Ach, man könnte dem guten Friedhelm ja ein paar aktuelle Zitate um die Ohren hauen, aber erst nach dem grandiosen Auswärtssieg im Weserstadion kann man seine Aussage verstehen, Wunder ließen sich nicht wiederholen. Gemeint hat er nämlich, dass sein wunderbares Team nicht nur die Saison des angeblichen Wunders hinter sich gelassen hat, sondern auch die Zeit, in der die Fortuna in der ersten Liga Lehrgeld zu zahlen hatte. Das 3:1 gestern war ein Musterbeispiel für praktisch angewendete Fußballtugenden: Konzentration, Lauf- und Kampfbereitschaft, Mut und Teamgeist. Aus diesen Ingredienzien entstand dann – um es mit dem Bundesjogi auszudrücken – högschde Effizienz.

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Scheinexperten Lügen gestraft

Beinahe der schönste Nebeneffekt des Sieges ist, dass Trainerteam und Mannschaft damit den Schreib- und Sprechfinken, die ihr Leben in den Körperöffnungen der sogenannten „Spitzenklubs“ verbringen, so richtig einen reingewürgt hat. Wie war das noch, Kollege Ahrens vom Spiegel? Fortuna auf einem Abstiegsplatz? Genau wie Sie haben einige andere Scheinexperten F95 für das Ende der Saison 2019/20 den Abstieg prophezeit. Kann man ja machen, aber die immergleiche Begründung belegt, dass Sie alle vom modernen Fußball NULL Ahnung haben. Fortuna, so Ihre These, könne den Erfolg der Vorsaison nicht wiederholen, weil mit Raman und Lukebakio die wesentlichen Torschützen weg seien. Erstens haben Sie sich vor lauter Geplapper über das lächerliche FCB-Transfergehampel offensichtlich nicht mit den fantastischen Neuzugängen der Fortuna befasst. Zweitens haben Sie nicht verstanden, wie heute Mannschaften ohne „Superstars“ (deren Qualität nach ihren Maßstäben in Millionen Euro gemessen wird) gegen die Geldsacksöldnertruppen bestehen können.

Die voll verpreezte Hertha hat es ja am Freitag ein bisschen vorgemacht – und dabei eigentlich die Methode F95 aus dem vergangenen November in der Schlauchbootarena nachgeahmt. Man muss nur mit maximaler Leistungsbereitschaft diese Superstars zustellen, ja, ganz altmodisch in Manndeckung nehmen. Gepresst wird im Fußball des Jahres 2019 eh ganz weit vorne; wenn beide Gegner das machen, kommen solch öde Partien zustande wie gestern zwischen BMG und S04. Der SV Werder Bremen mit seinem ziemlich sympathischen Trainer hatte aber einen anderen Plan: Überrennen! Hätte auch beinahe geklappt, denn die rotweiße Defensive wirkte anfangs leicht desorientiert und erlaubte es den Fischköppen immer wieder von der Grundlinie zu Flanken oder über die Ecken in den Sechzehner einzudringen. Da brannte der Baum aber erheblich.

20 Minuten brennender Baum

In der 4. Minute hätte es schon hinter Zack Steffen rappeln können. Das Tor in der 11. wurde zurecht wegen Abseits nicht anerkannt, und der lange Neubremer mit der Pläte hatte die Führung auf derselben. In den ersten zwanzig Minuten hatte die Fortuna keine Schnitte, und wenn sich die nominellen Offensivkräfte nicht so engagiert in die Verteidigung eingemischt hätten, wäre es sich zu noch mehr Chancen für die Grünweißen und wohl auch zu Toren gekommen. Und dann eben dieser Zack! Was zu halten oder abzuwehren war, hielt er oder wehrte er ab. Einen minimalen Patzer bei immerhin 25(!) Torschüssen der Hausherren bügelte er selbst aus. Und dann war da noch die Sache als er im Kuddelmuddel bereits geschlagen war, das Ei Richtung Torlinie kullerte und Zimmermann das Ding nicht einfach wegdrosch, sondern sauber ausspielte und sogar eine Art Attacke einleitete.

Olle Friedhelm freut sich über seine kaltschnäuzigen Jungs

Olle Friedhelm freut sich über seine kaltschnäuzigen Jungs

Zugegeben, mit der Startaufstellung, die das Wundertrio im Coaching-Bereich angerichtet hatte, konnten manche F95-Freunde wenig anfangen. Statt der neuen Wunderstürmer kamen vorne Rouwen Hennings und Kenan Karaman zum Einsatz, offensiv unterstützt von Erik Thommy und Markus Suttner als hängende Außenstürmer. Den Außenverteidigern der nach Anfangsschwierigkeiten soliden Vierkette, Niko Gießelmann und Matthias Zimmermann, bot sich wenig Gelegenheit zur Spieleröffnung, während Kaan Ayhan und Andre Hoffmann die Mitte gut zumachten. Weil mit Lewis Baker und Alfredo Morales zwei vom Typ her ähnliche Mittefeldler zu Werke gingen, die sich in ihren Rollen abwechselten, entstand letztlich ein 4-4-2 mit Raute.

Zack, der Held des Spiels

Normalerweise ernennt man ja gern die Torschützen zu den Männern des Spiels. So beherzt auch Hennings, Karaman und Ayhan die Buden machten, Held des Spiels war eindeutig Steffen. Gestern wurde klar, weshalb der Kerl Keeper der US-Nationalmannschaft ist und von Manchester City verpflichtet wurde. Stellungsspiel, Reflexe, Strafraumbeherrschung – alles erste Sahne. Ein „mitspielender“ Tormann ist er jedoch nicht, aber das kann ja noch werden. Herausheben aus dieser Killerbande, die den Bremern eiskalt und ohne Betäubung den Zahn zogen, muss man aber auch die Neuzugänge Thommy und Baker. Vielleicht war der gute Erik, den die doofen Stuttgarter nicht mehr wollten, sogar der gefährlichste Stürmer unter allen 22 Akteuren. Der war überall, hatte immer das Auge für die Kollegen und zeigt sich als Vorbild was den Einsatz angeht. Und dieser Chelsea-Mann, der Wanderpokal unter den englischen Talenten, zeigte sich gestern an der Weser in voller Schönheit. Der ist körperlich dermaßen präsent, dass er notfalls auch mal durch den Gegner durchrennt; und schießen kann er auch.

Und das alles gegen eine Mannschaft voller Talente, die wirkte wie ein PS-starkes Auto auf nur halb aufgepumpten Slicks. Wie sehr die selbst nach dem Ausgleich durch den Wind waren, zeigte die Entwicklung zum 2:1 durch Kenan Karaman. Die Bremer irrten durch die eigene Spielfeldhälfte, die Stürmer waren gleich lieber vorne bei Steffen geblieben, und fünf Fortunen hatten Platz ohne Ende. Ausgangspunkt war ein Bremer Langholz, das Gießelmann auf seiner Seite nach vorne zurückgab. Die Pille landete bei Baker, der auf Thommy, der wiederum perfekt auf Karaman legte, der nicht sehr genau, aber hart abzog und den grünweißen Tormann blöd aussehen ließ.

Verpennt aus der Kabine

Allerdings stand auch der Ausgleich durch die Bremer kurz nach der Pause stellvertretend für eine negative Eigenschaft der F95-Truppe, die diese schleunigst ablegen sollte. Es gab Gehampel im Strafraum, aber statt dem Ball einfach rauszuhauen, fummelte sich Zimmermann nach außen und ließ sich das Ding abnehmen. Die Kollegen – in der Annahme, die Sache sei durch – standen unsortiert im Sechzehner und, schwupps, haute ein Bremer per Flugkopfball die Pille ins Gehäuse. Wie auch in der vergangenen und stärker noch in der letzten Zweitligasaison kamen die Burschen in Rot leicht verpennt aus der Kabine und brauchte einige Zeit sich wieder zusammenzureißen.

Schauen wir uns die Tore einmal in der richtigen Reihenfolge an. Schon das 1:0 war ein Symbol für eine Veränderung der heutigen Fortuna gegenüber den Vorjahren. Ja, Hennings steht nicht mehr dauernd mit dem Rücken zum Tor. Nein, Hennings wuselt nicht mehr bloß um die gegnerischen Verteidiger herum. Jau, dieser Rouwen steht da und agiert so wie ein Knipser! Karaman hatte das Ei von rechts in die Mitte gelegt, wo zwei Bremer einen auf Slapstick machten, sodass Hennings das Leder ungestört annehmen konnte. Ein Drehung, ein Schuss – Tooooor! Kann es sein, dass wir die Wiederauferstehung unserer Nr. 28 als Dauertorschütze erleben werden? Ja, kann sein…

Fortuna kann doch Standards

Bleibt noch das 3:1, das alle Wiederkäuer Lügen straft, die immer noch glauben, die Fortuna könne keine Standards. Die Ecke, getreten durch Herrn Thommy, kommt perfekt auf den Elferpunkt, wo Ayhan mit beiden Füßen abspringt, hoch über Freund und Feind steigt und den Ball mit einem perfekten Kopfstoß sicher in die Maschen ballert. Nicht vergessen sollten wir die Einwechselspieler, wobei von denen eigentlich nur Thomas Pledl (in der 76. für Thommy gekommen) einen nachhaltigen Eindruck hinterließ, weil er das wirbelwindige und seitenwechselnde Spiel seines Vorgänger beinahe 1:1 nachmachte und für einige Unruhe beim Gegner sorgte. Zuvor war in der 68. – also nach dem 3:1 – Marcel Sobottka für Karaman gekommen, um so die Absicherung zu verstärken, was ihm auch gut gelang. Über die Einwechslung von Oliver Fink in der 85. für Hennings gibt es wenig zu sagen.

Schaut man sich die offizielle Statistik an, war Fortuna Düsseldorf den Gastgebern in jedem Belang unterlegen außer in einem: der Laufbereitschaft. Auch wenn die Fortunen in Summe nur wenig mehr rannten als die Bremer, war ihr Laufspiel zumindest einen Hauch intensiver. Die Grünweißen aber hatten nicht nur mehr als zwei Drittel der Zeit die Pille in Besitz, sondern lagen auch bei der Zweikampfquote mit mehr als 60 zu knapp unter 40 Prozent vorne. Auch das Eckenverhältnis von 14 zu 5 sprach für die Hausherren. Deshalb lagen die beiden Trainer in ihrer Gesamteinschätzung goldrichtig, denn auch die Statistik deutet an, dass F95 einfach nur hocheffizient agierte.

Ein Fanclub namens "Retefortäng"...

Ein Fanclub namens „Retefortäng“…

Das alles beobachtet im möglichen neuen Hautquartier der „Expertenrunde“, die nach einer heimatlosen Saison wieder einen festen Platz braucht. Die Bar Retematäng an der Ratinger Straße gleich gegenüber vom Füchschen war rotweiß gefüllt, die Stimmung prächtig, und einen eigenen Fanclub namens „Retefortäng“ haben sie dort auch. So kann man sich Auswärtsspiele geben, zu denen man aus diesem oder jenem Grund nicht anreisen kann. Als das 1:0 fiel, wurde es besonders laut, denn für einen Moment war die glorreiche Diva tatsächlichen Tabellenführer – der Schlachtruf „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ ging nahtlos in den Gesang „Europapokal, Europapokal, Eu-ro-pa-pokal!“ über. Aber, wie sagte olle Funkel: Auf Wunder sollten wir nicht setzen.

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3 Kommentare

  1. Den Dummschwätzer vom Spiegel kannte ich noch nicht, habe ich wohl auch nichts verpasst. Ja, die selbsternannten Experten. Das Tor von Hennings war abgezockt, er hatte beide Bremer schön ins Leere rutschen lassen und dann das Ding reingehämmert. Das 2:1 war doch gut herausgespielt, das 3:1… endlich mal wieder einen Spieler bei uns, der Ecken und Freistöße präzise und gefährlich spielen kann.

    Klar gab es auch für uns glückliche Momente, aber das gehört dazu und kommt sicher auch mal wieder anders herum. Dass die Truppe nach dem verhandelten 1:1 aber gleich wieder den Spieß umdreht, hat nichts mit Glück zu tun. Wenn man dann noch bedenkt, wer gestern alles noch nicht dabei war, damit sollte der Abstieg auch diese Saison vermieden werden können. Wird sich dauern, bis rechnerisch alles klar sein wird, aber als feststehender Absteiger alà Spiegel sehe ich uns nicht. Kann zwar passieren, aber der Spiegel-Schwätzer sollte nicht recht haben.

  2. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig sich diese Experten mit Fortuna beschäftigen. Das ist immer nur ein leeres Geblubber mit Alibiwissen und ein, zwei Namen, die ihnen dann einfallen (Lukebakio, Raman). Fortuna ist und bleibt ein Underdog, den keiner auf dem Schirm hat. Man muss sich nur einmal diese Fanumfrage nach dem Werder-Spiel unter den Fischköppen anschauen. Die kennen Fortuna überhaupt nicht…

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