Die Störche und Fortuna, Vertreter von Landeshauptstädten, mal auf Augenhöhe, mal um Ligen auseinander. Morgen wird sich entscheiden, wer von beiden weiter oben mitspielt.

Analyse · Hätte der KSV Holstein von 1900 nicht am 23. Mai 2021 sein letztes Heimspiel gegen Darmstadt verloren, wäre der Club direkt in die erste Liga aufgestiegen, als erster Verein aus dem Bundesland Schleswig-Holstein. Und das nach einem langen, beinahe gleichmäßigen Vorankommen. So aber mussten sie in der Relegation gegen die Sch… vom Dom ran, die nicht nur der Ergebene gern als Absteiger gesehen hätte, und verloren zuletzt mit 5:1 – Trainer des Äff-Zeh damals: Friedhelm Funkel. Armes Kiel. Trotz umfassender Umwälzungen im Kader aber haben sich die Störche wieder gefangen, und die kluge Transferpolitik hat sie stark gemacht. Da müssen wir gar keine angeblichen Gesetze von Serien herbeifantasieren: Das Spiel im vernünftig renovierten Holstein-Stadion wird für unsere Rotweißen eine granitharte Nuss.[Lesezeit ca. 4 min]

Aktuell sind die beiden Teams punktgleich, aber das Kieler Torverhältnis von 24:24 sagt schon fast alles über die Stärken und Schwächen der Holsteiner. Dass sie Buden machen wie sonst nur Paderborn, hat viel mit der Superform eines alten Bekannten zu tun: Steven Skrzybski, der nur kurz mal bei uns war, den wir aber alle als Typ schätzen gelernt haben. Der führt die sogenannte “Scorer”-Tabelle der Zweiten Liga an, hat also zusammengenommen aus Vorlagen und eingelochten Hütten die meisten Punkte gemacht. Dass er das Zeug für sowas hat, hat er seinerzeit bei Union Berlin bewiesen … bei uns leider nicht.

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Auf der anderen Seite fangen die sich aber auch regelmäßig Dinger, und die 2:7-Niederlage gegen die Paddelbirnen hat ihnen die Tordifferenz nachhaltig ruiniert. Heißt im Klartext: So richtig mies sind die Kieler defensiv auch nicht. Nur bei gegnerischem Tempofußball kriegen sie oft die Lücken rund um ihren Sechzehner nicht geschlossen. Anfällig sind sie bei schnellen Angriffen von außen und immer, wenn der Gegner sich mit vielen Kollegen im Kieler Strafraum auffällt.

Der Spielplan: Skrzybski ausschalten und mit Speed angreifen

Der gute Steven ist dermaßen gut drauf, dass man ihm durchaus einen Sonderbewacher auf die Socken stellen könnte, also einen, der sich ganz auf ihn fokussiert, der ihn spätestens an der Mittellinie in Empfang nimmt und ihm überallhin folgt – früher nannte man das Manndeckung. Es ist aus der Mode gekommen, weil der Manndecker natürlich für andere Defensivaufgaben ausfällt, und wenn der Gegner das durch Verbreitern seines Spiels reflektiert, entsteht Platz für die anderen Angreifer. Es ist riskant… Aber: Tim Oberdorf wäre genau der Richtige für diesen Job.

Der Rest läuft auf eine Wiederholung der bewährten Spielweise von Karslruhe (und letztlich auch Regensburg) hinaus. Es muss nach vorne immer alles sehr schnell gehen.

Das System und die Aufstellung: Minimale Änderungen – Folge 2

Das spricht auch für eine minimal getunte Version der taktischen Grundordnung, die bei der Partie gegen den KSC bei Beobachtern für Verwirrung sorgte: War das eine Dreierkette? Sagen wir so: Eine klassische Viererkette mit den beiden Außenverteidigern als Schienenspieler war es nicht. Möglicherweise lassen sich moderne, hochflexiblen Grundordnungen mit den üblichen Zahlenspielchen einfach nicht mehr exakt darstellen. Was bei aller Variabilität bleibt, ist die Zuordnung in einem vertikalen und horizontalen Raster, das eben nicht nur aus drei Quer- und maximal fünf Senkrechtlinien besteht.

Stellen wir uns das beim KSC praktizierte System einfach mal als 3-4-3 vor oder als 3-2-2-3 oder als 3-2-2-2-1 oder was auch immer. Nehmen wir einfach nur als gegeben, dass diese Sache am besten mit denselben Kickern funktioniert, die in Karlsruhe am Start waren. Eine mittelfristig spannende Lösung könnte das Duett vom unfassbar guten Michael Karbownik und dem hochbegabten Shinta Appelkamp werden, die sich den Zehner-Achter-Raum nach Lust und Laube teilen. Da könnten situativ dann entweder Cello Sobottka oder Ao Tanaka oder der genesene Jorrit Hendrix mittun – gegen das entstehende magische Dreieck wird wenig Kraut gewachsen sein.

Das könnte eine Art 3-4-3 in Kiel sein

Trotz des Erfolgs: Der aktuelle Dreiersturm, ob nun mit oder ohne den ebenfalls verfügbaren Felix Klaus, dürfte eine vorübergehende Sache bleiben – mittelfristig läuft ja doch wieder alles auf zwei Spitzen hinaus, und Emma Iyoha als Rechtsaußen ist keine Ideallösung.

Auf die Bank kommen alle gesunden Mitglieder des Profikaders; ob und wer aus der U23 oder U19 mitreist, war noch offen.

Der Tipp

Wir haben ein neues Mitglied in der Tipprunde – Galgo-Hündin Holly, die im Stil des Oktopus früherer Tage Ergebnisse vorhersagt. Das Leckerli-Orakel ergab für morgen ein 1:1. Dem Bauch ging’s die letzten Tage nicht so gut, dafür hat er aber ein 1:0 für die glorreiche Fortuna im Urin. Der Kopf schließt sich der Töle an, erhöht aber auf 2:2. Und das Herz, dieses verrückte Ding, sieht ein turbulentes 3:2 für F95 in seiner Blutsenkung. Weiter auseinander können die Tipps ja kaum liegen, was darauf hindeutet, dass es ganz, ganz anders ausgehen wird.

2 Kommentare

  1. Ich rechne mit einer Niederlage, damit ich nicht allzu angespannt vor der Mattscheibe sitze. Hoffe auf ein unentschieden und lasse mich gern von einem hart erarbeiteten Sieg mit Traumspielzügen überraschen. Wohl bekomms.

  2. Aus jahrzehntelanger Erfahrung traue ich dem “Braten” Fortuna auch noch nicht so ganz. Ich tendiere mit Bauchgefühl zu einer Niederlage, würde mich aber gerne wie in Karlsruhe überraschen lassen.

    Fortuna ist untippbar .

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