Analyse · Dem Ergebenen macht es inzwischen einen Höllenspaß, die Aussagen unseres Cheftrainers während der Vorspielpressekonferenz so ein bisschen auf die Schippe zu nehmen. Also, nicht um dem Christian einen reinzuwürgen, sondern einfach, weil es geht. Komprimiert man die PK von heute, ergibt das folgende Erkenntnis: Fußball ist ein Mannschaftssport. Verrückt, nicht wahr? Im Ernst: Preußer betonte mehrfach, dass es beim Training und den Gesprächen mit dem Mannschaftsrat in der Woche immer um das Team ging, um „die Gruppe“ wie er es ausdrückte. Die Idee dahinter ist goldrichtig: Es muss verhindert werden, dass sich der Frust selten oder nie berücksichtigter Spieler in der Krise zur Spaltung auswächst. Doppelt schlau daran ist, dass die Individuen im aktuellen Kader in der Überzahl keine egoistischen Icherzähler sind, sondern offensichtlich nach der sozialen Wärme einer Mannschaft streben. [Lesezeit ca. 4 min]

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Womit wir wieder beim übergeordneten Thema „Emotionen“ sind. Damit sind ja eben nicht nur die Ausbrüche gemeint, also dass, was damals, als Fußball noch Fußball war, die Fans auf den Stehplätzen zelebrierten, sondern eben auch die sanften Gefühle. Zum Beispiel dieses „Jeder hilft jedem.“ und „Wenn einer eine Schwäche zeigt, bügeln die anderen sie aus.“ Oder kurz ausgedrückt: „Alle für einen. Einer für alle.“ Nun sind bekanntlich elf und nicht vier Musketiere auf dem Platz, was die Zahl der möglichen Konfliktherde multipliziert. Wir wissen jedoch, dass dieses „Teambuilding“ laut Freiburger Kontakte eine Stärke von Christian Preußer ist. Fragt sich nur, warum er sie bisher so selten angewandt hat… Lassen wir das.

Der SV Darmstadt 98, der seinerzeit eine herrliche Kurzrunde durch die erste Liga drehte, ist in der Form seines Lebens. Basis ist eine annähernd fehlerfrei agierende Defensive und ein Sturm, der in den bisherigen 15 Partien schon 37 Tore eingetütet hat. Wow! Das klingt nicht nach guten Aussichten für unsere wunderschöne, wenn auch launische Diva.

Der Spielplan

Das Motto kann nur lauten: „Die Null muss stehen!“ Und zwar so lange wie möglich, am liebsten bis zum Schlusspfiff. Das kann nur ein funktionierendes Kollektiv erreichen, dessen Insassen sich keine Defensivfehler erlauben, und wenn doch einem mal ein Lapsus unterläuft, müssen die Kollegen unabhängig von ihrer eigentlichen Aufgabe aushelfen. Wenn die sozialhydraulische Behandlung durch Dr. Preußer gewirkt hat, dann wird das klappen.

Zweitens: Neun der 17 Hütten, die sich der SVD eingefangen hat, fielen nach Standards. Wenn also die Rotweißen aus der schönsten Stadt am Rhein in Darmstadt was reißen wollen, dann müssen sie a) Standards (Ecken, Freistöße, Elfmeter) provozieren und b) in Tore ummünzen. Das mit den Ecken kann die Mannschaft ja ganz gut, also das Herausholen von Eckbällen, leider nicht das Ummünzen in Treffer. Wäre toll, wenn es wenigstens einen im Kader gäbe, der Freistöße aus der Distanz so gut verwandeln kann wie vor gar nicht langer Zeit Kaan Ayhan (einer der Ex-Fortunen, denen der Ergebenen mit am meisten nachtrauert). Könnte sein, dass es Kuba oder Ao sind, die das theoretische Potenzial dazu haben.

Die Systematik und die Aufstellung

Ach, was soll’s… Angesichts des Ausfalls von Zimbo Zimmermann sollten die Coaches nun doch mal über ein 3-5-2 nachdenken. Tun sie auch, sagt Preußer. Aber natürlich wird er nicht am Donnerstag die Systematik für Freitag bekannt geben. Wäre ja schön blöd, so etwas dem Gegner zu verraten. Ihr mit weitem Abstand im Vergleich zu anderen Schreiberlingen ergebene F95-Liebhaber geht also davon aus, dass es vor dem Tor, in dem Raffa Wolf Dienst tun wird, eine Dreierkette geben sollte. Beinahe automatisch führt das zu einer Doppelspitze und einem variablen Fünferverband dahinter.

Speed kills – auch die Darmstädter, also würde der Ergebene auf zwei flinke Burschen als Sturmspitzen setzen, die von den fünf Mittelfeldrecken bitte gern auch mal durch Steilpässe zu Chancen gebracht werden. Ergo spricht fast alles für Robert Bozenik und Emma Iyoha. Bei ersterem geht es aber eben nicht darum, dessen Frust zu besänftigen, sondern tatsächlich darum, dass er in einer funktionierenden Mannschaft wirklich richtig gefährlich werden könnte. Bei Emma wissen wir, dass er mit jedem Spiel, das er von Beginn an bestreiten darf, besser wird. Vorteil dieses Duos ist zudem, dass beide in der Lage sind, sich sinnvoll fallen zu lassen oder auf die Flügel auszuweichen.

Die Besetzung der Dreierkette mit Chris Klarer, Tim Oberdorf und Adam Bodzek ist beinahe alternativlos. Oder die Trainer probieren doch nochmal Dragos Nedelcu in dieser Formation aus. Oder zwischen Käpt’n Bodze und dem Rumänen wird bei Bedarf gewechselt. Im Sinne eines Fünfermittelfeldes würde Ihr Ergebener Leonardo Koutris auf Linksaußen und Khaled Narey auf dem anderen Flügel setzen. Auf dem kreativen Posten sollte man Ao Tanaka noch einmal das Vertrauen schenken. Cello Sobottka und Kuba Piotrowski treten als Doppelsechs an, wobei Kuba eben auch mal auf die Achterposition gehen kann. Das sieht dann so aus:

Wie wär
’s mit einem solchen 3-5-2.

Der Tipp

Natürlich träumen alle, deren Herz im rotweißen Takt schlägt, dass die Burschen ausgerechnet beim Tabellenzweiten, der zu allem Überfluss auch noch einen Lauf hat, einen Überraschungssieg landen. Der Bauch des Ergebenen würde aber in diesem Fall auch mit einem Remis zufrieden sein. Das Hirn aber sagt: Mach dir keine Hoffnungen – wenn es keine Klatsche gibt, ist die Fortuna schon gut bedient.

8 Kommentare

  1. Ich rechne mit ner Klatsche und mit ner Null hinten gar nicht. Aber, ich lasse mich gern positiv überraschen. Viel schlimmer kann es ja eh nicht werden.

  2. Ich würde mich nicht wundern, wenn Klaus, Hartherz und Prib anfangen würden.
    Und es würde mich nicht wundern, wenn unsere Jungs dort gewinnen. Das wäre typisch Fortuna.
    Allerdings würden wieder alle denken, es sei alles wieder in Ordnung….
    Bin gespannt
    95olé

  3. Lasset alle Hoffnung fahren: Es gibt bei Fortuna längst keine Sensationen mehr.
    Die Null wird stehen – vorne.
    Hinten werden wir schon bald liegen, deutlichst …

  4. Stadionbier am

    genau meine Aufstellung 🙂 … vielleicht nicht für die Null hinten, aber für ein Tor mehr … die Hoffnung stirbt erst gegen 20:30. Hoffe ich. Wenn es zur Halbzeit 5:0 für Darmstadt oder so steht, schalte ich eh aus.

  5. Santa Claus am

    Leider muss ich Dir zustimmen. Zufällige Minierfolge lassen uns nur länger leiden bezogen auf den Trainer. Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überraschen

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