Analyse · Keiner hat gezählt, wie oft Christian Preußer auf der Pressekonferenz das Wort „Zweikampf“ aussprach; es war oft. Und dann überraschte er die Anwesenden mit einer Analyse: Die Mannschaft habe immer dann gut abgeschnitten, wenn sie eine gute Zweikampfquote erzielt hatte. Ach was! Wirklich? Es gibt einen Zusammenhang zwischen Zweikampfverhalten und Erfolg? Wer hätte das gedacht. Aber eine solche Binse ist diese Weisheit gar nicht, denn das Zweikampfverhalten ist eine der Fähigkeiten von Spielern, die sich am schwersten trainieren lässt. [Lesezeit ca. 4 min]

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Selbsterklärend, dass ein Team keine Tore schießen und verhindern kann, das nie den Ball behauptet oder erobert. Gewisse Techniken des Zweikampfs werden natürlich schon in den U-Mannschaften gelernt, aber letztlich bleibt es eine individuelle Sache, ob ein Kicker konkret im Spiel die mentale Stärke und die Konzentration aufbringt, Zweikämpfe zu gewinnen. Dazu muss man sie natürlich erst einmal annehmen. Und dafür die taktischen Voraussetzungen zu schaffen, ist Sache des Trainer.

Der Spielplan

In den Zeiten von „Geht’s raus und spielt’s Fußball“ mag es als Konzept gereicht haben, die Akteure anzuweisen immer auf den ballführenden Spieler draufzugehen. Heute wäre das zu wenig. Vor allem gegen eine kampfstarke Mannschaft wie die von Dynamo, die bekanntlich kein Problem damit hat, immer um den Ball zu kämpfen. Zu unterscheiden sind natürlich Balleroberung und Ballbehauptung. Sich die Pille vom Gegner zu holen, erreicht man heutzutage vorne durch das, was im Eishockey schon seit Jahrzehnten „Forechecking“ heißt und im Fußball nun „Pressing“ genannt wird. Der ballführende Gegner wird angelaufen (allein schon um ihn zu verunsichern), die anderen Offensivkollegen stellen derweil die potenziellen Anspielstationen zu. Das geht am besten mit einer Dreierformation.

Zweite Kampfzone ist das Mittelfeld. Wenn es das Ziel ist, viele Zweikämpfe zu provozieren und möglichst zu gewinnen, eignet sich ein kompaktes Mittelfeld am besten – eine Dreier- oder Viererkette, die ordentlich horizontal verschiebt. Und dann natürlich die Defensivreihe, deren Zweikampfverhalten nicht nur Tore verhindern, sondern Spieleröffnungen ermöglichen soll. Und: Ob das Schwergewicht mehr auf Balleroberung oder Ballbehauptung liegt, entscheidet tatsächlich über den Matchplan. Wenn das Stichwort für morgen also „Zweikampf“ heißt, dann müssen alle Fortunen auf dem Platz wissen, dass sie jederzeit möglichst anlaufen und pressen müssen – und gleichzeitig Ballverluste vermeiden.

Das System und die Aufstellung

Wir wissen inzwischen hinlänglich, dass Christian Preußer System und Aufstellung von vorne nach hinten denkt. Alles beginnt mit der Frage: Eine oder zwei Spitzen? Versucht man die Aussagen des Cheftrainers auf der PK zu deuten, dann spricht vieles für zwei Sturmspitzen … von denen eine Emma Iyoha sein könnte. Der ist ja wieder fit (man kann auch sagen: So fit wie noch nie nach seiner Rückkehr zur Fortuna) und hat im Testspiel gegen Almelo seine Qualitäten gezeigt. Um hier einen Wechsel gleich mitzudenken: Je nach Spielentwicklung könnte Robert Bozenik für ihn kommen. Aber auch für Rouwen Hennings, der für morgen aus vielen Gründen für die Startelf gesetzt ist.

Nehmen wir das andere Ende des Spielfeldes. Flo Kastenmeier hat nach seiner Magen-Darm-Geschichte wieder voll mittrainiert und dürfte starten. Beim skizzierten Spielplan spräche vieles für eine defensive Dreierkette, aber das macht Preußer ja nicht. Also werden wir es Chris Klarer und Tim Oberdorf in der Zentrale zu tun kriegen und folgerichtig mit Zimbo Zimmermann und Flo Hartherz auf Außen. Alles andere als Khaled Narey und Kris Peterson auf den offensiven Außenpositionen wäre eine Überraschung. Bleibt die Frage nach der kreativen Mitte. Wenn Preußer zwei Spitzen aufbietet, muss es ein Dreiermittelfeld richten. Ist Zweikampf angesagt, sind zunächst mit Käpt’n Bodze und Cello Sobottka zwei Männer gesetzt. Es ergäbe sich ein 4-3-1-2:

Das höchstwahrschineliche 4-3-1-2, das es in Dresden wohl geben wird.

Das ist natürlich auf den ersten Blick schrecklich langweilig, größere Geistesblitze wird man damit nicht erleben, aber dann vielleicht doch eine so gute Zweikampfquote, dass die glorreiche Fortuna das Spiel durchweg beherrschen könnte. Übrigens: Ihr Ergebener sieht zwei Varianten, bei denen Kuba Piotrowski oder Ao Tanaka eine Rolle spielen und anstelle von Sobottka antreten könnten.

Der Tipp

Der ergebene Bauch sieht ziemlich selbstbewusst einen knappen Sieg für die Fortunen voraus. Das Hirn ist dagegen skeptisch, was die tatsächliche Zweikampfbereitschaft angeht. Es bräuchte schon den Kampfgeist aus dem HSV-Spiel, um diese mögliche Schlacht zu gewinnen. Beide Körperteile zusammengenommen würde Ihr Ergebener auf ein 2:1 für unsere Farben tippen.

5 Kommentare

  1. MagierTom am

    Preusser: Prib ist ein Kandidat für die Startelf. Aua Aua ….. Emma spielt wahrscheinlich max. 20min.
    Wer soll uns noch helfen??? Die Fans freuen sich bestimmt wieder auf Hartherz, Zimmermann, Bodzek, Hennings usw. und auf die Leistungsschwankungen. Eine weitere Niederlage halte ich für sehr wahrscheinlich.

    • Thomas Apfel am

      Leider muss ich ihnen voll zustimmen. Die Lippenbekenntnisse habe ich schon zu oft gehört.
      Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  2. Ohne jegliche Fortune wird Herr Preußer auch dieses Spiel für uns verlieren; falls er tatsächlich den gescheitelten Eddie noch einmal für einsatzwürdig erachten sollte, dann erst recht.

  3. Warum nicht endlich mal mit einer Dreierkette und die jungen und/oder neuen Spieler mal ranlassen??
    Und Spieler wie Tanaka, Nedelcu und Koutris sollten endlich mal in einem System bzw. auf ihren „angestammten“ Positionen der Vorvereine spielen können.
    Den einzigen „erfahrenen“ Spieler, den man zur Zeit aufstellen kann, ist Bodzek.
    Das wäre meine Aufstellung:
    Iyoha Bozenik

    Piotrowski
    Koutris Narey
    Tanaka Nedelcu

    Oberdorf Bodzek Klarer

    Kastenmeier

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