10 klassische Ausflugsziele, die jeder Düsseldorfer kennen sollte (2)

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In der ersten Folge haben wir Schloss Burg, die Feste Zons und die Burg Linn in Krefeld vorgestellt. Heute geht es um drei näher gelegene Ziele für den klassischen Sonntagsausflug, den man allerdings bei den sehr beliebten Orten besser unter der Woche oder in den Schulferien unternimmt. Beginnen wir mit dem Neandertal und einem Text, der in voller Länge bereits 2011 in der Rainer’schen Post erschienen ist.

[4] Das Neandertal

Wisent im Wildgehege Neanertal

Wisent im Wildgehege Neanertal

Immer wenn ich über den Neandertaler nachdenke, frage ich mich, ob man das Neandertal immer noch mit TH schreibt. Und das, weil es mal diesen Spaßsong vom Neanderthal Man gab, wo die Sänger ihn mit einem Tieätsch aussprachen. Nun ist man als Düsseldorfer in Kinderjahren möglicherweise mit Neandertal nicht unter Zigmal bestraft worden, was in den 50ern und 60ern auch „Sonntagsfamilienspaziergang“ hieß. Und so fahren wir da eher nicht hin. Eine grundlose Inspiration brachte uns aber heute in das nämliche Tal und seine angeschlossenen Hügel. Ziel war das so genannte, schon seit zig Jahren existierende Wildgehege, in dem diverse ausgestorbene Tiere herumstrolchen. Dazu später mehr. Ausgangspunkt war der Parkplatz gegenüber des zigfach preisgekrönten Neandertalmuseums (das sich selbst übrigens mit TH schreibt). Nach allem was man weiß, ist das weniger ein Museum als vielmehr eine Art urzeitaffine Hüpfburg mit allerlei multimedialem Schnickschnack. Da ziehe ich die ungeschlachte Skulptur gegenüber vor. Die hat 1928 ein Stukkateurmeister mit den eigenen Händen gegipst, ohne zu ahnen, was er damit anrichtete. Denn über Jahrzehnte inspirierte sein frei erfundenen Neandertaler-Porträt die Menschen weltweit und prägte bis vor kurzem die kollektive Vorstellung davon, wie diese Verwandten des Homo Sapiens aussahen.

Als ich noch klein war und von den Eltern ins Neandertal geschleift wurde, lag noch kein Urzeitfantasieland in der Luft. Leute, die es wissen müssen, berichten, dass man die Gegend rund ums Museum an Wochenenden weiträumig umgehen sollten, weil sich bei gutem Wetter eine Mischung aus Vergnügungspark und Bad Hönningen böte. Der brachiale, heute von nur einem Gefährt besetzte Busparkplatz lässt das befürchten. Andererseits wissen dieselben Quellen auch, dass sich nur eine kleine, radikale Minderheit an schönwettrigen Wochenenden weiter in die Wildnis bewegt als bis zu den legendären Neanderstuben. Dort nahm man früher Kaffee („Draussen nur Kännchen!“) und gedeckte Apfeltorte zu sich. Drinnen ist es eher düster, was aber in der kalten Jahreszeit was für sich hat.

Google Map: Das Neandertal

Google Map: Das Neandertal

Und als Ausgangspunkt für Wanderungen eignet sich der besagte Ort wunderbar. Wir nahmen heute den Rundweg rund um das Wildgehege, eine Angelegenheit von nicht ganz fünf Kilometern. Die Anlage selbst besteht aus mehreren, weiträumigen Weiden und ist massiv umzäunt. Zunächst geht man ins Tal der Düssel hinein. Und dann sucht man die Viecher. Aber mit denen verhält es sich wie mit manchen Tieren im Zoo: Die verstecken sich. Um genau zu sein: Das Verhältnis Viecheranzahl zur Fläche ist einfach ungünstig für zoophile Spanner. Dann kreuzt man den Bach, der der schönsten Stadt am Rhein seinen Namen gab, und erklimmt über zig Stufen den Kamm der gegenüberliegenden Hügelkette. Und dann sieht man sie.

Die Wisente sehen aus wie Bonsai-Büffel, aber sehr echt. Tatsächlich handelt es sich um Nachzüchtungen von Rindern mit genetischem Wisent-Material. Weiter oben lagert eine Herde Auerochsen. Die sind aber tatsächlich ausgestorben, und bei den hier lebenden Tieren handelt es sich um eine optische Rekonstruktion durch Kreuzung verschiedener Kuhsorten durcheinander. Hier hat man den höchsten Punkt der Reise erreicht. Im Rücken düst die Regiobahn vorbei, und in der Ferne erkennt man eine der heute noch in Betrieb befindlichen Kalkgruben von Wülfrath. Wenige wissen, dass es die Baustofftechniker der Firma Wülfrather Kalk waren, die den modernen Beton erfunden haben bzw. den klassischen Beton, der im achtzehnten Jahrhundert aufkam, weiterentwickelt haben. Und der Kalkabbau rund ums Neandertal war es, der zu diesem sensationellen Knochenfund im Jahr 1856 führte.

Diese Entdeckung und viele weitere Funde in den Folgejahren veränderten die Anthropologie drastisch und lösten allerlei filosofisch-religiöse Debatten aus. Wir in den Fuffziger geborenen Menschen lernten in der Volksschule noch, dass der Neandertaler der Vorfahre des modernen Menschen sei. Heute ist man schlauer: Beide Arten haben wohl parallel existiert, und der Neandertaler war so zu sagen der Loser. Wobei allerneuste Forschungen mutmaßen, der Neuzeitmensch trage auch genetisches Neandertaler-Material in sich, das durch Mischehen entstanden sein könnte. Witzige Vorstellung, dass die nur noch gering behaarte, zarte Menschin auf den bärig-groben Neandertaler reinfällt und sich von dem ein Blag andrehen lässt…

Das sind so Gedanken, die einem bei dieser Kurzwanderung durch den Kopf gehen. Apropos: Von selben Startpunkt aus lassen sich weitere Rundgänge vollführen – die Länge variiert zwischen knapp drei und fast zwölf Kilometern. Und wer von Düsseldorf aus lieber per Schiene oder Bus anreist, dem sei gesagt:
RegioBahn (S28): Kaarst – Neuss – Düsseldorf – Mettmann: Haltestelle Neanderthal
S-Bahn (S8): Mönchengladbach – Düsseldorf – Hagen: Haltestelle Hochdahl
Buslinie 741: Mettmann – Hilden: Haltestelle Neandertal, unmittelbar vor dem Museum
Buslinie 743: Mettmann – Erkrath: Haltestelle Neandertal, unmittelbar vor dem Museum

[5] Wildpark im Grafenberger Wald

Im Wildpark im Grafenberger Wald (ca. 1959)

Im Wildpark im Grafenberger Wald (ca. 1959)

Der absolute Klassiker unter den innerstädtischen Ausflugszielen ist sicher der Wildpark im Grafenberger Wald. Das Gehege wurde schon 1927 angelegt und mit Hirschen, Rehen und Wildschweinen bestückt. Besucher kommen dem Wild teilweise recht nahe, aber die Viecher können sich auch gut zurückziehen, wenn ihnen die Gaffer auf den Zwirn gehen. So war das in den Fünfziger- und Sechzigerjahre. Weil aber die Entertainment-Ansprüche stiegen, wurden mehr Tiere angeschafft. Inzwischen gibt es verschiedenste Vögel, die teils frei zwischen den ebenfalls ungezähmt umherschweifenden Rehen durch die Gegend watscheln, Wildkatzen, Füchse und Waschbären – die allerdings wie in einem Zoo präsentiert werden.

map_wildBei aller Modernisierung: Das absolute Highlight stellt die große Wildschweinrotte dar, wenn die Sauen gerade Frischlinge haben. Weil die Schweine über Generationen an Menschen gewöhnt sind, tummeln sie sich gern direkt am Zaun und lassen sich gern füttern. Das ist ausdrücklich erlaubt. Allerdings nur mit schweinegerechter Rohkost (Äpfel, Kohlrabi, Möhren, Kartoffeln, Kastanien, Eicheln etc.). Früher brachten Familien mit Vorliebe Spaghetti und Maccaroni mit, aber inzwischen ist das verfüttern von Nudeln explizit untersagt. Trotzdem: Gerade noch nicht schulpflichtige Kinder haben an diesem schönen Ort viel Spaß.

Allerdings ist solch ein Besuch im Wildpark ein eher kurzes vergnügen. Selbst wenn man alle Wege in aller Ruhe abschreitet und hier und da verweilt, wird sich auch die tierliebste Familie kaum mehr als eine Stunde im Gehege herumtreiben. Deshalb bietet es sich an, den Wildpark als Ziel einer kleinen Bergwanderung anzusteuern. Dann steuert man per Bahn (U73, U83 oder 709) den Staufenplatz an und erklimmt über den Weg, der neben der Jan-Wellem-Quelle an der Ernst-Poensgen-Allee den Rücken des Grafenberger Waldes. Von dort aus führen verschiedene Pfade Richtung Rennbahn und damit auch zum Wildpark. Ansonsten liegt der ÖPNV mit der Haltestelle Auf der Haardt / LVR-Klinikum (ebenfalls U73, U83 und 709) rund einen Kilometer vom östlichen Eingang des Wildparks entfernt. Für Pkwisti gibt es einen relativ großen Parkplatz am Haupteingang. Hunde dürfen leider, selbst wenn sie angeleint wären, NICHT in den Wildpark.

Der Eintritt ist frei – hier die Öffnungszeiten:
15. Januar bis 15. Februar von 9 bis 17 Uhr
16. Februar bis 31. März von 9 bis 18 Uhr
mit Beginn der Sommerzeit spätestens ab 1. April bis 30. September von 9 bis 19 Uhr
1. Oktober bis 31. Oktober von 9 bis 18 Uhr
mit Beginn der Winterzeit, spätestens ab 1. November bis 1. Dezember von 9 bis 17 Uhr
2. Dezember bis 15. Januar von 9 bis 16 Uhr

[6] Blauer See

Märchenzoo am Blauen See in Ratingen ca. 1962

Märchenzoo am Blauen See in Ratingen

Seit Jahren bemühen sich die Betreiber, alles rund um den Blauen See als „Erlebniswelt“ zu vermarkten. Aber so richtig attraktiv und aufregend ist das ganze Ensemble rund um diesen eigentlich idyllischen Grundwassersee im Norden Ratingens nie geworden. Eigentlich handelt es sich um einen aufgegeben Kalktagebau, dessen Hauptgruppe ab den Dreißigerjahren vollgelaufen ist. Drumherum gibt es viel, viel Wald. Aber erst nach dem Krieg kam man auf die Idee, hier Freizeit anzusiedeln. Hauptsächlich in Form der so genannten „Naturbühne„. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein besonders schönes Freilufttheater, das mal für seine Karl-May-Stücke weithin bekannt war. Ganz im Stil von Bad Segeberg tobten Old Shatterhand und Winnetou um den See herum; allerlei Pferde waren im Einsatz, und es wurde wild umhergeballert. Heute stehen dagegen der Räuber Hotzenplotz und Pippi Langstrumpf auf dem Spielplan.

Google Map: Blauer See in Ratingen

Google Map: Blauer See in Ratingen

Eine typische Attraktion aus den Sechzigerjahren stellt die Minieisenbahn dar, die sich bei Kindern unter zehn Jahren unverändert großer Beliebtheit erfreut. Auch wenn der ursprüngliche Bahnhof dem Sturm „Ela“ zum Opfer fiel, hat die Anlage doch eine erheblich nostalgische Ausstrahlung. Das gilt noch viel mehr für den Märchenzoo. Der entstand in den frühen Fünfzigerjahren als merkwürdige Kombination aus Bauwerken, denen Märchen zugeordnet sind, und passendem Kleinvieh. Zwischenzeitlich waren die Exponate dermaßen angeranzt, das die ganze Sache beinahe nach Geisterstadt aussah. Aber immer wieder finden sich Betreiber, die alles mit viel Leidenschaft und Fleiß wieder herrichten. Und wer mit Kindern dorthin geht, die mit den Grimm’schen Märchen vertraut sind, wird strahlend Augen erleben.

Bestückt ist der Zoo mit einem legendären Esel. Den gab es schon immer, und der ist quasi Leitfigur der Einrichtung. Es gibt Ziegen, Wildschweine, Kaninchen, Meerschweinchen und allerlei Federvieh. Hunde sind willkommen, müssen aber angeleint bleiben. Picknicken mit mitgebrachtem Essen und Getränken ist ausdrücklich gestattet, und am Eingang gibt es einen Kiosk, wo der Opa den Enkeln traditionell ein Eis spendiert. So hat die „Erlebniswelt“ am Blauen See in den Zeiten der Vergnügungsparks á la Fantasialand einen ganze besondern Charme, den man sonst an Ausflugszielen kaum noch findet.

Nutzer des ÖPNV reisen mit der S6 bis zum Bahnhof Ratingen Ost, wo sie in den Bus 773 Richtung Hösel nehmen und an der Haltestelle „Blauer See“ aussteigen.

In der letzten Folge stellen wir dann das Kloster Knechtsteden samt Forst, das Schloss Dyk, die Stinder Mühle und das zugehörige Bachtal sowie die Museumsinsel Hombroich vor.

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1 Kommentar

  1. Auch hier kann ich wieder sagen, been there, done that. Aber der blaue See in Ratingen wirkte bei unserem Besuch vor ein paar Jahren völlig aus der Zeit gefallen und trist, allein die Tretbootfahrt vermochte zu begeistern. Vielleicht waren die beiden Mädels mit neun, zehn aber auch schon aus dem geeigneten Alter raus, jedenfalls lag es nicht daran, dass sie Phantasialand- oder Disneyworld-verwöhnt gewesen wären.

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