Geht wieder los – die glorreiche Fortuna muss im ersten Spiel der Saison 2022/23 nach Magdeburg.

Analyse · Die Erinnerungen des Ergebenen gehen in Sachen Magdeburg weit zurück – zum 31. März 2002 ins Paul-Janes-Stadion. Es war die Saison, in der unsere glorreiche Fortuna in die Oberliga Nordrhein abstieg. Und an jenem Sonntag zuhause mit 0:2 gegen den 1. FC Magdeburg verlor. Und das, obwohl doch „unsere“ Bibi Steinhaus pfiff. „Überschattet“ – um diese Spochtrepochterfloskel einmal zu bemühen – wurde die Partie von heftigen Auseinandersetzung der Anhänger beider Vereine. Sogar Müllcontainer wurden von F95-Hools über den Zaun in den Gästeblock geschleudert. Die Polizei hatte nach Spielende über Stunden alle Hände voll zu tun, eine Straßenschlacht auf der Rosmarinstraße zu verhindern. Nun, es waren halt andere Zeiten. Sechsmal musste F95 gegen Magdeburg zwischen 2001 und 2008 in der Regionalliga Nord antreten, und die Bilanz sieht mit drei Niederlagen, zwei Unentschieden und einem Sieg bescheiden aus. Und jetzt treffen diese Teams nach 14 Jahren wieder aufeinander – unter ganz anderen Voraussetzungen. [Lesezeit ca. 5 min]

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Während unsere Fortuna es zwischenzeitlich zweimal bis in die erste Liga schaffte und meistens in der zweiten Liga kickte, überlebte Magdeburg eine Insolvenz und krabbelte aus der Oberliga in die Regionalliga und 2015 in die dritte Liga. Nach einem Jahr in der zweiten Liga ging’s noch einmal runter, und jetzt ist der FCM wieder da. Und zwar nach einer eindrucksvollen Saison, in der 78 Punkte und 83(!) Tore zu Buche standen. Viele Veränderungen im Kader gibt es nicht – ein Pfund, dass der saugefährliche Toptorschütze Baris Atik und der nicht minder knipsende Luca Schuler noch an Bord sind. Auch Tatsuya Itos Leihe hat sich verlängert, sodass die Offensive so stark sein wird wie in der Vorsaison. Zudem wurden die Abgänge im Mittelfeld und in der Defensive halbwegs gut kompensiert. Auch wenn alle momentan Aufsteiger K’lautern hypen – der Ergebene schätzt Magdeburg stärker ein. Stärker übrigens auch als einige der Teams, die in der vorherigen Zweiligasaison knapp dem Abstieg entgangen sind und einigen, die im Mittelfeld landeten.

Der Spielplan: Prinzip Stachelschwein

Wir alle wissen ja, wie Stachelschweine bei der Paarung vorgehen. Genau: Ganz, ganz vorsichtig. Nach diesem Prinzip sollten Trainer Daniel Thioune und seine Mitarbeiter auch den Matchplan der ersten Begegnung der neuen Saison angehen. Wie macht man das? Entweder mit einer 3er-5er-Kette oder im klassischen 4-4-2 mit einer flachen 4 im Mittelfeld. Für letzteres spricht, dass die Magdeburger gern über die Flügel kommen, und die lassen sich mit zwei Außenverteidigern und zwei defensiv ausgerichteten Sechsern ganz gut kontrollieren. Apropos: Die dicken Bs sollten im Spielplan fett unterstrichen werden. Ballbehauptung, Ballkontrolle und Balleroberung dürften die Erfolgsfaktoren morgen sein.

Wenn der FCM in der vergangenen Saison eine Schwäche zeigte, dann bei hohem Pressing und wenn der Gegner mit zwei eng gestaffelten Viererketten zwischen Sechzehner und Mittellinie das Terrain sicherte. Vermutlich wäre es klug, mit der letzteren Methodik zu beginnen und ab und an aufs Pressing an des Kontrahenten Strafraum zu setzen. Das geht mit einer Doppelspitze gut, aber auch mit einem vorrückenden Sechsern neben den Außenläufern und den Spitzen. Ebenfalls anfällig – was heißt das schon bei nur 39 Gegentoren in 36 Spielen? – waren die Magdeburger bei Standards. Heißt: Das Ziehen von Fouls und Forcieren von Eckbällen könnte ein Rezept für eigene Treffer darstellen.

Was gar nicht geht, ist Hurra-Offensive. Das wäre sicher der Gang ins Verderben. Das wiederum spricht für ein 4-3-3 mit nur einer Spitze, die natürlich Rouwen Hennings heißen muss. Im Grunde hätte man dann ein Fünfermittelfeld, dass das Spielfeld in der Breite dichtmachen kann. Und weil der FCM auch ganz gut gegen das Flügelspiel anstinken kann, sollte öfters der Weg durch die Mitte gesucht werden; Fernschüsse wären eine weitere gute Zutat.

System und Aufstellung: Umstellung inklusive

Wer sich mit der Entwicklung im Fußball befasst und sich in dieser Hinsicht die Spiele der gerade laufenden Frauenfußball-EM verfolgt, wird feststellen, dass die Zeiten der fixen Systeme vorbei sind. Gut, die Trainer ordnen immer noch Ketten verschiedener Art an, aber diese – wie man früher sagte – taktische Grundordnung ist kein Dogma mehr. Im Gegenteil: Erfolgreiche Teams verändern das System ad hoc und stellen auch mal mitten im Spiel komplett um. Trainer Thioune ist einer, der das mag und ist bestimmt froh, dass er das Personal für eine ordentliche Dreierkette an Bord hat, aber auch eine Vierer-System anordnen kann.

Euer Ergebener schlägt deshalb für morgen zwei Systeme vor. Welches bei Anpfiff gilt und auf welches umgestellt wird, muss situativ entschieden werden. Gehen wir zunächst vom bereits erwähnten 4-3-3 aus. Da hat sich nach dem bedauerlichen Ausfall von Zimbo Zimmermann schon gezeigt, dass dieser durch Tim Oberdorf ersetzt werden könnte, während Andre Hoffmann und Jordy de Wijs die Innenverteidigung stellen und Nicolas Gavory die linke Seite beackert. Das Problem: Jordy, das hat der Test gegen Twente gezeigt, ist noch nicht fit genug für 90 Minuten. Nun könnte man ihn einfach gegen Chris Klarer wechseln, aber seine mögliche Auswechslung könnte auch Anlass für die Umstellung auf eine Dreierkette mit Hoffmann, Klarer und Oberdorf werden.

Die Dreierkonstellation im Mittelfeld sollte am besten aus einem klassischen Sechser, einem Box-to-Box-Spieler und einem Freigeist als Zehner bestehen. Überraschung! Die passenden Leute dafür haben wir. Cello Sobottka ist gesetzt, Shinta Appelkamp auch, die Wahl für den dritten Posten besteht zwischen Ao Tanaka und Kuba Piotrowski, wobei die Leistungen in der Vorbereitung für unseren japanischen Freund sprechen. Auf den Außenpositionen bieten sich nach dem Abschied von Khaled Narey aktuell nur Felix Klaus (rechts) und Kris Peterson (links) an, Emma Iyoha wäre die Alternative. Und damit sähe das 4-3-3 so aus:

So könnte ein 4-3-3 gegen Magdeburg aussehen

Schauen wir uns mal eine mögliche Grundordnung mit Dreier-/Fünferkette an. Die würde mit drei Auswechslungen entstehen und offiziell als 3-5-2 daherkommen. Jordy ginge raus, für ihn käme Chris Klarer und bildete mit Hoffmann und Oberdorf eine bewährte Dreierkette. Vorne käme Dawid Kownacki als zweite Spitze neben Hennings für Kris Peterson rein. Und – nicht zwingen – Kuba könnte Tanaka ersetzen und etwas mehr Defensiv-Power liefern.

So könnte ein 3-5-2 gegen Magdeburg aussehen

Und, was fällt auf? „Neu“ gegenüber dem Vorjahreskader wäre nur in Version Zwei Rückkehrer Kownacki. Entscheiden wird ohnehin sein, ob Shinta Appelkamp mit zunehmender Reife genau den Kreativkopf spielen kann, nach dem so viele Fans schreien. Großer Bedarf herrscht dann eigentlich nur auf dem rechten Flügel, wobei Felix Klaus das Zeug hat, dort annähernd so gut aufzuspielen wie zuvor Narey. Und hinter (fast) jedem angenommenen Stammspieler lauert ein Youngster, von denen wir morgen wohl vier Mann auf der Bank sehen werden; Takashi Uchino ziemlich sicher, Benjamin Böckle wahrscheinlich, Daniel Bunk wohl auch und vermutlich einer der U-Kicker, die in der Vorbereitung auf sich aufmerksam gemacht haben. Dazu, das wäre des Ergebenen Vorschlag, Dennis Gorka als Ersatztorwart sowie Nana Ampomah und Daniel Ginczek für alle Fälle.

Der Tipp

So richtig haben Kopf, Herz und Bauch im Körper des Ergebenen noch nicht zusammengefunden, sodass sich deren Prognosen drastisch voneinander unterscheiden. Der Kopf wäre froh über ein Remis. Das Herz träumt von einem deutlichen Auswärtssieg. Und der Bauch, der alte Realoptimist, fühlt einen knappen, ja, einen schmutzigen Sieg der glorreichen Fortuna gegen den Aufsteiger, sowas wie 2:1…

2 Kommentare

  1. Stadionbier am

    Daniel Ginzcek für welchen Fall genau?
    Läuft die Sperre nach 90 Minuten ab und er kann in der Nachspielzeit eingewechselt werden?

  2. Rainer Bartel am

    Meine Güte, geht’s auch ohne Ironie? Der Fehler ist dank des freundlichen Hinweises eines freundlichen Lesers doch längst korrigiert.

Antworten

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