktische Veränderungen beim Gegner anders geworden sind.

Andererseits: Als Euer massiv ergebener Berichterstatter die Startaufstellung sah, war er a) verblüfft und b) ein bisschen enttäuscht, denn die sah auf den ersten Blick ein einigermaßen mutlos aus. Schon die ersten Szenen belehrten den Ergebenen eines Besseren. Der Kniff bestand darin, Dawid Kownacki und Emma Iyoha dieses Mal als echte Doppelspitze aufzubieten. Das Wagnis bestand darin, Kris Peterson von Beginn an auf dem linken Flügel ackern zu lassen. Und dieser Mut wurde vom jungen Schweden mit einer insgesamt guten Leistung und eben diesem merkwürdigen 1:0 belohnt.

Regensburg vs F95: Karbowniks wichtige Rettungstat (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Karbowniks wichtige Rettungstat (Screenshot Sky)

Die zweite Volte sah so aus, dass Michal Karbownik den Außenverteidiger, der er nominell war, nur im äußersten Notfall (wie in der 42. Minute – siehe oben) gab. Stattdessen kooperierte er aufs Feinste mit Peterson; beide spielten Außenläufer auf einer Seite und wechselten sich damit ab, eine Spur weiter in die Mitte zu rücken. Diese Traineridee führte zu großer Überlegenheit in der ersten halben Stunde.

Regensburg vs F95: Das zuckersüße 3:0 nach Kownackis Hackenpass (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Das zuckersüße 3:0 nach Kownackis Hackenpass (Screenshot Sky)

Als nach dem 3:0 und der Erkenntnis der Schwäche der Regensburger der Drops weitestgehend gelutscht war, zog sich Karbownik zurück, verstärkte die Viererkette und verzichtete fast ganz auf seine für den Gegner furchterregenden Dribblings. Das war genau richtig so. Wozu aber die Sturmspitzen Iyoha und Kownacki in der Lage sind, zeigten sie beim 3:0 in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Die blitzsaubere Bude entstand aus einem schnell vorgetragenen, na ja, Konter durch Karbownik, der quer auf Kownacki am Elfmeterpunkt legt. Dawid erkennt, dass er nicht optimal für einen Anbschluss steht und leitet das Ei mit der Hacke auf den heranstürmenden Emma, der humorlos einlocht. Dieser feine Treffer war also die Gemeinschaftsproduktion der drei Besten im schwarzen Dress.

Regensburg vs F95: Gute Stimmung im F95-Block (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Gute Stimmung im F95-Block (Screenshot Sky)

Wirklich? Nein, zu den Besten muss man auf jeden Fall auch Cello Sobottka zählen, der mit seinem dauerhaften, kompromisslosen Kampfgeist immer wieder die Kontrolle über das Mittelfeld übernahm. Ihn als defensiven Sechser und Kompagnon Ao Tanaka als Achter zu positionieren, muss ebenfalls zu den Erfolgsfaktoren dieser Begegnung gezählt werden. Unser japanischer Freund war deutlich besser drauf als bei der blöden Heimniederlage vergangene Woche, aber nicht ohne Fehler. Im gebührt die verdorrte Palme für den F95-Kicker mit den meisten Fehlpässen. Ao agiert immer sehr engagiert, manchmal ungestüm und verliert dann leicht die Orientierung.

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So richtig viel hatten unsere jungen Innenverteidiger insgesamt nicht zu tun. Und mit jedem Spiel, in dem sie ihre IV-Aufgaben zu erfüllen haben, werden auch die Schwächen von Chris Klarer und Tim Oberdorf deutlicher. Beim kantigen Chris ist es dieser jugendliche Übermut, der einem gerade einmal 22-Jährigen aber auch zusteht. In 99 Prozent der Fälle klärt er souverän, manchmal haut er zu sehr drauf, und gelegentlich geht ihm die Konzentration flöten. Letzteres trifft auch auf den insgesamt äußerst abgeklärten Tim Oberdorf zu.

Regensburg vs F95: Klaus musste raus (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Klaus musste raus (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Rouwen kam rein (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Rouwen kam rein (Screenshot Sky)

Auf der rechten Schiene rangierten wie inzwischen gewohnt Zimbo Zimmermann und Felix Klaus, der sich leider was am Fuß holte und in der 53. Minute runter musste. Welch ein Glück, dass unser Emma Iyoha auf beiden Flügeln spielen kann. Rouwen Hennings kam als zweite Spitze rein, und Emma übernahm den Posten von Klaus. Die gesamte Dynamik der Fortuna-Offensive war trotzdem durcheinander nach diesem Wechsel, zumal der gute Rouwen dazu neigte, sich die Pille im Mittelfeld zu holen und sich sogar (ohne Erfolg) als Flankengeber versuchte.

Regensburg vs F95: Das wunderschöne 2:0 - Karbownik, Kownacki, Iyoha (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Das wunderschöne 2:0 – Karbownik, Kownacki, Iyoha (Screenshot Sky)

Haben wir schon das 2:0 besprochen? Auch das wurde vom grandiosen Michal Karbownik vorbereitet. Den ließen die Jahn-Leute einfach allein, sodass er sich lässig auf dem Flügel bis auf Höhe des Elferpunktes durchspielen konnte. Dann hatte er genug Zeit, einen Heber mitten hinein ins Vergnügen zu bringen. Und zwar passgenau auf die Birne von Kownacki, der präzise ins lange Eck köpfte. An diesem Treffer wird aber auch deutlich, dass es die Regensburgern unsere Jungs sehr, sehr leicht machten. Im Mittelfeld verloren sie die Zweikämpfe, und vorm eigenen Torwart zeigte sich die Abwehr löchrig.

Regensburg vs F95: Trainer Thioune im Kreise seiner Schützlinge nach dem Abpfiff (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Trainer Thioune im Kreise seiner Schützlinge nach dem Abpfiff (Screenshot Sky)

Schade, dass die ganze zweite Halbzeit dann so furchtbar langweilig war. Richtige Torchancen hatten die Hausherren in den zweiten 45 Minuten zwei oder maximal drei. Kastenmeier hatte nur einmal mit einem Distanzschuss Probleme, den er etwas unterschätzte und nicht auf Anhieb zu fassen bekam. Aus den gefürchteten Standards machten die Regensburger überraschenderweise gar nichts. So plätscherte die Partie dem Ende entgegen, und der souverän leitende Schiri Timo Gerach verzichtete ganz auf eine Nachspielzeit.

Beim Studium der Startaufstellung stutzte der Ergebene kurz: Bodzek? Der Bodzek? Unser Käpt’n Bodze auf der Bank? Große Freude! Aber dass einer unserer ewigen Helden mitfahren musste, hat was mit der Verletztensituation in der Defensive zu tun und damit, dass ein Ausfall von Cello in dieser Partie kaum zu verkraften gewesen wäre. Dass unsere Coaches Adam Bodzek dann in der 85. Minute auf die Wiese schickten, kann man durchaus auch als Dankeschön an den Altstar interpretieren.

Regensburg vs F95: Unser lautstarker Anhang feiert ein Tor (Screenshot Sky)

Regensburg vs F95: Unser lautstarker Anhang feiert ein Tor (Screenshot Sky)

Eine echte Pokalatmosphäre kam kaum auf, was vor allem daran lag, dass lediglich rund 7.400 Regensburger:innen den Weg ins Jahn-Stadion gefunden hatten. Das bei einem Schnitt von 10.800 spricht dafür, dass die Fans nicht an einen Pokalerfolg glaubten. Der Respekt geht raus an die ungefähr 500 Düsseldorfer:innen, die sich nicht gescheut hatten, an einem Wochentag um die 600 Kilometer zu einem Pokalspiel anzureisen, das – Danke, DFB! – erst um 20:45 angepfiffen wurden. Unsere Auswärtsfans können froh sein, dass es keine Verlängerung und kein Elferknallen gegeben hat, denn sonst wären sie kaum vor Mitternacht weggekommen. Und einen Zug hätten sie dann nicht mehr gekriegt.

Alles in allem hat sich wieder einmal gezeigt, dass die richtige Spielidee mit dem richtigen Matchplan und einer passenden taktischen Grundordnung eben doch das Beste aus den Spielern holt. Wenn der Gegner dann noch doofe Fehler macht und durchweg schwach auftritt, dann klappt’s auch mit dem Sieg in einem Pokalspiel. So kann es also weitergehen; im ganz persönlichen Interesse des Ergebenen vor allem im Pokal. Wobei der Wunsch nach einem (endlich, endlich) Heimspiel im Achtelfinale riesengroß ist – gern gegen einen Erstligisten, es müssen ja nicht gleich die Bayern oder das Leipziger Projekt sein.

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