Insassen konkurrierender deutscher Großstädte machen sich gern über das „Dorf“ in Düsseldorf lustig – sie haben nichts verstanden.

Lesestück · Niemand, der unsere schönste Stadt am Rhein je besucht hat, würde ihr einen dörflichen Charakter attestieren. Düsseldorf ist ohne Frage eine Metropole und belegt unter den deutschen Großstädten mit rund 620.000 Einwohnern in dieser Disziplin aktuell den siebten Platz (hinter Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main und Stuttgart). Bezogen auf die Fläche rangiert die NRW-Landeshauptstadt dagegen nur auf der siebzehnten Position, noch hinter Orten wie Chemnitz, Salzgitter und Erfurt. Das zeigt schon: Düsseldorf ist eine kompakte Großstadt. [Lesezeit ca. 3 min]

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Will man die Stadt mit dem ÖPNV von Nord nach Süd durchqueren, dauert das von Duisburg-Rahm (an der Grenze zu Angermund) bis zur Haltestelle Schallenstraße in Monheim im Schnitt eine Stunde und 15 Minuten. Das gilt so ähnlich auch für eine Reise von West (Vogesenstraße) nach Ost (Mettmann-Lindchen). Die K-Stadt mit den zwei Punkten bringt es auf eine Nord-Süd-Ausdehnung von gut 32 Kilometern, von West nach Ost sind es 24 Kilometer. In Düsseldorf sind es 26,5 und 18,5 Kilometer. Mit Berlin, München und Hamburg können beide NRW-Großstädte bei diesem Kriterium nicht mithalten.

Düsseldorf ist kompakt (Screenshot: maps.duesseldorf.de)

Düsseldorf ist kompakt (Screenshot: maps.duesseldorf.de)

Tatsächlich ähneln sich das Örtchen mit der Bahnhofskapelle ohne Uhr und unser niedliches Städtchen in mancher Hinsicht, nicht nur damit, dass beide am wunderbaren Vater Rhein angeordnet sind. Denn auch die Äff-Zeh-City hat einen kompakten Kern. Weil aber schon olle Konrad Adenauer singe Heimatstadt partout zur Millionenmetropole machen wollte, hat man alle Landgemeinden und Kleinstädte im Umfeld, die sich nicht rechtzeitig gewehrt haben, eingemeindet. Deshalb weiß keiner so genau, wo dieses Cologne anfängt und aufhört. Blöderweise hat Düsseldorf das teilweise nachgemacht und sich eine über die Jahrhunderte selbständige Gemeinde wie Angermund einverleibt. Und, ja, man war auch mal an Monheim dran.

Bronzemodell der Altstadt am Rathaus (Foto: TD)

Bronzemodell der Altstadt am Rathaus (Foto: TD)

Die Differenz zwischen D und K liegt also per Saldo bei rund 460.000 Personen und 180 Quadratkilometern. Nur kommt es auf den Vergleich mit der Zentrale der selbstbesoffenen Pfeffersäcke und dem kultur- und liebevollen „Dorf“ an der Düssel gar nicht an. Es geht um die Frage, warum Düsseldorf Besuchern den Eindruck einer enorm kompakten Stadt bietet. Das liegt mit Sicherheit daran, dass alles, was wichtig und interessant ist, in einem Umkreis von kaum zweieinhalb Kilometern angesiedelt ist – selbst der Flughafen ist nur 5,5 Kilometer Luftlinie von der Altstadt entfernt. Man muss nicht besonders gut zu Fuß sein, um per pedes vom Hauptbahnhof zum Ehrenhof zu kommen oder die Innenstadt von Friedrichstadt bis Pempelfort zu durchqueren. Alle wichtigen Museen liegen nie mehr als fünf(!) Fahrradminuten auseinander.

Steini's T-Bar am Kölner Tor in Gerresheim (Foto: TD)

Steini’s T-Bar am Kölner Tor in Gerresheim (Foto: TD)

Unsere geliebte kleine Großstadt ist also kein Dorf, weil es hier so dörflich zugeht, sondern, weil sie auf so wenig Fläche so viel zu bieten hat. Übrigens gilt das auch für die „Geheimtipps“ unter den Kneipen, Clubs und Veranstaltungs-Locations – selbst einen so feinen Ort wie Steini’s T-Bar in Gerresheim erreicht man aus der Stadtmitte mit jedem Verkehrsmittel in maximal einer halben Stunde.

Schumacher Oststraße, Schwemme (foto: TD)

Schumacher Oststraße, Schwemme (Foto: TD)

Unsere geliebte kleine Großstadt ist aber auch ein Dorf, weil hier jede:r jede:n kennt, zumindest dem Namen nach oder vom Sehen. Das liegt an der Vergangenheit (und teilweise Gegenwart) Düsseldorfs als Kunst-, Mode- und Werberstadt, in der sich die Szenen immer gern gemischt haben. Hier reden Banker nicht nur mit anderen Bankern, hier sitzen in der Hausbrauerei nach wie vor Kunststudenten neben Rechtsanwälten, junge Leute neben ollen Eingeborenen, VIPS neben Normalos. Das war schon immer so, und das wird auch so bleiben.

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