Erster Einsatz von Daniel Thioune als Cheftrainer bei einem Heimspiel – wie er die Truppe gegen S04 spielen lassen sollte:

Analyse · Fortuna kann Schalke schlagen. Hat in 58 offiziellen Begegnungen laut Statistik ja schon 15 Mal geklappt. Nicht nur im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1933 sondern eben auch beim fast schon legendären 4:0-Auswärtssieg auf Schalke vor ziemlich genau drei Jahren in der ersten Bundesliga. Erst drei Jahre ist das her! Das Hinspiel hat dann dieser Terodde gegen einen gewissen Herrn Nedelcu gewonnen, der die Fortuna aufgrund eines Riesenmissverständnisses wieder verlassen hat. Alles auf Null, also. Und fortuna-seitig mit einem neuen Cheftrainer. [Lesezeit ca. 6 min]

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Der redet oft und gern von Menschlichkeit, von Liebe und Leidenschaft, fordert, dass die Spieler „den Helm aufsetzen“, und bringt ähnlich kämpferische Parolen zuhauf. In der Pressekonferenz vor dem Schalke-Spiel war trotzdem ein gewaltiger Unterschied zu den eher langweiligen Floskeln seines Vorgängers zu spüren. Wenn er zum Beispiel davon erzählt, dass die Mannschaft zunächst sehr reserviert auf ihn reagierte, dass er sich bis dato außer den Trainingseinheiten vor allem durch TV-Aufzeichnungen über sein Team informieren konnte, und dass er sich besonders die Partie von S04 gegen Regensburg auf Video sehr genau angeschaut hat. So viel Ehrlichkeit war bei Preußer selten.

Der Spielplan

Es ist ja nicht so, als sei S04 in der laufenden Saison auf Erfolgskurs. Zuletzt gab es einen glücklichen Heimsieg nach Rückstand gegen Regensburg, davor haben sie mühelos Aue geschlachtet und zweimal Remis gespielt. Überhaupt: Gegen die Kandidaten der unteren Tabellenregionen sehen die Blauen immer ganz gut aus, gegen die Topteams können sie nicht immer mithalten. Der Schlüssel zu einem möglichen Sieg besteht darin, deren Offensivspieler (inklusive Terodde) von der Box fernzuhalten. Zweiter Schlüssel: Ihnen möglichst wenig Standards schenken.

Wie macht man das? Eine offensive Variante besteht aus einem hohen und einem Mittellinien-Pressing, flexibel und unvorhersehbar eingesetzt. Die defensivere Version setzt auf ein kompaktes Mittelfeld. Das soll einfach die Zahl der gegnerischen Torschüsse minimieren. Dass das rotweiße Team das kann, hat es gegen Kiel bewiesen. Und mit de Wijs und (einem in Normalform antretenden) Hoffmann wird das in der Verteidigungszentrale auch gut klappen.

Natürlich müssen endlich wieder Tore für die Fortuna her. Da gibt es ebenfalls zwei taktische Varianten. Nummer 1 (à la Preußer): Viel über die Flügel, viel von außen Flanken und dabei den Sechzehner immer gut besetzen. Nummer 2: Bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Box mit mehr als nur den zwei Spitzen besetzen, die variabel per Flanken UND Steilpässe anspielen sowie regelmäßig Distanzschüsse probieren.

Wie unser neuer Chefcoach Daniel Thioune aber vor allem fordert: Das alles mit maximaler Leidenschaft und Kampfgeist auf den Rasen bringen! Ja, Fortuna muss wieder brennen – die Tage der coolen Gelassenheit müssen vorbei sein! Emotionen auf und neben dem Platz müssen her! Gern auch befeuert durch einen Referee, der unegal pfeift und so die Zuschauenden anheizt.

Das System und die Aufstellung

Ohne jetzt die komplette Startelf zu verraten, hat Daniel Thioune in der PK implizit ein paar Namen fallenlassen. Explizit gab er auf Nachfrage an, dass Flo Kastenmeier die Bude hüten wird und er das auch im Gespräch mit Raffa Wolf geklärt hat. Als es um das Fernhalten von Terodde vom Sechzehner ging, wurde klar, dass in der Verteidigungslinie Andre Hoffmann und Jordy de Wijs gesetzt sind. Bei der Gelegenheit ließ Thioune auch ein bisschen Kritik an der Kaderplanung durchscheinen. Angesprochen auf Leo Koutris meinte er, dass es wenig Sinn macht, gleich drei linke Außenverteidiger zu haben. Das als schönen Gruß an Uwe Klein, der ja angeblich vor einem Job beim MSV steht. Wer nun hinten links kicken wird, darauf wollte sich der neue Chefcoach nicht festlegen. Euer in großer Treue ergebener F95-Beobachter würde sagen: Wenn’s nicht mit Dreierkette losgeht, sollte das Nicolas Gavory sein.

Nun hat Thioune weder gestern noch bei seiner ersten PK etwas darüber gesagt, ob er mehr zur Dreier- als zur Viererkette neigt. In seiner Zeit als HSV-Coach hat er sich jedenfalls nie festgelegt sondern je nach Gegner und Personalverfügbarkeit zwischen gleich einer kleinen Handvoll Systeme gewechselt. Da gab es gelegentlich ein 4-3-3 (übrigens mit Khaled Narey als Rechtsaußen), öfters ein 3-4-3, aber auch ein 3-5-2, und auch das ewig beliebte 4-4-2 war dabei. Nun sah das von Christian Preußer angeordnete 4-4-2 in Kiel insgesamt ziemlich gut aus, und weil Thioune offen zugab, erstmal vor allem als Motivator zu coachen bevor er in die systemischen Tiefen steigt, ist diese Formation auch für das Heimspiel gegen Schalke zu erwarten.

Möglicherweise sogar mit nur einer personellen Veränderung, die sich deshalb aufdrängt, weil der Neupapa Narey wieder mittun kann. Euer Ergebener hätte da noch einen anderen Änderungsvorschlag, der schon etwas tiefer in die taktische Grundordnung eingreift. Er würde unbedingt wieder Chris Klarer bringen – und zwar als rechten AV, sodass sich eine Viererkette à la Klarer-Hoffmann-de Wijs-Gavory ergibt. Zimbo Zimmermann würde dann auf die Sechserposition neben Cello Sobottka rücken. Wird es wirklich ein 4-4-2, ist der Rest gesetzt, und Shinta Appelkamp müsste nominell wieder auf Außen antreten. Narey übernimmt anstelle von Felix Klaus die rechte Außenbahn, als Spitzen kommen dann nur Daniel Ginczek und Robert Boženik in Frage.

Und was ist mit Rouwen Hennings? Kurzfristig sollte er für eine der beiden Spitzen als Einwechsler agieren, mittelfristig wird seine Rolle davon abhängen, wie lange Boženik noch in Rotweiß spielt (und wann Terodde zur Fortuna zurückkehrt … nur Spaß!) und/oder ob zur kommenden Saison ein weiterer Mittelstürmer verpflichtet wird. So ergibt sich als mögliches 4-4-2 folgendes:

So könnte ein 4-4-2 gegen Schalke aussehen

Und diese Startaufstellung ist die wahrscheinlichere:

So wird vermutlich das 4-4-2 gegen Schalke aussehen

Denken wir doch einmal in Richtung 3-5-2, ändert sich am Personal auf dem Platz nur wenig:

So könnte ein 3-5-2 gegen Schalke aussehen

Dafür aber ergeben sich gerade in der Zentrale interessante Optionen; vor allem Shinta Appelkamp als Zehner könnte der Bringer sein. Dass Nicolas Gavory auch Flügel kann, hat er zumindest ansatzweise in Kiel gezeigt. Ob es klug ist, Ao Tanaka neben Cello Sobottka zu stellen, wäre zu diskutieren – vielleicht ist dann da doch Kuba Piotrowski die bessere Lösung.

Als Einwechselspieler werden/sollten die folgenden Kollegen auf der Bank hocken: Raffa Wolf fürs Tor, Chris Klarer und Tim Oberdorf für die Abwehrreihe, Ao Tanaka bzw. Kuba Piotrowski fürs zentrale Mittelfeld, Felix Klaus und Tony Pledl für die Außenpositionen, Rouwen Hennings für die Spitze.

Der Tipp

Kopf, Herz und Bauch des Ergebenen tippen dieses Mal unisono auf einen Heimsieg. Weniger aus sportlichen, sondern eher aus mentalen Gründen. Da hat es einen neuen Cheftrainer, dessen Inthronisierung ja den bekannten neuen Impuls geben soll. Da werden knapp 10.000 Anhänger der extrem launischen Diva in der Arena sein, denen sich vor allem die beiden späten Neuzugänge optimal präsentieren wollen. Und wird eine gewaltige Hoffnungswelle auch von den VIP-Plätzen der Vorstände und Aufsichtsräte über den Rasen schwappen, denn wenn das Team unter Thioune gleich im ersten Versuch einen Sieg einfährt, haben sie alle alles richtig gemacht. Also, liebe Leserin, lieber Leser, stellt euch auf ein 3:1 für Fortuna Düsseldorf ein.

1 Kommentar

  1. Thioune hat mehr Chancen versprochen danach wird sich dieses Spiel messen lassen. Gerannt sind sie vorher auch, das war glaube ich nicht das Problem. Ich glaube nicht ,daß wir dieses Spiel gewinnen werden. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und Schalke wird das ausnutzen. Wir kriegen einen frühen Gegentreffer und der „Neue Trainer Effekt“ ist wie eine Blase geplatzt. Und nach diesem Spiel werden sehr harte Zeiten folgen. Also, es fällt mir schwer das zu schreiben aber wir verlieren morgen.

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