Zu den beliebtesten Gesprächen unter Fußballfans gehören Diskussionen über die Punkte. Also, wie viele Punkte das Team des Herzens schon hat, wie viele es schon sein könnten und ob es am Ende reicht. Wobei sich die Intensität der Debatten ganz entscheidend unterscheiden, je nachdem, wozu es am Ende reichen soll. Die da ganz oben träumen vom Titel oder wenigstens einem Champions-League-Platz, die da drunter vom “internationalen Geschäft”, und der Rest bibbert vor Abstiegsangst. Unabhängig davon gelten in diesen Talkrunden diverse Faustregeln, zum Beispiel, die das man 40 Punkte braucht, um eben nicht ins “Unterhaus” befördert zu werden. Deshalb eröffne ich hier mal mit der steilen These: Wer in der Saison 2019/20 per Saldo 32 Punkte zusammengekratzt kriegt, bleibt drin in der ersten Liga.

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Im Schnitt sind 855 Punkte pro Saison zu verteilen

Und das heißt: Gute Aussichten für unsere rotweiße Diva. Denn die prognostizierten 32 Zähler wird das Team auf jeden Fall erreichen. Dazu gleich mehr. Wie aber komme ich auf die Zahl, die reichen soll? Wo es doch bisher (seit der Einführung der 3-Punkte-Regel) erst einmal so wenig Murmeln im Sack gereicht hat – nämlich letzte Saison? Das hat etwas mit Mathematik (Statistik sowieso) und der immer weiter sich öffnenden Schere zwischen Arm und Reich im modernen Fußball zu tun. Bekanntlich finden in einer Saison der ersten Bundesliga 34 Spieltage mit je neun Spielen, also insgesamt 306 Partien statt. Wertet man die Spielzeiten seit 2000/01 aus, kommt man auf durchschnittlich knapp 63 Unentschieden pro Saison. Das heißt: Zu vergeben sind standardmäßig ungefähr 855 Punkte (= 63*2 + 243*3). Davon stünden bei gleichmäßiger Verteilung jedem Team 47 Punkte zu. Mit anderen Worten: Würden alle Mannschaften gleich oft gewinnen und Remis spielen, kämen alle auf diesen Wert.

Nun ist es aber so, dass (wieder im selben Zeitraum berechnet) die ersten drei der Tabelle am Ende zwischen knapp 190 und über 240 Zähler auf sich vereinen. Und jetzt kommt’s: Je mehr Punkte die führenden Clubs zusammen holen, desto weniger bleibt für den Rest und desto weniger Punkte kriegen dann die letzten drei Vereine ab. Kann man nachrechnen; ergibt eine Faustregel. Die sich ergebende These lautet: Je mehr die Tabellenstreber oben absahnen, desto weniger Zähler brauchen die Vereine, um dem Abstieg zu entgehen. Rechnen wir jeweils die Plätze 16 bis 18, dann hatten die Clubs dort in der Saison 2000/01 zusammengezählt 97 Klunker, die Punkte der oberen drei addierten sich auf 183. Extrem war das Endergebnis in der vergangenen Saison, als der FCB, das Konstrukt und der BVB zusammen 210 Dinger absahnten, und die drei Loser nur 68 Pünktchen sammelten. Es gibt da über all die Jahre eine deutlich Korrelation, die nicht nur statistische Ursachen hat, sondern auch mit dem dramatischen Ungleichgewicht bei den Spielbetriebsbudgets und den ausgegebenen Transfersummen zu tun hat.

Rein statistisch Platz 14 oder 15

Womit wir bei den Vorhersagen sind. Nehmen wir mal den Stand vom 11. Spieltag der laufenden Saison, weil sich von da ausgehend so schön einfach mit drei multiplizieren lässt. Die drei Tabellenführer hatten 67 Zähler, was für ein Ende mit etwas mehr als 200 Punkten spricht. Die drei ganz unten hatten schlappe 20 Pünktchen auf dem Konto, was auf ein Endresultat von nur 60 Knickern schließen lässt. Was bedeuten würden, dass sich die beiden Absteiger und das Relegationsopfer sich diese 60 Punkte untereinander aufteilen. Nun kann man einfache Reihen aufstellen, die mögliche Konstellationen für diesen Wert darstellen. Da aber selbst der SCP am 11. Spieltag schon 4 Zähler auf dem Konto hatte (was am Ende 12 Punkte bedeutete…) kriegen der 16. und der 17. gemeinsam 48 Punkte. Natürlich ist vorstellbar, dass der Äff-Zeh noch weiter abkackt und zum Schluss nur (beispielsweise) 18 Knüttel aufweist. Was im Umkehrschluss heißt, dass der Club auf dem Relegationsplatz 30 Zähler hat und 31 bis 32 Punkte für den 15. Platz reichen.

Soweit die pure Rechnerei, die im Übrigen mindestens genauso plausibel ist wie die oben erwähnten Faustregeln der Tabellendiskussionen. Schreiben wir die Sache fort bis zum Ende der Hinrunde, dann dürfte unsere geliebte Fortuna mit 16 Punkten am 17. Spieltag zunächst einmal auf der sicheren Seite sein. Zu den jetzt vorhandenen 12 Punkten müssten drei weitere hinzukommen, also ein (Heim)sieg; aber auch drei Unentschieden täten reichen. Guckt man sich die Verteilung der Heim- und Auswärtspartien an, spricht vieles dafür, dass die Jungs in Rotweiß in der Rückrunde 2, 3 Pünktchen mehr holen könnten und sich am 16. Mai 2020 über 32 Zähler und einen netten Platz 14. oder 15. freuen können. Und um die Frage der Überschrift zu beantworten: Ja, der TSV Fortuna Düsseldorf 1895 kann sich retten und in der Saison 2020/21 weiter in der ersten Bundesliga antreten.

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8 Kommentare

  1. ich glaube nicht, dass lediglich 32 Punkte für Platz 15 reichen werden.

    Meine Vermutung liegt bei 35.

    Meine Einlaufprognose für die Unsrigen ist Platz 16.

    • Rainer Bartel am

      Ja, natürlich! So stand es auch in meinem Entwurf… Danke für den Hinweis, wird sofort korrigiert.

  2. Hallo Rainer,

    schön gerechnet, aber es sind doch 9 Partien pro Spieltag, also 306 Spiele pro Saison.

  3. FunThomas am

    Deine Rechnung mit den 792 Punkten (= 63*1 + 243*3) ist falsch, bei einem Unentschieden werden 2 Punkte vergeben, müsste also 855 (= 63*2 + 243*3) sein. Macht 47 Punkte pro Mannschaft.

    • Rainer Bartel am

      Stümmt. Danke für den Hinweis, wird geändert (In Mathe war ich eher nicht so gut…)

  4. Mit Verlaub:

    Wenn du in Mathe “eher nicht so gut” w a r s t , muss du unterschwellig schon ziemlich verzweifelt sein, um Fortunas Heil aus einer Statistik herzuleiten.
    Vermutlich hast du nach dem Biene-Maja-Spiel schon neu kalkuliert.
    Gibt es vielleicht ein Sternzeichen für Tuna …?
    Da bin ich eher bei den 95-Foristen, die davor warnen, allen Segen von Kevin St. zu erhoffen, zwei gezielte Verstärkungen einfordern bzw. (noch) mit der Ansicht hinterm Berg halten, dass sich auch dieser Kader mit einem neuen Trainer durchaus wiederbeleben ließe.
    Wenn man nach einem halben Jahr Mannschaftstraining Fink und Bodzek immer noch für “wichtigste Spieler” erachtet und mit anderen offenbar gar nichts anzufangen weiß, muss man sich dringend hinterfragen lassen.
    Baker z.B. wird sicher zur Strafe wieder vier Spieltage mit Ampomah zugucken (da lernt man ja was) und Barkok garantiert solange warten müssen, bis er sich im Training schließlich wieder verletzt …

    BTW: Bin sehr, sehr dankbar dafür, dass man hier gelegentlich ein bissl Frust abbauern darf.
    Phänomen ist mir seit 1963 hinlänglich bekannt …

    Never give up!

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