Analyse · Der altbekannte Toyota-Reklamespruch drückt eine Art gedämpften Optimismus aus: Alles kann passieren, muss aber nicht. Nun Ihr wahnsinnig Ergebene bekanntlich ein realistischer Optimist. Und hat in der Vorbereitung dieses Vorberichts mal den eigenen Spielbericht vom Hinspiel gelesen, also dieser mehr als unglücklichen 2:3-Heimniederlage. Ja, genau, das Ding mit dem Siegtrefferelfer der Fischköppe in der 96. Minute. Da sah die Welt bei aller Enttäuschung über das Ergebnis noch rosig aus. Das ist jetzt nach der Winterpause nicht mehr der Fall. [Lesezeit ca. 5 min]

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Der ersten Heimniederlage folgten eine Auswärtsniederlage in Nürnberg ein Remis zuhause gegen Kiel, bei dem der Gast den erneut späten Ausgleich nicht mehr kontern konnte. Seit dem 5. Spieltag hat unsere geliebte Fortuna nun nie wieder besser als auf dem 12. Platz gestanden. Zuhause lief bis zum Sieg gegen den KSC nichts, auswärts wurden ein paar Pflichtsiege und erstaunliche Unentschieden geholt. Irgendeine Form von Konstanz kam nicht auf – Cheftrainer Preußer sprach bald nur noch von unerklärlichen Leistungsschwankungen. Die Verletzten- und Corona-Liste tat ein Übriges.

Und jetzt? Preußer hat nun 40 Punkte als Zwischenziel ausgerufen. Heißt: 20 Punkte müssen so schnell wie möglich rein. Schaut man sich den Spielplan an und bemüht einen Tabellenrechner, erkennt man leicht, dass F95 bis zum 30. Spieltag alle Heimspiele gewinnen muss und sich nur zwei Auswärtsniederlagen erlauben darf. Ganz schön ambitioniert. Diese Erkenntnis auf die Partie in Bremen angewendet, kann nur bedeuten: Ein Unentschieden muss her!

Der Spielplan und die Systematik

Werder hatte vor der Pause einen ziemlichen Lauf; davor konnte man den Nördlichen ebenfalls Leistungsschwankungen attestieren. Ob an den zuletzt drei Siegen schon der neue Trainer Ole Werner einen entscheidenden Anteil hatte, ist ungewiss, denn der nahm weder größere personelle noch systemische Veränderungen vor. Bemerkenswert vor allem der 4:1-Sieg der Werderaner in Hannover, wo sie wieder mit diesem hochmodernen 3-3-2-2 antraten. Das hat Werner aus den diversen Dreierkettenversuchen seines Vorgängers Markus Anfang abgeleitet, damit scheint sich die Mannschaft auswärts UND zuhause wohlzufühlen. Wobei dem Spieler Toprak eine besondere Rolle sowohl in der Defensive als mittlerer IV als auch im Umschaltspiel zukommt. Ja, genau der T., der sich beim Hinspiel in Düsseldorf mehrfach derart unsportlich verhalten hat, dass ein strenger Schiri ihn mit Gelbrot vom Platz gestellt hätte.

Christian Preußer und sein neuer Co-Trainer Manfred Stefes werden sich also auf diese Systematik des Gegners einstellen können. Nach allem, was die letzten Jahre so gezeigt haben, hilft gegen ein System wie das der Bremer entweder ein ganz klassisches 4-4-2 oder ein defensiv ausgerichtetes 3-5-2. Stellt sich also die Frage, wie viel Risiko die Fortunen an der Weser gehen sollten. Sagen wir so: Eigentlich egal, denn alle bisherigen Ergebnisse hatte nichts mit der Menge an Risiko zu tun; nicht einmal diese blöde 2:3-Niederlage gegen Bremen im August, bei der die Fortuna ab etwa der 80. Minute mit VIER Spitzen und weiteren drei offensiven Mittelfeldlern antrat. Die Vernunft aber sagt: Lasst es vorsichtig und konzentriert angehen.

Seht zu, dass die (vom Ergebenen empfohlene Viererkette) sicher steht, dass die beiden Spitzen mit Bedacht forechecken, dass die Außen ihre defensiven Aufgaben nicht vernachlässigen und ein Sechser wirklich die Verteidigung verstärkt. Alles in allem: Die Null sollte bis zur Halbzeit stehen. Danach kann das Risiko erhöht und möglicherweise die Systematik auf Dreierkette mit kompaktem Mittelfeld umgestellt werden. Ein Schlüssel zum Unentschieden wird auch sein, die Bremer Spitzen und Außen jederzeit unter Kontrolle zu halten. Weil in der Mitte Mister T. thront, wird offensiv wohl das meiste über die Flügel laufen müssen.

Die Aufstellung

Momentan nicht leicht den Überblick zu behalten, welcher Kaderinsasse sich denn gerade in welchem Zustand befindet. Stand jetzt (Freitag, 14 Uhr) fehlen Hartherz, Iyoha, Klaus, Oberdorf, Prib, und Wolf wegen COVID-19. Käpt’n Bodze leidet noch unter seinen Rippenbrüchen, und Andre Hoffmann ist noch nicht so weit. Dafür könnte Neuzugang Nicolas Gavory angesichts seines Fitness-Zustands durchaus eine Option für die Startelf sein. Unabhängig davon, ob mit Vierer- oder Dreierkette gespielt wird, bietet sich Jamil Siebert endlich eine Startelfchance. Wird es ein 3-5-2 könnte Gavory den dritten Mann in der Defensivreihe geben. In einer Viererkette mit Zimbo Zimmermann am rechten und Leo Koutris am linken Ende wäre zunächst kein Platz für den Franzosen frei.

Wird mit zwei Spitzen gespielt, hätte auch Tyger Lobinger die Chance verdient in der Startelf zu stehen. Es sei denn, Preußer gibt dem Rückkehrer Dawid Kownacki gleich die Gelegenheit sich als Frontmann zu bewähren. Im Vierermittelfeld sollten Shinta Appelkamp und Ao Tanaka gesetzt sein. Das gilt natürlich auch für den schier unverzichtbaren Khaled Narey. Bei seinem Pendant auf der linken Seite spricht alles für Kris Peterson.

So könnte ein 4-4-2 gegen Bremen aussehen

Spielen wir aber auch die Dreierkettenvariante durch, in der eben Nicoals Gavory neben Chris Klarer und Jamil Siebert starten sollte. Bei den zwei Spitzen ändert sich nichts. Die defensiven Enden des Mittelfeldes, die in Verteidigungssituationen aus der Dreier- eine Fünferkette machen, heißen dann auch wieder Zimmermann und Koutris. Khaled Narey bleibt als rechter Außenläufer, und Shinta Appelkamp gibt den Spielmacher. Und die beiden freien Plätze? Ein Box-to-Box-Spieler wie Kuba Piotrowski passt besser als Ao Tanaka – zumal gegen robuste Bremer. Das Problem bei dieser Auswahl ist die Offensivschwäche auf der linken Seite, die nur durch vertikales Rochieren (Koutris als Außenläufer) sowie horizontales Verschieben (Narey wechselt auf links, Zimmermann rückt vor) ausgeglichen werden kann.

So könnte das 3-5-2 gegen Bremen aussehen

Systeme, in denen solche Rochaden eingebaut sind, haben aber auch etwas Charmantes an sich, weil es dem Gegner schwerer fällt sich darauf einzustellen. Übergreifend stellt sich die Frage, wer sich dem Spieler Toprak entgegenstellt, wenn der sich ins Umschaltspiel einschaltet. Beim 4-4-2 muss sich immer einer der Verteidiger kümmern, beim 3-5-2 fällt der Job fast zwangsläufig Kuba zu – ein weiterer Grund, warum der körperlich starke Pole mittun sollte.

Mögliche Wechsel in der Offensive betreffen – wie erwähnt – Tyger Lobinger, aber auch Niklas Shipnoski. Ob es Sinn macht, Robert Bozenik überhaupt mitzunehmen, ist fraglich, wo doch zu 99,9 Prozent sicher ist, dass er uns wieder verlässt – vielleicht noch dieser Tage. Für die Verteidigung steht eigentlich nur noch Dragos Nedelcu zur Verfügung; sollte Andre Hoffmann fit genug für die Bank sein, könnte er einen Kurzeinsatz kriegen.

Der Tipp

Kopf, Bauch und Herz des höchst ergebenen F95-Berichterstatters haben ein einstimmiges Ergebnis abgeliefert: Es wird ein gerechtes 1:1. Jedes andere Ergebnis könnte natürlich auch eintreten – denn: Nichts ist unmöglich!

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