5 Fragen an: Marcus „Opa“ Haefs, Stadion-DJ und Sänger der Punkband Cashbar Club

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Kurze Anekdote: Wir sitzen in kleiner Runde beim Bier im Schumacher, dabei auch Marcus „Opa“ Haefs. Da tritt eine gutaussehende Frau an den Tisch und fragt auf Englisch mit spanischem Akzent: „You are Opa? Singer of Cashbar Club?“ Und dass, wo Fußball-Fans in ganz Deutschland uns Fortuna-Anhänger um den Musikbeauftragten und Stadion-DJ beneiden – als Sänger der Punkband Cashbar Club scheint er über Deutschlands Grenzen hinaus berühmter. Der besagte Neid kommt daher, dass Opa in der Arena eben nicht die üblichen Rumm-ta-ta-Sachen und Chart-Produkte spielt, sondern ausgewählte Musik zwischen Punk, Rock, Fortuna-Liedern und hiesigen Karnevalsschlagern. Je nach Gastmannschaft bringt er dann auch schon einmal musikalische Seitenhiebe unter. Dafür ist er in Düsseldorf berühmt, bei Projekten wie RB Leipzig aber eher berüchtigt.

Berüchtigt ist auch der Cashbar Club, der einen Verweis auf des Opas große musikalische Liebe im Namen trägt: The Clash. Und zwar für enorm kraftvolle Auftritte und für eigene, deutschsprachige Texte, die keinen Vergleich scheuen müssen – zum Beispiel der von Marcus Haefs getexte Song „Kein schöner Land“. Dieses Lied steht in der Tradition der Musik, für die Düsseldorf seit den Achtzigerjahren überall bekannt ist. Kein Wunder, dass Opa mit den Musikern der Toten Hosen und all den anderen aus der Szene der Punkmusik befreundet ist. Schließlich zählt er selbst zum Urgestein dieser Szene, die ihn schon als ziemlich kleinen Rotzig in ihren Bann geschlagen hat. Wir haben Opa über die Musik im Allgemeinen und seine Band Cashbar Club im Speziellen befragt.

Kurzbiografie: Marcus „Opa“ Haefs, der diesen Spitznamen schon seit 1983 mit sich herumträgt, ist seit 2005 mit vollem Einsatz Musikbeauftragter von Fortuna Düsseldorf und Sänger der Band Cashbar Club. Er wurde am 22.06.1969 in Düsseldorf geboren und ist überzeugter Düsseldorfer. Sein Geld verdient er mit Schreiben und Texten im Bereich PR. Die Veröffentlichung seines erstes Buch „Das war schon alles?“ mit Kurzgeschichten fiel einem Festplattencrash zum Opfer. Den Cashbar Club hat er 2010 zusammen mit dem Gitarristen Dude (Ex-Male, die erste Punkband Deutschlands) und dem Drummer Sven gegründet. Die Band war Support von Die Toten Hosen, Slime, The Lurkers, Wölli & die Band des Jahres, The Boys und einigen anderen.

Frage: Punk ist tot, aber die Punkmusik scheint quicklebendig – wie kommt das?
Antwort: Ich weiß gar nicht, ob Punk wirklich tot ist. Für die große Öffentlichkeit sicherlich und auch die Wucht der vergangenen Zeiten ist sicher nicht mehr da, aber im kleinen rumort das immer noch vor sich hin. Und die Musik ist eben noch wichtig. Kurze schnelle Songs mit schönen treibenden Melodien und Texten, die eben mal was anderes abhandeln als der übliche Kram. Rock´n´Roll wird ja auch immer wieder totgesagt und lebt trotzdem. Der Bedarf nach so einer Musik nimmt vielleicht immer mal etwas ab, aber ein Grundbedürfnis wird es immer geben. Insofern werden Punkbands die Allgemeinheit auch in Zukunft noch nerven. Und das ist schön zu wissen.

Opa und der Cashbar Club (Foto: David Young)

Opa und der Cashbar Club (Foto: David Young)

F: Deine Band, der Cashbar Club, spielt jetzt am Donnerstag auf der Kirmes – Punk goes Brauchtum?
A: Hahahah, nicht wirklich. Wir schauen ja immer mal gerne, was es abseits des Weges für uns Interessantes gibt. Und in anderen Ländern sind diese Berührungsängste zwischen „Volksmusik“ und Rock´n´Roll ja nicht so extrem wie in Deutschland. Ich hätte kein Problem auch mal eine Karnevalsnummer zu schreiben. Man muss ja nicht den üblichen sexistischen Mist singen oder immer wieder betonen, wie schön Düsseldorf ist. Zudem spielen wir ja auch auf der Kirmes keine üblichen „Stimmungshits“, sondern schon unseren Kram. Alles andere würde auch keinen Sinn machen. Also, am Donnerstag (20.07.), 19 Uhr, mal bei der Bühne von Center TV vorbeischauen.

F: Wann kommt denn das erste Album vom Cashbar Club nach der EP von 2015?
A: Im November geht es endlich in die Prinicpal Studios für die Aufnahmen. Wir hoffen, dass wir dann zum Jahresbeginn 2018 die Scheibe raus bringen. Unser Problem: Die Band läuft ja neben den normalen Jobs. Und da wir dann auch noch relativ oft gespielt haben, war es für uns schwer, neue Stücke zu schreiben, die auch intern von allen akzeptiert werden. Da ist viel in der Mülltonne gelandet, aber jetzt nähern wir uns der Sache so an, dass wir zufrieden sind.

Opa mit Wölli, dem viel zu früh verstorbenen Ex-Drummer der Toten Hosen

Opa mit Wölli, dem viel zu früh verstorbenen Ex-Drummer der Toten Hosen

F: Du schreibst deutsche Texte selbst, darunter Perlen wie „Kein schöner Land“ – ist das Schreiben Spaß oder Quälerei?
A: Mehrheitlich Spaß. Aber einen Text zu schreiben, den ich auch noch einige Monate später wirklich gut finde, ist härtere Arbeit als sich mancher vorstellen kann. Und dann kann das Texten zur Quälerei werden. Erst recht, wenn irgendwelche Daten für Veröffentlichungen oder ähnliches anstehen. Zeitdruck ist nicht immer der beste Ratgeber. Aber am Ende ist man glücklich, wenn einem andere sagen: Schöner Song.

F: Welche drei Musikgenres außer Punkmusik sind dir besonders wichtig?
A: Erstens Rock, besonders aus den 60ern und 70ern. Da gibt es unglaublich viele Perlen von „Garagenbands“, die viel zu schnell in Vergessenheit geraten sind.
Zweitens Reggae und Ska. Ich fasse die mal zusammen, obwohl das nicht richtig ist und Puristen jetzt aufheulen werden. Aber was da an Energie rüberkommt, ohne unbedingt schnell gespielt zu sein – unglaublich.
Drittens Hiphop und Crossover. Ich habe Anfang der 90er mein erstes Hiphop-Konzert in New York besucht. Das fand in so einer Garage an der Lower East Side statt. Und danach spielte dann eine Band, die Rock und Hiphop zusammenbrachte. Ein unglaublicher Moment, was da für eine Wucht rüberkam. Rage Against The Machine wäre so ein Beispiel.
Frage an alle: Darf man Hip hop Bommi Bop eigentlich als erstes Crossover bezeichnen?

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1 Kommentar

  1. Hihi, Bommi Bop hatte ich ja total vergessen. Das kann man durchaus schon als Crossover bezeichnen.

    Ich war ja in den 90ern ein großer Fan dieser Musikrichtung und Rage Against The Machine haben bei mir auch so ein Aha-Erlebnis ausgelöst. Ein weiterer Türöffner dieser Musikrichtung war der Soundtrack zum Film „Judgement Night“, wo bekannte Größen der Stromgitarrenfraktion zusammen mit bekannten Größen der hüpfenden Fraktion musizierten.

    So ganz neu war das aber nicht. Bereits in den 80ern gab es die erfolgreichen Projekte „Walk This Way“ von Rund DMC & Aerosmith sowie „Bring the Noise“ von Public Enemy & Anthrax.

    Diese kamen aber auch erst nach Bommi Bop. Somit waren die Hosen wohl tatsächlich die ersten. 😉

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