Bericht · Standing Ovation im Kom(m)ödchen. (Nicht nur) Martin Maier Bode ist gerührt an diesem Abend: „Das ist heute das erste Mal seit acht Monaten, dass wir hier auf der Bühne stehen.“ Und wie! Spielfreude pur. Das ist es doch, was alle so vermisst haben: Irgendwas mit Menschen. „Die Autoren musste noch mal kräftig ran“, erzählt Elke Lorentz am Bühneneingang, während Hausherr Kay Lorentz höchstpersönlich am Eingang kontrolliert, ob sein einströmendes Publikum getestet oder durchgeimpft ist. Es darf wieder gelacht werden, aber die Regeln müssen eingehalten werden: 90 statt 203 Zuschauer, 1,50 Meter Abstand zwischen den Sitzen, Komplettaustausch der Saalluft alle fünf Minuten. [Lesezeit ca. 3 min]

Unterstützt TD! Dir gefällt, was wir schreiben? Du möchtest unsere Arbeit unterstützen? Nichts leichter als das! Unterstütze uns durch das Abschließen eines Abos oder durch den Kauf einer Lesebeteiligung – und zeige damit, dass The Düsseldorfer dir etwas wert ist.

Rasch noch ein Getränk von der Bar zum Mitreinnehmen, dann geht das Stück von Dietmar Jacob, Christian Ehring und Martin Maier-Bode unter der Regie von Hans Holzbecher in 70 Minuten ohne Pause über die Bühne. Im Corona update zusammengestrichen und aktualisiert. Passt! Prima sogar! Geht es doch um eine Rede zur Abi-Feier. Immer aktuell, schon unter normalen Umständen schwierig, in Pandemie-Zeiten noch schlimmer, da kommen ja noch jede Menge Themen dazu.

Wieder was mit Menschen, aber auf Abstand (Foto: I. Hufschlag für TD)

Wieder was mit Menschen, aber auf Abstand (Foto: I. Hufschlag für TD)

Die Fenster im Gymnasium sind immer noch kaputt: „Da hat sich schon vor Corona-Zeiten niemand drum gekümmert.“ Und jetzt? Die Abiturienten sind ausgebüchst. Nach Amsterdam. Risikogebiet! War schon früher gefährlich: „Da gibt’s doch überall Stoff.“ Nicht nur Poffertjes, weiß Daniel Graf, der seinerseits gern an der Flasche mit der blauen Matritzenflüssigkeit schnüffelt.

Im Juni und Juli fährt das Kom(m)ödchen noch sein Notprogramm. Die nächsten Aufführungen von Irgendwas mit Menschen sind am 7., 8. und 9. Juli. https://www.kommoedchen.de/spielplan/crash-ein-drama-in-vier-fenstern/ ist am 10., 15. und 16. Juli zu sehen. Dazwischen gibt’s noch „Quickies“. Ab 17. Juli ist Theaterpause bis einschließlich 10. August. Ab Herbst stehen dann auch Veranstaltungen im Robert-Schuhmann-Saal auf dem Programm, unter anderen mit Christian Ehring und Mathias Richling. Tickets: 0211-329443, www.kommoedchen.de

Das Ensemble sprudelt vor Spielfreude… (Foto: I. Hufschlag für TD)

Das Ensemble, endlich losgelassen, sprudelt nur so vor Spielfreude. Und das Publikum geht gerne mit, freut sich über das Wiedersehen von Heiko Seidel als Thermomix, der sich freut, nun endlich wieder seinen heißen Toaster lieben zu dürfen. Es geht Schlag auf Schlag, wenn Seidel in Elvis‘ Schlaghose steigt und Maier-Bode in der Lederhose als Hitler auftaucht, und auch noch beide zufällig in Bielefeld wohnen. Lauter Geister von gestern, die Graf aus der Matritzen-Flasche holt, ebenso wie die tief philosophische Erkenntnis: „Alles Wissen ist im Tafellappen, weil er alles in sich aufgesogen hat.“ Damit ist er sogar besser und witziger als Alexa.

Schlussendlich finden alle wieder nach Hause, wo Maike Kühls Klagelied „Ich bin eine Mutter“ jetzt noch mehr Trost und Zuversicht spendet: „Das Leben nicht nur Sonnenschein“. Egal, „ich bin da und crem‘ dich ein.“

Vielleicht wird man die Pandemie hier und da ja sogar vermissen: „Muss ich Weihnachten wieder mit der Familie feiern, oder darf ich in Isolation?“ Abwarten. Darin haben wir ja jetzt Übung. Im Notfall wird das Programm eben nochmal umgeschrieben. Hauptsache, wir machen wieder irgendwas mit Menschen.

„Schön, dass wir uns sehen. War ja auch verdammt lange her. Wir haben vorher ja nur leere Sessel bequatscht“, freut sich Meier Bode eine gute Woche später. Während des Lockdowns hatte sich das Kom(m)ödchen mit seinem neuen Programm „Crash“ per Streaming aus vier (Bildschirm-)Fenstern gehängt. Macht es auch noch weiter, weil so die volle Zuschauerzahl erreicht werden kann. Kay Lorentz: „Mit Crash bringen wir Theater ins Netz und das Netz ins Theater.“ Aber jetzt guckt das Ensemble nicht mehr ins Leere, sondern in ein fröhliches Publikum. Ein fachkundiges dazu. Als der Name Konrad Zuse fällt, dem Erfinder des Computers Z1, kommen die Lacher aus der jungen und der alten Ecke.

Antworten