Das wunderbare 2:0 in Freiburg ist vergessen, der 3:3-Irrsinn gegen Hertha steckt dagegen noch in allen Hirnen, und der Schock der Pokalniederlage in Saarbrücken sitzt noch sehr, sehr tief. Und nun Mainz – der vielleicht schlechteste Gegner im Abstiegskampf. Also, rein theoretisch. Oder anders ausgedrückt: Der Kontrahent um den Platz 15, der selbst auswärts leichter zu schlagen wäre als Paderborn, Augsburg und der Äff-Zeh. Um möglicher Vorfreude entgegenzutreten sei gesagt, dass ja selbst ein Sieg in Karnevalshausen lediglich den Abstand auf den 1. FSV auf einen Punkt verkürzt. Ohne einen Heimsieg gegen Paderborn wären selbst diese erträumten drei Punkte nicht besonders viel wert.

Andererseits würde eine Niederlage in Mainz bedeuten, dass die geliebte Fortuna mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Ende einen der drei letzten Plätze einnehmen wird. Da helfen auch keine Motivationsfloskeln, von denen Trainer und Sportvorstand zur Zeit Massen in die Mikrofone der Medienvertreter hauchen. Was man ihnen nicht übelnehmen kann, denn die Schreib- und Sprechpuppen, die sich im Umfeld des getretenen Rundballs ihre kärglichen Brötchen verdienen, wollen sowas ja hören. Nein, wenn Rösler erklärte, ihm ginge der Arsch auf Grundeis, oder Pfannenstiel gäbe an, er mache sich große, große Sorgen, dann würden die Schurnalisten aber sowas von steil gehen und in fetten Lettern tönen, die Verantwortlichen hätten den Glauben verloren.

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Ehrlich gesagt: Stünde Ihr höchst ergebene F95-Analyst in der spochtlichen Verantwortung, hätte er die Hosen randvoll und könnte nachts eher selten schlafen. Eigentlich ist die Sache schon verloren, das kann man mit Hilfe eines einfachen Excel-Rechenblatts ermitteln. Aber (Achtung: Es folgt eine der teuersten Phrasen fürs Schwein): Die Hoffnung stirbt zuletzt. Will sagen, dass für Platz 15 in dieser Saison möglicherweise 32 Punkte reichen könnten und der glorreichen Fortuna eben “nur” elf davon fehlen. Dafür aber stehen noch Partien gegen die Bayern, das Konstrukt und den BVB an. Die beiden Heimspiele gegen Schalke und Hoffenheim wären noch gute Gelegenheiten für eine Punkteernte. Hilft also alles nix: In Mainz muss gewonnen werden.

Der Spielplan und das System

Der 1. FSV ist in der laufende Saison eine wandelnde Wundertüte. Die gewinnen auswärts gegen Dortmund und bei der Hertha, holen sich aber gegen Golfsburg eine Klatsche. Mal spielen sie 4-3-2-1, mal das komische 3-4-2-1. In einigen Partien entfesseln deren Stürmer ein Feuerwerk, bisweilen fällt allen Akteuren oberhalb der Abwehrkette gar nichts ein. Im Hinspiel waren die Meenzer so schwach, dass die Fortunen sie hätten aus der Arena schießen müssen. Dann kassieren sie ein 8:0 bei der Reklametruppe aus L.. Und Ende November gewinnen sie 5:1 in Hoffenheim. Du wirst nicht schlau aus denen – was möglicherweise das einzige Pfund ist, mit dem diese Mannschaft wuchern kann.

Die gute Nachricht dabei ist, dass die Fortuna mit ihrem Spielplan und der zugehörigen Aufstellung den Verlauf der Begegnung vorgeben kann. Manches spricht dafür, so mutig bzw. risikofreudig wie in Freiburg vorzugehen, also von Beginn an recht hoch stehen, ein aggressives Pressing zelebrieren, Ballverluste provozieren, um dann mit Flachpassspiel günstige Schusspositionen zu erreichen. Ja, vielleicht ist das sogar der einzig richtige Plan, auch wenn er ein wenig streng nach Hurra-Fußball riecht. Aber, die Mannschaft kann das auf die Wiese bringen, das hat sie unter Rösler mehrfach bewiesen. Auf Halten zu spielen, könnte am Ende ein Unentschieden einbringen, das nicht wirklich weiterhilft.

Natürlich eignet sich das vom Trainer innig geliebte 3-5-2 auch für einen solchen Spielplan. Nur wird der Gegner inzwischen wissen, dass die Fortuna seit dem Funkel-Ende immer so antritt. Mit ein bisschen Videostudium sollten die Kontrahenten auch die eher defensive und offensiven Varianten kennen. Wir wär’s also mit einer Überraschung? Zum Beispiel einem 4-4-2 mit Raute? Immerhin spricht Rösler ja von kontrolliertem Feuer. Vielleicht hängt deshalb die Sache mehr an der Aufstellung als am System.

Die Aufstellung

Tun wir also so als gäbe es wirklich ein 4-4-2 und beginnen ganz vorne. Zwei Varianten bieten sich an, die durch gezielte Aus- und Einwechslung beide möglich sind: Rouwen Hennings mit Kenan Karaman und Hennings mit Kelvin Ofori. Letzterer hat in der Katastrophenpartie in Völklingen angedeutet, wozu er in der Lage ist, braucht aber unbedingt Spielpraxis. Unterschiedlicher als Karaman und Ofori können Spielertypen kaum sein, was Überraschungseffekte möglich macht. Ihr Ergebener würde mit Karaman an Hennings’ Seite beginnen. Im Tor führt am immer besser werdenden Flo Kastenmeier kein Weg vorbei. Spannender ist da schon die Besetzung der defensiven Viererkette, in der Kaan Ayhan und Andre Hoffmann gesetzt sind. Wollen die Coaches dann doch wieder auf Dreierkette umstellen, geht das am besten, wenn Matthias Zimmermann den rechten AV gibt. Auf der anderen Seiten spricht vieles für Markus Suttner – mit Niko Gießelmann als Backup.

Entscheidend wird die Viererraute im Mittelfeld sein. Zumal die durch eine sanfte Formdelle bei Kevin Stöger möglicherweise nicht so brillant auftreten wird wie in manchen Partien zuvor. Von allen denkbaren Akteuren fällt einem als kreativer Zusatzkopf nur Marcel Sobottka ein. Links muss Erik Thommy ran, wenn ihn nicht noch ein Zipperlein erwischt. Und vierter Mann im Mittelfeldbunde müsste dann doch wieder Valon Berisha sein. In dieser Konstellation kann jederzeit auf Fünferkette umgestellt werden, indem Zimmermann nach vorne rückt. Ob Sobottka der skizzierten Aufgabe gewachsen ist, lässt sich debattieren – im Zweifel könnte an seiner Stelle wieder Alfredo Morales antreten.

Flexibles Reagieren auf den Spielverlauf sollte durch eine sorgfältig besetzte Bank ermöglicht werden, auf der Michael Rensing (anstelle des gesperrten Okoye) Platz nimmt. Dort sollten auch Gießelmann und Zanka sitzen. Fürs Mittefeld bieten sich neben dem ewigen Adam Bodzek beschrieben Sobottka oder Morales an. Im Sturm würde – wie erwähnt – zwischen Ofori und Karaman gewechselt. Der Fernschussstrake Tekpetey wäre als Einwechselspieler eine Option.

So könnte ein 4-4-2 (Raute) in Mainz aussehen

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