Analyse · Gehen wir mal davon aus, dass Cheftrainer Preußer neben den Vierketten-Systematiken nach dem grandiosen Sieg in Darmstadt regelmäßig, wenn nicht sogar überwiegend auf das 3-5-2-System setzen wird. Dies als Voraussetzung für die Überlegungen, auf welchen Positionen der aktuelle 29-Mann-Kader im Wintertransferfenster eventuell mit welchen Spielertypen verstärkt werden könnte. Dabei muss allerdings mitgedacht werden, dass es auch noch im kommenden Jahr mit Ausfällen durch Corona-Infektionen kommen kann. Das Grundproblem besteht darin, dass die Verantwortlichen nicht jede Verletzung vorhersehen können und dass es – wie im Fall von Käpt’n Bodze – manchmal unerwartet jemanden trifft, der sich in der laufenden Saison als quasi unverzichtbar erwiesen hat. Und natürlich spielt auch das Geld eine Rolle… [Lesezeit ca. 5 min]

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Ein Schlüssel zur finanziellen Gesundheit könnte dabei sein, Spieler zu verkaufen oder zu verleihen, um so Geld einzunehmen oder einzusparen. Aktuell – rechnet man Torwart Kai Eisele und den jüngst mit einem Profivertrag ausgestatteten Tim Oberdorf mit – besteht der Kader aus 29 Kickern. Weil man angesichts der Verletzung von Dennis Gorka eben Eisele als Keeper geholt hat, Flo Kastenmeier spätestens nach der Winterpause wieder einsteigen wird und sich Raffa Wolf bei seinen Einsätzen bewährt hat, besteht zwischen den Pfosten kein Handlungsbedarf.

Anders sieht das schon bei der Defensivabteilung aus. Nachdem der eigentlich als Außenverteidiger geholte Khaled Narey nun zurecht vorwiegend als Außenläufer eingesetzt wird, gibt es auf der rechten AV-Arbeitsstelle keine Alternative zum formschwankenden Matthias Zimbo Zimmermann. Den U23-Burschen auf diesem Posten, Takashi Uchino, hat Preußer schon einmal getestet, und nachdem beim Spiel der Zwoten gegen Wiedenbrück gestern neben dem Chefcoach auch die Vorstände Uwe Klein und Klaus Allofs auf der Tribüne saßen, ist anzunehmen, dass sich das Trio genau dafür interessiert hat, ob und wen man aus der U23 eventuell in die erste Mannschaft liften könnte – Takashi gehört sicher dazu. Und trotzdem wäre es sinnvoll, sich zumindest nach einem Leihspieler als rechtem Außenverteidiger umzusehen.

Am linken Ende einer Viererkette stehen mit Flo Hartherz und Leonardo Koutris zwei Kollegen im Kader, die beide als Außenverteidiger funktionieren, wenn sie sich auch in fast jeder Hinsicht unterscheiden. Solange sich keiner von beiden verletzt, muss auf dieser Position kurzfristig niemand neues geholt werden. In der Innenverteidigung gibt es – zumindest theoretisch – ein Überangebot, was grundsätzlich für eine Dreierkette spricht. Tatsächlich sind aber aktuell nur Chris Klarer und Tim Oberdorf als Tandem gesetzt; Andre Hoffmann wird mit seiner Kopfverletzung weiter ausfallen, Bodzek, der einen furiosen „Libero“ in der Dreierkette gegeben hat, kann auch bis zu 10 Wochen nicht mittun.

Nun gibt es mit Jamil Siebert, der aus der Corona-Quarantäne zurückkommt, und dem rumänischen Nationalkicker Dragos Nedelcu zwei Kandidaten, die grundsätzlich in die Innenverteidigung rücken könnten, ganz unabhängig von der Systematik. Während bei Jamil immer noch fraglich ist, ob er mental bereit ist für den Zweitligakampf, kann Dragos IV spielen, macht es aber ungern. In der Zwoten bietet sich niemand für diese Position an. Außer natürlich Nikell Toglou, der ja schon einen Profivertrag hat und aktuell nicht verletzt ist. Die Frage ist nur, ob Preußer im Notfall wirklich eine Dreierkette mit zwei oder gar drei Zwanzigjährigen bauen möchte. Heißt: Sollte man einen erfahrenen, stabilen und abgeklärten IV um die 30 leihen können, sollte man das tun.

Wenig keinen Sinn macht es, irgendeinen Spieler zu holen, nur weil er gerade umsonst oder für ganz kleines Geld zu leihen oder zu kaufen ist. Auch nicht im Mittelfeld, das durch die Verletzungen von Adam Bodzek und Shinta Appelkamp nicht nur personell geschwächt ist, sondern ohnehin merkwürdig unausgewogen daherkommt. Die Dreierkonstellation gegen Darmstadt, also Cello Sobottka, Kuba Piotrowski und Ao Tanaka sah ja schon ziemlich gut aus – auch weil sie die drei Kerle in der sich durch das 3-5-2 ergebenden Grundordnung extrem wohl fühlten. Besonders Cello profitierte enorm davon, dass Bodze in die Abwehrkette rückte. Und dass Shinta Appelkamp je nach Gegner anstelle von Tanaka oder Piotrowski mindestens genauso gut wäre, steht außer Frage.

Weil Felix Klaus, wenn er spielt, eher einen Außenstürmer macht, der sympathische Eddie Prib nun wirklich krachend gescheitert ist und auch Thomas Pledl unverletzt eher außen rumtobt, fehlt eine echte Alternative für die Insassen der beschriebenen Viererbande. Auch hier spricht alles für eine Leihe, dieses Mal aber eher mit Kaufoption. Der Kandidat sollte eine Mischung aus Cello und Kuba sein und idealerweise im besten Fußballalter. Vielleicht wäre dies auch der Posten für den Typ Führungsspieler, der Prib leider nie war. Vergessen sollten wir auf keinen Fall Phil Sieben, der in der Zwoten schon glänzende Partien geliefert hat und auch schon in der Ersten mitmachen durfte.

Bei den Stürmern, die heutzutage eher dem Mittelfeld zugerechnet werden und die Ihr ergebener Beobachter gern ganz altmodisch „Außenläufer“ nennt, ist der Kader auch nicht wirklich im Gleichgewicht. Hätte Uwe Klein nicht das große Los in Gestalt von Khaled Narey gezogen, hätte die Fortuna der Saison 2021/22 hier ein erhebliches Problem. Sowohl Kris Peterson als auch Felix Klaus leiden unter Leistungsschwankungen. Die Jungspunde Tyger Lobinger und Nicklas Shipnoski sind eher keine Flügelhelden, hängen von ihrem Typ her momentan ohnehin zwischen den Stühlen. Man stelle sich vor, sowohl Khaled als auch Kris wären gleichzeitig verletzt – was dann? Felix Klaus auf links und Emma Iyoha auf rechts? Optimal wäre es hier einen beidfüßigen Spieler zu finden, der strikt als Außenstürmer agieren kann und will und zwar auf beiden Flügeln. Für den Sturm bietet sich generell Ephraim Kalonji aus der U19 an, den man auch systematisch ans Profiteam heranführen könnte, wo er speziell auf dem linken Flügel nützlich wäre.

Christian Preußer stand in dieser Saison eigentlich immer vor der Frage: mit einer oder mit zwei Spitzen? Beim 3-5-2 erledigt sich dieses Problem von selbst, und dann ist olle Rouwen Hennings einfach gesetzt, weil er in diesem System wieder viel öfter im Strafraum herumwuseln und knipsen kann. Prinzipiell ist Emma Iyoha die ideale Ergänzung; leider sieht es noch nicht so aus, als ob er sein Talent in dieser Position voll und ganz abrufen kann. Warum genau die Trainer nicht stärker auf Robert Bozenik setzen, ist nicht wirklich klar. Und wenn sich das nicht ändern wird, dann sollte man den guten Robert schon im Winter wieder ziehen lassen. Stattdessen könnte Preußer überlegen, statt Emma auch mal Lex oder Nicklas in die Startelf zu schicken, um neben Rouwen als Spitze zu agieren. Es müsste schon ein echter Kracher als Sturmspitze sein, für den es sich ernsthaft lohnt, Geld als Leihgebühr auszugeben…

Natürlich schauen sich Uwe Klein und seine Scouts immer auch bei den aktuell vereinslosen Spielern um. Manchen hat man in der Vergangenheit schon angeboten, bei der Fortuna mitzutrainieren, aber außer bei Kai Eisele hat sich da seit Längerem nichts ergeben. Fassen wir zusammen. Für folgende Positionen wären Verstärkungen in der Winterpause wünschenswert:

  • ein rechter Außenverteidiger (Kauf)
  • ein erfahrener Innenverteidiger (Leihe)
  • ein multifunktionaler Mittelfeldmann (Leihe mit Kaufoption)
  • ein beidfüßiger Außenstürmer (am besten ablösefrei)

Zurückgeben sollte man also Robert Bozenik, der wohl keine Chance mehr bekommt, jedenfalls nicht so kurzfristig, dass er nützlich werden könnte. Sollte sich ein Drittligist für Eddie Prib interessieren, sollte man ihn gehen lassen. Aus Solidaritätsgründen hat man Tony Pledls Vertrag verlängert; dass er in der nächsten Saison noch eine Rolle spielen wird, ist zweifelhaft. Also könnte man ihn auch freigeben, wenn sich ein Interessent findet. Zu einem Problem à la Kelvin Ofori könnte Nicklas Shipnoski werden, der einfach viel zu selten eingesetzt wird. Wäre vielleicht nicht schlecht, ihn bis zum Ende der Saison zu verleihen. So könnte ein paar Euro an Gebühren und Gehältern eingespart werden.

1 Kommentar

  1. Carsten Solbach am

    Ich würde Peterson als Sturmpartner neben Hennings sehen da er einen sehr guten Abschluss mit rechts hat und auch gerne abschließt sowie Zug zum Tor hat
    Iyoha würde ich dafür auf Linksaußen setzen da er mit seiner Dynamik und Fähigkeit zu Flanken gut aufgehoben wäre
    Hat dieses in seinen früheren vereinen bewiesen
    Pledl würde ich einen zwei Jahresvertrag mit leicht reduzierten Bezügen anbieten
    Denn in denn kommenden beiden Jahren in der zweiten Liga wird er es mit Leistung zurück zahlen auf Rechtsaußen
    Ansonsten hätte sein Jahresvertrag keinen Sinn gemacht da er von diesem Jahr 2/3 nicht unter 100 % Leistung teilnehmen konnte

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