5 Fragen an: Ilja Ludenberg, der Mann, der tief im Düsseldorfer Fußball steckt

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Die meisten Düsseldorfer werden Ilja Ludenberg (48) noch als Stadionsprecher der Fortuna kennen, der anfangs allein und später zusammen mit André Scheidt das Publikum in der Arena mit Informationen versorgte. Tatsächlich ist Ilja aber ein Mann, der tiefer im Düsseldorfer Fußball steckt als die meisten Leute ahnen. Der gelernte Dachdeckermeister hat selbst beim BV 04, bei TuSA 06 und dem TuS Düsseldorf-Nord Fußball gespielt und ist natürlich von Kindesbeinen an Fan der glorreichen Fortuna, der schon früh den Wunsch hatte, diesen Verein ernsthaft zu unterstützen. So wurde er 1997 Fußballobmann der Rotweißen und musste mit der Fortuna durch ihre dunkle Zeit. Danach zog es ihn zu Ratingen 04/19, wo er erstmals als sportlicher Leiter tätig wurde – eine Position, die er ab 2015 zwei Jahre lang beim SV Straelen ausfüllte und seit Dezember 2017 bei der TuRU 1880.

Immer wieder aber war es die Fortuna, die er mit seinem Engagement unterstützen konnte. Zum Beispiel zwei Jahre lang als Team-Manager der Zwoten (U23-Team in der Regionalliga) und volle fünf Jahre als Scout. Iljas Verhältnis zu den jeweiligen Vereinsoberen war nicht immer unproblematisch, denn wenn es gegen seine sportlichen Überzeugungen geht, kann er einigermaßen ungemütlich werden. Deshalb ist die gemeinsame Geschichte von Fortuna und Ilja Ludenberg nicht ganz unproblematisch – was nichts daran ändert, dass F95 sein Herzensverein bleibt. Auch jetzt als sportlicher Leiter bei den Oberbilkern, die immer den Anspruch haben, die Nummer Zwei im Düsseldorfer Fußball zu sein. Wir haben mit Ilja Ludenberg über all diese Themen gesprochen.

Frage 1: Du bist ja ein erfahrener Mann im niederrheinischen und Düsseldorfer Fußball – ist deine Position bei TuRU so etwas wie ein Traumjob?
Ilja Ludenberg: Sportlicher Leiter bei einem etablierten Oberligisten zu sein, kann man in unserer Branche sicher als Traumjob bezeichnen. Dennoch ist das Ganze mit sehr, sehr viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden.
Die Oberliga ist immerhin mittlerweile die zweithöchste Amateurklasse in Deutschland. Streng genommen sogar die höchste, denn in der direkt darüber folgenden Regionalliga spielen in nur fünf deutschlandweit agierenden Gruppen Vereine wie Oberhausen, Essen, Wuppertal, Uerdingen, 60 München, Waldhof, Offenbach etc. Von deren Spielern geht keiner zusätzlich arbeiten. Ergo sind wir gar nicht so weit vom Profifußball weg wie viele meinen. Unser Aufwand bei der TuRU ist enorm. Daher: Traumjob ja, aber mit viel Arbeit.

Frage 2: TuRU galt ja lange als die Nummer Zwei im hiesigen Fußball, momentan sieht es danach nicht so aus – was ist zu tun, damit es mit den Oberbilkern wieder aufwärts geht?
IL: Ich sehe TuRU auch aktuell als die Nummer Zwei im Düsseldorfer Fußball. Wir spielen die 14. Saison am Stück in der Oberliga, das kann kaum einer vorweisen und wird gerne vergessen. Sicherlich stoßen ab und zu mal andere Klubs aus unserer Stadt hinzu, siehe Kalkum-Wittlaer oder der DSC 99, aber leider konnten sie sich nicht lange halten. Der SC West ist auf einem guten Weg, aber die Tradition liegt eben bei der TuRU.
Sicher müssen wir derzeit viel verbessern, gerade im Jugendbereich, dennoch haben wir die Leitungsmannschaften wie U19, U17 und U15 in den Leistungsklassen. Aber wir müssen versuchen diese Teams in den Niederrheinligen zu etablieren. Ein langer und steiniger Weg…

Frage 3: Was ist für die TuRU wichtiger – gutes Scouting oder verstärkte Nachwuchsarbeit?
IL: Für umfassendes Scouting fehlt uns derzeit das Geld und die Manpower. Wie oben schon erwähnt, werden wir viel in die Nachwuchsarbeit investieren. Aus diesem Fundus muss in Zukunft unsere Seniorenabteilung ihre Spieler greifen können. Von daher liegt die Gewichtung eher bei der Nachwuchsarbeit, trotzdem würde ich auch gerne ein paar Scouts installieren, aber das wird erst in Zukunft greifen.

Frage 4: War das Pokal-Aus gegen RWE aus deiner Sicht und mittelfristig betrachtet eher Fluch oder Segen?
IL: Schön ist ein Ausscheiden nie, vor allem wenn man so nah am Sieg war. Aber unsere Mannschaft hat gezeigt, was in ihr steckt. Jetzt muss sie daran glauben, dass alles auch in der Meisterschaft umgesetzt werden kann. Fluch würde ich also nicht sagen, aber die gute Leistung hat es der Mannschaft jetzt nicht einfacher gemacht, da die Ansprüche, auch bei den Spielern selbst, gestiegen sind. Wir hätten gerne das Halbfinale gespielt. RWE spielt jetzt gegen Hiesfeld, das wäre auch eine Chance für uns gewesen ins Finale zu kommen

Frage 5: Dein Herz gehört aber wohl immer noch der Fortuna, oder hat sich durch die Umstände etwas daran geändert?
IL: Als gebürtiger Düsseldorfer mit Eltern, die mit einem schon als Kleinkind im 36er im Rheinstadion gestanden haben, ist man immer Fortune, da gibt es keine zwei Meinungen. Wenn man, so wie ich, 18 Jahre in seinem Heimatverein arbeiten durfte, dann ist das eine Ehre.
Ich möchte nichts missen und werde ein Leben lang Fortune sein, dennoch muss man nicht immer alles gut finden, was dort passiert. Aktuell spielt der personell beste Kader der letzten Jahre, und trotzdem wird der Aufstieg am Ende am seidenen Faden hängen. Vieles im Verein wurde positiv angestoßen, wie das NLZ, der längst fällige Umzug der Geschäftsstelle in die Arena uvm. Was fast auf der Strecke bleibt ist der Fan, der mit Herz bei seinem Verein ist. Der Fortuna fehlen 10.000 Zuschauer im Schnitt zur letzten Aufstiegssaison 2011/12. Da muss der Ansatz sein, herauszufinden, warum das so ist. Man darf gespannt sein, wo die Reise hingeht in den nächsten Jahren…

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1 Kommentar

  1. Gute Aussage zu Fortuna. Mittlerweile wird man ja als kritische Fan geteert und gefedert und unser oberster Übungsleiter ist persönlich beleidigt, wenn man ihn mal kritisch hinterfragt.

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