August 2010: Gleisbauarbeiten an der Corneliusstraße – ein Bericht

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Es kann gut sein, dass die Gleise der Straßenbahn auf der Corneliusstraße schon 50 Jahre auf dem Eisen haben. So sehen jedenfalls die alten Schwellen aus, die gerade fleißige Gleisbauarbeiter ausgegraben haben. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, dass hier schon einmal die Schienen ausgetauscht wurden. Zuständig ist die Firma VolkerRail, die auch bei den Straßenbahnarbeiten rund um unsere neue und sinnlose U-Bahnlinie (Wehrhahnlinie) die Schraubenschlüssel schwingt. Die Aktion reiht sich ein in die Erneuerung der Schienen am Fürstenplatz und der Arbeiten an den Gleisen am unteren Teil der Corneliusstraße. Nun wird also auf einer der meist befahrenen Durchgangsstraßen Düsseldorfs gewerkelt.

Und wenn man Noten verteilen sollte, dann würde es heißen: 2+ für die Bauarbeiter, glatte 5 für die Autofahrer. Dass der Mensch im Inneren einer rollenden Blechkiste entweder naturblöd ist oder während des Fahrens verblödet, sei dahingestellt, aber die Reaktion der Autoisten auf solche Veränderungen am Verkehr ist bestürzend. Das begann schon vor ein paar Wochen damit, dass die Corneliusstraße ab der Bilker Allee für ein Wochenende und ein paar Werktage voll gesperrt war. Diese Sperrung wurde auf großen, beleuchteten Schildern schon auf Höhe des Ernst-Reuters-Platzes, wo Berliner Allee und Oststraße in die Corneliusstraße münden, kommuniziert. Ab der Kreuzung Herzogstraße fanden sich alle paar Meter Schilder, die die Vollsperrung verkündeten. Und was machen die bescheuerten Kistenfahrer? Einen Riesenstau! Weil jedes einzelne Flachhirn an den Schildern vorbeizuckelte und sich dann wunderte, dass es vorne nur langsam weiterging.

Es gibt ja auch diese Spezies Pkwisti, die sich für besonders clever halten. Die fahren in den Stau, malmen mit den Kaumuskeln und/oder hupen und nach einiger Zeit drehen Sie einfach um. Dabei überqueren Sie verbotenerweise die Straßenbahnschienen. Nun kann das dem gemeinen Fußgänger ja latte sein, aber dieses Wenden über die Gleise ist auf der Corneliusstraße Unfallursache Nummer 1 und geschieht wöchentlich einmal. So weit bekannt, ist das aber gut gegangen.

Dumme Autofahrer

Die aktuelle Baustelle findet derzeit – wie gesagt – zwischen Herzogstraße und Fürstenwall statt. Das ist nun für ein paar Leute bisschen blöd. Und zwar die, ähem, Mitarbeiter eines Internetcafés und eines Piercingstudios, die es für ihr Naturrecht halten, direkt vorm eigenen Laden auf der Abbiegespur zu parken. Böse Zungen behaupten, dass sie sich dieses Recht durch, ähem, Freundlichkeit gegenüber den Politessen und -innen erkaufen. Denn abgeschleppt oder mit Knöllchen beschenkt werden die nie. Vor allem nicht der Fahrer des schwarzen Mercedes CLK AMG (12 Zylinder, 6,5 Liter Hubraum), ein junger Mann mit Migrationshintergrund. Was sollten die nun tun?
Sie machten es sich einfach. Am Donnerstag war auf dem Gebiet der ehemaligen Gleise vor dem Bautrupp ein bisschen Platz. Und dort hatte jemand seinen gelben Ferrari abgestellt, und der schwarze CLK stand später dort auch für kurze Zeit.

Wie blöd die Autofahrer sind, zeigte sich auch gestern Abend. Natürlich fährt die Bahn jetzt nicht durch die Corneliusstraße. Dafür gibt es den berühmten Schienersatzverkehr in Gestalt von Bussen. Deshalb muss nun ein Bus aus dem Fürstenwall in die Corneliusstraße abbiegen. Das ist nicht einfach, weil die Baustellenabsperrung die Ecke einengt. Deshalb muss jedes Mal, wenn der Bus naht, ein Bauarbeiter den Fahrer einweisen, der das Monster langsam um die Ecke schwingt. Natürlich bildet sich dahinter ein Stau. Ich kam vorbei und sah, dass sich diverse Lenker tierisch aufregten und einer beständig die Hupe drückte.

Migrantenexkurs: Liebe Mitbürger mit Migrantenhintergrund, seid ihr daran interessiert, dass wir Mitbürger ohne Migrationshintergrund euch respektieren, vielleicht sogar mögen? Gut. Dann ändert bitte euer Fahrverhalten. Das gilt besonders für euren männlichen Teil zwischen 18 und 33. Denn bei denen scheint das Testosteron beim Zusammentreffen mit Benzindunst schwer das Hirn zu schädigen. Beispiel? Am Fürstenplatz (30er-Zone!) gibt es eine Shisha-Bar. Dieser Tage verlieh das Audi Zentrum Nordrhein mehrere A1-Wägelchen für Probefahrten. Einer davon fiel einem Stammgast der Bar in die Hände. Natürlich führte er den Karren seinen Jungs vor. Dann gab er Gas und malte mit quietschenden und rauchenden Reifen einen Halbkreis auf den neuen Flüsterasphalt. Man lachte. Er gab Gas uns sauste mit hoher Geschwindigkeit an der Haltestelle vorbei. Ein Kumpel sprang in seinen Golf und folgte ihm mit Vollgas. Sehen Sie, das macht Ihren Ruf kaputt. Das zu ändern, wäre toll im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit.

Tolle Bauarbeiter

Wie schon angedeutet: Die Arbeiten vollziehen sich äußerst effizient. Nun hat eine in der Nachbarschaft wohnende Privatradioansagerin das Privileg ihres Jobs dazu missbraucht, sich über die lauten Vorgänge unter ihrem Fenster aufzuregen. Ja, die arbeiten auch nachts! Und zwar nicht, liebe Modderatorin, um Ihnen den Nachtschlaf zu rauben, sondern um schneller fertig zu werden. Capisce?

Tatsächlich ist es eine kluge Entscheidung, fast rund um die Uhr die alten Schienen und Schwellen auszubuddeln, die neuen Gleise zu legen und die Zwischenräume zu verfüllen. Das geht momentan mit affenartiger Geschwindigkeit. Und wenn die das Tempo halten können, werden Sie gut 200 Meter Gleiserneuerung in kaum fünf Tagen absolviert haben. Außerdem sind die Mitarbeiter von VolkerRail richtig nett. Man kann mit ihnen plaudern, und sie freuen sich, dass man sie lobt.

Und anschließend werden Sie dann direkt vor unserer Tür wirken. Mal sehen, ob das dann immer noch nett ist…

[Dieser Beitrag erschien zuerst in der „Rainer’schen Post“ vom 15.08.2010]

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