Mal ehrlich: Der hiesige Chefred geht mir auf den Sack. Nur weil die merkwürdige Presseabteilung des TSV Fortuna Düsseldorf 1895 ihn nicht offiziell als Medienvertreter akkreditieren will, gibt er jetzt den ehrpusseligen Spochtrepochter. So mit Floskeln und allem. Tatsächlich haben die Jungs rund um Mädchendirektor Niemann ihm mitgeteilt, The Düsseldorfer sei ja bloß ein Blog und er nur ein Fan. Also, wenn hier einer Fan ist, dann ja wohl ich. Weiter schreiben die Kommunikations-, ähem, -experten, man amüsiere sich gelegentlich über seine Texte und, nein, die Nicht-Akkreditierung habe nichts damit zu tun, dass er sich gelegentlich kritisch geäußert hat. Na ja, wer’s glaubt, wird selig. Ob da nicht doch der Jäger Paul seine umtriebigen Finger im Spiel hat, wegen dem der Chefred ja seine Mitgliedschaft zurückgegeben hat? Man weiß es nicht. Mir ist das auch wurscht, denn ich guck Fortuna. Und wenn mir danach ist, dann schreib ich drüber. So einfach kann das Medienmachen auch sein, meine Herrn. Zum Beispiel im Rahmen einer geheimen Auswärtsfahrt nach – äh, wie heißt das Kaff noch mal?

Egal. Über meine merkwürdige Anreise möchte ich auch kein Wort verlieren. Unauffällig mischte ich mich unter die Eingeborenen auf den teuren Sitzplätzen. Und konzentrierte mich aufs Spiel. So gut es ging. Denn die Sandmännchen um mich herum redeten ununterbrochen. Selten über Fußball und in einem nicht immer verständlichen Idiom. Kaum hatte ich meine Sehapparate auf den Platz kalibriert, stand’s schon 1:0 für den SVS. Keiner schuld daran. Das Schüsschen kam dem Madlung zwischen die Füße (der übrigens ganz richtig stand). Rensing chancenlos. Aber unsere Jungs schliefen weiter. Allen voran Gartner und der Axel. Emma merkte man dann doch den leicht erhöhten Druck an, und Fink war mehr so Falschgeld. Jedenfalls in der ersten halben Stunde. Zwischendurch das 2:0 für die Schwarzweißen. Wenn er rauskommt, muss er den haben, heißt es. Rensing kam irgendwie auch raus, aber hatte ihn nicht. Kollektives Versagen aller neun Fortunen im eigenen Sechzehner.

Ausgangspunkt war ein Freistoß nach einer bescheuerten Aktion von Bebou, der ohnehin einen Kacktag hatte. Dass Fink das Kopfballduell verliert – kann vorkommen. Dass aber seine Kollegen zugucken, sollte nicht sein.

Bodzek gibt Gas

Die Zuschauer um mich herzm hatten Spaß und kümmerten sich immer weniger um den Kick. Ich aber sah, dass die Sandhäufchen das Ende ihrer Fähigkeitenfahnenstange erreicht hatten und schon so ab Minute 25 auf Resultat spielten. Das wird auch dem Bodze nicht verborgen geblieben sein. Der und auch Schmitz hatten Hals und legten los. Die Viererkette hat nichts zu tun, sodass die erwähnten Herren weiter laaangsam agieren konnten. Dann bäumten sich auch die Youngster ein bisschen auf. Emma erkämpft die Pille, passt auf Bebou auf außen, der in die Mitte. Und Bodzek zieht ab. Tatsächlich war das auch kein Saftschuss, aber ein bisschen Abfälschung reichten für das Anschlusstor.

Weil die SVSler auch nach der Pause nicht in der Lage oder gewillt waren, so richtig auf Sieg zu spielen, und weil die Fortunen mit deutlich mehr Mumm aus der Kabine kamen, wurde es munter vor dem Kasten der Gastgeber, die in Hälfte zwei noch genau zweieinhalb Chancen hatten. Unsere hatten davon auch nicht wirklich mehr. Aber sie wollten. Dann kamen Ngombo und Yildirim und brachten einen Hauch mehr Schwung ins rot-weiße Team.

Killerfoul an Yilidirim

Die Zahl der Funkel-Schützlinge, die nicht verlieren wollten, wuchs von Minute zu Minute. Plötzlich waren auch meine Tribünennachbarn still und machten sich Sorgen. Dass es dann ein ulkiges Eigentor war, das für den Ausgleich sorgte, spielte keine Geige. Denn der Ball wäre so oder so irgendwann drin gewesen. Vielleicht sogar ohne die Mithilfe des Sandhasen, der seine Quanten reinhielt. Ist auch Latte, denn zu dieser Zeit war der eine Punkt völlig verdient.

Zum Glück war es eine relativ faire Partie, denn der Schiri Perl pfiff wie nichts Gutes und hätte bei einem harten Spiel vielleicht die Kontrolle verloren. So gab es erst nach der 90. Minute ein wirklich brutales Foul an Yildirim. Irgendein Pfiff blieb aus, nur unser Özkan, der blieb liegen. Heute las ich was von multiple Verletzung und das er sich den Oberschenkel gebrochen sowie ein Band zerrissen hat. Die arme Socke! Das bedeutet langen Ausfall, und von Verletzungen ist der Gute ja schon in Bremen nie verschont gewesen.

Fazit

Später mischte ich mich unter die F95-Fans am Busparkplatz. Einhellige Meinung: Mental stark, spielerisch in Hälfte 1 kacke. Natürlich finden jetzt viele, Funkel sollte beim Heimspiel gegen Stuttgart gleich am Anfang ein paar der neuen Youngster bringen. Aber so einfach ist das nicht. Viel wichtiger wäre, den Erfahrenen und den Hoffnungsträgern älterer Bauart deutlich zu machen, dass sie gefälligst von Anfang volle Pulle zu spielen haben. Axel sollte man nicht allzu hart angehen, der hat ja immer mal so einen Scheißtag. Iyoha wird sich gewöhnen und dann auch mehr liefern. Sorgen muss man sich ein bisschen um Gartner, der so viel mehr könnte, wenn er nicht immer wieder mal in Lethargie versinkt. Bebou kann mehr. Ritter war zu kurz auf dem Platz, um beurteilt werden zu können. Die Viererkette stand erst ab Minute 30 halbwegs sicher – Schmitz ist zuverlässiger als Schauerte, der möglicherweise sein maximal Leistung schon erreicht oder überschritten hat. Bodzek und Fink nehmen ihre Rollen sehr ernst, wobei sich Fink so weit vorn nicht wirklich wohlfühlt. Und die Frage nach dem Knipser? Wenn solche Spielzüge wie der zum 1:2 passieren, dann muss es kein Torjäger sein, der die Hütte macht, dann kann das auch der Bodze.

Die Laune war bei allen Düsseldorfer Zuschauern ganz gut nach dem Punktgewinn. Ob der Absteiger aus Schwaben kommenden Freitag zu knacken sein wird, kann man wohl erst nach dem Spiel des VfB gegen Pauli sagen. Vielleicht dann auch, WIE man gegen die gewinnen kann. Und egal wie dieses Spiel ausgeht, es wird viel Aufschluss über die Möglichkeiten der Saison geben.

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