Analyse · Der 1. FC Nürnberg ist in der laufenden Saison so etwas wie ein zweieiiger Zwilling unserer geliebten Fortuna. Auch der Glubb hat den Kader mehr arrondiert als umgegraben, auch der hat einen jungen Trainer und auch die Nürnberger wollen dieses Jahr einen frischen, offensiven Fußball pflegen. Außerdem hat es bei den Nürnbergern auch noch nicht zu hundert Prozent hingehauen, denn nach zwei Partien stehen zwei Unentschieden zu Buche: ein unbefriedigendes daheim gegen Aue und ein überzeugendes auswärts in Paderborn. Problem in beiden Spielen: eine nicht so dolle Chancenverwertung – und damit hätten wir die nächste Parallele. [Lesezeit ca. 4 min]

Vergleicht man die beiden Kader aber Punkt für Punkt, sollte man als Experte (unabhängig von irgendwelchen bescheuerten Marktwerten auf diesem unsäglichen Springer-Portal transfermarkt.de) zu der Ansicht kommen, dass die glorreiche Fortuna auf den meisten Positionen einen Hauch besser besetzt ist. Nun sind ja Heimspiele wieder Heimspiele, und auch wenn sich vermutlich mehr als 2.000 Anhänger der Diva auf den Weg an die Noris machen, wird das Club-Team sicher von den eigenen Fans getragen werden und aufspielen wie bei einem Heimspiel. Nicht nur die Zuschauer freuen sich auf diese Begegnung zweier echter Traditionsvereine, auch Spieler und Trainer üben sich in Vorfreude.

Der Spielplan

Nutzt aber alles nichts, wenn man gewinnen will. Da muss man sich einen Plan machen. Natürlich ist Trainer Christian Preußer bei der Pressekonferenz gestern nicht damit rausgerückt, der ist ja nicht doof. Aber ein paar Partikel Kenntnis des Gegners hat er fallengelassen. Wir wissen ja inzwischen, dass er ein penibler Analytiker des jeweiligen Kontrahenten ist und im Vorfeld mit dem Coaching-Team und den Videoanalysten intensiv diskutiert. Es wird ihm nicht verborgen geblieben sein, dass die Glubberer mit Möller Daehli einen brandgefährlichen Achter mit reichlich Zweitligaerfahrung in den eigenen Reihen hat, der in der Partie gegen Paderborn schon geglänzt hat. Den weitestgehend auszuschalten, wird eine wichtige Aufgabe sein.

Zweitens: So wie der FCN bisher in der Vorbereitung, im Pokal und in der Liga angetreten ist, werden sich die Rotweißen auf ein hohes Pressing mit agilem Umschaltspiel einstellen müssen. Dem kann man als Gastmannschaft am besten entgegenwirken, indem man das Mittelfeld abdichtet. Das geht auf mehrfache Weise. Entweder man besetzt es personell stärker als der Gegner, oder man operiert mit der horizontalen Verschiebung der Ketten. Dass die Stürmer jederzeit bereit sein müssen, an der Herrschaft mit Mittelfeld mitzuwirken, versteht sich von selbst.

Eine kleine Schwäche war bei den bisherigen Partien des Clubs ansatzweise zu erkennen: sie haben milde Probleme, Standardsituationen zu verteidigen. Es gilt also, möglichst viele Eckbälle rauszuholen und strafraumnahe Freistöße zu provozieren. Letzteres dürfte unseren offensiv orientierten Jungs nicht schwerfallen.

Das System und die Aufstellung

Auf Basis der Anmerkungen zum Spielplan sind drei Systeme vorstellbar: ein flaches 4-4-2, ein mutiges 4-3-3 und ein überraschendes 3-5-2; letzteres hat Preußer in der Vorbereitung einüben lassen, aber bisher noch nicht angewendet. Am wahrscheinlichsten dürfte das 4-3-3 sein, bei dem eigentlich nur Rouwen Hennings in der Spitze spielt und die beiden anderen auf den Flügeln jederzeit bereit sind abzukippen und ein Fünfermittelfeld zu formen. Außerdem böte diese taktische Grundordnung die Möglichkeit, Matthias Zimmermann an seine Wunschposition im Mittelfeld zu stellen.

Natürlich ist diese Variante erheblich defensiv, zumal Käpt’n Bodze dann wohl einen „Libero“ vor der Viererkette gäbe. Mit vielen Toren seitens der Fortunen ist dabei nicht zu rechnen, aber eine stehende Null könnten die Jungs auf diese Weise aller Wahrscheinlichkeit nach erreichen. Wobei natürlich das Quartett aus Appelkamp, Klaus, Peterson und Hennings schon auch Torgefährlichkeit entfachen kann.

So könnte ein 4-3-3 gegen Nürnberg aussehen

Aber das ominöse 3-5-2 hätte auch seinen Charme, wobei die verteidigende Dreierkette mit (von rechts nach links) Chris Klarer, Käpt’n Bodze und Dragos Nedelcu gesetzt ist. Auch hier würde nur Hennings einen echten Mittelstürmer spielen zu dem situativ Peterson von links oder Niklas Spinoski von rechts aufrücken. Keine Frage: Als Achter wird selbstverständlich Shinta Appelkamp antreten. Der Überraschungseffekt, den sich Ihr erheblich Ergebener hat einfallen, besteht darin, die zwei nominell offensive Außenverteidiger namens Leon Koutris und Khaled Narey als Außenläufer im Mittelfeld zu positionieren, jederzeit bereit mit den Kollegen davor eine Angriffsmacht zu bilden.

Wenn den Nürnbergern am eigenen Sechzehner plötzlich sechs Offensivwillige gegenüberstehen, könnten sie Muffensausen kriegen, und hinten steht zur Absicherung die Dreierkette. Diese Variante bringt einige Risiken mit sich, denn nach Ballverlust und schnellem Umschalten könnten die Franken problemlos gefährliche Konter fahren. Andererseits: Mit den drei Kollegen von der Defensivkette und den beiden eigentlichen Außenverteidiger lässt sich jederzeit eine Fünferreihe im Mittelfeld zelebrieren, die nur schwer zu überwinden ist.

Und das wäre ein unerwartetes 3-5-2 in Nürnberg aussehen

Auf jeden Fall auf die Bank gehören Eddie Prib und Kuba Piotrowski; je nach der Entwicklung der Partie könnten einer von ihnen mehr Druck nach vorne initiieren. Als Alternative für die Viererkette gehör auch Tim Oberdorf dazu, der sich beim Pokalspiel bewährt hat. Je nach Variante sitzen Flo Hartherz bzw. Leon Koutris in Bereitschaft. Und dann natürlich Dawid Kownacki, der später den erschöpften Hennings nach dessen drei Treffern (ha, ha!) ablösen könnte.

Der Tipp

Chefcoach Christian Preußer hat in der Pressekonferenz dankenswerterweise betont, bei der Begegnung im Max-Morlok-Tempel handele es sich weder um ein Schlüsselspiel, noch um eine „wegweisende“ Partie. Ist doch so: Ein Auswärtssieg katapultiert F95 nicht an die Tabellenspitze, eine Niederlage führt nicht geradewegs in die Abstiegszone, und ein Remis ändert schon gleich gar nichts. Für den 1. FC Nürnberg steht mehr auf dem Spiel, denn zwei Pünktchen aus drei Spielen bei einer Heimniederlage morgen könnten schon mildes Rumoren auslösen. Eigentlich müssen die gewinnen, und das macht den Fortunen die Sache leichter.

Ihr Ergebener geht davon aus, dass nicht sehr viele Tore fallen werden und hält ein 1:1 für das wahrscheinlichste aller Resultate. Könnte aber auch sein, dass die Buben mit dem F95 auf der Brust den Gegner ein paar Mal auskontern und vielleicht auch mal einen Fernschuss versenken oder einen direkten Freistoß einlochen; und einen Elfer kriegen wir ja diese Saison eh in jedem Spiel. Zusammengenommen ergibt das ein 3:1 für Fortuna Düsseldorf.

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