Die Abstiegsgefahr hat sich ein wenig entfernt, jetzt kann der Spaß wieder anfangen … mit einem Auswärtssieg?

Analyse · Die virtuelle Pressekonferenz vor einem Spiel kann eine Qual sein. Vor allem, wenn sich die Kollegen in Schmierölpsychologie wälzen. Bei einer Partie gegen Hanoi wird natürlich gefragt, ob ehemalige 96er im F95-Trikot dort besonders scharf aufs Siegen sind. Und ob sich einige für die bittre Pokalniederlage neulich rächen wollen. So’n Blödsinn eben. Da bewundert man die Lässigkeit unseres Cheftrainers sehr, der mal mehr, mal weniger, aber immer mit einem Augenzwinkern darauf eingeht. Im Grunde sind diese Pressegespräche überflüssig: Welche Kicker fit genug für den Kader sind, könnten die Fortuna-Leute auch ins Internet schreiben. Und wie die Coaches den Gegner einschätzen, welches System sie wählen und wen sie aufstellen, verrät Daniel Thioune auch nicht. Alles Grund genug, dass Euer 100%-ig Ergebener sich diese PKs nicht gibt. [Lesezeit ca. 4 min]

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Ein wirklich angenehmes Auswärtspflaster ist das Niedersachenstadion in der Stadt, die seit Punk-Zeiten gern „Hanoi“ genannt wird, für die glorreiche Fortuna nicht, obwohl die Rotweißen in der Gesamtbilanz gegen 96 mit 13 zu 10 Siegen bei sechs Unentschieden leicht vorne liegen. Irgendwie sind diese Partien immer ein bisschen schräg, man denke nur an die 6:1-Niederlage im Pokal 2016. Oder der späte Ausgleich für die Niedersachsen vergangenen Oktober.

Beide Clubs galten vor dieser Saison als potenzielle Oben-Mitspieler, beide rutschten aus ähnlichen Gründen ab. Wobei: Natürlich leidet H96 am meisten unter einem Hörgeräteindustriellen, sodass der Spruch „Kind muss weg“ in der Leinestadt eine andere Bedeutung hat als unter Eltern. Solch oligarchisches Eingreifen in den Sport bleiben der Fortuna, die ja ein strikt mitgliedergeführter Verein ist, zum Glück erspart.

Der Spielplan

Er hat es nicht so direkt gesagt, aber zwischen den Zeilen wurde deutlich, dass Daniel Thioune klar auf Sieg spielen lassen will. Und zwar mit ähnlichen Rezepten wie letzte Woche zuhause gegen Rostock. Das bedeutet, dass der Schwerpunkt auf dem Spielerischen liegen wird, auf schnellem Kombinationsfußball, gern im One-Touch-Rhythmus. Daraus folgt – auch das hat DT angedeutet -, dass sowohl die Systematik als auch die Aufstellung der von vergangenem Freitag ähneln wird; die Kompensation der verletzungsbedingten Ausfälle inklusive.

Die Schlüssel zum Spiel werden wieder eine solide Arbeit der Viererkette, eine gute Rate bei den Balleroberungen und eine Passquote weit jenseits der 80-Prozentmarke sein. Dass sich erneut ein solch enormer Ballbesitz wie gegen Rostock entstehen wird, ist dagegen unwahrscheinlich. Denn recht eigentlich müssten die Gastgeber ganz genauso spielen. Könnte also die große Frage entstehen, welches Team die besseren Spieler für diesen Ansatz hat.

Das System und die Aufstellung

Weil es ohne den verletzten Daniel Ginczek wohl nur Rouwen Hennings als einzige Spitze geben wird, riecht es wieder nach einem 4-3-2-1. Die Viererkette an und für sich und auch in der Besetzung der vergangenen Woche ist gesetzt: Zimbo Zimmermann, Andre „Hoffi“ Hoffmann, Jordy de Wijs und Nicolas Gavory. Flo Kastenmeier hütet sicher das Tor, und vorne verwaltet Rouwen Hennings die Sturmspitze. Ebenfalls außer Frage steht, dass Cello Sobottka auf der Wiese steht und Khaled Narey die rechte Seite beackert.

Bleiben also überhaupt nur zwei Positionen, über die nachzudenken ist, eine auf dem linken Flügel, die andere im Mittelfeld. Leider fällt Kris Peterson aus, der ja auf einem guten Weg war. Nun könnte Thioune wieder die Variante mit Shinta Appelkamp außerhalb des Zentrums wählen. Dann wäre Ao Tanaka der passende Partner im offensiven zentralen Mittelfeld. Denkbar wäre aber auch eine Version mit Tony Pledl als, na ja, Halbaußenstürmer. Ohne echten Linienflitzer zu spielen, funktioniert ja eigentlich ganz gut, wenn Gavory diese Rolle beim Einschalten in die Offensive übernimmt.

Die einzige andere Möglichkeit wäre Emma Iyoha als Flügelmann zu bringen. Stopp: Auch Felix Klaus ließe sich einbauen; und zwar auf der rechten Außenbahn. Dann geht Khaled Narey nominell auf Links, und die beiden rochieren ab und an, um den Gegner zu verwirren. Verrückt, dass die Besetzung dieser beiden Positionen so viele Varianten denkbar macht. Euer Ergebener hat das Pferd andersherum aufgezäumt und sich gefragt, welche zwei Spieler denn am besten zum skizzierten Plan passen – es sind dies Ao Tanaka und Shinta Appelkamp. Daraus ergibt sich folgende Bild:

So könnten das 4-3-2-1 in Hannover aussehen

Wie immer ist dies keine Prophezeiung, sondern eine Variante, die dem Ergebenen aufgrund der Überlegungen zum Gegner und zum Spielplan angesichts der zur Verfügung stehenden in den Kopf gekommen ist und die ihm plausibel erscheint. In den Köpfen unseren prima Coaches – Daniel Thioune, Jan Hoepner und Manfred Stefes – werden sich andere Gedanken drehen, und die haben natürlich viel mehr Ahnung vom Fußball und sind zudem wesentlich näher dran am Team.

Der Tipp

Nimmt man alle harten und weichen Faktoren zusammen, riecht es doch sehr nach einem Unentschieden. Dann würde DT seinen ersten Auswärtssieg immer noch nicht einfahren, aber seinen schicken Punkteschnitt weiter aufpolieren. Angesichts der Defensivleistungen der vergangenen Spiele (kleine und große Fehler eingepreist) und der hannöverschen Offensivschwächen ist eine Niederlage der wunderschönen Diva unwahrscheinlich. Weil aber dieses Mal der Bauch den Tipp abgeben darf, lautet der 1:1.

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