5 Fragen an: André Scheidt, Fortuna-Stadionsprecher und Moderator mit Leib und Seele

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Zum ersten Mal erlebt habe ich André Scheidt bei meinem einzigen Versuch, Spaß am Public Viewing zur WM 2006 im Paul-Jane-Stadion zu haben. Die Tausenden auf dem Rasen hatten Freude, und André hatte einen nicht ganz kleinen Anteil daran. Dass es derselbe Sprecher war, der als Moderator beim Neusser Lokalradio schon ziemlich beliebt war, wussten die meisten auf unserer Seite des Rheins nicht. Zum zweiten Mal bin ich ihm dann wenige Wochen später begegnet. Fortuna hatte zur Saisoneröffnung 2006/07 die kubanische Nationalmannschaft an den Flinger Broich geladen, und weil der seit 2003 amtierende Stadionsprecher Ilja Ludenberg im Urlaub war, fragte der Verein eben bei diesem frischen Kerl, der ja zu allem Überfluss auch noch F95-Fan war, an, ob er nicht die Moderation übernehmen wolle. Wie es der Zufall will, war ich es, der ein Erinnerungsfoto von ihm auf dem Rasen schoss. Wer genau dann auf die Idee kam, aus den beiden so unterschiedlichen Typen ein Stadionsprecherduo zu machen, ist nicht überliefert.

André Scheidts persönliches Logo

André Scheidts persönliches Logo

Jedenfalls entstand so ein Tandem, wie es in deutschen Stadien der höheren Ligen wohl einmalig war. Bis zum Ende der Saison 2014/15 unterhielten und informierten Ilja und André die Zuschauer in der Arena gemeinsam. Dann ging Ilja andere Wege, und sein Kollege mit den wenigen Haaren geht es ab kommenden Samstag schon in seine 13. Saison als Stadionsprecher. Gut, an den legendären Dieter Bierbaum, der mehr als 30 Jahre die Stimme der Fortuna im Rheinstadion war, kommt André noch nicht heran. Aber, wer weiß, vielleicht wird sein Name eines Tages im selben Maße mit der Arena in Stockum verbunden sein. Wir haben ihm die berühmten 5 Fragen gestellt, und er hat ausführlich geantwortet.

Frage: Du hast als Radiomoderator begonnen – was hat dich denn dahin gebracht?
Antwort: Ich bin gelernter Reiseverkehrskaufmann und habe nach der Ausbildung rund zweieinhalb Jahre auf der AIDA gearbeitet. Als Teamleiter habe ich dort erste Moderationserfahrung gesammelt und bin von vielen Gästen auf meine markante Stimme angesprochen worden. Nach einer weiteren Zeit als Bordmoderator auf der AIDA habe ich meine Karriere als Journalist und Moderator beim Neusser Lokalradio NE-WS 89,4 gestartet. In den folgenden Jahren habe ich meinen Schwerpunkt aber mehr auf die Moderation von (Sport-)Events, Messen und Kongresse gelegt.

F: Du bist ja gleichzeitig bekennender Fortuna-Fan und Stadionsprecher – geht das immer so einfach zusammen?
A: Das war zu Beginn für mich nicht immer ganz einfach, weil man seine Emotionen natürlich schon im Griff haben muss. Ich erinnere mich, dass ich in der Anfangszeit mal wutentbrannt in eine Bande getreten habe. Da dauerte es nur wenige Sekunden bis mein Handy klingelte und ich mir einen Einlauf abholen konnte. Als Stadionsprecher gehören Emotionen generell natürlich dazu, dabei ist es aber immer wichtig, dass man sich selbst treu bleibt. Ich finde nichts schlimmer als diesen „Danke–Bitte“-Einheitsbrei, den man überall zu hören bekommt. Als Stadionsprecher gehe ich professionell mit meiner Rolle um. Bei den Auswärtsspielen stehe ich dann aber am liebsten mit meinen Freunden in der Gästefankurve und trinke auch das eine oder andere Bierchen.

F: Du bist ja nicht nur bei F95 am Start, sondern auch bei der DEG und den Rhein Vikings – Wieviel Gestaltungsfreiheit hast du da als Moderator und Stadionsprecher eigentlich?
A: Bei der Fortuna und der DEG sind die Abläufe ähnlich und größtenteils vorgegeben. In der Woche vor dem jeweiligen Spiel werden die Inhalte des Spieltages zusammengetragen. Diese werden anschließend in einen Ablaufplan eingefügt. Mein Job am Spieltag ist es dann, das Programm interessant und abwechslungsreich zu moderieren. Einige Inhalte sind allerdings verkauft oder redaktionell vorgegeben, da bleibt dann wenig Platz für Kreativität. Ich versuche mich aber eigentlich immer einzubringen, um die Abläufe noch reibungsloser zu gestalten. Die Rhein Vikings sind noch ein junger Handball-Club, dem ich mit meiner Erfahrung, besonders bei der Spieltagsorganisation und der Moderation, natürlich sehr helfen kann. Das macht die Aufgabe beim Handball für mich reizvoll.

F: Machen dir eigentlich auch Moderationen außerhalb des Sports Spaß? Wenn ja, welcher Event wäre da dein Liebling?
A: Da die Menschen in Düsseldorf mich insbesondere als Stadionsprecher kennen, werde ich in der Tat vermehrt als Moderator für Sportevents gebucht. In diesem Jahr sind es alleine über zehn Lauf- und Triathlon-Veranstaltungen, die ich begleiten werde, darunter der Metro Marathon und der T3 Triathlon in Düsseldorf. Seit vielen Jahren moderiere ich auch im Auftrag der UEFA den exklusiven VIP-Bereich „Champions Club“ bei den Spielen von Borussia Dortmund. Ich möchte mich aber gar nicht nur in die Sport-Schublade stecken lassen, denn ich moderiere auch viele Firmenevents oder Messen. Großen Spaß machen mir auch immer Moderationen mit Kindern, zum Beispiel im Rahmen des Weltkindertages. Seit drei Jahren arbeite ich mit großer Begeisterung als Versteigerer und bringe Fundsachen unter den Hammer.

F: Welches ist dein ultimativer Moderationstraum, also das Ding, nach dem du beruhigt aufhören könntest?
A: Moderator ist für mich nicht nur der Beruf mit dem ich mein Geld verdiene, sondern ich sehe es als Berufung und Privileg. Es bietet einem immer wieder neue Herausforderungen und unvergessliche Momente. Mein Traum ist es, diesen Beruf noch viele Jahre ausüben zu dürfen. Besonders natürlich meine Aufgaben als Stadionsprecher der großen Düsseldorfer Vereine. Ich könnte jetzt träumen und sagen, wenn Fortuna Düsseldorf Deutscher Meister wird, könnte ich beruhigt das Mikro in andere Hände geben. Aber dann will ich ja auch die Spiele in der Champions League moderieren. Nein, im Ernst, ich kann mir durchaus vorstellen, auch beim Fernsehen vor oder hinter der Kamera zu arbeiten. Allerdings muss man sich immer bewusst sein, was man auch aufgeben würde. Ich bin sehr gespannt, wo der Weg mich noch hinführt. Ans Aufhören möchte ich da noch gar nicht denken.

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