Bericht · Spätestens seit Deutschland 2007 zum zweiten Mal nacheinander Weltmeisterin im Frauenfußball wurde, genießt der weibliche Kick selbst im fußballtechnisch äußerst konservativen Deutschland eine gewisse Popularität. Dank des durchweg von alten weißen Männern beherrschten DFB hat es hierzulande viel länger als in anderen Ländern gedauert, bis Frauenfußball erlaubt(!), verbandsmäßig organisiert und gesellschaftlich anerkannt war. Das galt bis vor wenigen Jahren allerdings auch nur für das jeweilige Nationalteam; in der Bundesliga, die erst seit 1997 mit zwölf Frauschaften eingleisig betrieben wird, konnte man die Zuschauer*innen jahrelang an ein paar Händen abzählen. Vom Profifrauenfußball war die Sache noch weit entfernt. [Lesezeit ca. 4 min]

Und die „großen“ Clubs der Männer sahen es als nicht lukrativ an, Frauenteams in den Wettbewerb zu schicken. Bis 2012 der VfL Wolfsburg erstmals Vize-Meisterin wurde, dümpelte zum Beispiel der FC Bayern München mit seinen Frauen eher so im Mittelfeld herum. Die Erfolgsvereine hießen 1 FFC Frankfurt, FCR Duisburg und vor allem Turbine Potsdam. Außerdem hatte Freiburg bereits ein Team in der ersten Liga, und der HSV hatte einen kurzen, wenig erfolgreichen Anlauf unternommen. Und heute? Wolfsburg und die Bayern beherrschen die Bundesliga, Hoffenheim, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und Bayer Leverkusen sind dort vertreten, und seit 2015 verfügen 14 der 36 Vereine der obersten beiden Herrenbundesligen über Frauenteams in den oberen beiden Frauenligen. Weitere bekannte Vereine haben gerade Frauenfußballabteilungen gegründet oder dies angekündigt – nur bei unserer Fortuna herrscht seit Langem Schweigen zu diesem Thema.

Unterstützt TD!
Dir gefällt, was The Düsseldorfer über die Fortuna schreibt? Und vielleicht auch die Artikel zu anderen Themen? Du möchtest unsere Arbeit unterstützen? Nichts leichter als das! Unterstütze uns durch ein Abschließen eines Abos oder durch den Kauf einer Lesebeteiligung – und zeige damit, dass The Düsseldorfer dir etwas wert ist.

Auf der Mitgliederversammlung im Oktober 2014 hatte der damalige Aufsichtsrat Günter Karen-Jungen dafür plädiert, eine F95-Frauenfußballabteilung zu gründen, um baldmöglichst am Ligabetrieb teilzunehmen. Der Vorschlag wurde mit großer Mehrheit abgeschmettert. Die meisten Diskutanten fanden, der Verein habe in der andauernden Konsolidierung jener Tage Wichtigeres zu erledigen. Und die Kenner der Szene wiesen nicht ganz zu Unrecht daraufhin, dass eine F95-Frauenfrauschaft den engagierten „kleinen“ Vereinen in Düsseldorf und Umgebung, die schon seit Jahrzehnten Mädchen- und Damenmannschaften in den Wettbewerben hatten, möglicherweise das Wasser abgraben könnte.

Ihr enorm ergebener Fortunafreund hatte das Vergnügen, im Juni 2019 eine WM-Partie der deutschen Frauen in Valenciennes zu besuchen, und zwar in Begleitung eines Freundes, dessen Tochter sehr engagiert Fußball spielt. Auf der Hin- und Rückfahrt kamen wir immer wieder auf die Frage, warum es Frauenfußball bei der Fortuna nicht gibt. Also startete Ihr Ergebener vor ein paar Wochen eine Umfrage zum Thema. Die Frage lautete:

„Immer mehr Bundesligisten und besonders auch Traditionsvereine haben Abteilungen für Frauenfußball gegründet und investieren teilweise kräftig. Bei der Fortuna hatte das vor Längerem der damalige Aufsichtsrat Günter Karen-Jungen angeregt. Passiert ist bisher nicht. Kannst du dir / Können Sie sich vorstellen, dass sich auch F95 in nächster Zeit beim Frauenfußball engagiert?“

Antwort von Thomas Röttgermann, F95-Vorstandvorsitzender:
„Natürlich kann ich mir vorstellen, dass es in der Zukunft auch bei Fortuna Düsseldorf Frauenfußball geben wird. Bereits jetzt trainieren ja Mädchen in unserem Nachwuchsleistungszentrum. Der Grund dafür, dass ich auf Frauenfußball setze ist, dass ein Verein wie Fortuna Düsseldorf es nicht wirklich vertreten kann, die Hälfte der Bevölkerung – nämlich die Frauen – vom Leistungssport
auszuschließen.
Dass wir das wir das Projekt Frauenfußball zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angehen, liegt daran, dass uns derzeit die Ressourcen (Plätze und Finanzen) fehlen, um konsequent, konzeptionell und ambitioniert vorgehen zu können. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir in fünf Jahren spätestens auch im Frauenfußball präsent sein werden.“ [Hinweis: Röttgermann betont, dass dieses Statement die Meinung des gesamten Vorstands widergibt.]

Björn Borgerding, F95-Aufsichtsratsvorsitzender:
„Der Frauenfußball hat sich in den letzten Jahren toll entwickelt, und bereits jetzt trainieren regelmäßig Mädchen in unserem Nachwuchsleistungszentrum. Ich persönlich kann mir eine professionellere Aufstellung des Frauenfußballs bei unserer Fortuna sehr gut vorstellen. Wenn wir uns jedoch dafür entscheiden sollten, müssen wir es richtig machen und das geht nicht von heute auf morgen.“

Martina Voss-Tecklenburg, F95-Aufsichtsrätin und Trainerin der Frauenfußballnationalmannschaft:
„Natürlich würde ich mich freuen, wenn auch bei der Fortuna bald Frauenfußball gespielt wird. Es gibt im Großraum Düsseldorf bereits viele Angebote, und um bei der Fortuna Leistungssport für Frauen anzubieten, müssen zunächst die Voraussetzungen geschaffen werden. Wir haben als Club auch schon strategische Gespräche geführt, wie wir Frauenfußball bei der Fortuna in Zukunft angehen können.“

Sebastian Schmidt-Volf, Vorsitzender des F95-Ehrenrats und Vater einer kickenden Tochter:
„Unbedingt, und lieber heute als morgen. Fortuna ist ein Verein, der sich seiner Verantwortung in vielerlei Hinsicht bewusst ist, insofern ist es geradezu anachronistisch, dass ausgerechnet bei uns kein Fußball für Frauen möglich ist – im Gegensatz zu so ziemlich jedem anderen Proficlub und auch im Gegensatz zu den anderen Abteilungen unseres Vereins, die Frauen (selbstverständlich!) die Ausübung ihres Sports ermöglichen.
Die zentralen Probleme der Umsetzung lassen sich lösen, diesen Anspruch müssen wir einfach an uns haben. Wenn Training und Spiele aus Kapazitätsgründen nicht in Flingern möglich sind, dann eben woanders, zumindest für einen Übergangszeitraum. Im übrigen Düsseldorf wird es freie Plätze geben, sonst gibt es sie in Neuss, Ratingen oder Hilden. Man muss nur wollen. Der finanzielle Aufwand ist ohnehin gering, wenn nicht gerade die deutsche Meisterschaft angestrebt wird. Aber ein Team in der Regionalliga und eine U15 und U17 in der Niederrheinliga – also bitte, die dafür erforderlichen Mittel werden sich finden lassen. Auch Kooperationen mit anderen Vereinen sind denkbar, wobei es ohnehin wichtig ist, die kleineren Clubs, die seit vielen Jahren sehr gute Arbeit in diesem Bereich leisten, nicht unterzubuttern, sondern als Partner zu verstehen, weil das Ziel dasselbe ist: Starker Frauenfußball in Düsseldorf. Die Fortuna hat die Strahlkraft und alle Voraussetzungen, dies zu ermöglichen. Es ist an der Zeit!“

Antworten